Die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenen- und Weiterbildung
Mögliche Einflüsse auf das Lernverhalten von Gruppen und grundsätzliche Überlegungen zur internen Fortbildung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Hella Ludwig, geb. Möller
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9008-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9008-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9008-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ludwig, geb. Möller, Hella November 2004: Die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenen- und Weiterbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lernwiderstände, Das innere Team, Kollegiale Beratung Supervision Intervision, Rogers klientenzentierte Gesprächsführung, Moderation
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Diplomarbeit von Hella Ludwig, geb. Möller
Einleitung:
Der Schulpädagoge Hartmut von Hentig vertritt die Auffassung: „Das wichtigste Curriculum des Lehrers ist die eigene Person“. Auch in einer praxisorientierten Anleitung zum Planen von Erwachsenenbildungskursen wird die Ansicht vertreten: „Der Erfolg, den Erwachsene beim Lernen in Weiterbildungsseminaren haben, hängt in starkem Maße von der Person der Leiterin oder des Leiters ab“.
In dieser Arbeit geht es um die Frage, wie und warum die Person der Gruppenleitung durch ihre innere Haltung Auswirkungen auf das Lernverhalten von Gruppen hat. Der Fokus richtet sich hier auf Gruppen in der Erwachsenen- und Weiterbildung.
Die Tragweite und Bedeutsamkeit des Themas ist mir durch die Teilnahme an einer Fortbildung im Rahmen der Moderationsausbildung der Universität Bielefeld zum Thema „Innere Haltung von Moderatoren“ und Reflexion eigener Erfahrungen in der Leitung von Gruppen in der Erwachsenen- und Weiterbildung deutlich geworden. Durch meine bisherige Tätigkeit in Seminaren und informelle Gespräche mit Kollegen über ihre Erfahrungen mit Gruppen habe ich ein persönliches Interesse an dieser Thematik entwickelt.
Die Bedeutung der inneren Haltung der Gruppenleitung für das Lernverhalten von Gruppen sehe ich folgendermaßen: Die Person des Gruppenleiters wirkt vor allem durch ihre innere Haltung auf den Verlauf von Bildungsveranstaltungen. Die innere Haltung beeinflusst die Gruppendynamik, die Atmosphäre einer Veranstaltung und vor allem das Auftreten der leitenden Person. Das Auftreten einer Person drückt sich in der verbalen und nonverbalen Kommunikation mit den Teilnehmenden aus. Da Lernprozesse in der Erwachsenenbildung vorrangig durch verbale Kommunikation zwischen Teilnehmern und Gruppenleitung initiiert werden, gewinnt die Bedeutung der inneren Haltung, die sich in der verbalen Kommunikation des Lehrenden ausdrückt, an Bedeutung. Somit macht die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Haltung auch einen großen Teil der Professionalität eines Erwachsenenbildners aus.
Gang der Untersuchung:
Auf der Grundlage dieser Ausgangsthesen gliedert sich die vorliegende Arbeit:
Im ersten Kapitel wird zunächst anhand eines Praxisbeispieles die Fragestellung in Zusammenhang mit Erfahrungen aus der Praxis gebracht. Anschließend werden die in der Themenformulierung genannten Begriffe definiert und die Wahl des zugrundeliegenden Menschenbildes der Humanistischen Psychologie erläutert.
Das zweite Kapitel geht der Frage nach, inwiefern Lernen als besondere Form von Interaktion und Kommunikation gesehen werden kann. Diese Ausführungen dienen als Grundlage für die Argumentation des folgenden Kapitels.
Das dritte Kapitel nähert sich anhand verschiedener Theorieansätze an das Thema „Innere Haltung“ an. Es wird herausgearbeitet, welchen Beitrag diese Ansätze zum Thema liefern und welche Schlüsse aus der Perspektive der jeweiligen Ansätze im Hinblick auf die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenenbildung in der Interaktion mit Lerngruppen gezogen werden können. Hierbei werden die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers, die fünf Axiome nach Watzlawick, die Moderationsmethode und der kommunikationspsychologische Ansatz des „inneren Teams“ nach Schulz von Thun herangezogen. Abschließend werden die zentralen inneren Haltungen, die der Leiter in der Erwachsenenbildung nach diesen Ansätzen einnehmen sollte, zusammengefasst. Sie dienen als Kriterienkatalog für eine Annähung an eine optimale lernförderliche innere Haltung und bilden die Grundlage für Kapitel vier.
Das vierte Kapitel stellt die Verbindung zwischen den beiden vorherigen Kapiteln her. Die Schlussfolgerungen aus Kapitel zwei und drei bilden die Grundlage für die Frage nach der möglichen Auswirkung von inneren Haltungen auf Lernsituationen und das Lernverhalten von Gruppen in der Erwachsenen- und Weiterbildung.
Im fünften Kapitel schließen sich eine persönliche Stellungnahme, grundsätzliche Überlegungen zur internen Fortbildung von Gruppenleitungen in Zusammenhang mit dem Ansatz der kollegialen Beratung, ein Ausblick und weiterführende Fragen an.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Praxisbeispiel, Begriffsdefinitionen und Perspektive | 3 |
| 1.1 | Praxisbeispiel | 3 |
| 1.2 | Begriffsdefinitionen | 5 |
| 1.2.1 | Erwachsenen- und Weiterbildung | 5 |
| 1.2.2 | Gruppenleitung | 6 |
| 1.2.3 | Innere Haltung | 7 |
| 1.2.4 | Lernverhalten Erwachsener | 12 |
| 1.2.5 | Gruppe | 13 |
| 1.3 | Perspektive und zugrundeliegendes Menschenbild | 13 |
| 2. | Lernen als besondere Form von Interaktion und Kommunikation | 14 |
| 3. | Implikationen verschiedener Theorien für die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenenbildung | 16 |
| 3.1 | Klientenzentrierte Gesprächsführung | 17 |
| 3.1.1 | Darstellung | 17 |
| 3.1.1.1 | Rogers Persönlichkeitstheorie und die Annahme einer Aktualisierungstendenz | 17 |
| 3.1.1.2 | Das Selbstkonzept | 18 |
| 3.1.1.3 | Die Grundhaltung des Therapeuten | 18 |
| 3.1.2 | Weiterführung und Übertragung der Klientenzentrierten Theorie auf die innere Haltung der Gruppenleitung | 20 |
| 3.2 | Die fünf Axiome der zwischenmenschlichen Kommunikation | 25 |
| 3.2.1 | Darstellung und Bedeutungen für die innere Haltung der Gruppenleitung | 25 |
| 3.3 | Die Moderationsmethode und die innere Haltung der Gruppenleitung in der Rolle des Moderators | 30 |
| 3.3.1 | Beziehungsverhältnisse in einer Moderation | 31 |
| 3.3.1.1 | Die innere Haltung des Moderators gegenüber dem Thema | 32 |
| 3.3.1.2 | Die innere Haltung des Moderators in der Umsetzung von Moderationsmethoden | 32 |
| 3.3.1.3 | Die innere Haltung des Moderators gegenüber der Gruppe | 38 |
| 3.3.2 | Authentizität - ein zentrales Element der inneren Haltung des Moderators | 41 |
| 3.3.3 | Zusammenfassung und Übertragbarkeit der inneren Haltung des Moderators auf die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenenbildung | 42 |
| 3.4 | Das Modell des inneren Teams und die Konflikthaftigkeit innerer Haltungen | 44 |
| 3.4.1 | Vergleich des inneren Teams mit Teams in der Arbeitswelt - die Parallelitätsthese | 45 |
| 3.4.2 | Ursachen verschiedener innerer Haltungen | 46 |
| 3.4.3 | Eine Theorie der Persönlichkeit auf der Grundlage der inneren Pluralität - Unterscheidung und typische Eigenschaften innerer Mitglieder | 48 |
| 3.4.4 | Personenbezogene Grundaufstellungen des inneren Teams | 52 |
| 3.4.5 | Die innere Ratsversammlung | 53 |
| 3.4.5.1 | Gründe für die Notwendigkeit der Selbstreflexion | 54 |
| 3.4.5.2 | Der Ablauf der inneren Ratsversammlung | 55 |
| 3.4.5.3 | Die Haltung des Oberhauptes während der inneren Ratsversammlung | 57 |
| 3.4.5.4 | Umgang mit inneren Widersachern | 58 |
| 3.4.6 | Beständige Interaktion bei innerer Unklarheit | 59 |
| 3.4.7 | Stimmige Kommunikation | 60 |
| 3.4.7.1 | Training stimmiger Kommunikation | 63 |
| 3.4.8 | Das innere Team der Gruppenleitung in der Erwachsenenbildung | 63 |
| 3.4.8.1 | Die Mitglieder der Vordermannschaft | 64 |
| 3.4.8.2 | Die Mitglieder der Hintermannschaft | 66 |
| 3.5 | Zusammenführung der Ergebnisse und Annäherung an eine optimale innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenenbildung | 67 |
| 4. | Mögliche Auswirkungen der inneren Haltung auf das Lernverhalten von Gruppen | 72 |
| 4.1 | Lernwiderstände - Bedeutungen, Definition und mögliche Ursachen | 72 |
| 4.1.1 | Bedeutungen und Begriffsdefinition | 72 |
| 4.1.2 | Mögliche Ursachen für Lernwiderstände | 73 |
| 4.2 | Beeinflussbarkeit von Lernwiderständen durch eine optimale innere Haltung | 79 |
| 4.3 | Vertiefende Reflexion der inneren Haltung der Gruppenleitung und ihre Einflüsse auf das Lernverhalten von Gruppen | 82 |
| 4.3.1 | Einfluss auf Lernwiderstände von Teilnehmern | 83 |
| 4.3.2 | Einfluss auf Lernsituation, Lernklima und Lernatmosphäre | 86 |
| 4.3.3 | Einfluss auf den Umgang mit biographisch geprägtem Lernverhalten | 87 |
| 4.3.4 | Einfluss auf die Leitungs- und Lehrrolle | 90 |
| 5. | Stellungnahme, grundsätzliche Überlegungen zur internen Fortbildung von Gruppenleitungen und Ausblick | 91 |
| 5.1 | Persönliche Stellungnahme | 91 |
| 5.1.1 | Anmerkungen zum Einfluss der inneren Haltungauf Lernverhalten | 92 |
| 5.1.2 | Die Umsetzung der optimalen inneren Haltung in die Praxis | 94 |
| 5.2 | Grundsätzliche Überlegungen zur internen Fortbildung von Gruppenleitungen | 97 |
| 5.3 | Ausblick und weiterführende Fragen | 101 |
| Literatur | 103 | |
| Anhang | 108 |
In den vorhergehenden Unterkapiteln wurden vier Ansätze herangezogen, um die innere Haltung herauszuarbeiten und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die innere Haltung des Gruppenleiters zu überprüfen. In diesem Unterkapitel folgt nun eine Zusammenführung der in den einzelnen Kapiteln herausgearbeiteten inneren Haltung. Die bisher vorgestellten Ansätze und ihre Bedeutung für die innere Haltung der Gruppenleitung weisen Gemeinsamkeiten auf und ergänzen sich in vielen Punkten. Sie ergeben – gemeinsam betrachtet – ein detailliertes Bild, das auf zentrale Kriterien für eine Annäherung an eine optimale innere Haltung verweist.13 Die optimale innere Haltung lässt sich idealtypisch anhand der habituellen und der aktuellen inneren Haltung beschreiben. Diese beiden Kategorien hängen in der Praxis sehr eng zusammen und überschneiden sich, werden aber hier zu Darstellungszwecken getrennt aufgeführt. [...]
Der „Angsthase“ überlegt sich detailreich, was schlecht verlaufen könnte. Er macht sich große Sorgen über die vielen Möglichkeiten etwas Wichtiges zu vergessen, was somit zwangsläufig zu einer Katastrophe führen wird. Deshalb treibt er „Paul Planer“ an, alles exakt und mehrfach zu durchdenken und lässt sein Oberhaupt nicht zur Ruhe kommen. Er mischt sich besonders oft vor Beginn eines Seminars oder vor erwartungsgemäß schwierigen Abschnitten ein. „Erna Enttäuscht“ kann sich schwer zurückhalten, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen verläuft oder Teilnehmer andere Ziele anstreben, als die, auf die sie ihre Planung ausgerichtet hat. Sie hat ein bestimmtes Ergebnis im Kopf und kann Abweichungen nur schwer akzeptieren. Sie stellt die eine Kehrseite des „Paul Planers“ dar, mischt sich häufig in dessen Arbeit ein und empfiehlt, eine straffe Planung durchzusetzen, um Enttäuschungen vorzubeugen. Die „ Antreiberin“ hat die Uhr genau im Blick und ruft z.B. bei Gruppenarbeiten unerbittlich dazu auf, nun zum Ende zu kommen. Sie richtet sich genau nach dem geplanten Zeitrahmen und wirkt dadurch unflexibel. Sie stellt die andere Kehrseite von „Paul Planer“ dar, der durch ihren Einfluss eine zu starre Zeitplanung entwickelt. Sie kann zwar hetzend wirken, aber andererseits auch als Zeitwächterin „Fiona Flexibel“ daran erinnern, dass sie nicht unbegrenzt auf die Teilnehmer eingehen kann und auch den Zeitrahmen im Auge behalten muss. [...]
„Katrin Kompetent“ ist sehr selbstbewusst und verlässt sich auf ihr didaktisches und methodisches Können sowie ihre professionelle Haltung. Sie vermittelt den Teilnehmern, dass sie sich auf sie verlassen können und gibt ihnen die Sicherheit, bei ihr gut betreut zu werden. Sie arbeitet gerne mit dem „Experten“ zusammen, um sein Wissen den jeweiligen Teilnehmern angemessen zu präsentieren oder didaktisch aufzubereiten. Manchmal muss sie ihn etwas bremsen, damit er die Teilnehmer nicht mit zuviel Wissensinput überfordert und nicht in Monologe verfällt. „Fiona Flexibel“ agiert nach dem Prinzip der Teilnehmerorientierung. Sie versucht, am Wissen der Gruppe anzuknüpfen und sich flexibel auf ihre Wünsche, aber auch Konfliktsituationen und Problemstellungen einzustellen. Sie ist bereit, auch vom geplanten Ablauf abzuweichen. Unterstützt wird sie von „Ali Aufmerksam“. „Paul Planer“ hat sich genau überlegt, wie die Veranstaltung optimal ablaufen sollte. Er hat Plakate, übersichtliche Arbeitsblätter und Material vorbereitet und bereit gelegt. Er arbeitet mit „Fiona Flexibel“ zusammen, die ihn an geeigneter Stelle auf die Notwendigkeit einer Planänderung hinweist. 3.4.8.2 Die Mitglieder der Hintermannschaft Die „Beleidigte Leberwurst“ bezieht Kritik von Teilnehmern auf sich und nimmt unerwartete Veränderungswünsche von Teilnehmern persönlich. Dadurch fällt es ihr schwer, den wahren Grund für die Kritik herauszufinden und Verbesserungen einzuleiten. Oft möchte sie sich in diesem Zustand lieber zurückziehen und unterstützt gerne das Klagen von „Rita Resigniert“. „Rita Resigniert“ hat es satt, immer auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zu achten und in jedem Seminar einen gleichbleibend energiegeladenen Einsatz zu zeigen. Sobald sie es geschafft hat, die eine Veranstaltung befriedigend abzuschließen, Probleme gelöst und Fragen beantwortet zu haben, wartet schon das nächste Seminar mit ähnlichen Anforderungen und Problemstellungen. Die Meinung von der mit Freude arbeitenden „Enthusiastin“, dass jede Gruppe wieder neu und spannend sei, kann sie nicht teilen. Sie findet dies – häufig bei einem lange als Gruppenleitung tätigen Oberhaupt – eher mühevoll. „Axel Ärgerlich“ kann sich schwer zurückhalten, wenn ein Teilnehmer ein ihn persönlich oder die Gruppenarbeit störendes Verhalten zeigt. Er möchte gerne laut und deutlich sagen, was er von diesem Teilnehmer hält und wie sehr ihn sein Verhalten ärgert. Kommt es zu einer Auseinandersetzung, schreckt er nicht davor zurück, persönlich zu werden. Er mischt sich in die Vorgehensweise von „Katrin Kompetent“ ein, die stattdessen mit Feedbacktechniken und einer professionellen Haltung arbeitet, anstatt ihrem Ärger ohne Rücksicht Luft zu machen. Der „ Selbstzweifler“ findet immer etwas Negatives, um an seiner Kompetenz zu zweifeln. Weniger gut verlaufende Sequenzen oder Interaktionen mit Teilnehmern nimmt er zum Anlass, generell an seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Häufig mischen sich seine Botschaften mit denen des „Angsthasen“. 66 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832490089
Arbeit zitieren:
Ludwig, geb. Möller, Hella November 2004: Die innere Haltung der Gruppenleitung in der Erwachsenen- und Weiterbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Lernwiderstände, Das innere Team, Kollegiale Beratung Supervision Intervision, Rogers klientenzentierte Gesprächsführung, Moderation



