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Textprobe:
Kapitel 6., Nicht-materielle Anreize für Profifußballer:
Die Lust am Fußball spielen ist der wichtigste Faktor der Leistungsmotivation. In einer Befragung der Universität Münster erklärten sämtliche befragten Spieler und Ex-Spieler, dass der Spaß am Fußball der Grund für die Entscheidung Profifußballer zu werden war. Dies lässt auf eine äußerst ausgeprägte intrinsische Motivationsneigung schließen. In den folgenden Abschnitten werden nun die nicht- materiellen Einflüsse erläutert, die einen Anreiz auf die Leistungsbereitschaft des Spielers ausüben können.
Kapitel 6.1, Spielerspezifische Anreize:
Kapitel 6.1.1, Erfolg:
Auf die Frage wodurch sie persönlich zu sportlicher Höchstleistung motiviert werden, gaben alle Interviewpartner in der Befragung den inneren Drang nach sportlichem Erfolg an, dem unabhängig von monetärer Vergütung nachgegangen wird. Um die Begrifflichkeit aus dem Kapitel 3.1 zu verwenden, entspricht der Drang nach Erfolg einer je nach Spielertypus unterschiedlich stark ausgeprägten Machtmotivation.
Motivation und Erfolg stehen nicht nur im Profifußball in unmittelbarer Abhängigkeit zueinander. Der Erfolg wird als Folge der Motivation angesehen und wirkt wiederum als Anreiz, das nächste Erfolgserlebnis zu erreichen. Leistungsbereitschaft hängt auch von der Wahrscheinlichkeit des Erfolges ab.
Ebenso wird die Wahrscheinlichkeit des Erfolges durch die Leistungsbereitschaft beeinflusst. Eine zu pessimistische Einschätzung der aktuellen Situation erzeugt eine demotivierende Wirkung, während allein der Glaube an den Erfolg der wichtigste Schritt zur Erreichung desgleichen ist.
Der Fußballsport veranschaulicht dieses Naturgesetz überdeutlich. „Sieger gewinnen Energie, Verlierer geben solche ab. Eine Niederlage ist mehr als nur ein Punktverlust. Das zeigt sich besonders in Perioden von Niederlagenserien. Es zehrt an den Nerven, dem Selbstvertrauen und schwächt die Kondition. Erfolgsserien dagegen entfachen neue Energie“.
Steigendes Selbstvertrauen und erhöhte Motivation beschränken sich allerdings auf Spieler, die maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben. Nicht zum Einsatz gekommene Ersatzspieler freuen sich in der Regel zwar über den Erfolg der Mannschaft, können sich jedoch nicht wirklich mit dem Erfolg identifizieren und profitieren somit nicht vom positiven Motivationseffekt. Eine „Selbstbekräftigung der eigenen Fähigkeit wird nur dann erfolgen, wenn sich das Individuum als selbst verursachend für den Handlungsausgang erlebt“.
Schwache Leistungsbereitschaft aufgrund mangelnden Leistungsstolzes, beschreibt Jürgen Rollmann in seinen Memoiren. Mit seinem Wechsel vom FSV Frankfurt zu Werder Bremen erlangte der ehemalige Torwart zwar finanzielle Unabhängigkeit, doch fehlte ihm als ständiger Ersatztorhüter die Identifikation mit dem Erfolg, da kein messbarer Eigenanteil darin zu erkennen ist. Die fehlende Identifikation führt zu einer Abnahme der Leistungsmotivation, was Rollmann treffend mit seiner gedanklichen Abwesenheit in vier von fünf Trainingseinheiten beschreibt.
Eine Möglichkeit die Ersatzspieler in den Identifikationsprozess mit einzubeziehen, ist der Einsatz des Rotationsprinzips. Nach dieser Philosophie lässt der Trainer immer mal wieder eine neue Anfangsformation auflaufen. Auf die Mannschaft hat das Prinzip neben der gesamtmannschaftlichen Identifikation mit dem Erfolg einen weiteren, positiven Effekt. Wenn keiner oder wenige Spieler „gesetzt“ sind, existiert innerhalb der Mannschaft ein stärkerer Konkurrenzkampf, der wiederum die Spieler zu Höchstleistungen im Training anspornt, um in der Startelf berücksichtigt zu werden. Druck als extrinsischer Anreiz kann bei Spielern die Motivationslücke also schließen.
Damit jedoch das Rotationsprinzip dem sportlichen Erfolg nicht zum Verhängnis wird, bedarf es einem qualitativ ausgeglichenen Kader. Der ehemalige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld formulierte dazu passend, dass die Motivation der Spieler die starke Ersatzbank des FC Bayern sei. Als großer Verfechter dieses Prinzips, gelang es ihm, innerhalb seiner mit Stars gespickten Mannschaft Akzeptanz für eine immer wiederkehrende Rotation im sportlichen Interesse des Vereins zu schaffen. Das Resultat war der bisher einzige Champions- League Sieg der Bayern in der Saison 2000/2001.
Die Anreizwirkung des sportlichen Erfolgs ist folglich ein Produkt aus der individuell unterschiedlich ausgeprägten Leistungs- und Machtmotivation, dem vom Erfolg abhängigen Selbstvertrauen sowie dem vom Umfeld herangetragenen Erfolgsdruck. Der persönliche Erfolg hat einen wesentlichen Einfluss auf den Status und die sportliche Perspektive des Spielers.
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