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Zur förderdiagnostischen Begutachtung in Sachsen und anderen Bundesländern

Ein Vergleich

Zur förderdiagnostischen Begutachtung in Sachsen und anderen Bundesländern
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Jens Grotzsch
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 78 Seiten
  • Dateigröße: 964,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6330-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6330-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6330-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Grotzsch, Jens September 2002: Zur förderdiagnostischen Begutachtung in Sachsen und anderen Bundesländern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Förderdiagnostik, Gutachtenerstellung, statistische Auswertung, Fördergutachten, Einordnung Sachsen

Staatsexamensarbeit von Jens Grotzsch

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit zum Thema „Förderdiagnostische Begutachtung“ fertigte ich im Zeitraum Mai – August 2002 im Rahmen der ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Förderschulen an.

Während eines Seminars mit dem Gegenstand der Qualitativen Sozialforschung wurde ich von Herrn Dr. Jogschies daraufhin angesprochen, an einem Projekt mitzuarbeiten, welches sich der Qualität und den Strukturen von Fördergutachten und –plänen in Deutschland widmet. Der wesentliche Teil der Arbeit bestand zunächst darin, mich mit Hilfe des Computerprogramms „ATLAS/ti 4.1“ mit meiner Arbeitsgrundlage zu beschäftigen: Einer Umfrage des Comenius Institutes Radebeul.

ATLAS/ti wurde zunächst innerhalb eines universitären Forschungsprojektes entwickelt und schließlich als Kommerzielle Version auf dem freien Markt verkauft. Es handelt sich dabei um Software zur qualitativen Datenanalyse. Damit war es mir im Vorfeld möglich, das digitalisierte Datenmaterial zu codieren, die textuellen Daten also qualitativ zu analysieren, interpretieren, sortieren und zu verwalten.

All diese Vorarbeit war notwendig, um mich umfassend mit dem eigentlichen Kern beschäftigen zu können.

2001 wurde durch das Comenius Institut Radebeul eine Umfrage an alle Bundesländer gestartet, die eruieren sollte, inwieweit mit Fördergutachten und –plänen in Deutschland gearbeitet wird, welche Prozesse dabei ablaufen, wer beteiligt ist usw.

Diese Arbeit soll nun dazu dienen, diese Umfrage auszuwerten, um daraufhin feststellen zu können, welche Standards, welche Leitlinien in den verschiedenen Bundesländern existieren, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche förderdiagnostisch zu begutachten, eine Entscheidung über ihren weiteren Bildungsweg zu geben.

Dazu erscheint es mir zunächst notwendig, Fachleute zu befragen, welche theoretischen Grundlagen es dafür gibt, ob eventuell bereits fertige Konzepte existieren oder der Förderschullehrer, welcher sich in der Praxis befindet, vielmehr auf sich allein und seinen gesunden Menschenverstand gestellt ist.

Abschließend möchte ich darauf eingehen, inwieweit sich Sachsen in all diese Prozesse eingliedern lässt, wobei vor allem die rechtlichen / gesetzlichen Rahmenbedingungen eine Rolle spielen sollen. Vorwiegend konnte ich dazu die Sonderschulverordnung zu Rate ziehen, ebenso das Schulgesetz für Sachsen.

Mit dem Kapitel „Ausblick und Zusammenfassung“ möchte ich darüber hinaus versuchen, perspektivisch Aussagen von Lehrern bezüglich der Verbesserungsfähigkeit des Systems „Förderschule“ einzuordnen und zu betrachten, wie gute Vorschläge aus der Praxis in das Konstrukt einfließen können.

Inhaltsverzeichnis:

0. EINLEITUNG 4
1. EINFÜHRENDE AUSSAGEN ZUM THEMA- ALLGEMEINE BEMERKUNGEN 6
2. NUTZEN UND FUNKTION VON DIAGNOSTIK 8
2.1 PÄDAGOGISCHES HANDELN IN DER PRAXIS 8
2.2 GESTALTUNG DER DIAGNOSTISCHEN SITUATION 9
2.3 DAS DIAGNOSTISCHE GESPRÄCH 10
2.3.1 Mögliche Fehlerquellen im Diagnostischen Gespräch 11
2.3.2 Rahmenbedingungen 13
2.4 DIAGNOSTIK ALS PROZEß 14
2.4.1 Der Prozeßverlauf 15
2.4.1.1 Fachliche Kompetenz und Berufsethos des Diagnostikers 16
2.4.1.2 Algorithmensysteme und Einbindung in den Prozeßverlauf 18
2.4.2 Beispiel zum Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs - NRW (nach Mand 2002) 20
2.5 NEUE ENTWICKLUNGEN IN DER FÖRDERDIAGNOSTIK 22
2.6 DER EINFLUß VON GUTACHTERVARIABLEN 24
3. FRAGENKATALOG ZUR GESTALTUNG DES FÖRDERDIAGNOSTISCHEN PROZESSES 26
3.1 VORBEMERKUNGEN 26
3.2 TEIL I - ZUM VERFAHRENSWEG 27
3.2.1 Vorbemerkungen 27
3.2.2 Meldung und Durchführung 28
3.2.3 Meldung der Schüler 32
3.2.4 Der förderdiagnostische Prozeß 33
3.2.5 Zur Entscheidung von Bildungsgang und Förderort 35
3.3 TEIL II - ZUR DATENERHEBUNG 38
3.3.1 Vorbemerkungen 38
3.3.2 Methoden und Verfahren 38
3.3.2.1 Lernen und geistige Entwicklung 42
3.3.2.2 Verhalten 44
3.3.2.3 Sprache 45
3.3.2.4 Motorische Entwicklung 46
3.3.2.5 Sehen und hören 48
3.3.3 Formen der Diagnostik 49
3.3.4 Dauer 51
3.4 TEIL III - ZU GUTACHTEN UND FÖRDERPLAN 51
3.4.1 Vorbemerkungen 51
3.4.1.1 Gutachten- und Förderplan -erstellung 52
3.4.1.2 Förderung 56
3.4.1.3 Hypothesenbildung 57
3.4.1.4 Auswertung 60
3.4.1.5 Qualität der Gutachten 61
4. EINORDNUNG SACHSENS 63
4.1 VORBEMERKUNGEN 63
4.2 AUFNAHMEVERFAHREN 64
4.3 GUTACHTENERSTELLUNG 64
4.4 GUTACHTENAUFBAU UND FÖRDERPLAN 65
4.5 BEISPIEL FÜR EINEN LEITFADEN 67
5. AUSBLICK UND ZUSAMMENFASSUNG 72
6. SCHLUßWORT 75
7. LITERATURLISTE 76
8. RECHTLICHE ERKLÄRUNG 80

Automatisiert erstellter Textauszug:

Standardisierte Tests werden in vier von acht Bundesländern angewandt, alle anderen Nennungen sind marginal und nur erwähnenswert: Hospitationen sowie eine Kind – Umfeld – Analyse oder eine Probebeschulung (wie sie derzeit noch vereinzelt in Sachsen stattfindet) werden jeweils einmal genannt, sonderpädagogische Beratungsgespräche ebenfalls. Bei der Frage nach den Methoden, die sich in der diagnostischen Praxis bewährt haben, gibt es eine kleine Überraschung: Zwar sind vier von acht Bundesländern der Meinung, nichtstandardisierte Tests in der Förderdiagnostik einsetzen zu müssen – konkret Beobachtungen werden sogar in sechs von acht (Frage I 1.) bzw. fünf von acht (Frage I 2.) Fällen genannt – in der Praxis jedoch haben sich solche Methoden gerade in zwei Bundesländern bewährt. [...]

dung belangvoll sein könnte. Sie können (...) immer nur Stichproben entnehmen, auch wo sie sich auf den einzelnen konzentrieren.“ (Tent / Stelzl S. 226) Vorkenntnisse – wissenschaftlicher wie persönlicher Art – lassen ein Kind oft in anderem Lichte erscheinen, als dies unvoreingenommen der Fall wäre. Persönliche Erwartungshaltungen, Einstellungen und Werte werden auf den Probanden, den Schüler übertragen; der soziale Kontext spielt keine unwesentliche Rolle dabei. Zeitlich ist die Förderdiagnostik schwer zu kategorisieren: In drei von acht Ländern dauert sie mehrere Wochen bis Monate, ist also teilweise über das ganze Schuljahr verteilt. Andere Länder wiederum benötigen dazu in aller Regel nicht mehr als wenige Tage (3 – 4) bzw. eine Woche, ein Bundesland braucht etwas mehr als eine Woche zur förderdiagnostischen Begutachtung eines Schülers. Frage Nr. 2 verdeutlicht noch einmal das soeben Beschriebene: Beobachtungen, mithin nichtstandardisierte Tests, bestreiten den Großteil der eingesetzten Verfahren, um die Lernfähigkeit und auch eine Lernerfolgskontrolle festzustellen. [...]

ten Personen daran beteiligt sind, Anamnese11 und Diagnostik durchzuführen, in einem Land Förderpädagoge und Psychologe zusammen. Ein wenig überrascht, daß lediglich in vier Ländern standardisierte Tests angewandt werden12, nichtstandardisierte Tests (wie Gespräche, Hospitationen, freie Beobachtungen) scheinen immer noch große Bedeutung im förderdiagnostischen Prozeß zu besitzen: jeweils vier Nennungen bzw. das sechsmalige Nennen des Punktes „Beobachtung“ belegen dies. Natürlich soll nicht unterschlagen werden, daß dies immer noch außerordentlich wichtige und unverzichtbare Verfahren sind, vor allem, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, einen bereits gewonnenen zu verfestigen bzw. zu widerlegen. Dennoch – und darauf bin ich bereits unter Punkt 2.6 („Der Einfluß von Gutachtervariablen“) eingegangen, gibt es zahlreiche Fehlerquellen, welche gerade bei Gesprächen nicht ausgeschlossen werden können. Tent und Stelzl (1993) beschreiben diesbezüglich in besonderem Maße Erinnerungs- und Urteilsfehler als eine Reihe heterogener Effekte, die eine Verfälschung der Ergebnisse hervorrufen können. Diese kommt nicht zuletzt dadurch zustande, daß Lehrer meist nicht nur ein Kind zu beobachten haben, sondern sich auf mehrere Schüler gleichzeitig konzentrieren müssen. „Sie müssen große Mengen an Informationen aufnehmen, speichern und verarbeiten. Natürlich können sie bei weitem nicht alles wahrnehmen und behalten, was für ihre diagnostische Urteilsbil11 [...]

Arbeit zitieren:
Grotzsch, Jens September 2002: Zur förderdiagnostischen Begutachtung in Sachsen und anderen Bundesländern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Förderdiagnostik, Gutachtenerstellung, statistische Auswertung, Fördergutachten, Einordnung Sachsen

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