Zur gesundheitlichen Situation von alleinerziehenden Müttern
Erscheinungsformen und Umgang
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Franka Wiechmann
- Abgabedatum: Januar 2007
- Umfang: 132 Seiten
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Potsdam Deutschland
- Bibliografie: ca. 61
- ISBN (CD) :978-3-8366-0799-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wiechmann, Franka Januar 2007: Zur gesundheitlichen Situation von alleinerziehenden Müttern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Alleinerziehende Mütter, Gesundheit, Wohlbefinden, Belastungsfaktoren, Ressourcen
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Diplomarbeit von Franka Wiechmann
Einleitung:
„So insgesamt schätze ich meine Situation eigentlich als gut ein. Trotzdem ich alleinerziehend bin, sage ich trotzdem, weil ich einfach auch über ein paar wichtige Punkte verfüge im Moment, die die ganze Situation eigentlich ja so machen. Ich habe einen Job, der richtig gut bezahlt ist. Mit Gleitzeit, wo man also auch mal ein bisschen verschieben kann, wenn mit dem Kind irgendwas ist und ich habe das Glück, eine arbeitslose Oma zu haben. Die sich eben auch um das Kind kümmern kann, wenn mal was ist. Wenn Krankheit ist und ich wirklich nicht von der Arbeit weg kann. Ich glaube, dass das ganz wichtige Punkte sind, dass man gut zurechtkommt“.
Diese oder ähnliche Aussagen höre ich auch hin und wieder von Freunden und Bekannten, die als Alleinerziehende leben. Allerdings deutet das Zitat an, dass es scheinbar verschiedene Dinge braucht, um den Alltag als alleinerziehende Mutter zu bewältigen. Was passiert aber, wenn diese Dinge fehlen?
Während meines Praktikums beim Fachdienst Jugend und Familie hatte ich regelmäßig berufsspezifische Kontakte zu alleinerziehenden Müttern. Ihre Nöte, Bedürfnisse und Freuden ähnelten sich alle. Ich fragte mich, was das Besondere an dieser Lebensform ist? Sind alleinerziehende Mütter typischen Belastungen ausgesetzt und wirkt sich das auf ihr Wohlbefinden aus? Mein Interesse, ob der Umstand des Alleinerziehens das subjektive Wohlbefinden, möglicherweise sogar die Gesundheit der Mütter beeinflusst und wie die Frauen mit diesem Sachverhalt umgehen, wuchs. Ich entschied mich dazu, diesen und weiteren Fragestellungen in meiner Diplomarbeit nachzugehen. Mit der Ausformulierung des Themas wurden auch die wichtigsten Inhalte abgesteckt.
Gang der Untersuchung:
Zunächst werde ich klären, welchen Ursprung Lebensformen genommen haben und wie sie sich im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen verändert haben. Verschiedene Theorien versuchen dabei, eine logische und konsequente Erklärung für Veränderungen des familiären Zusammenlebens zu geben.
Weitergehend erscheint es mir in diesem Kontext unumgänglich, mich der Lebensform der alleinerziehenden Mutter ganz formal anzunähern: Wie sieht die typische alleinerziehende Mutter in ihrer Lebenssituation aus? Gibt es überhaupt eine typische Erscheinung? Welche Situationen und Entwicklungen tragen zu ihrer Entstehung bei? Ich erhoffe mir durch dieses Vorgehen ein besseres und tiefgründigeres Verständnis für eine Lebenssituation, die mir nach subjektiver Einschätzung immer häufiger in der Lebenswirklichkeit begegnet.
Das Dritte Kapitel beinhaltet das Hauptanliegen meiner Arbeit: Ich will herausfinden, welche Faktoren Belastungen im Leben einer alleinerziehenden Mutter darstellen; insbesondere die auf die Gesundheit wirkenden Belastungen scheinen mir dabei bedeutungsvoll. Zugleich interessieren mich interne und externe Ressourcen, die die Mütter nutzen können, um den Belastungen im Lebensalltag zu begegnen.
Im Rahmen dieser literaturgeleiteten Arbeit ist es mir ein Anliegen, den Expertinnen Raum für ihre subjektive Sicht einzuräumen. Ich will auf diese Weise klären, ob sich die theoretischen Ansichten aus der Literatur auch im Leben der alleinerziehenden Mütter wiederfinden lassen. Hierzu sollen mir Expertinneninterviews dienen, die jedoch nicht als repräsentative wissenschaftliche Untersuchung angelegt sind.
Schlussendlich erachte ich eine Diplomarbeit in dieser Form nur dann als sinnvoll, wenn auch die Interventions- und Unterstützungsebene zum Tragen kommt. Daher widmet sich das Sechste Kapitel möglichen Unterstützungsquellen, die alleinerziehende Mütter in ihrer spezifischen Lebenssituation benötigen.
Bei der Wahl meiner Thematik wende ich mich insbesondere den Müttern zu. Obwohl die Zahl alleinerziehender Väter stetig wächst, gibt es in Deutschland derzeit ca. 2,2 Mio. alleinerziehende Mütter (rund 87%), die somit den Kernbestand aller Alleinerziehenden ausmachen.
Eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie in dieser Arbeit, wurde nicht in allen von mir ausgewerteten Studien und Untersuchungen vorgenommen. Es ließ sich daher nicht vermeiden, an einigen Stellen Daten zu verwenden, die sich sowohl auf alleinerziehende Väter wie auch Mütter beziehen. In diesen Fällen habe ich die allgemeine begriffliche Form der Alleinerziehenden verwendet.
Abschließend noch ein Hinweis zur sprachlichen Form: Zugunsten der Lesbarkeit habe ich auf eine ständige Berücksichtigung und Differenzierung der Anzahl der Kinder in der Regel verzichtet. Durch die pluralische Formulierung ‚Kinder’ ist auch das ‚Kind’ einer alleinerziehenden Mutter in die Betrachtung mit eingeschlossen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 7 | |
| 1. | Entstehungszusammenhang von Lebensformen | 10 |
| 1.1 | DIE MODERNE KLEINFAMILIE ALS GELEBTE NORMALITÄT | 11 |
| 1.2 | WANDEL DES FAMILIALEN ZUSAMMENLEBENS | 13 |
| 1.2.1 | Theorie der Deinstitutionalisierung | 14 |
| 1.2.2 | Ökonomische Theorie | 16 |
| 2. | Die Lebensform alleinerziehende Mutter | 18 |
| 2.1 | MUTTERFAMILIEN- MERKMALE UND ERSCHEINUNGSFORMEN | 20 |
| 2.1.1 | Merkmale der Lebensform | 20 |
| 2.1.2 | Typische Erscheinungsformen | 21 |
| 2.1.3 | Die Lebensform alleinerziehende Mutter im Blickfeld der Statistik | 24 |
| 2.2 | MUTTERFAMILIEN- ENTSTEHUNGSZUSAMMENHÄNGE | 28 |
| 2.2.1 | Freiwillig Alleinerziehende | 31 |
| 2.2.2 | Bedingt freiwillig Alleinerziehende | 32 |
| 2.2.3 | Zwangsläufig Alleinerziehende | 33 |
| 2.2.4 | Ungewollt Alleinerziehende | 34 |
| 2.3 | PROBLEME UND KONFLIKTE ALLEINERZIEHENDER MÜTTER | 35 |
| 2.3.1 | Mehrbelastung durch Abwesenheit eines Elternteils | 37 |
| 2.3.2 | Ökonomische Situation | 38 |
| 2.3.3 | Diskriminierung als Minorität | 41 |
| 2.4 | ZUSAMMENFASSUNG | 43 |
| 3. | Zur gesundheitlichen Situation von alleinerziehenden Müttern | 44 |
| 3.1 | BEGRIFFSBESTIMMUNG | 45 |
| 3.1.1 | Gesundheit | 45 |
| 3.1.2 | Krankheit | 47 |
| 3.1.3 | Wohlbefinden | 48 |
| 3.2 | GESUNDHEITSMODELLE | 50 |
| 3.3 | GESUNDHEIT VON FRAUEN | 52 |
| 3.4 | DIE GESUNDHEITLICHE SITUATION VON ALLEINERZIEHENDEN MÜTTERN | 54 |
| 3.4.1 | Gesundheitliche Belastungsfaktoren von alleinerziehenden Müttern | 57 |
| 3.4.1.1 | Belastungsfaktor Sozioökonomische Situation | 59 |
| 3.4.1.2 | Belastungsfaktor Rollenvielfalt | 62 |
| 3.4.1.3 | Belastungsfaktor Soziales Netzwerk | 65 |
| 3.4.2 | Bewältigung von Belastung durch gesundheitliche Ressourcen | 67 |
| 3.4.2.1 | Unterstützung durch Soziale Netzwerke | 69 |
| 3.4.2.2 | Das Kind als Unterstützungsdimension | 72 |
| 3.4.2.3 | Belastungsbewältigung durch die eigene Persönlichkeit | 74 |
| 3.4.2.4 | Teilnahme am Erwerbsleben als gesundheitliche Ressource | 75 |
| 3.5 | ZUSAMMENFASSUNG | 76 |
| 4. | Forschungsfeld Interviews | 77 |
| 4.1 | METHODIK DER UNTERSUCHUNG | 77 |
| 4.2 | FRAGESTELLUNG | 79 |
| 4.3 | VORSTELLUNG DER INTERVIEWPARTNER | 81 |
| 5. | Ergebnisse des Forschungsfeldes | 84 |
| 6. | Unterstützungsbedarfe und -möglichkeiten | 92 |
| 7. | Fazit | 96 |
| Anhangverzeichnis | 101 | |
| Anhang | 102 | |
| Abbildungsverzeichnis | 124 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 125 | |
| Literaturverzeichnis | 127 | |
| Danksagung | 135 |
Textprobe:
Kapitel 3.1.3, Wohlbefinden:
Die Bedeutung des subjektiven Wohlbefindens eines Menschen wird bereits in der Definition von Gesundheit nach der WHO unterstrichen. Wohlbefinden stellt somit einen Teil der gesundheitlichen Situation eines Menschen dar. Dabei lassen fehlende Belastungen nicht automatisch auf ein positives Wohlbefinden schließen.
„Als Wohlbefinden bezeichnet man einen Zustand subjektiv empfundener Gesundheit und Freiheit beim Menschen“. Innere Faktoren, wie Ernährungszustand, eigene Motivation, geistige und körperliche Aktivität, Krankheitssymptome, beeinflussen dabei das Wohlbefinden ebenso, wie äußere Faktoren, zu denen physikalische Umgebungsbedingungen (Temperatur, Licht, Wärme) und soziales Umfeld (Vorhandensein von Bezugspersonen) gehören In der Fachliteratur werden Begriffe wie Glück, Lebenszufriedenheit und Freude häufig synonym mit dem Begriff Wohlbefinden verwendet. Weitergehende differenzierte Definitionen sind hingegen kaum zu finden. Überwiegend wird auf die subjektive Sichtweise verwiesen und im Übrigen BECKER zitiert.
BECKER hat eine Strukturierung des Wohlbefindens vorgenommen. Er umschreibt zum einen das aktuelle Wohlbefinden als augenblickliche Befindlichkeit eines Menschen, die „positiv getönte Gefühle, Stimmungen und körperliche Empfindungen sowie das Fehlen von Beschwerden umfasst“. Zum anderen führt er das habituelle Wohlbefinden an, bei dem es sich um das „für eine Person typische Wohlbefinden“ handelt. In einer weiteren Differenzierung ergibt sich aus dem habituellen psychischen Wohlbefinden und dem habituellen physischen Wohlbefinden die „allgemeine und bereichsspezifische Lebenszufriedenheit“.
Während BECKER die soziale Komponente als einen Faktor auf die Ausprägung des habituellen Wohlbefindens erwähnt, bindet CHRISTEINER diese unmittelbar in die Systematik ein. In Anlehnung an die Definition von Gesundheit der WHO ergänzt sie BECKER´s Strukturmodell „um eine weitere Dimension, die soziale“. Diese Erweiterung findet sich ebenfalls in der lexikalischen Definition von Wohlbefinden. Auch hier ist neben physischem und psychischem Wohlbefinden das soziale Wohlbefinden als eigenständige Kategorie genannt. Dabei wird unter physischem Wohlbefinden eine positive körperliche Empfindung gesehen, z.B. Vitalität, angenehme Müdigkeit. Psychisches Wohlbefinden zeichnet sich durch positive Gefühle, Stimmungen und Beschwerdefreiheit aus, z.B. Freude. Soziales Wohlbefinden beinhaltet eine positive subjektive Einschätzung der sozialen Kontakte und Unterstützung. Die Einbeziehung und entsprechende Bewertung sozialer Komponenten bei der Betrachtung des Wohlbefindens halte ich für sehr bedeutsam. Daher werde ich diesem Aspekt in einem spätern Abschnitt weitere Aufmerksamkeit schenken.
Wie auch immer der Begriff unterteilt wird: Wohlbefinden stellt eine Komponente dar, die von besonderer Bedeutung für das gesundheitliche Empfinden eines Menschen ist und sie mitbestimmt. Die subjektive Einschätzung des Wohlbefindens zusammen mit einer objektiven Beurteilung von Gesundheit/ Krankheit ergeben ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand einer Person.
Kapitel 3.2, GESUNDHEITSMODELLE:
Gesundheitskonzepte sind Modellvorstellungen von Gesundheit und Krankheit, die u.a. dazu dienen, Verfahren zur Diagnostik zu entwickeln und Methoden der Behandlung und Prävention abzuleiten. Auch für das Verständnis der gesundheitlichen Situation von alleinerziehenden Müttern erscheint es mir wichtig, ein methodisches Konzept zur Hand zu haben, um ggf. weiteres methodisches Vorgehen zu planen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Auf eines dieser Modelle möchte ich im Folgenden näher eingehen: In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte Aaron Antonovsky abweichend von früheren Betrachtungsweisen ein noch heute bedeutsames Konzept über Gesundheit- das Modell der Salutogenese . Ihm ging es nicht mehr nur um die Frage, warum jemand erkrankte, sondern, warum „Menschen trotz der Konfrontation mit einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken gesund bleiben und nicht erkranken“.
Bei der Bearbeitung der vorangegangen Kapitel wurde bereits deutlich, dass Gesundheit und Krankheit keine absoluten Zustände im Sinne ‚entweder man ist gesund oder krank’ darstellen, sondern differenziert zu betrachten sind. Antonovsky geht in seinen Überlegungen noch weiter: Nach seinem Modell lassen sich Gesundheit und Krankheit auf einem Kontinuum mit den beiden Polen gesund und krank ansiedeln. Damit ist jeder Mensch immer ein wenig gesund und immer ein wenig krank.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836607995
Arbeit zitieren:
Wiechmann, Franka Januar 2007: Zur gesundheitlichen Situation von alleinerziehenden Müttern, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Alleinerziehende Mütter, Gesundheit, Wohlbefinden, Belastungsfaktoren, Ressourcen



