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Zum Sterben schön

Die Essstörung Anorexia nervosa, das Körperbild und seine Bedeutung für die Identität

Zum Sterben schön
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Berit Zemke
  • Abgabedatum: Januar 2005
  • Umfang: 124 Seiten
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
  • Originaltitel: Die Essstörung Anorexia nervosa, das Körperbild und seine Bedeutung für die Identität - Mehr als nur ein Ideal im Kopf
  • Bibliografie: ca. 128
  • ISBN (Buch): 978-3-8366-5448-7
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0448-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zemke, Berit Januar 2005: Zum Sterben schön, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Körperbildstörung, Psychologie, Körperwahrnehmung, Multiple Regressionsanalyse, Jugendpsychiatrie

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Diplomarbeit von Berit Zemke

Einleitung:

Die Körperbildstörung gilt als zentraler Bestandteil einer Essstörung. Forschung dazu zeigt Ergebnisse, die schwer von denen an gesunden Probandinnen abgrenzbar sind. Wo die Unterschiede liegen und welche Parameter das Konstrukt Körperbild beinhaltet sind Gegenstand dieser Arbeit.

Ausgehend von einem Modell, welches die Komplexität des Körperbildes verdeutlicht wird der Maltest entwickelt, welcher quantitativ und qualitativ Parameter des Körperbildes erfasst. Eine Stichprobe von 17 Patientinnen mit Anorexia nervosa und 95 gesunden Schülerinnen im Alter von 11 bis 19 Jahren dient als Konstruktionsgrundlage.

In der Anwendung ist der Maltest eines der Instrumente zur Prüfung der Zusammenhänge der Körperbildebenen und ihrer Ausprägung in der obigen Stichprobe. Die Bildung von ‚matched samples’ sichert die Überprüfung der Unterschiedshypothesen ab.

Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, was Inhalt der Körperbilder von an Anorexia nervosa erkrankten einerseits und gesunden Schülerinnen andererseits ist und was die Unzufriedenheit mit der eigenen Figur fördert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen mit Anorexia nervosa trotz des mageren Körpers höhere Unzufriedenheit mit ihrer Figur aufweisen als die gesunden Schülerinnen, welche sich auch unzufrieden zeigen.

Die Patientinnen mit Anorexia nervosa begehren einen kindlich schmalen Körper, welcher eher einem innerpsychischen Selbstbild entspricht. Die gesunden Schülerinnen dagegen spiegeln in ihren Idealbildern den gesellschaftlichen Konsens eines dünnen, aber weiblichen Körpers wieder.

Hinsichtlich der Idealbilder und dem Ausprägungsgrad an Unzufriedenheit mit der Figur unterscheiden sich gesunde präpubertäre Mädchen nicht von gesunden pubertären bzw. postpubertären Schülerinnen; realistisches Übergewicht spielt dabei keine Rolle.

Anhand einer multiplen Regressionsanalyse zeigt sich, dass ein sehr schmales Idealbild mit hohem Schlankheitsstreben und Angst vor dem Erwachsenwerden im Zusammenhang steht. Die in diesem Kontext steigende Unzufriedenheit mit der Figur kann zu bulimischen Verhalten und erhöhter körperlicher Aktivität und somit zu einer Essstörung führen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 9
2. Theoretischer Rahmen 10
2.1 Körperbild 11
2.1.1 Definition 11
2.1.2 Theoretische Konzepte 12
2.2 Anorexia nervosa 14
2.2.1 Definition und Klassifikation 14
2.2.2 Epidemiologie 16
2.2.3 Entwicklungspsychiatrischer Verlauf 17
2.3 Körperbildstörung 19
2.3.1 Definition 19
2.3.2 Unzufriedenheit mit der Figur 20
2.3.3 Körperbildstörung bei Kindern und Jugendlichen 21
2.3.3.1 Stand der Forschung 22
2.3.4 Körperbildstörung bei Anorexia nervosa 24
2.3.4.1 Stand der Forschung 25
2.4 Instrumente zur Erfassung der Körperbildstörung 28
2.5 Fragestellung 31
2.5.1 Hypothesen 32
3. Methoden 35
3.1 Pilotstudie 36
3.2 Untersuchungsdesign 36
3.2.1 Beschreibung der Stichprobe 37
3.2.1.1 Kontrollstichprobe 38
3.2.1.2 Anorexia nervosa Stichprobe 39
3.3 Messinstrumente 41
3.3.1 Maltest 41
3.3.2 Contour Drawing Rating Scale 43
3.3.3 Eating Disorder Inventory 45
3.3.4 Sportstunden 47
3.3.5 Gewicht und Körpergröße 47
3.3.6 Zeichenzensur 47
3.3.7 Grafisches 80 mm Rating 48
3.3.8 Fragebogen zu Stärken und Schwächen 48
3.3.9 Seiltest 49
3.6 Versuchsablauf 49
3.7 Statistische Verfahren 50
4. Ergebnisse 52
4.1 Deskriptive Statistik 52
4.1.1 Bildung und Beschreibung der ‚matched samples’ 52
4.1.2 Kennwerte der abhängigen Variablen Unzufriedenheit mit der Figur 55
4.1.3 Kennwerte der abhängigen Variablen Idealbild 58
4.1.4 Kennwerte der unabhängigen Variablen Body-Mass-Index 61
4.1.5 Kennwerte der unabhängigen Variablen sportliche Aktivität 63
4.1.6 Kennwerte der Kontrollvariablen Stimmung und Hunger 66
4.1.7 Kennwerte der Prädiktorvariablen 69
4.2 Konstruktion des Maltests 71
4.2.1 Retestreliabilität 71
4.2.2 Konstruktvalidität 72
4.2.2.1 Differentielle Validität 72
4.2.2.2 Konvergente Validität 73
4.3 Hypothesenprüfung 75
4.3.1 Unterschiedshypothesen 75
4.3.1.1 Abhängige Variable Unzufriedenheit mit der Figur 76
4.3.1.2 Abhängige Variable Idealbild 77
4.3.1.3 Faktor Entwicklungsstatus und Unzufriedenheit mit der Figur 78
4.3.1.4 Entwicklungsstatus und Idealbild 79
4.3.2 Zusammenhangshypothesen 79
4.3.2.1 Multiple Korrelationen mit den EDI Skalen 80
4.3.2.2 Sportliche Aktivität und Unzufriedenheit mit der Figur 84
4.3.2.3 BMI und Unzufriedenheit mit der Figur 85
4.3.2.4 Sportliche Aktivität und Idealbild 86
4.3.3 Kontrollvariablen Hunger und Stimmung 87
5. Diskussion und Ausblick 88
6. Zusammenfassung 99
Literaturverzeichnis 100
Anhang 111

Textprobe:

Kapitel 2.2.1, Definition und Klassifikation:

Aus psychodynamischer Sicht wird die Abmagerung als Ausdruck eines seelischen Konfliktes verstanden. Essen und Erbrechen sind somit nicht einfache physiologische Vorgänge, sondern Kommunikationsabläufe zwischen Mutter und Kind in frühester Kindheit. Die Kriterien nach ICD-10 für die Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie nach DSM-IV können der Tabelle 1 entnommen werden. Für das DSM-IV gibt es keine spezielle, für Kinder und Jugendliche etablierte Ausgabe. Wohl als Folge der uneinheitlichen Abgrenzung der Begriffe Körperbild und Körperschema sowie deren englische Äquivalente ‚body image’ und ‚body schema’ differieren auch die Diagnosemanuale in ihrer Terminologie. Die Kriterien zu einer Körperbildstörung sollen in das DSM-IV erst 1992 aufgenommen worden sein.

Das Verhältnis der Betroffenen zum eigenen Körper ist offensichtlich sehr gestört und wird in der Literatur i. d. R. als Körperbildstörung bezeichnet. Im DSM-IV wird dieser Erlebensaspekt deutlicher betont. Die verzerrte Wahrnehmung in Form einer Körperschemastörung, wie sie in den Erläuterungen des ICD-10 beschrieben ist, wird als typisches Merkmal einer Essstörung inzwischen kontrovers diskutiert 15. Die Gewichtsphobie wird im DSM-IV separat aufgeführt und nicht - wie im ICD-10 - mit der gestörten Selbstwahrnehmung zusammengefasst. Die Nahrungsverweigerung, wie sie im ICD-10 explizit erwähnt ist, führt neben der - bis zur Kachexie führenden - Gewichtsabnahme u. a. zu Amenorrhö, chronischer Obstipation, Hypokaliämie, erniedrigter Körpertemperatur, trockener Haut sowie brüchiger Haare und Nägel. Es kommt zur Lanugobehaarung; Nase, Kinn, Beine und Arme verfärben sich bläulich, das Körperwachstum bei Patienten / -innen vor dem Erwachsenenalter ist beeinträchtigt.

Mit dem Essen wird teilweise auf überraschend bizarre Weise umgegangen. Betroffene horten Essen, lassen es verfaulen, stehlen Lebensmittel, ritualisieren ihr Essverhalten und kochen viel für Freunde und/oder die Familie, ohne sich selbst an der Nahrungszufuhr zu beteiligen. Die im DSM-IV beschriebene Verleugnung der Schwere der Krankheit führt zu schwerwiegenden chronischen Verläufen, die bis zum Tode führen können. Überdies wird die, aus der geringen Nahrungszufuhr resultierende Schwächung des Körpers ignoriert und stattdessen motorische Überaktivität ausgelebt. Der Hunger wird verdrängt, was die Betroffenen unabhängig von ihren körperlichen Bedürfnissen macht und ihnen das Gefühl von Kontrolle vermittelt. Beide Manuale unterscheiden zwischen dem restriktiven und dem bulimischen Typ einer Anorexia nervosa, wobei das ICD-10 dabei konsequenter vorgeht, indem es jedem einen Diagnose-Schlüssel zuordnet. Beumont & Touyz weisen in diesem Zusammenhang energisch auf die „Verharmlosung der Magersucht“ hin, wenn beide Typen subsumiert werden. Nach Herpertz-Dahlmann geht der restriktive Typ dem bulimischen Typ fast immer voraus. Differentialdiagnostisch werden im ICD-10 außerdem Appetitverlust und psychogener Appetitverlust angegeben.

Kapitel 2.2.2, Epidemiologie:

Anorexia nervosa wird in Deutschland als Pubertätsmagersucht bezeichnet, was ihren entwicklungspsychiatrischen Charakter besser wiedergibt. Die 17 Erkrankungsgipfel für die Anorexia nervosa werden zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr angegeben, in aktueller Literatur wird in diesem Zusammenhang das 14. Lebensjahr genannt. Heranwachsende Mädchen und junge Frauen sind von der Störung weit häufiger betroffen als Jungen und junge Männer. Genaue Prävalenzraten sind aufgrund verschiedener Diagnosekriterien und differierenden untersuchten Populationen schwer zu erstellen. Für die westlichen Industrienationen scheint gesichert, dass die Häufigkeit der Erkrankung in den letzten Jahren bei der Altersgruppe der 15 – 24-jährigen Frauen zunimmt. Vor 10 Jahren wurde lediglich eine Erkrankte pro Jahrgang registriert, heute gibt es in jeder Klasse mit einer guten Regelmäßigkeit „mindestens eine manifest anorektische oder bulimische Schülerin, bei der die Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Pädagogen um diese Erkrankung wissen“.

Die Prävalenzrate in Deutschland liegt nach Schätzungen zwischen 0,3 % und 1,5 %. Hoffmann & Hochapfel sprechen von bis zu 10 % der Fälle, in denen die Krankheit zum Tode führt. In manchen Untersuchungen findet sich die Auffassung, dass die Anorexia nervosa eine Störung innerhalb der westlichen Kultur wäre. Keel & Klump (2003) fanden Fälle von Anorexia nervosa überall auf der Welt und bemerken, dass es die Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht, ein sehr dünnes Ideal-Körperbild in einer Kultur zu haben, die alleinige Ursache dafür ist es jedoch nicht. Fasten stellt ebenso ein politisches Druckmittel dar und ist bereits als innerfamiliäre Konfliktlösung aus dem 13. Jahrhundert bekannt. Angehörige von Berufen, welche permanent mit dem Idealkörper konfrontiert werden (z. B. Model oder Leistungssportler), gelten allerdings als Risikogruppe.

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Arbeit zitieren:
Zemke, Berit Januar 2005: Zum Sterben schön, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Körperbildstörung, Psychologie, Körperwahrnehmung, Multiple Regressionsanalyse, Jugendpsychiatrie

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