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Anreize im Profifussball

Instrumente und Mechanismen

Diplomarbeit
Diplomarbeit von Jan Schmitt ; Abgabe Januar 2007; 86 Seiten, 723,3 KB ; Note 1,3; Sprache Deutsch
Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
Originaltitel: Die Anwendbarkeit von betrieblichen Anreizsystemen auf dem Profifußballbereich
Literatur- und Quellenangaben: ca. 90
Inhaltsangabe, Inhaltsverzeichnis und Textauszüge:

Einleitung:

Im Prinzip ist Fußball ein einfacher Sport: Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt die bessere Mannschaft oder die Deutschen, wie der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker feststellte.

In den europäischen Ligen setzen sich mit ziemlicher Regelmäßigkeit die großen, finanzstarken Vereine durch, was wohl an dem Fakt liegen könnte, dass es gute Spieler immer wieder zu diesen Vereinen zieht. Auf dieser Gesetzmäßigkeit aufbauend, stellt sich die Frage nach den Mechanismen, denen Profifußballer bei einer Vertragsunterschrift folgen.

Doch Fußball wäre nicht so ein faszinierender Sport, wenn es nicht bisweilen „kleineren“ Vereinen gelänge, entgegen allen Erwartungen über die „großen“ Mannschaften zu triumphieren. Man denke hierbei an das Jahr 1999, in dem der 1.FC Kaiserslautern als Aufsteiger kommend, den Meistertitel in der Bundesliga erringen konnte. Obwohl die Mannschaft sicherlich nicht über die qualitativ hochwertigsten Spieler in der damaligen Saison verfügte, gelang es ihr trotzdem mit einer unbändigen Leidenschaft und dem absoluten Willen zum Sieg, die spielerischen Defizite ausgleichen zu können.

Gang der Untersuchung:

Im Rahmen der Diplomarbeit sollen daher folgende Fragestellungen untersucht werden: Welche Anreize sind im Profifußball bei der Personalbeschaffung ausschlaggebend? Welche Anreize beeinflussen im Profifußball die Motivation der Spieler? Um diesen Fragen fundiert nachgehen zu können, muss der Wirkungsweise von Anreizen im Profifußball eine Theoriebasis zu Grunde gelegt werden, mit deren Hilfe die Anreize kategorisiert und differenziert werden können. Ein Transfer der betrieblichen Anreizsystemlehre auf den Profifußballbereich ist hierbei die geeignetste Vorgehensweise.

Im Gegensatz zum Amateurfußballbereich verfolgen moderne Profisportvereine betriebswirtschaftliche Interessen und können so mit klassisch strukturierten Wirtschaftsunternehmen verglichen werden. An Stelle der betrieblichen Geschäftsführung ist es im Profifußball die Vereinsführung, welche im Sinne der Personalwirtschaft Arbeitskräfte beschafft und diese, so zumindest der Anspruch, durch zielgerichtete Maßnahmen zur Höchstleistung motiviert.

Für die Strukturierung der Arbeit ergeben sich daraus folgende Rückschlüsse: Zunächst werden die wichtigsten Anreizsysteme aus dem Betriebswesen als wesentliches Instrument des Personalmanagements vorgestellt und unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen betrieblichen Angestellten und Profifußballern auf den Berufsfußball übertragen.

Im Anschluss daran soll der individuelle Anreizeffekt der übertragenen Anreizsysteme anhand einer Spielertypisierung untersucht werden. Eine abschließende Bewertung des Verhältnisses von Anreizsystemen zur erbrachten Leistung stellt die erarbeiteten Ergebnisse in den Kontext des sportlichen Erfolgs. Dem Resümee der Arbeitsergebnisse folgend soll im Fazit noch ein kurzer Ausblick, in Form einer kritischen Würdigung der aktuellen Situation der Personalbeschaffung und Personalmotivation im Profifußball, vermittelt werden.

Für die Arbeit wurden eine Vielzahl von Literaturquellen aus den Bereichen der betrieblichen Anreizsystemlehre und Sportwissenschaft verwendet. Zur Ergänzung der aus der Literatur gewonnenen Informationen wurde ein Interview mit Herrn Bruchhagen, dem an dieser Stelle ein großer Dank für die Bereitstellung seiner Person und seines Fachwissens gebührt, durchgeführt. Das Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Frankfurt AG ist im Anhang abgedruckt. Darüber hinaus basieren die anhand der Literatur hergeleiteten Thesen unter anderem auch auf meinen persönlichen Erfahrungen im Amateurfußballbereich.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Betriebliche Anreizsysteme 3
2.1 Anforderungen an Anreizsysteme 3
2.2 Einordnung von Anreizsystemmodellen 4
2.2.1 Mechanistische Anreizsysteme 5
2.2.2 Ökonomische Anreizsysteme 6
2.2.2.1 Cafeteria-Ansatz 7
2.2.2.2 Anreizwirkungen des Cafeteria-Modells 7
2.2.3 Verhaltenswissenschaftliche Anreizsysteme 9
2.3 Unterscheidung von Anreizarten 10
2.3.1 Anreizquellen 11
2.3.1.1 Intrinsische Anreize 12
2.3.1.2 Extrinsische Anreize 12
2.3.2 Anreizobjekte 13
2.3.2.1 Monetär bewertbare und nicht-monetär bewertbare Anreize 14
2.3.2.2 Anreizsysteme im engsten, weiteren und weitesten Sinne 14
2.3.3 Anreizempfänger 15
2.3.4 Anreizziele 16
2.4 Funktionsweise von Anreizsystemen 17
2.5 Eine kleine Anekdote 18
3. Arbeitsbetreffende Besonderheiten der Berufsgruppe Profifußballer 20
3.1 Arbeitsinhalt 20
3.2 Arbeitskontrolle 21
3.2.1 Mediale Kontrolle 21
3.2.2 Vereinskontrolle 22
3.3 Arbeitsbeschaffung 23
3.4 Arbeitsvergütung 23
4. Anwendbarkeit der Anreizsysteme auf Mannschaft und Spieler 26
5. Zur Anwendbarkeit der Anreizobjekte 28
6. Nichtmaterielle Anreize für Profifußballer 29
6.1 Spielerspezifische Anreize 29
6.1.1 Erfolg 29
6.1.2 Status 31
6.1.3 Sportliche Perspektive 32
6.2 Umweltanreize 33
6.2.1 Mannschaft 34
6.2.2 Trainer 38
6.2.3 Verein 41
6.2.4 Vereinsumfeld 43
6.2.4.1 Fans 43
6.2.4.2 Medien 44
6.2.5 Gesellschaftliches und familiäres Umfeld 45
7. Materielle Anreize für Profifußballer 47
7.1 Finanzielle Anreize 47
7.1.1 Handgeld 47
7.1.2 Grundgehalt 47
7.1.3 Leistungsprämien 48
7.1.4 Zum Verhältnis von Grundgehalt und Leistungsprämien 50
7.2 Nicht- finanzielle Anreize 51
8. Anwendbarkeit der vorgestellten Anreizsystemmodelle auf Mannschaft und Spieler 52
9. Spielertypisierung 53
9.1 Der Nachwuchsspieler 54
9.2 Der Arbeiter 54
9.3 Der Führungsspieler 55
9.4 Der Fußballmigrant 56
9.5 Der Söldner 57
9.6 Der Existenzgründer 58
10. Interdependenz von Motivation und Leistung im Profifußball 59
11. Fazit 63
12. Anhang 69
12.1 Interviewmethodik 69
12.2 Interview mit Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt AG 69
13. Literaturverzeichnis 74

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Betriebliche Anreizsysteme 3
2.1 Anforderungen an Anreizsysteme 3
2.2 Einordnung von Anreizsystemmodellen 4
2.2.1 Mechanistische Anreizsysteme 5
2.2.2 Ökonomische Anreizsysteme 6
2.2.2.1 Cafeteria- Ansatz 7
2.2.2.2 Anreizwirkungen des Cafeteria- Modells 7
2.2.3 Verhaltenswissenschaftliche Anreizsysteme 9
2.3 Unterscheidung von Anreizarten 10
2.3.1 Anreizquellen 11
2.3.1.1 Intrinsische Anreize 12
2.3.1.2 Extrinsische Anreize 12
2.3.2 Anreizobjekte 13
2.3.2.1 Monetär bewertbare und Nicht-monetär bewertbare Anreize 14
2.3.2.2 Anreizsysteme im engsten, weiteren und weitesten Sinne 14
2.3.3 Anreizempfänger 15
2.3.4 Anreizziele 16
2.4 Funktionsweise von Anreizsystemen 17
2.5 Eine kleine Anekdote 18
3. Arbeitsbetreffende Besonderheiten der Berufsgruppe Profifußballer 20
3.1 Arbeitsinhalt 20
3.2 Arbeitskontrolle 21
3.2.1 Mediale Kontrolle 21
3.2.2 Vereinskontrolle 22
3.3 Arbeitsbeschaffung 23
3.4 Arbeitsvergütung 23
4. Anwendbarkeit der Anreizsysteme auf Mannschaft und Spieler 26
5. Zur Anwendbarkeit der Anreizobjekte 28
6. Nichtmaterielle Anreize für Profifußballer 29
6.1 Spielerspezifische Anreize 29
6.1.1 Erfolg 29
6.1.2 Status 31
6.1.3 Sportliche Perspektive 32
6.2 Umweltanreize 33
6.2.1 Mannschaft 34
6.2.2 Trainer 38
6.2.3 Verein 41
6.2.4 Vereinsumfeld 43
6.2.4.1 Fans 43
6.2.4.2 Medien 44
6.2.5 Gesellschaftliches und familiäres Umfeld 45
7. Materielle Anreize für Profifußballer 47
7.1 Finanzielle Anreize 47
7.1.1 Handgeld 47
7.1.2 Grundgehalt 47
7.1.3 Leistungsprämien 48
7.1.4 Zum Verhältnis von Grundgehalt und Leistungsprämien 50
7.2 Nicht- finanzielle Anreize 51
8. Anwendbarkeit der vorgestellten Anreizsystemmodelle auf Mannschaft und Spieler 52
9. Spielertypisierung 53
9.1 Der Nachwuchsspieler 54
9.2 Der Arbeiter 54
9.3 Der Führungsspieler 55
9.4 Der Fußballmigrant 56
9.5 Der Söldner 57
9.6 Der Existenzgründer 58
10. Interdependenz von Motivation und Leistung im Profifußball 59
11. Fazit 63
12. Anhang 69
12.1 Interviewmethodik 69
12.2 Interview mit Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt AG 69
13. Literaturverzeichnis 74

Textprobe:

Kapitel 6., Nicht-materielle Anreize für Profifußballer:

Die Lust am Fußball spielen ist der wichtigste Faktor der Leistungsmotivation. In einer Befragung der Universität Münster erklärten sämtliche befragten Spieler und Ex-Spieler, dass der Spaß am Fußball der Grund für die Entscheidung Profifußballer zu werden war. Dies lässt auf eine äußerst ausgeprägte intrinsische Motivationsneigung schließen. In den folgenden Abschnitten werden nun die nicht- materiellen Einflüsse erläutert, die einen Anreiz auf die Leistungsbereitschaft des Spielers ausüben können.

Kapitel 6.1, Spielerspezifische Anreize:

Kapitel 6.1.1, Erfolg:

Auf die Frage wodurch sie persönlich zu sportlicher Höchstleistung motiviert werden, gaben alle Interviewpartner in der Befragung den inneren Drang nach sportlichem Erfolg an, dem unabhängig von monetärer Vergütung nachgegangen wird. Um die Begrifflichkeit aus dem Kapitel 3.1 zu verwenden, entspricht der Drang nach Erfolg einer je nach Spielertypus unterschiedlich stark ausgeprägten Machtmotivation.

Motivation und Erfolg stehen nicht nur im Profifußball in unmittelbarer Abhängigkeit zueinander. Der Erfolg wird als Folge der Motivation angesehen und wirkt wiederum als Anreiz, das nächste Erfolgserlebnis zu erreichen. Leistungsbereitschaft hängt auch von der Wahrscheinlichkeit des Erfolges ab.

Ebenso wird die Wahrscheinlichkeit des Erfolges durch die Leistungsbereitschaft beeinflusst. Eine zu pessimistische Einschätzung der aktuellen Situation erzeugt eine demotivierende Wirkung, während allein der Glaube an den Erfolg der wichtigste Schritt zur Erreichung desgleichen ist.

Der Fußballsport veranschaulicht dieses Naturgesetz überdeutlich. „Sieger gewinnen Energie, Verlierer geben solche ab. Eine Niederlage ist mehr als nur ein Punktverlust. Das zeigt sich besonders in Perioden von Niederlagenserien. Es zehrt an den Nerven, dem Selbstvertrauen und schwächt die Kondition. Erfolgsserien dagegen entfachen neue Energie“.

Steigendes Selbstvertrauen und erhöhte Motivation beschränken sich allerdings auf Spieler, die maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben. Nicht zum Einsatz gekommene Ersatzspieler freuen sich in der Regel zwar über den Erfolg der Mannschaft, können sich jedoch nicht wirklich mit dem Erfolg identifizieren und profitieren somit nicht vom positiven Motivationseffekt. Eine „Selbstbekräftigung der eigenen Fähigkeit wird nur dann erfolgen, wenn sich das Individuum als selbst verursachend für den Handlungsausgang erlebt“.

Schwache Leistungsbereitschaft aufgrund mangelnden Leistungsstolzes, beschreibt Jürgen Rollmann in seinen Memoiren. Mit seinem Wechsel vom FSV Frankfurt zu Werder Bremen erlangte der ehemalige Torwart zwar finanzielle Unabhängigkeit, doch fehlte ihm als ständiger Ersatztorhüter die Identifikation mit dem Erfolg, da kein messbarer Eigenanteil darin zu erkennen ist. Die fehlende Identifikation führt zu einer Abnahme der Leistungsmotivation, was Rollmann treffend mit seiner gedanklichen Abwesenheit in vier von fünf Trainingseinheiten beschreibt.

Eine Möglichkeit die Ersatzspieler in den Identifikationsprozess mit einzubeziehen, ist der Einsatz des Rotationsprinzips. Nach dieser Philosophie lässt der Trainer immer mal wieder eine neue Anfangsformation auflaufen. Auf die Mannschaft hat das Prinzip neben der gesamtmannschaftlichen Identifikation mit dem Erfolg einen weiteren, positiven Effekt. Wenn keiner oder wenige Spieler „gesetzt“ sind, existiert innerhalb der Mannschaft ein stärkerer Konkurrenzkampf, der wiederum die Spieler zu Höchstleistungen im Training anspornt, um in der Startelf berücksichtigt zu werden. Druck als extrinsischer Anreiz kann bei Spielern die Motivationslücke also schließen.

Damit jedoch das Rotationsprinzip dem sportlichen Erfolg nicht zum Verhängnis wird, bedarf es einem qualitativ ausgeglichenen Kader. Der ehemalige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld formulierte dazu passend, dass die Motivation der Spieler die starke Ersatzbank des FC Bayern sei. Als großer Verfechter dieses Prinzips, gelang es ihm, innerhalb seiner mit Stars gespickten Mannschaft Akzeptanz für eine immer wiederkehrende Rotation im sportlichen Interesse des Vereins zu schaffen. Das Resultat war der bisher einzige Champions- League Sieg der Bayern in der Saison 2000/2001.

Die Anreizwirkung des sportlichen Erfolgs ist folglich ein Produkt aus der individuell unterschiedlich ausgeprägten Leistungs- und Machtmotivation, dem vom Erfolg abhängigen Selbstvertrauen sowie dem vom Umfeld herangetragenen Erfolgsdruck. Der persönliche Erfolg hat einen wesentlichen Einfluss auf den Status und die sportliche Perspektive des Spielers.

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/10388
Arbeit zitieren: Schmitt, Jan Januar 2007: Anreize im Profifussball, Hamburg: Diplomica Verlag
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