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Die emotionale und kognitive Entwicklung von Zwillingskindern

Die emotionale und kognitive Entwicklung von Zwillingskindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephanie Martin
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 634,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 42
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3045-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Martin, Stephanie Dezember 2008: Die emotionale und kognitive Entwicklung von Zwillingskindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: emotionale Entwicklung, kognitive Entwicklung, Zwillinge, Identität, Erziehung

Diplomarbeit von Stephanie Martin

Einleitung:

Obwohl Zwillinge in der heutigen Gesellschaft gehäuft auftreten, wird ihre Existenz immer noch als besonders und außergewöhnlich angesehen. In früheren Zeiten war diese Vorstellung noch deutlicher ausgeprägt, denn in Mythen wurden Zwillinge teilweise als Gottheiten verehrt, wobei ihnen andererseits etwas Bedrohliches und Gefährliches unterstellt wurde.

Es existiert eine ambivalente Denk- und Sichtweise von Zwillingen. Menschen stellen sich auf der einen Seite zwei Kinder vor, die in identischer Kleidung süß aussehen, womöglich dieselbe Frisur tragen und meist im gleichen Augenblick antworten. Des Weiteren wird es häufig als Vorteil angesehen, wenn Zwillinge gleichaltrig gemeinsam aufwachsen. Auf der anderen Seite werden doppelte Anforderungen und zweifacher Stress durch Zwillinge angenommen. Doch welche Denkweise spiegelt eigentlich die Realität wider?

Im Fokus dieser Arbeit soll die entwicklungspsychologische sowie pädagogische Perspektive stehen. Wie entwickeln sich Zwillinge im Gegensatz zu einzeln geborenen Kindern? Welche Besonderheiten werden durch die Zwillingssituation hervorgerufen? Hat das Heranwachsen mit einem gleichaltrigen und teilweise sogar genetisch identischen Geschwister Auswirkungen auf die individuelle Entwicklung der Zwillingskinder? Wie kann sich eine eigenständige Identität entwickeln und wie können Zwillingseltern erzieherisch eine positive Entwicklung beider Kinder fördern?

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Diplomarbeit mit der Thematik „Die emotionale und kognitive Entwicklung von Zwillingskindern“ wird sich mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen und nachfolgend Antworten darauf gegeben. Innerhalb der jeweiligen Kapitel soll ein Vergleich zwischen Einzelgeborenen bzw. „normalen“ Geschwistern und Zwillingen gezogen werden, um deutlich zu machen, in welchen Aspekten sich die jeweiligen Geschwisterkonstellationen unterscheiden und wie sich diese Differenzen auf den Verlauf der Entwicklung auswirken können.

Zunächst wird in Kapitel 2 die Entwicklung von Zwillingen erläutert. Um grundlegende Aspekte des zu analysierenden „Gegenstandes“ der Arbeit – Zwillingskinder – transparent zu machen, soll die Entstehung von Zwillingen dargestellt werden. Es wird darauf eingegangen, wie hoch deren Vorkommenswahrscheinlichkeit ist und welchen Begebenheiten Zwillinge und Zwillingsmütter vor und nach der Geburt unterliegen (2.1). In Unterkapitel 2.2 wird dargelegt, welche Bedingungen bereits im Mutterleib für Zwillinge und deren psychische als auch physische Entwicklung von Bedeutung sind. Im Anschluss daran wird die physische Entwicklung nach der Geburt dargestellt, d. h. es wird der Frage nachgegangen, ob Zwillinge dieselbe körperliche Entwicklung durchlaufen wie einzeln geborene Kinder (2.3). Unterkapitel 2.4 wiederum erläutert die intellektuelle sowie die sprachliche Entwicklung von Zwillingen.

In Kapitel 3 werden die Besonderheiten der Zwillingssituation und somit des gleichzeitigen Heranwachsens beschrieben, die z. T. bei Einzelgeborenen und „normalen“ Geschwistern nicht oder zumindest nicht in dieser Ausprägung vorzufinden sind.

Kapitel 4 umfasst die Identitätsentwicklung von Zwillingen, die sich in persönliche Identität (4.1) und Paaridentität (4.2) unterteilt. Innerhalb des Unterkapitels 4.1 soll untersucht werden, wie und zu welchem Zeitpunkt Zwillingskinder eine persönliche Identität entwickeln und welche Hindernisse dabei auftreten. Mittels einer Studie – dem Braunschweiger Zwillingsprojekt – soll exemplarisch verdeutlicht werden, wie und wann Zwillinge durch das visuelle Selbsterkennen auf Photographien ihre phänotypische Identität konstatieren. Eine weitere Untersuchung, die in 4.1 dargestellt wird – das Braunschweiger Geschwisterprojekt – soll veranschaulichen, welche Bedeutung verschiedene Geschwisterkonstellationen, insbesondere die Zwillingskonstellation, auf die Entwicklung haben und ob die persönliche Identitätsentwicklung dadurch geprägt wird. 4.2 knüpft wiederum mit dem Braunschweiger Geschwisterprojekt an das vorherige Unterkapitel an und stellt heraus, inwieweit sich unterschiedliche Geschwistergruppen in den verschiedenen Facetten der Paaridentität unterscheiden. Die zusammenfassende Darstellung eines Interviews mit Zwillingen bezüglich ihrer Paaridentität schließt dieses Kapitel ab.

Kapitel 5 stellt die Erziehung von Zwillingskindern dar, die sich entweder in Richtung Individualität oder Konformität ausrichten kann. Dabei werden zunächst Merkmale der zwillingsspezifischen Familienstruktur aufgezeigt (5.1), um kenntlich zu machen, wie sich die familiäre Situation durch den Zuwachs von Zwillingen verändert und welche Unterschiede sich zwischen Familien mit Zwillingen und Familien mit einzeln geborenen Kindern bzw. „normalen“ Geschwistern herauskristallisieren. Diese Differenzen betreffen Bereiche wie Bindung, Aufmerksamkeit und Kommunikation, Vergleichsanstellungen sowie Geschwister von Zwillingen. Unterkapitel 5.2 verdeutlicht die Erziehung von Zwillingen aus elterlicher Perspektive. Es sollen die Vor- und Nachteile der jeweiligen Erziehungsstrategie – individuell oder konform – sichtbar gemacht werden, die Aspekte wie Namensgebung, Kleidung, Trennung, Kindergarten und Schule umfassen. Daran anschließend wird erfragt, inwieweit sich Zwillinge aufgrund ihrer Erziehung und dem Leben in der Zwillingssituation zu individuellen Persönlichkeiten entwickeln können. Weiterhin wird untersucht, ob den Eltern wirklich eine solch große Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung von Zwillingen zukommt oder ob vielmehr Anlage und/oder Umwelt zu der Entwicklung unterschiedlicher Persönlichkeiten beitragen. 5.3 stellt schließlich die Erziehung von Zwillingen aus der Perspektive von Zwillingen dar. Durch retrospektive Aussagen von Zwillingen, welche die Thematiken der persönlichen Identitätsentwicklung, Kleidung, Namensgebung, Trennung, auch in Kindergarten und Schule, sowie darin inbegriffen den elterlichen Erziehungsstil, beinhalten, soll die Erziehung von Zwillingen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden.

Im Resümee (Kapitel 6) werden abschließend die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt und Anregungen für künftige Forschungsinteressen aufgeführt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Entwicklung von Zwillingen 6
2.1 Die Entstehung von Zwillingen 7
2.2 Die Situation von Zwillingen im Mutterleib 10
2.3 Die physische Entwicklung von Zwillingen 13
2.4 Die intellektuelle und sprachliche Entwicklung von Zwillingen 14
3. Die Exklusivität der Zwillingsbeziehung 22
4. Identitätsentwicklung von Zwillingen 29
4.1 Persönliche Identität 30
4.1.1 Das Braunschweiger Zwillingsprojekt 34
4.1.2 Das Braunschweiger Geschwisterprojekt 42
4.2 Paaridentität 44
5. Erziehung von Zwillingen - zur Konformität oder zur Individualität? 50
5.1 Die zwillingsspezifische Familienstruktur 52
5.1.1 Bindung der Eltern an zwei Kinder 55
5.1.2 Aufmerksamkeit/Kommunikation 59
5.1.3 Vergleich der Zwillinge 60
5.1.4 Geschwister von Zwillingen 61
5.2 Erziehung von Zwillingen aus elterlicher Perspektive 63
5.2.1 Namensgebung 63
5.2.2 Kleidung 65
5.2.3 Trennung 67
5.2.4 Kindergarten 69
5.2.5 Schule 74
5.2.6 Der Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Persönlichkeit von Zwillingen 79
5.3 Erziehung von Zwillingen aus der Zwillingsperspektive 87
6. Resümee 91
7. Literaturverzeichnis 99

Textprobe:

Kapitel 5.1.1, Bindung der Eltern an zwei Kinder:

Eine Herausforderung für Zwillingseltern besteht darin, eine Beziehung und Bindung zu zwei Menschen, die sich zudem in derselben Entwicklungsstufe befinden, gleichzeitig aufzubauen. Der Beziehungs- und Bindungsaufbau kann dabei durch unterschiedliche Einflüsse erschwert sein. Werden die Kinder zu früh geboren und müssen möglicherweise eine ganze Weile im Krankenhaus verbleiben, verlängert sich beispielsweise der Prozess des Kennenlernens. Als weitere erschwerende Faktoren für eine stabile und damit später sichere Mutter-Kind-Bindung können eine schwere Geburt, die frühe räumliche Trennung zwischen Mutter und Säugling, verzögerter Körperkontakt nach der Geburt sowie ungenügende Hilfestellung beim Versorgen des Neugeborenen aufgeführt werden.

Dadurch, dass diese Bedingungen bei Mehrlingsgeburten vermehrt auftreten, wird angenommen, dass die Mutter-Kind-Beziehungen in Zwillingsfamilien äußerst empfindsam sind. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, dass ein Zwillingskind fordernder oder aber schwächer und kränklicher ist und damit mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung von Seiten der Eltern erfährt. Vielleicht erscheint ein Zwilling von seiner Wesensart her positiver oder steht eher in Einklang mit der eigenen Persönlichkeit, so dass viel mehr zu diesem Kind eine Bindung aufgebaut wird. Des Weiteren kann sich der Bindungsaufbau erschweren, wenn die Zwillinge (vorerst) als Einheit betrachtet werden. Da Zwillingseltern ihre Kinder oftmals nicht auseinanderhalten können und dadurch erst überlegen müssen, welches Kind nun „Zwilling I“ bzw. „Zwilling II“ ist, büßt der Kennenlernprozess an Spontaneität ein und ein intensiver Beziehungsaufbau zu jedem einzelnen Kind wird erschwert. Oftmals sind Differenzen in der Reaktion auf ein Kind ebenso durch spontane und vermeintlich oberflächliche Sympathien oder Antipathien zu erklären. Hat eine Mutter beispielweise Zwillinge, bei denen das eine Kind braune, das andere blonde Haare hat und mag diese Mutter keine blonden Haare, so wird sie sich spontan eher zu dem braunhaarigen Kind hingezogen fühlen. Diese spontane Reaktion und das Gefühl lassen jedoch schon nach kurzer Zeit wieder nach, wenn sie die Kinder besser kennen gelernt hat.

Die grundsätzliche Beziehung zwischen einer Zwillingsmutter und ihren Zwillingen besteht aus einem Dreieck. Eltern berichten, dass es für sie keine Selbstverständlichkeit ist, zu zwei Kindern gleichzeitig eine gleichwertige emotionale Bindung aufzubauen. Eine Zwillingsmutter äußert sich zu diesem Aspekt folgendermaßen: „Aus verschiedenen Gründen (Lea war in der Klinik bei mir, Nicki musste 14 Tage in die Kinderklinik) habe ich nur Lea gestillt [...], und habe wohl deshalb von Anfang an ein innigeres Verhältnis zu ihr gehabt. Das ist bis jetzt so geblieben. Ich habe insgeheim ein schlechtes Gewissen deswegen. Doch ich meine, dass es nicht ehrlich ist, zu behaupten, zwei Kinder völlig gleich zu lieben“.

Diese Aussage veranschaulicht, wie schwierig und zwiespältig es für Zwillingseltern sein muss, eine entsprechende Zuneigung zu zwei Kindern herzustellen. Auch die Sorge, zwei Kinder nicht gleichwertig versorgen zu können, ist seit der Geburt vorherrschend. Psychologie und Ethnologie gehen davon aus, dass eine Mutter kurz vor der Geburt lediglich zum Bindungsaufbau zu einem Kind befähigt ist und dass der Aufbau von zwei intensiven Zweierbeziehungen gleichzeitig nicht realisierbar ist: „Während sich die Mutter einem ihrer Mehrlinge zuwendet, sind die anderen physisch oder in ihrer Phantasie immer präsent und mit sehr ähnlichen Bedürfnissen und Ansprüchen in Warteposition. Die ideale Zweisamkeit mit einem Baby ist nicht realisierbar, und dieser Umstand stellt eine Quelle von Schuldgefühlen und Versagensängsten bei den Müttern dar“.

Verschiedene Studien haben den Bindungsaufbau von Mutter und Zwillingen innerhalb dieser Dreieckskonstellation untersucht. Es wird beispielsweise vermutet, dass sich die mütterliche Bindung zu einem Zwilling deutlicher ausprägt und sich die Bindung zum anderen Zwilling demzufolge abschwächt. Der israelischen Psychologin Esther Goshen-Gottstein ist in den 80er Jahren aufgefallen, dass sich Mütter direkt nach der Geburt beiden Zwillingskindern sanftmütig zuwenden. Diese Mütter gaben zudem an, ihre Zwillinge in derselben Weise zu lieben, was im Grunde darauf hinweist, dass doch ein positiver Beziehungsaufbau zu zwei Kindern möglich ist. Goshen-Gottstein stellte jedoch auch Schwankungen in den mütterlichen Neigungen fest, denn unbewusst reagierte die Mutter oftmals schneller auf ein Kind, widmete diesem mehr Aufmerksamkeit und verwandte positivere Namen für dieses Kind. War eines der Zwillinge kränklicher oder schwächer als das andere, wurde weiterhin beobachtet, dass die Mutter anfänglich eine stärkere Bindung zu dem gesünderen bzw. schwereren oder größeren Kind aufbaute, teilweise auch zu dem, das zuerst aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Das Ideal der Gleichbehandlung wird durch diese Beobachtungen entkräftet, wobei anzumerken ist, dass sich diese Befunde einerseits lediglich auf die unmittelbar postnatale Zeit beziehen. Es steht fest, dass sich anfängliche Vorlieben während des ersten Lebensjahres wandeln und sich dann vermehrter auf das schwächere Zwillingskind orientieren. Andererseits wiesen Mütter bei anfänglicher Bevorzugung eines Zwillingskindes alles in allem ein stärkeres gefühlsmäßiges Interesse für beide Kinder auf, wobei diese Zwillinge dann im Alter von einem Jahr sicherer an die Mutter gebunden waren als die Kinder der Mütter, bei denen keine Vorlieben für eines der Zwillinge sichtbar wurden.

Demnach scheint sich eine anfängliche Bevorzugung eines Kindes nicht unbedingt negativ auszuwirken. Es ist nur verständlich, dass die Beziehung zu einem kränklichen Zwilling mehr Zeit und Mühe erfordert als zu einem gesunden aktiven Kind. Zudem ist es nachvollziehbar, wenn Eltern in der Pflege des schwächeren Zwillings schneller verunsichert und enttäuscht werden und ihnen dieses Kind weniger Bestätigung und Zufriedenheit ihrer elterlichen Kompetenz vermitteln kann.

Kann eine Zwillingsmutter ihren Kindern nicht genügend Zuwendung offerieren, werden die Zwillinge in dem jeweils anderen ebensolche ersuchen und folglich in ein „frühreifes pseudo-intimes Verhältnis“ – Zwillingssymbiose genannt – geraten. Dadurch würde der Zugang zu den Kindern noch deutlicher beschränkt und der symbiotische Prozess forciert werden. Die reziproke Intimitätskompensation der Kinder kann in dieser Sichtweise als pathologischer Entwicklungsgang angesehen werden.

Einige Forscher sind der Ansicht, dass das Vorhandensein eines gleich alten Zwillingsgeschwisters in der Kleinkindzeit Defizite in der mütterlichen Versorgung und auf diese Weise auch drohende Entwicklungsdefizite zu kompensieren vermag.

Allen Befürchtungen zum Trotz, wurde jedoch nie bewiesen, dass die Bindungsqualität zwischen Zwillingsmüttern und ihren Kindern dauerhaft und prinzipiell schlechter oder unsicherer als in einer Mutter-Ein-Kind-Beziehung wäre.

Dem Vater von Zwillingskindern wurde bisher nur oberflächlich Aufmerksamkeit geschenkt, wobei diesem in Zwillingsfamilien eine größere Rolle in der Versorgung als in Einlingsfamilien zukommt.

Für die zwillingskindliche Entwicklung scheint es wenig sinnvoll, die Versorgung der Kinder untereinander aufzuteilen, so dass letztendlich die Mutter für einen Zwilling und der Vater für den anderen Zwilling zuständig ist. Einige Forscher sehen Abweichungen in der Beziehung eines Zwillingsvaters zu einem oder beiden Zwillingskindern und der eines Einlingsvaters zu seinem Kind. Väter von Zwillingen kommen mutmaßlich vermehrt gewohnt mütterlichen Aufgaben, wie z. B. liebevolle Fürsorge, nach und nehmen weniger die klassische Vaterrolle ein, die mit Autorität und Macht in Zusammenhang gebracht wird. Parallel dazu verbleiben ihnen weniger Momente, die traditionell den Vätern anheim gestellt werden, wie etwa das Tollen mit den Kindern. Folglich können Väter der Obliegenheit, die ihnen die Psychoanalyse übertragen hat – die enge symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind zu entkräften und zu einem Dreieck auszuweiten – unzureichend nachkommen, weil zusätzlich ein zweites Kind existiert, das Aufmerksamkeit beansprucht.

Genau wie bei Einzelgeborenen trägt vermutlich die stärkere Anwesenheit des Vaters auch bei Zwillingen zu einer positiveren Entwicklung der sexuellen Identität und einer sichereren Identifizierung mit der Geschlechtsrolle bei. Gewiss ist jedenfalls, dass Väter, wenn eine individualisierte Erziehung von Zwillingen angestrebt wird, äußerst bedeutsam sind, da ausschließlich das Engagement beider Elternteile ermöglicht, dass Zwillinge ausreichend Zeit getrennt voneinander verbringen können.

Arbeit zitieren:
Martin, Stephanie Dezember 2008: Die emotionale und kognitive Entwicklung von Zwillingskindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
emotionale Entwicklung, kognitive Entwicklung, Zwillinge, Identität, Erziehung

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