Die interkulturelle Problematik
Am Beispiel des kulturspezifischen und personalpolitischen Vergleichs in der Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Interaktionspartnern in Wirtschaftsunternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Monika Ziegler
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 114 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5532-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5532-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5532-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ziegler, Monika März 2002: Die interkulturelle Problematik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Personalpolitik, interkulturelles Management, deusch-französische Zusammenarbeit, interkulturelle Sensibilisierung
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Diplomarbeit von Monika Ziegler
Einleitung:
Durch steigende internationale Geschäftstätigkeiten und grenzüberschreitende Unternehmenskooperationen und -zusammenschlüsse wird die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zunehmend wichtiger. Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Ausland, Mitarbeiter arbeiten mit fremdkulturellen Interaktionspartnern zusammen und/oder haben viel Auslandskontakt. Menschen aus anderen Kulturen zeichnen sich aber durch unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen aus. Fehlt die interkulturelle Sensibilität für die unterschiedlichen Wertvorstellungen dagegen, kann dies zu Unstimmigkeiten, Mißverständnissen und schließlich Konflikten mit dem fremdkulturellen Interaktionspartner führen. Die Folge sind Effizienzverluste durch fehlgeschlagene Projekte, Imageverluste des Unternehmens im Ausland sowie teure Rückholaktionen der ins Ausland entsandten Mitarbeiter und Selbstzweifel dieser an ihrer Leistungsfähigkeit.
Im Zuge der Globalisierung gewinnt somit die Fähigkeit, mit Interaktionspartnern aus unterschiedlichen Kulturen umzugehen, und die Vermittlung von interkultureller Kompetenz zunehmend an Bedeutung. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen. Obwohl beide auf politischer und wirtschaftlicher Ebene eng zusammenarbeiten, belegen Studien, daß sich die Einstellungen und Verhaltensweisen der Vertreter der Nachbarländer teilweise erheblich unterscheiden. Dies wirkt sich ebenfalls auf den Arbeitsalltag aus. So kann beispielsweise ein unterschiedliches Kommunikationsverständnis vom Interaktionspartner, der einer anderen Kultur angehört, falsch interpretiert werden. Franzosen wird z.B. nachgesagt, daß sie eher indirekt kommunizieren und es dem Gesprächspartner überlassen, die entsprechenden Schlüsse aus dem Gesagten zu ziehen. Im Gegensatz dazu pflegen Deutsche einen direkten Kommunikationsstil, der durch Daten und Fakten geprägt ist. Auch im Hinblick auf die Personalpraktiken bestehen zwischen beiden Ländern zum Teil erhebliche Unterschiede: Während in Frankreich der Karriereweg durch die Schulbildung vorgezeichnet ist, haben Berufstätige in Deutschland die Möglichkeit, sich „hochzuarbeiten“. Wissen die Interaktionspartner beider Länder mit diesen typischen, wenn auch nicht allgemeingültigen, kulturellen Unterschieden nicht umzugehen, kann es leicht zu Mißverständnissen kommen.
Ein Ansatz, um derartige Konflikte durch ein gezieltes Sensibilisierungstraining zu vermeiden, stellen interkulturelle Maßnahmen u.a. in Form interkultureller Trainings, Teambuilding Workshops etc. dar. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wurde von einigen Unternehmen bereits erkannt. Dennoch beschränken sich diese häufig auf außereuropäische Kulturen - oft in der Annahme, daß Mitarbeiter die kulturspezifischen europäischen Unterschiede durch Urlaube kennen.
Ziel dieser Arbeit ist einerseits am Beispiel kulturspezifischer Unterschiede Konfliktpotentiale zwischen Deutschen und Franzosen aufzuzeigen. Dabei werden typisch deutsche und französische Einstellungen und Verhaltensweisen dargestellt, die teilweise im Widerspruch zueinander stehen und somit eine Problemquelle für die Zusammenarbeit beider Nationalitäten in der Arbeitswelt der freien Wirtschaft bedeuten können. Eine empirische Untersuchung wird die zuvor theoretisch hergeleiteten Konfliktpotentiale überprüfen.
Da Unstimmigkeiten in der Arbeitswelt zwischen Deutschen und Franzosen nicht allein auf kulturelle Eigenarten beruhen, sondern auch auf personalpolitischen, ist es andererseits Ziel dieser Arbeit, die letztgenannten zwischen Deutschland und Frankreich zu vergleichen. Ebenso sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, die deutsche und französische Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit dem fremdkulturellen Interaktionspartner sensibilisieren. Gespräche mit Fachleuten unterschiedlicher Firmen vermitteln einen Eindruck, inwiefern die beschriebenen Maßnahmen in der Praxis Anwendung finden.
Gang der Untersuchung:
Durch Medienberichte ist bekannt, daß deutsche und französische Unternehmen immer enger zusammenarbeiten. Wie sich die bilaterale Beziehung entwickelt hat und welche Bedeutung sie in jüngster Zeit für die Wirtschaft beider Länder hat, wird zu Beginn des zweiten Gliederungspunktes erläutert. Danach erfolgt eine Erklärung des Begriffes Kultur sowie eine Beschreibung seiner Elemente, seiner Bedeutung und Ebenen. Eine Erläuterung des Einflußes der Nationalkultur auf die Unternehmenskultur rundet diesen Abschnitt ab.
Im Anschluß an die begrifflichen Grundlagen wird in Kapitel drei zunächst auf das Bild, das Deutsche von Franzosen und umgekehrt haben, eingegangen, bevor die kulturbedingten Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich verglichen werden, die in der Literatur als Kooperationsbarrieren im Arbeitsalltag beschrieben werden. Hierzu zählen ein unterschiedlicher Kommunikationsstil und Informationsaustausch, das Verhältnis zur Sprache, die Zeitwahrnehmung, der Aufbau von Vertrauen, der Verhandlungs- und Besprechungsstil, das Hierarchieverständnis und der Führungsstil.
In Kapitel vier wird anhand einer empirischen Untersuchung unter Deutschen und Franzosen aus verschiedenen Unternehmen der in Kapitel drei theoretisch hergeleiteten möglichen Konfliktquellen überprüft, inwiefern die kulturellen Unterschiede zu Problemen in der binationalen Zusammenarbeit führen und ob die kulturellen Eigenarten geschätzt werden.
In Kapitel fünf werden wesentliche Aspekte der Personalpolitik - wie die Kriterien zur Besetzung eines Arbeitsplatzes, das berufliche Fortkommen, die Entgelt- und Sozialleistungspolitik sowie die berufliche Aus- und Weiterbildung - zwischen beiden Ländern verglichen.
In Gliederungspunkt sechs werden interkulturelle Instrumente zur Sensibilisierung der Zusammenarbeit mit einem fremdkulturellen Interaktionspartner vorgestellt, die anschließend in Kapitel sieben gebräuchlichen, praxisrelevanten Maßnahmen gegenübergestellt werden.
Basierend auf den vorangegangen Kapitel werden in Kapitel acht Verbesserungsansätze aufgezeigt, bevor die vorliegende Arbeit mit einer Zusammenfassung beendet wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| A. | EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK DER INTERKULTURELLEN PROBLEMATIK | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Ausgangssituation und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Begriffliche Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich | 4 |
| 2.1.1 | Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs | 4 |
| 2.1.2 | Gegenwärtige Lage der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen | 6 |
| 2.2 | Kultur | 7 |
| 2.2.1 | Definition | 7 |
| 2.2.2 | Wahrnehmung von Kultur | 11 |
| 2.2.3 | Die Bedeutung von Kultur | 13 |
| 2.2.4 | Kulturebenen | 14 |
| 2.2.5 | Der nationale Einfluß auf die Firmenkultur | 15 |
| B. | KULTURELLE EIGENARTEN UND PERSONALPOLITIK IM VERGLEICH ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH | |
| 3. | Kulturspezifische Unterschiede im deutsch-französischen Vergleich. | 19 |
| 3.1 | Vorurteile und Stereotype.: Das Deutschenbild der Franzosen vs. dem Franzosenbild der Deutschen | 19 |
| 3.2 | Kommunikationsstil und Informationsaustausch | 21 |
| 3.2.1 | Verbale Kommunikation und die Bedeutung des Kontextes | 22 |
| 3.2.2 | Para-verbale Kommunikation | 25 |
| 3.2.3 | Non-verbale Kommunikation | 25 |
| 3.3 | Verhältnis zur Sprache | 26 |
| 3.4 | Zeitwahrnehmung | 27 |
| 3.4.1 | Monochrones Zeitempfinden | 28 |
| 3.4.2 | Polychrones Zeitempfinden | 29 |
| 3.4.3 | Auswirkungen des unterschiedlichen Zeitempfindens auf Franzosen und Deutsche | 31 |
| 3.4.4 | Kritische Betrachtung des mono- und polychronen Zeitverständnisses | 32 |
| 3.5 | Aufbau von Vertrauen | 33 |
| 3.6 | Verhandlungen und Besprechungen | 34 |
| 3.7 | Hierarchieverständnis und Führungsstil | 38 |
| 4. | Empirische Überprüfung des Konfliktpotentials in der deutsch-französischen Zusammenarbeit | 41 |
| 4.1 | Gang der empirischen Untersuchung | 41 |
| 4.2 | Ergebnisse und Interpretation | 43 |
| 4.2.1 | Gesamteindruck (Teil 1 des Fragebogens) | 43 |
| 4.2.2 | Reibungspunkte in der deutsch-französischen Zusammenarbeit (Teil 2 des Fragebogens) | 44 |
| 4.2.3 | Synergieeffekte und gegenseitige Wertschätzungen in der deutsch-französischen Zusammenarbeit (Teil 3 des Fragebogens) | 53 |
| 5. | Personalpolitische Unterschiede im deutsch-französischen Vergleich | 57 |
| 5.1 | Personalstruktur in Deutschland und Frankreich | 57 |
| 5.2 | Stellenbesetzungskriterien | 59 |
| 5.3 | Beruflicher Aufstieg | 60 |
| 5.4 | Entgelt und Sozialleistungen | 61 |
| 5.5 | Betriebliche Aus- und Weiterbildung | 62 |
| C. | INTERKULTURELLE MAßNAHMEN FÜR EINE HARMONISCHE ZUSAMMENARBEIT | |
| 6. | Interkulturelle Bildungsmaßnahmen | 65 |
| 6.1 | Typen interkultureller Maßnahmen | 65 |
| 6.1.1 | Interkulturelle Vorbereitungsseminare | 66 |
| 6.1.2 | Begleitendes interkulturelles Training | 68 |
| 6.1.3 | Interkulturelles Coaching | 69 |
| 6.1.4 | Schaffung von Interaktionsarenen | 69 |
| 6.2 | Verbreitung und Meßbarkeit interkultureller Maßnahmen | 70 |
| 7. | Anwendung interkultureller Maßnahmen in der Praxis | 72 |
| 7.1 | Gang der Fachgespräche | 72 |
| 7.2 | Ergebnisse | 73 |
| 7.2.1 | Gesamteindruck | 73 |
| 7.2.2 | Anwendung interkultureller Vorbereitungsseminare in der Praxis | 75 |
| 7.2.3 | Anwendung interkultureller Teambuilding Workshops in der Praxis | 76 |
| 7.2.4 | Internationale Trainee-Programme zur interkulturellen Sensibilisierung | 77 |
| 7.2.5 | Weitere angewandte interkulturelle Maßnahmen | 77 |
| 8. | Fazit | 80 |
| 8.1 | Verbesserungsansätze | 80 |
| 8.2 | Zusammenfassung der Arbeit | 83 |
| Anlagenverzeichnis | 84 | |
| Literaturverzeichnis | 94 | |
| Ehrenwörtliche Versicherung |
schieden. Der zweite Teil180 befaßt sich mit den Ursachen von Reibungsverlusten. Der dritte Teil181 zielt auf die Einschätzung der Befragten ab, inwiefern sie in der Zusammenarbeit voneinander lernen und welche zumeist kulturell bedingten Eigenschaften sie aneinander schätzen. Während die Eindrücke aus den ersten beiden Teilen anhand geschlossener Fragestellungen, auf die die Befragten folgende Antwortmöglichkeiten hatten: 1 = stimme voll und ganz zu; 2 = stimme eher zu; 3 = weiß nicht genau; 4 = stimme eher nicht zu; 5 = stimme gar nicht zu, gesammelt wurden, wurden im dritten Teil sowohl geschlossene als auch offene Fragen gestellt. Zudem hatten die Befragten die Möglichkeit, Anmerkungen am Ende des Fragebogens über wichtige Aspekte in der binationalen Zusammenarbeit zu machen. Der Fragebogen sollte möglichst objektiv aufgebaut sein, um der Gefahr der Verfälschung zu entgehen, daß die Befragten das sozial Erwünschte182 ankreuzen. [...]
Im folgenden werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung, die auf den zuvor theoretisch hergeleiteten kulturellen Eigenarten von deutschen und französischen Interaktionspartnern174 beruht, dargestellt. 4.1 Gang der empirischen Untersuchung Die Ergebnisse dieser Befragung basieren auf einem Fragebogen175, der einen Eindruck176 davon vermitteln soll, ob es aufgrund der Kulturunterschiede zwischen Deutschen und Franzosen zu Reibungsverlusten und/oder eher Synergieeffekten in der beruflichen Zusammenarbeit kommt sowie davon, was die Vertreter beider Nationalitäten aneinander schätzen. An der Erhebung beteiligten sich insgesamt 22 Deutsche und Franzosen, die aus unterschiedlichen Unternehmen177 stammen und unterschiedliche Funktionen innehaben. In die Untersuchung wurden dabei nur die deutschen Mitarbeiter einbezogen, die häufig mit Franzosen zusammenarbeiten, Franzosen, die in Deutschland tätig sind sowie Deutsche, die in Frankreich leben und arbeiten. Als Untersuchungsmethode diente ein standardisierter Fragebogen, um die Aussagen möglichst vergleichen zu können. Neben den geschlossenen Fragen beinhaltete der Fragebogen auch offene Fragen und ließ Raum für sonstige Anmerkungen, um dem qualitativen178 Charakter von Konfliktquellen, Synergieeffekten und Anregungen in der binationalen Zusammenarbeit einfließen zu lassen. Der Fragebogen ist so aufgebaut, daß er aus drei Teilen besteht: der erste Teil179 stellt eine Frage zur Gesamteinschätzung über die negativen Auswirkungen von Mentalitätsunter174 [...]
Obwohl der französische Führungsstil autokratischer als der deutsche ist, wirkt der französische Chef freundschaftlicher und kumpelhafter, da er oft vor Ort im Unternehmen ist, seinen Untergebenen auf die Schulter klopft und sie duzt. Dieses Verhalten täuscht allerdings.171 Auch auf Fehler reagieren Führungskräfte beider Nationen sehr unterschiedlich: im Gegensatz zu deutschen Führungskräften, denen Fehler länger nachgetragen werden, werden Fehler bei Managern in Frankreich eher toleriert. Hintergrund dabei ist, daß Führung in Frankreich personenbezogener ist und aufgrund der hohen Anzahl zu treffender Entscheidungen der Anteil derjenigen, die falsch sind, höher ist.172 Der modern ausgebildete und international orientierte Führungsnachwuchs lehnt im Zuge der internationalen Konkurrenz die traditionelle, französische Arbeitsweise eher ab. Vielmehr orientieren sie sich am deutschen Führungsstil, der eine klare und schnelle Zielerreichung vorsieht und wo es auf Leistung ankommt. 173 [...]
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Ziegler, Monika März 2002: Die interkulturelle Problematik, Hamburg: Diplomica Verlag
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Personalpolitik, interkulturelles Management, deusch-französische Zusammenarbeit, interkulturelle Sensibilisierung



