Gibt es ein jugendspezifisches Wahlverhalten?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Cornelia Hendrich
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 529,1 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6585-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6585-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6585-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hendrich, Cornelia Januar 2003: Gibt es ein jugendspezifisches Wahlverhalten?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jugend, Wahl, Generation, Wahlbeteiligung, Wertewandel
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Diplomarbeit von Cornelia Hendrich
Zusammenfassung:
Jungwähler sind eine begehrte Zielgruppe der Parteien - um so verwunderlicher ist die schwache Literaturlage zu diesem Thema. Die Arbeit versucht deshalb die Erkenntnisse aus 50 Jahren bundesrepublikanischer Wahlgeschichte zusammenzutragen und zu systematisieren. Dabei stellten sich folgende Fragen: Wie wählte die Jugend in der Vergangenheit? Gibt es eine spezifische Interessenlage von Jugendlichen? Bilden Jugendliche überhaupt eine einheitliche Wählergruppe? Weiterführend ist zu fragen, wie stabil das Wahlverhalten ist: Investiert eine Partei wirklich in die Zukunft, indem sie Jungwähler anspricht oder ändern sich die Parteipräferenzen im Lebensverlauf?
Wenn man das Alter als eigenständige Erklärungsvariable des Wahlverhaltens betrachtet, muss unterschieden werden zwischen dem Alter, das auf eine Phase im Lebensverlauf deutet und der Variable Alter als Merkmal für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation. Deshalb spielen auch die geänderten sozialen Bedingungen verschiedener Generationen eine Rolle in den Überlegungen. Insgesamt gibt die Diplomarbeit einen guten Überblick über das Wahlverhalten der Jugendlichen und analysiert sowohl langfristige Trends, als auch plötzliche Umbrüche im Wahlverhalten der Jungwähler.
Am Beginn der Arbeit steht die Darstellung des Jugendwahlverhaltens seit 1953 anhand der Repräsentativen Wahlstatistik. Die Grafiken bieten einen gründlichen Überblick über Veränderungen und Trends in der Wahlbeteiligung und den Parteipräferenzen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Erklärungsmodellen des Wahlverhaltens. Abschließend wird die Frage aufgeworfen, ob ein Erklärungsansatz des Jugendwahlverhaltens möglich ist. Dabei wird die Hypothese aufgestellt, dass ein junges Alter aufgrund der unsicheren ökonomischen Stellung positiv auf die Wahl „linker“ Parteien wirkt.
Nach diesen theoretischen Vorüberlegungen nimmt das vierte Kapitel die Merkmale jugendlichen Wahlverhaltens auf. Die Beschreibung des Jugendwahlverhaltens zeigte zum einen die generell niedrigere Wahlbeteiligung der Jungwähler, zum anderen ein besonders auffälliges Jugendwahlverhalten bei den Bundestagswahlen 1972 und 1983. Anhand dieser herausragenden Merkmale lassen sich die Ursachen jugendspezifischen Wahlverhaltens besonders gut bestimmen. Dabei wird deutlich, dass veränderte Sozialfaktoren als ausschlaggebend für das abweichende Verhalten der Jungwähler angesehen werden können. Deshalb wird in Kapitel fünf der soziale Wandel und der Wertewandel genauer betrachtet. Im Mittelpunkt stehen dabei die sozialen Faktoren, die sich gerade für Jugendliche seit den 70er-Jahren stark verändert haben.
Die Frage, ob die Altersunterschiede im Wahlverhalten insgesamt auf Alters- oder Generationseffekte zurückgeführt werden können, steht im Zentrum des sechsten Kapitels. Abschließend kann die Frage beantwortet werden, ob ein jugendspezifisches Wahlverhalten existiert. Zudem wird ein kurzer Ausblick auf das zu erwartende Jungwählerverhalten gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Inhaltsverzeichnis | 1 |
| II. | Abbildungsverzeichnis | 3 |
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Jugendwahlverhalten in der Bundesrepublik | 8 |
| 2.1 | Wahlbeteiligung | 9 |
| 2.1.1 | Altersstruktur der Wahlbeteiligung | 9 |
| 2.1.2 | Das Jungwählerdefizit | 10 |
| 2.1.3 | Der Jüngstwählersprung | 12 |
| 2.1.4 | Geschlechtsspezifische Wahlbeteiligung | 13 |
| 2.1.5 | Parlamentshierarchie | 15 |
| 2.2 | Parteipräferenzen | 17 |
| 2.2.1 | Wahlentscheidung der Jungwähler | 17 |
| 2.2.2 | Jungwähler als Trendverstärker | 20 |
| 2.2.3 | Geschlechtsspezifische Wahlentscheidung | 22 |
| 2.2.4 | Die Europawahlen | 23 |
| 2.2.5 | Die Bundestagswahl 2002 | 24 |
| 3. | Theoretische Erklärungsmodelle des Wahlverhaltens | 26 |
| 3.1 | Die sozialstrukturellen Ansätze | 27 |
| 3.2 | Der sozialpsychologische Ansatz | 30 |
| 3.3 | Der rationale Ansatz | 32 |
| 3.4 | Die aktuelle Situation der Wahlforschung | 35 |
| 3.5 | Eine „Age-gap” des Wahlverhaltens? | 37 |
| 4. | Die Merkmale jugendspezifischen Wahlverhaltens: Hintergründe und Erklärungsansätze | 39 |
| 4.1 | Wahlbeteiligung | 39 |
| 4.1.1 | Jungwählerdefizit | 39 |
| 4.1.2 | Jüngstwählersprung | 43 |
| 4.2 | Parteipräferenzen | 44 |
| 4.2.1 | 1972: Sozial-liberale Präferenz | 45 |
| 4.2.2 | 1983: Jungwählererfolg der Grünen | 49 |
| 5. | Sozialer Wandel und Wertewandel | 52 |
| 5.1 | Zur Theorie des Wertewandels | 52 |
| 5.2 | Sozialer Wandel: Änderung der Sozialfaktoren von Jugendlichen | 55 |
| 5.3 | Einstellungswandel: Politische Beteiligung und politische Themen | 61 |
| 6. | Jugendwahlverhalten: Lebenszyklus- oder Generationseffekte? | 67 |
| 6.1 | Theoretische Konzeptionen | 69 |
| 6.2 | Die politischen Generationen und ihr Wahlverhalten | 71 |
| 6.3 | Lebenszyklus und Wahlverhalten | 78 |
| 6.4 | Generations- und Lebenszykluseffekte im Jugendwahlverhalten | 79 |
| 7. | Resümee und Ausblick | 83 |
| III. | Literaturverzeichnis | 86 |
1980 gewinnt die SPD gegenüber der vorherigen Wahl leicht um 0,2%; bei Jungwählern verliert sie zwar Stimmen, jedoch nur 0,9 Punkte. Die CDU/CSU bricht 1980 insgesamt um 4% ein, bei den jungen Wählern um 5,7%. Auch 1983 verstärkt sich der Trend bei den Jungwählern noch einmal deutlich, die Unionsparteien gewinnen zur vorherigen Wahl wieder 4,5%, unter den Jungen sogar 6,8%. Die SPD verliert fast 10% unter Jugendlichen, insgesamt 4,6%. 1987 und 1990 weist die Wahlentscheidung der jungen Wähler nur noch leicht überdurchschnittlich in die Richtung des Trends, für die SPD 1990 sogar leicht unterdurchschnittlich. Abb. 8 und Abb. 9 Gewinne und Verluste der SPD und der CDU/CSU zur jeweils vorherigen Bundestagswahl bei Jungwählern und beim durchschnittlichen Wähler in Prozent [...]
Jungwähler als Trendverstärker Hofmann-Göttig geht davon aus, dass Jugendliche wie schon bei der Wahlbeteiligung, auch bei der Wahlentscheidung „Trendsetter“ sein könnten (1984: 132). Zur Überprüfung dieser These werden die Gewinne und Verluste von CDU/CSU und SPD zur jeweils vorherigen Wahl sowohl beim durchschnittlichen Wähler, als auch bei den Jungwählern untersucht. Bis 1965 zeigt sich, dass junge Wähler zwar dem allgemeinen Trend folgen, aber bei der SPD 1961 und 1965 und bei der CDU 1957 sogar leicht unterdurchschnittlich (Abb. 7 und 8). Mit den Bundestagswahlen 1969 und 1972 ändert sich dieses Bild: Der allgemein positive Trend für die Sozialdemokraten verstärkt sich bei den Jungwählern maßgeblich. 1969 gewann die SPD durchschnittlich 3% und 1972 3,5% Stimmen hinzu, bei den Jungwählern waren es mit 6,7% und 8,3% mehr als doppelt so viele. Die Unionsparteien verlieren dagegen in beiden Jahren jeweils durchschnittlich 1,3%, bei den Jungwählern 1969 6,3% und 1972 sogar 7,8%. Die jungen Wähler haben 1969 und 1972 den positiven Trend für die Sozialdemokraten um 3,7% und 4,8% und den Negativtrend für die Unionsparteien um 5% und 6,5% verstärkt. [...]
abermals ein Jungwählerdefizit von 7,9% auf. Im Wahlgebiet Ost brach die SPD jedoch stark ein, sie wurde insgesamt von 11,7% weniger Ostdeutschen gewählt und sogar von 13,8% weniger Jungwählern. Damit wäre die SPD im Wahlgebiet West bei den 18 bis 24jährigen knapp stärkste Partei mit 37,3% geworden, bei den jungen Ostdeutschen lag sie jedoch über 10 Prozentpunkte hinter der CDU/CSU zurück. Die sonstigen Parteien erleben 1990 einen Aufschwung wie zuletzt 1961. Verantwortlich waren die Stimmen für die PDS im Osten Deutschlands und für die Republikaner. Die Republikaner waren im Osten und Westen mit 2,2% gleichermaßen stark, zeigten jedoch ein Altersgefälle: die jüngste Altersgruppe wählte die rechte Partei mit 3,6%, die 25 bis 34jährigen mit 2,4% und die mittlere Altersgruppe der 35 bis 44jähigen mit 2%. Wähler ab 45 Jahren wählten die rechte Partei mit 1,8 bis 1,9%. Männer präferierten dabei in allen Altersgruppen die Republikaner doppelt so häufig wie Frauen. Im Gegensatz dazu zeigt sich die PDS im Osten 1990 in allen Altersgruppen und bei Männern und Frauen etwa gleich stark. Sie kann bei den jüngsten Wählern insgesamt 2,5% 9 erreichen, bei den 25 bis 34jährigen 2,8% und unter den 35 bis 44jährigen 2,9%. Bei Wählern über 45 Jahren verringert sich das Ergebnis leicht auf 2,6% und 2,5%. Frauen wählten mit durchschnittlich 0,3% weniger die PDS als Männer. Während bei den Republikanern als „Männerpartei“ die Geschlechtseffekte die Alterseffekte überwiegen, stellt sich die PDS als eine Partei fast ohne alters- oder geschlechtsspezifische Besonderheiten dar. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832465858
Arbeit zitieren:
Hendrich, Cornelia Januar 2003: Gibt es ein jugendspezifisches Wahlverhalten?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jugend, Wahl, Generation, Wahlbeteiligung, Wertewandel



