Die globale Nahrungsmittelkrise - eine Folge der Agrarsubventionen in Europa und den USA?
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Norbert Hiller
- Abgabedatum: Oktober 2008
- Umfang: 52 Seiten
- Dateigröße: 246,7 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- Originaltitel: Die globale Nahrungsmittelkrise - eine Folge der Agrarsubventionen in Europa und den USA?
- Bibliografie: ca. 61
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2444-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hiller, Norbert Oktober 2008: Die globale Nahrungsmittelkrise - eine Folge der Agrarsubventionen in Europa und den USA?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Nahrungsmittelkrise, Agrarsubventionen, Biokraftstoffe, USA, Lebensmittel
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Bachelorarbeit von Norbert Hiller
Einleitung:
Das Stillen der Grundbedürfnisse eines Menschen, wie sie die Ernährung darstellt, ist als Menschenrecht völkerrechtlich verankert. So heißt es in Artikel 11, Satz 2, Absatz b.) des UN-Sozialpakts von 1966:
„In Anerkennung des grundlegenden Rechts (…) vor Hunger geschützt zu sein, werden die Vertragsstaaten (…) Maßnahmen, einschließlich besonderer Programme, durchführen, zur Sicherung einer dem Bedarf entsprechenden gerechten Verteilung der Nahrungsmittelvorräte der Welt.“ Auch heute, über 40 Jahre nach der Unterzeichnung des Pakts, scheint die Welt von einer gerechten Verteilung der Nahrungsmittelvorräte weit entfernt zu sein. Studien zeigen, dass zwischen den Jahren 2001 und 2003 ca. 854 Mio. Menschen an Unterernährung litten. Demgegenüber sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ca. 1 Mrd. Menschen übergewichtig. Davon leiden ca. 300 Millionen an krankhafter Fettleibigkeit, Tendenz steigend. Diese prekäre Situation spitzte sich Anfang 2008 zu. In einer globalen Nahrungsmittelkrise kam es zu einem rasanten Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln, der teilweise in gewaltsamen Unruhen mündete.
Diese bis dato einmalige weltweite Erscheinung soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Faktoren, die möglicherweise zu dieser Krise führten, stellen dabei zentrale Aspekte der Ausarbeitung dar. Zunächst wird auf die Nahrungsmittelkrise eingegangen. Ihre Entstehung, sowie mögliche Ursachen werden thematisiert. Anschließend rücken die Agrarsubventionen der USA und der EU, welche in den Augen einiger Beobachter als Kernproblem der derzeitigen Krise ausgemacht werden, in den Mittelpunkt der Untersuchung. Nach einer theoretischen Analyse der Subventionen, sowie einer Bewertung ihrer Folgen, stehen weitere mögliche Ursachen der Nahrungsmittelkrise zur Diskussion. In einer abschließenden Zusammenfassung wird eine Prognose über die zukünftige Entwicklung abgegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die Nahrungsmittelkrise | 2 |
| 2.1 | Getreide: Angebot und Nachfrage | 2 |
| 2.2 | Entstehung der Krise | 6 |
| 2.3 | Mögliche Ursachen | 8 |
| 3. | Agrarpolitik und Subventionen in EU und USA | 10 |
| 3.1 | Theoretischer Hintergrund | 10 |
| 3.2 | Agrarpolitik und Agrarsubventionen | 14 |
| 3.3 | Bewertung der Agrarsubventionen | 19 |
| 4. | Analyse möglicher Ursachen der Nahrungsmittelkrise | 22 |
| 4.1 | Agrarsubventionen | 22 |
| 4.2 | Zunehmender Wohlstand | 25 |
| 4.3 | Spekulationen | 31 |
| 4.4 | Biokraftstoffe | 36 |
| 4.5 | Bewertung möglicher Ursachen | 40 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 41 |
| Literaturverzeichnis | V |
Textprobe:
Kapitel 3, Agrarpolitik und Subventionen in EU und USA: Der Agrarsektor wird in fast allen Ländern durch starke staatliche Eingriffe reglementiert. Die Gründe werden in den nun folgenden Abschnitten erläutert. Zu Beginn werden theoretische Hintergründe behandelt. Neben Definitionen und ökonomischen Begründungen werden Wirkungen und Folgen der Agrarpolitik, insbesondere das Instrument der Subventionen, anhand der Besonderheiten des Agrarsektors vorgestellt. Das darauf folgende Unterkapitel beschäftigt sich mit der Agrarpolitik in der EU und den USA. Anhand von Kennzahlen wird ein Einblick in die Agrarsubventionen der OECD-Länder, insbesondere in den USA und der EU, gewährt. Anschließend findet eine kritische Bewertung der vorgestellten Agrarsubventionen im Bezug auf den Agrarhandel statt.
Kapitel 3.1, Theoretischer Hintergrund: Agrarpolitik ist „die Gesamtheit aller Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen, die darauf abzielen, den Ablauf des agrarmarktpolitischen Geschehens in einem Bereich zu ordnen, zu beeinflussen oder unmittelbar festzulegen.“ Dies geschieht durch staatliche Eingriffe in den Agrarmarkt, mit der ökonomischen Rechtfertigung, die Ressourcennutzung in einer Volkswirtschaft effizienter (im Sinne der Produktivität) zu gestalten. Durch eine Stabilisierung der Preise kann das Risiko der Landwirte begrenzt werden, wodurch diese die Produktion risikobehafteter Güter ausdehnen. Dazu müssen sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite betrachtet werden. Die Nachfrageseite kann durch das Engelsche Gesetz charakterisiert werden, wonach die absoluten Ausgaben für Nahrungsmittel bei steigendem Haushaltseinkommen zunehmen, die relativen Nahrungsmittelausgaben jedoch abnehmen. Es handelt sich bei Nahrungsmitteln also um ein inferiores Gut. Bedingt durch den Anstieg der Haushaltseinkommen in den USA sowie in der EU, ist die Einkommenselastizität der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Gütern sehr gering, so dass die absolute Nachfrage trotz steigender Einkommen stabil geblieben ist. Darüber hinaus führt der relativ geringe Bevölkerungsanstieg in den USA sowie in der EU nicht zu einem bedeutenden Anstieg des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Einkommen der Landwirte steigen im Vergleich zur restlichen Bevölkerung nur sehr langsam, was einen Markteingriff zur Einkommensunterstützung rechtfertigen kann. Des Weiteren werden die Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse durch die Landwirtschaft, einkommens- und investitionshemmende klimatische Veränderungen, sowie die zentrale Bedeutung der Landwirtschaft im ländlichen Raum als weitere Markteingriffsargumente genannt.
Eine agrarökonomische Analyse findet jedoch meist auf der Angebotsseite des Marktes statt. Zwischen der Produktionsentscheidung und der eigentlichen Produktion liegt ein großer zeitlicher Unterschied, was dazu führt, dass oft ein zu hohes bzw. zu niedriges Angebot herrscht, wodurch die Einkommen im Agrarsektor sehr instabil sind. Aufgrund einer mangelnden intersektoralen Mobilität des Faktors Arbeit in der Landwirtschaft, blieb eine Marktbereinigung aus, wodurch ein Eingriff des Staates notwendig wurde.
Subventionen sind neben Preisstützung, Mengensteuerung und Einkommensübertragungen im Bereich der landwirtschaftlichen Markt- und Preispolitik von entscheidender Bedeutung. In der Literatur existiert eine Vielzahl von Definitionen des Subventionsbegriffes. Krol und Schmid differenzieren zwei Subventionsbegriffe: Sie unterscheiden zwischen einer „engen“ und einer „weiten“ Definition. Subventionen nach enger Definition sind alle Geldzahlungen der öffentlichen Hand, die ohne Gegenleistung an Unternehmen fließen. Eingriffe des Staates in die Marktwirtschaft umfassen die weite Definition. Letztere soll hier bevorzugt werden, um aus den Wirkungen aller staatlichen Maßnahmen auf etwaige Subventionstatbestände zurückschließen zu können. Der Agrarsektor wird nach Koester von drei Subventionsarten dominiert: Eine produktgebundene Subvention ist eine Subvention, die an die Produktionsmenge gebunden ist. Unter einer faktorgebundenen Subvention versteht man Zahlungen, welche nicht direkt an eine Produktion gekoppelt sind. Personengebundene Subventionen spielen heute eine geringe Rolle und werden in dieser Arbeit nicht weiter betrachtet.
Eingriffe des Staates in den Markt mit Hilfe von Subventionen folgen in der Regel Preis- und Mengeneffekte. Eine Subvention pro produzierte Mengeneinheit soll anhand der Abbildung 5 erläutert werden:
Die Gerade D bezeichnet die Nachfragefunktion, S stellt die Angebotsfunktion ohne Subventionen dar. Die Subventionierung in Höhe von z führt zu einer Veränderung der Grenzkosten der Produzenten, was sich durch eine Verschiebung der Angebotskurve um den Subventionssatz z nach unten äußert. Subventionen haben folglich zwei Wirkungen: eine Produktionsausdehnung inklusive Preissenkung, sowie einen Wohlfahrtsverlust.
So steigt die Produktion von x1 auf x2. Der Preis sinkt von p1 auf p2. Dadurch drückt der Staat den Marktpreis und stimuliert die Produktion sowie den Verbrauch. Das Ausmaß dieser Wirkung hängt von den Angebots- und Nachfrageelastizitäten ab. Koester bemerkt: „Je nach den Preiselastizitäten von Angebot und Nachfrage wird die Subvention mehr zu einer Begünstigung der Konsumenten oder Produzenten führen.“ In der obigen Zeichnung liegen eine hohe Nachfrage- sowie eine geringe Angebotselastizität vor. Durch die Subventionszahlung in Höhe von z wird ersichtlich, dass diese bei gegebenen Elastizitäten zu einer großen Produktionsausdehnung und einer verhältnismäßig geringen Preissenkung führt.
Des Weiteren führt die Subvention zu einem Wohlfahrtsverlust. Im Gleichgewicht F entspricht die Konsumentenrente der Fläche p1CE. Durch die Subvention steigt die der Konsumentenrente auf die Fläche p2CF. Die Produzentenrente steigt von Ap1E auf das Dreieck ABD. Der Staat muss für die Zuwächse Ausgaben in Höhe der Fläche p2BDF entrichten. Diese übersteigen die Summe der Konsumenten- und Produzentenrente um die Fläche DEF. Die Subventionszahlungen sind somit höher als die Rentenzuwächse. Aufgrund dieser preis- und wohlfahrtstheoretischen Überlegungen kann geschlussfolgert werden, dass Subventionen per Saldo nur Nachteile haben.
Trotz dieser Erkenntnis werden Subventionen gezahlt. Der Staat versucht, dadurch Mangelerscheinungen des Marktmechanismus, wie z.B. externe Effekte, mangelnde Bereitstellung von Kollektivgütern oder ungerechte Einkommensverteilungen zu beheben. Die Agrarpolitik dient hier u.a. der Rechtfertigung staatlicher Aktivitäten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836624442
Arbeit zitieren:
Hiller, Norbert Oktober 2008: Die globale Nahrungsmittelkrise - eine Folge der Agrarsubventionen in Europa und den USA?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Nahrungsmittelkrise, Agrarsubventionen, Biokraftstoffe, USA, Lebensmittel



