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Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko

Unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Direktinvestitionen

Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Rocio Torregrosa
  • Abgabedatum: November 2006
  • Umfang: 120 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 70
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0173-3
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0173-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Torregrosa, Rocio November 2006: Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen, Direktinvestition, Mexiko, Wirtschaftspolitik

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MA-Thesis / Master von Rocio Torregrosa

Einleitung:

Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko haben eine Jahrhundert lange alte Tradition. Bereits Alexander von Humbolt berichtete über seine Mexikoreise von 1803/1804 und weckte damit das Interesse an Mexiko. Kaufleute, vornehmlich aus Hamburg, aber auch aus Bremen und Preußen, gehörten zu den ersten Deutschen, die nach den napoleonischen Kriegen und der Kontinentalsperre aus eigener Initiative oder als Vertreter etablierter Handelshäuser nach Mexiko gingen und Kontakte mit dem entstehenden lateinamerikanischen Staat knüpften.

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten deutsche Auswanderer Mexiko als neue Heimat. Seit dem hat das Verhältnis beider Länder zueinander verschiedene Phasen durchlaufen. Der Handel und andere Geschäftsmöglichkeiten, wie beispielsweise Investitionen, waren und sind die wichtigsten Faktoren der deutsch-mexikanischen Beziehungen. Die wirtschaftlichen Verflechtungen sind stärker als die politischen und historischen Beziehungen. Deutschland war 2005 der viertgrößte Handelspartner Mexikos. Gegenüber den USA ist der deutsche Anteil jedoch gering. In Mexiko sind außerdem über 950 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung ansässig.

Mexiko ist der laut der UNCTAD der drittwichtigste Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen unter den Entwicklungsländern.. Bei den deutschen Direktinvestitionen in Lateinamerika stellte Mexiko 2003 mit einem Anteil von 23% nach Brasilien den zweitgrößten Nettoempfänger deutscher Direktinvestitionen.

Auf die ebenfalls bedeutende Entwicklungszusammenarbeit und die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern kann in dieser Arbeit nicht eingegangen werden, da sich die Untersuchung ausschließlich auf die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen fokussiert. Hiermit wird jedoch auf die intensiven Kontakte zwischen Deutschland und Mexiko in diesen Bereichen hingewiesen.

Problemstellung:

Die vorliegende Masterarbeit widmet sich der Fragestellung, welche Bedeutung Mexiko für Deutschland hat und wie sich das Verhältnis zwischen beiden Ländern im Laufe der Zeit gestaltete. Schwerpunkt der Untersuchung sind ist die mexikanische Wirtschaftspolitik und die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Arbeit setzt sich aus einem historischen und einem wirtschaftlichen Teil zusammen. Dabei soll dem Leser ein umfangreicher Überblick über die Wirtschaftsgeschichte Mexikos und die Rolle Deutschlands seit der Nachkriegszeit geboten werden. Eine besondere Stellung nehmen die deutschen Direktinvestitionen in Mexiko ein, die insbesondere im letzten Teil der Arbeit betrachtet werden.

Die Mehrheit der vorhandenen Arbeiten und Dissertationen widmen sich einem bestimmten, kürzeren Zeitraum oder einem konkreten Aspekt dieses Themas. Diese Arbeit ermöglicht durch die Darstellung mehrerer Dekaden den qualitativen und quantitativen Vergleich verschiedener Faktoren, wie zum Beispiel die Auswirkung von Freihandelsverträgen auf die Intensität der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Mexiko und Deutschland, die Rolle Mexikos in der deutschen Geschichte und die Entwicklung der politischen Kontakte.

Gang der Untersuchung:

Im Kapitel 2 werden zunächst die Geschichte Mexikos von der Entdeckung durch den spanischen Konquistador Hernán Cortés bis zum Zweiten Weltkrieg und die Rolle Deutschlands dargestellt. Dabei werden die ersten Kontakte zwischen beiden Bevölkerungen geschildert und die wichtigsten Aspekte dieser Beziehung seit der Entdeckung und Kolonisierung Mexikos erläutert. Insbesondere ist die Position Mexikos in der deutschen politischen Strategie Anfang des 20. Jahrhunderts von Bedeutung.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit der mexikanischen Wirtschaftsgeschichte und ihrer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland. Dabei werden zum einen die wirtschaftliche Entwicklung und die Wirtschaftspolitik des lateinamerikanischen Staates, zum anderen die verschiedenen Phasen des deutsch-mexikanischen Verhältnisses dargestellt. Besondere Bedeutung kommt auch hier den wirtschaftlichen Beziehungen zu.

Kapitel 4 ist der wirtschaftliche Teil der Arbeit, der sich mit den deutschen Direktinvestitionen in Mexiko beschäftigt. Nach einer begrifflichen Definition von Direktinvestitionen werden einige der wesentlichen Theorien dazu vorgestellt. Anschließend folgt eine Untersuchung des Investitionsklimas in Mexiko und eine Darstellung der deutschen Direktinvestitionen. Dabei ist insbesondere das eklektische Paradigma für die Erklärung von Bedeutung, auf das ausführlicher eingegangen wird.

Im Kapitel 5 erfolgen die Ergebnisse der Darstellung. Dabei werden die wichtigsten Aspekte der Untersuchung bewertet und eine persönliche Schlussfolgerung darüber getroffen, die als Grundlage für weitere Untersuchungen herangezogen werden kann.

Aufgrund unterschiedlicher Erfassungs- und Bewertungskriterien ist ein direkter Vergleich der Zahlen der Deutschen Bundesbank mit denen der Banco de Mexiko –die offizielle Direktinvestitionserfassungsstelle- nur eingeschränkt möglich. Die von der Bundesbank erfassten Investitionsbestände unterliegen bei Tätigkeiten in anderen Kontinenten zum Teil erheblichen Wechselkursschwankungen, das sie auf den Währungen der Tochtergesellschaften vor Ort basieren. Investitionen über Drittländer und ein Teil der Reinvestitionen werden von der Bundesbank nicht erfasst.

Die Bestandsstatistik erscheint jährlich als Beilage zur Zahlungsbilanzstatistik der Bundesrepublik in der Sonderveröffentlichung „Kapitalverflechtung mit dem Ausland“. Es handelt sich hierbei um die umfassendste Statistik zu deutschen Direktinvestitionen im Ausland, die neben einer Aufschlüsselung nach Anlageländern und Wirtschaftszweigen, auch Angaben zu Anzahl der Firmen, Beschäftigten und Umsatz enthält.

Die Daten der Deutschen Bundesbank basieren auf Bestandsmeldungen von Firmen mit Sitz in Deutschland über ihr Vermögen im Ausland bzw. das „Vermögen Gebietsansässiger in fremden Wirtschaftsgebieten“, zu denen diese gesetzlich verpflichtet sind. Meldepflichtig sind Unternehmen und Privatpersonen, soweit sie am Meldestichtag mehr als 10% der Kapitalanteile oder Stimmrechte an einem Unternehmen im Ausland direkt oder indirekt beispielsweise über eine Holding-Gesellschaft besitzen und das ausländische Unternehmen eine Bilanzsumme von umgerechnet mehr als 3 Mio. Euro aufweist, oder ein Unternehmen Zweigniederlassungen im Ausland mit einem Bruttobetriebsvermögen von mehr als 3 Mio. Euro im Ausland unterhält. Statistisch verlässliche Zahlen über Bestände von deutschen Direktinvestitionen sind erst ab dem Jahr 1976 von Zuverlässigkeit. Davor wurde eine andere Erfassungsmethode benutzt, die ein Vergleich der Zeitreihen nicht erlaubt.

Die mexikanische Statistik verwendet wiederum andere Erfassungsmethoden als die Deutsche Bundesbank. Reinvestitionen werden im weitaus geringeren Umfang erfasst, internationale Firmenzusammenschlüsse bleiben in der offiziellen Statistik unberücksichtigt. So wurden beispielsweise Neuinvestitionen von DaimlerChrysler in Mexiko als US-Investitionen erfasst.

1994 wurde die mexikanische Statistikmethode geändert, weshalb Vergleiche nur unter diesem Vorbehalt gezogen werden können. Die neue Methode – gültig seit dem Inkrafttreten der NAFTA und im Einklang mit dem OECD-Normen für Direktinvestitionen - erfasst nur die Projekte, die tatsächlich im jeweils angegebenen Jahr realisiert werden.

Die in der vorliegenden Arbeit verwendeten Daten für Direktinvestitionen basieren auf den Zahlen der Deutschen Bundesbank, die für die Darstellungen von DM in Euro umgerechnet wurden, und auf die Angaben der Banco de Mexiko. Beide Zeitreihen werden jedoch aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden nicht miteinander verglichen. Lediglich Abbildung 18 verwendet auch Zahlen für Deutschland der mexikanischen Statistik, da nur so die deutschen Investitionen in einem Gesamtzusammenhang dargestellt werden können. Dabei basieren die Daten der Secretaría de Economía auf der offiziellen Statistik der Banco de México.

Aufgrund der Wahrung von Einheitlichkeit wird im Textteil der Arbeit durchgehend der Begriff „Direktinvestition“ ausgeschrieben, anstatt die in den Wirtschaftswissenschaften übliche Abkürzung DI oder FDI zu verwenden.

Im Forschungsfeld der deutsch-mexikanischen Beziehungen nimmt die Zeit bis zur Reichsgründung 1871 bislang nur eine nachgeordnete Rolle ein. Die Wissenschaft hat sich insbesondere auf die Jahre zwischen 1870 und 1914 konzentriert, in denen Mexiko eine wichtigere Rolle in der deutschen Weltpolitik spielte. Auch die Zeit zwischen 1933 und 1945 ist mittlerweile gut erforscht. Die Gründe hierfür könnten in den Gerüchten um deutsche Eroberungsansichten – unter dem Schlagwort „Fünfte Kolonne“ - in Lateinamerika liegen. Publikationen, die sich mit der jüngsten Phase mexikanischer Geschichte beschäftigen, haben vorwiegend das Verhältnis zu den USA als Schwerpunkt. Die Forschung des deutsch-mexikanischen Verhältnisses seit der Nachkriegszeit beschäftigt sich hauptsächlich mit den ökonomischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die politischen Beziehungen werden vorwiegend im Kontext der deutschen Lateinamerikapolitik dargestellt.

Der Investitionsstandort Mexiko ist generell gut erforscht. Forschungsbedarf besteht hier bezüglich der Frage, welche Formen arbeitsrechtlicher, sozialer und ökologischer Regulierung genau einen hemmenden oder fördernden Einfluss auf Direktinvestitionen in Mexiko ausüben könnten.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Gegenstand und Gang der Untersuchung 1
1.2 Methodik 3
1.3 Forschungsstand 4
2. Die historischen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko bis 1945 6
2.1 Die Geschichte Mexikos und die Anfänge der deutsch-mexikanischen Beziehungen 6
2.1.1 Entdeckung und Kolonisation Mexikos 6
2.1.2 Die deutsche Emigration nach Lateinamerika im 19.Jahrhundert 7
2.2 Die Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 8
2.2.1 Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Mexiko 8
2.2.2 Die Rivalität mit den USA im Umfeld des Ersten Weltkriegs 12
2.3 Mexiko und das Dritte Reich 15
2.3.1 Die Stellung Lateinamerikas in der NS-Ideologie 15
2.3.2 Die Haltung Mexikos gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland 16
2.4 Resümee 17
3. Die Außenwirtschaftspolitik Mexikos seit 1950 unter Berücksichtigung der deutsch-mexikanischen Beziehungen 19
3.1 Von der Nachkriegszeit bis Ende dersechziger Jahre 19
3.1.1 Importsubstitution als mexikanische Wirtschaftsstrategie 19
3.1.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der fünfziger und sechziger Jahre 24
3.1.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Mexiko 26
3.2 Die siebziger Jahre 28
3.2.1 „Mexikanisierung“ und die ersten Krisenerscheinungen der mexikanischen Wirtschaftsstrategie 28
3.2.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der siebziger Jahre 32
3.2.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Mexiko 34
3.3 Die achtziger Jahre 35
3.3.1 Die Verschuldungskrise 1982 und der wirtschaftspolitische Paradigmenwechsel 35
3.3.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der achtziger Jahre 41
3.3.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik zu Mexiko 43
3.4 Von den neunziger Jahren bis in die Gegenwart 45
3.4.1 „Tequila-Krise“, NAFTA-Beitritt und ökonomische Erholung 45
3.4.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik von den neunziger Jahren bis in die Gegenwart 51
3.4.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko 52
3.5 Resümee 55
4. Mexiko als Investitionsstandort 59
4.1 Theorie der Direktinvestitionen 59
4.1.1 Begriffliche Grundlagen 59
4.1.2 Theoretische Erklärungsansätze für Direktinvestitionen 61
4.1.3 Formen und Motive von Direktinvestitionen 70
4.2 Investitionsklima in Mexiko 71
4.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 72
4.2.2 Politische Rahmenbedingungen 77
4.3 Deutsche Direktinvestitionen in Mexiko 80
4.3.1 Struktur und Entwicklung der deutschen Direktinvestitionen in Mexiko 80
4.3.2 Bestimmungsgründe der deutschen Direktinvestitionen nach dem OLI-Paradigma 84
4.3.3 Resümee 87
5. Zusammenfassung 90
Literaturverzeichnis 97
Anhang 104

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Gegenstand und Gang der Untersuchung 1
1.2 Methodik 3
1.3 Forschungsstand 4
2. Die historischen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko bis 1945 6
2.1 Die Geschichte Mexikos und die Anfänge der deutsch-mexikanischen Beziehungen 6
2.1.1 Entdeckung und Kolonisation Mexikos 6
2.1.2 Die deutsche Emigration nach Lateinamerika im 19.Jahrhundert 7
2.2 Die Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 8
2.2.1 Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Mexiko 8
2.2.2 Die Rivalität mit den USA im Umfeld des Ersten Weltkriegs 12
2.3 Mexiko und das Dritte Reich 15
2.3.1 Die Stellung Lateinamerikas in der NS-Ideologie 15
2.3.2 Die Haltung Mexikos gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland 16
2.4 Resümee 17
3. Die Außenwirtschaftspolitik Mexikos seit 1950 unter Berücksichtigung der deutsch-mexikanischen Beziehungen 19
3.1 Von der Nachkriegszeit bis Ende dersechziger Jahre 19
3.1.1 Importsubstitution als mexikanische Wirtschaftsstrategie 19
3.1.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der fünfziger und sechziger Jahre 24
3.1.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Mexiko 26
3.2 Die siebziger Jahre 28
3.2.1 „Mexikanisierung“ und die ersten Krisenerscheinungen der mexikanischen Wirtschaftsstrategie 28
3.2.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der siebziger Jahre 32
3.2.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Mexiko 34
3.3 Die achtziger Jahre 35
3.3.1 Die Verschuldungskrise 1982 und der wirtschaftspolitische Paradigmenwechsel 35
3.3.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik der achtziger Jahre 41
3.3.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik zu Mexiko 43
3.4 Von den neunziger Jahren bis in die Gegenwart 45
3.4.1 „Tequila-Krise“, NAFTA-Beitritt und ökonomische Erholung 45
3.4.2 Mexiko in der deutschen Außenpolitik von den neunziger Jahren bis in die Gegenwart 51
3.4.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko 52
3.5 Resümee 55
4. Mexiko als Investitionsstandort 59
4.1 Theorie der Direktinvestitionen 59
4.1.1 Begriffliche Grundlagen 59
4.1.2 Theoretische Erklärungsansätze für Direktinvestitionen 61
4.1.3 Formen und Motive von Direktinvestitionen 70
4.2 Investitionsklima in Mexiko 71
4.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 72
4.2.2 Politische Rahmenbedingungen 77
4.3 Deutsche Direktinvestitionen in Mexiko 80
4.3.1 Struktur und Entwicklung der deutschen Direktinvestitionen in Mexiko 80
4.3.2 Bestimmungsgründe der deutschen Direktinvestitionen nach dem OLI-Paradigma 84
4.3.3 Resümee 87
5. Zusammenfassung 90
Literaturverzeichnis 97
Anhang 104

Textprobe:

Kapitel 4.1.2, Theoretische Erklärungsansätze für Direktinvestitionen: Bisher existiert kein allumfassender Ansatz zur Erklärung aller Bestimmungsdeterminanten von Direktinvestitionen. Die vorhandenen theoretischen Ansätze eignen sich lediglich zur Erklärung einzelner Aspekte der Bestimmungsgründe. Die Außenhandelstheorie, die sich mit der Internationalisierung der Produktion beschäftigt, brachte die von Dunning entwickelte Theorie, die so genante OLI-Theorie hervor. Diese soll hier ausführlicher dargestellt werden. Weitere theoretische Ansätze werden zu Beginn in Anlehnung an Günter Heiduk/Jörg Kerlen-Prinz zur Übersicht vorgestellt.

Ein erster Erklärungsansatz für Direktinvestitionen entstammt der Außenhandelstheorie. Diese Theorie lieferte bis Anfang der sechziger Jahre die vorherrschenden Erklärungsansätze. Dieser Ansatz ist in erster Linie eine Erklärung für den Einsatz von Kapital und stellt eine Erweiterung des Heckscher-Ohlin-Modells dar: Die Annahme der internationalen Immobilität des Kapitals wird aufgehoben. Unternehmen können internationale Renditeunterscheide ausnutzen. Die determinative Erklärungsvariable ist die Kapitalverzinsung. Direktinvestitionen und andere Formen von internationalem Kapitaltransfer (beispielsweise Portfolioinvestitionen) lassen sich durch unterschiedliche Renditen im Mutter- und Anlageland erklären. Diese Unterschiede führen langfristig zu einer internationalen Zinsangleichung. Alleiniges Ziel eines Unternehmens in diesem Modell ist die Gewinnmaximierung.

Die erweiterte Zinssatztheorie berücksichtigt neben den Renditedifferenzen auch Wechselkurs- und andere Auslandsrisiken. Risiko und Diversifikationsüberlegungen sind genauso relevant wie Transaktionskosten. Damit können auch so genannte „cross-investments“ –parallele Kapitalbewegungen in ein Land und aus diesem heraus- erklärt werden. Die Kapitaltheorie stellt das einzelwirtschaftliche Gegenstück zur Zinstheorie dar. Im Mittelpunkt steht die multinationale Unternehmung, die Eigenkapital von Niedrig- in Hochzinsländer überträgt.

Eine weitere Theorie ist der Ansatz von Corden. Kernaussage dieser Theorie ist, dass durch die schrittweise Aufhebung von bestimmten Prämissen in einem Modell Aussagen über die Standortwahl der multinationalen Unternehmen (und den Auswirkungen auf die internationalen Handelsströme) möglich sind.

Er geht dabei von folgenden Annahmen aus: Es gebe die Produktionsfaktoren Arbeit, Sachkapital und Humankapital (Wissen). Die Nachfragebedingungen seien in allen Ländern identisch. Sach- und Humankapital seien international vollkommen mobil. Der Faktor Arbeit wäre international immobil. Die Produktionsfunktionen und die Faktorausstattungen unterlägen keinen Veränderungen im Zeitablauf. Die Produktionsfunktionen seien durch konstante Skalenerträge gekennzeichnet. Staatliche Interventionen, Zölle und Steuern träten nicht auf bzw. beeinflussen nicht die Standortentscheidung. Es existieren keine Transportkosten. Die Produktionsfunktionen seien in allen Ländern identisch.

Das wichtigste an diesem Ansatz ist die Aufhebung der Prämissen. Unterschiedliche Produktionsfunktionen (Aufhebung der Prämisse 8) bedeuteten unterschiedliche Effizienzen in der Produktion. Die effizientesten Produktionsstandorte würden die meisten mobilen Produktionsfaktoren anziehen. Die Berücksichtigung von Transportkosten (Aufhebung der Annahme 7) wirke handelshemmend und fördere die lokale Produktion. Staatliche Restriktionen (Aufhebung der Prämisse 6) wirken ebenfalls handelshemmend; die Standortwahl würde jetzt durch unterschiedliche Steuer- und Zollsätze bestimmt. Steigende Skalenerträge (Aufhebung der Prämisse 5) führten zu einer zentralisierten Produktion an einem Standort. Die Aufhebung der Prämisse 4 führte zu sich im Laufe der Zeit verändernden Standortbedingungen. Je nach veränderten Faktorproportionen und Produktionsfunktionen würden die Unternehmen eine Realallokation ihrer Direktinvestitionen vornehmen. Würde schließlich die Annahme der vollkommenen Faktormobilität (Prämisse 2) aufgehoben, so könne Humankapital nur mit erheblichen Kosten auf die ausländische Tochtergesellschaft übertragen werden. Ein Export wäre für das unternehmen vorteilhafter als eine Auslandsinvestition.

Der Ansatz von Hirsch hingegen untersucht die Entscheidungskriterien für die Internationalisierungsstrategie Export oder Direktinvestitionen und nach Bestimmungsdeterminanten für Direktinvestitionen. Hirsch erweitert ebenfalls das Heckscher-Ohlin-Modell um die Annahme der internationalen Kapitalmobilität. Er berücksichtigt auch firmenspezifische Wettbewerbsvorteile sowie Informations-, Kommunikation- und Transaktionskosten. Firmenspezifische Vorteile wären beispielsweise überlegene Technologie und Marketing.

Zusätzlich berücksichtigt er die unterschiedlichen Vertriebskosten beim Export und bei Direktinvestitionen (Vertriebskostendifferenz) und die Kontrollkostendifferenz. Diese entstehen durch die Koordination von Produktion, Beschaffung, Transport und Kommunikation und sind tendenziell bei den Direktinvestitionen höher. Bei Erfüllung zweier Voraussetzungen entscheide sich ein Unternehmen für eine Direktinvestition und gegen einen Export: Die Kosten der Direktinvestition (Produktionskosten und Kontrollkostendifferenz) sind geringer als die Exportkosten (Produktionskosten und Vertriebskostendifferenz).

Außerdem müssen die Korntrollkosten geringer sein als der Wert des firmenspezifischen Wettbewerbsvorteils gegenüber den Konkurrenten im Investitionslandland. Hirsch erweiterte sein Modell auf Mehr – Produkt - Unternehmen. Wichtig bei diesem Ansatz ist die Erklärung von Komplementärbeziehungen zwischen Exporten und Direktinvestitionen, da man bis dahin nur von Substitutionsbeziehungen ausgegangen war. Direktinvestitionen könnten weitere Exporte zum Beispiel dadurch fördern, dass Vorprodukte, die billiger im Herkunftsland des Investors produziert werden, in das Gastland exportiert werden könnten.

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Arbeit zitieren:
Torregrosa, Rocio November 2006: Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen, Direktinvestition, Mexiko, Wirtschaftspolitik

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