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Konzeption eines multimedialen Informationssystems für mobile Endgeräte am Beispiel Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald

Konzeption eines multimedialen Informationssystems für mobile Endgeräte am Beispiel Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tim Eckhardt
  • Abgabedatum: Mai 2010
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 5,9 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 78
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1450-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eckhardt, Tim Mai 2010: Konzeption eines multimedialen Informationssystems für mobile Endgeräte am Beispiel Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Umweltpädagogik, mobile Informationssysteme, Geopark, GPS, Lehrpfad

Diplomarbeit von Tim Eckhardt

Einleitung:

In der Geschichte der Menschheit gab es viele bahnbrechende Erfindungen, die zu Beginn nur elitären Kreisen vorbehalten waren. Wie das Internet und der Mobilfunk war auch das GPS (Global Positioning System), ein globales Navigationssatelliten-system zur Positionsbestimmung, anfänglich nur dem Militär verfügbar. Noch heute ist das US-Verteidigungsministerium Betreiber der Satelliten. Im Jahr 2000 wurde GPS dann in eingeschränkter Form für die zivile Nutzung freigeschaltet. Seitdem wird der Ortungsdienst in immer mehr Bereichen eingesetzt und gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Anfänglich in der Wissenschaft (z. B. Geodäsie) verwendet, existiert heute ein sehr unübersichtlicher Markt an GPS-unterstützten Geräten und Einsatzmöglichkeiten. Die Verbreitung mobiler Endgeräte wird in den nächsten Jahren massiv zunehmen. Gleichzeitig wachsen die technischen Möglichkeiten dieser Geräte, sodass Schätzungen zufolge bereits 2011 rund 38 Prozent aller Handys GPS-fähig sind.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass nach den Autofahrern nun auch Wanderer und Natursportler die Vorteile satellitengestützter Navigation nutzen wollen. Wanderwalter, der ADAC und andere Firmen haben diesen Bedarf erkannt und GPS-fähige Wanderführer auf den Markt gebracht. Diese teilweise sehr unterschiedlichen Systeme sollen die Nutzer ohne Beschilderung leiten und gleichzeitig eine stets aktuelle Informationsvermittlung gewährleisten. Denn für Wanderer ist nicht nur die genaue Positionsbestimmung, sondern auch das Bereitstellen von Informationen auf einem mobilen Gerät von Interesse. Ein mobiles Informationssystem kann somit die weit verbreiteten, gedruckten Wanderführer ersetzen. Dabei können die mobilen Taschencomputer auf die Möglichkeiten moderner, multimedialer Darstellungsformen zurückgreifen.

Bei Wanderern sehr beliebte Ausflugsziele sind die sogenannten Geoparks. Sie bieten den Besuchern eine ideale Mischung aus ungestörter Natur und interessanten Phänomenen. Seit den neunziger Jahren verwendet man den Begriff Geopark als Funktionsbezeichnung für großflächige Landschaftsräume. Darin inbegriffen sind geotouristische Schutz- und Nutzungsaspekte, wobei Geotourismus als Tourismus zu erdgeschichtlichen Stätten verstanden wird. ‘Geopark’ ist jedoch kein geschützter Begriff, und Anspruch und Funktion eines solchen Parks können stark von bestehenden Schutzkonzepten abweichen oder mit diesen korrelieren. Oftmals überschneidet sich die Fläche eines eingetragenen Schutzgebiets mit der eines Geoparks – so auch im vorliegenden Beispiel. Der Naturpark Bergstraße-Odenwald fungiert auch als Geopark und wird somit zum ‘Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald’. Geoparks – und damit auch Geotope, archäologische, historische und kunsthistorische Objekte – erfreuen sich vor allem auf regionaler Ebene zunehmender Aufmerksamkeit. Die wachsende Bedeutung der regionalen Ebene ist auf den erweiterten Handlungsradius der Menschen zurückzuführen. Sinkende Transportkosten und -zeiten sowie moderne Kommunikationswege haben dafür gesorgt, dass sich die Lebenswelt der Menschen vergrößert hat.

‘Nun könnte man argumentieren, die Region wird genauso an Bedeutung verlieren wie vordem die Lokale Ebene, der sich zum Weltbürgern, zum Kosmopoliten entwickelnde Mensch der Zukunft könne die Bezüge zu seiner Umgebung, häufig mit dem altertümlich klingenden Heimat-Begriff tituliert, ablegen wie eine abgetragene Jacke. Doch das kann er nicht, denn er hat ein stabiles Bedürfnis nach Identifikation mit Objekten seiner Lebenswelt, die als Folge der Entlokalisierung nunmehr eine regionale ist. Wir sprechen daher von regionaler Identität’.

Geoparks haben für das Ziel, regionale Identität zu stiften, unterschiedliche Konzepte entwickelt. Diese Aufgabe bedeutet in erster Linie, das soziale Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Dafür sind natürliche und künstliche sowie materielle und immaterielle Objekte und Phänomene, wie sie in einem Geopark vorhanden sind, geeignet. Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald setzen sich beispielsweise als oberstes Ziel die Schaffung von Nachhaltigkeit. Dazu sind die Verantwortlichen bestrebt, die drei Säulen der Nachhaltigkeit – ‘Ökonomie-Ökologie-Soziales’ – in Einklang zu bringen, um die Zukunftssicherheit der Region zu stärken. Aber auch die Leitidee ‘Schutz durch Nutzung’ und weitgreifende Projekte zur Umweltbildung sollen einen entscheidenden Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Eine für alle Geoparks einheitliche Herangehensweise, um die jeweiligen Ziele zu erreichen, scheint nicht zu existieren. Auch eine ‘Geopark-Definition’ ist bis heute nur in den Richtlinien der verschiedenen Zertifizierungssysteme zu finden. So heißt es in den Richtlinien zur Aufnahme in das Globale Netzwerk Nationaler Geoparks der UNESCO etwa:

‘A Geopark must provide and organize support, tools and activities to communicate geoscientific knowledge and environmental concepts to the public (e.g. through museums, interpretive and educational centres, trails, guided tours, popular literature and maps, modern communication media). It also allows and fosters scientific research and cooperation with universities, and between geoscientists and the local populace’.

Um den Ansprüchen einer Zertifizierung zu genügen, soll ein Geopark also unter anderem Pfade und geführte Touren anbieten sowie moderne Medien einsetzen. Auch die Zertifizierungssysteme auf europäischer und nationaler Ebene haben diese Kriterien in ihren Richtlinien aufgenommen.

Natürlich wünscht sich eine Einrichtung wie ein Geopark, mit seinem Programm ein möglichst großes und vielfältiges Publikum zu erreichen. Die herkömmliche Zielgruppe eines Geoparks setzt sich hauptsächlich aus jungen Familien und Wanderern zusammen. Der Einsatz moderner Technik kann darüberhinaus Jugendliche und technikinteressierte Erwachsene als Zielgruppe gewinnen.

Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie sich die genannten Ziele eines Geoparks mithilfe von multimedialen Informationssystemen anhand des Beispiels ‘Entdeckungspfad Lichtenberg’ zukunftsweisend umsetzen lässt. Der Pfad liegt in der Gemeinde Fischbachtal im Landkreis Darmstadt-Dieburg und wurde in Absprache mit den Verantwortlichen des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ausgewählt. Für die Konzeption eines multimedialen Lehrpfads im Rahmen einer Diplomarbeit erschien er wegen seiner geographischen Nähe zum Geo-Informationszentrum Schloss Lichtenberg als besonders geeignet. Außerdem wurde der Rundweg nahe des Schlosses bereits in den achtziger Jahren als Lehrpfad erschlossen. Die vorliegende Bearbeitung kann deshalb auf eine touristische Infrastruktur im Umfeld zurückgreifen und bereits bestehende Informationen zu Sehenswürdigkeiten überarbeiten und ergänzen. Mit der Einführung moderner Konzepte soll es gelingen, das Geo-Informationszentrum Schloss Lichtenberg als zentrale Anlaufstelle für Touristen zu stärken.

Für das Konzept eines multimedialen Informationssystems wird in Hinblick auf diese Arbeit neben den technischen Vorraussetzungen und den geographischen Rahmenbedingungen vor allem die inhaltliche Aufbereitung einer mobil geführten Tour von zentraler Bedeutung sein. Lehrpfade und Infotafelnhaben als herkömmliche Formen der Umweltbildung in den vergangenen Jahrzehnten mit mehr oder weniger großem Erfolg versucht, bei Besuchern ein Umweltbewusstsein zu entwickeln, das eine nachhaltige Entwicklung der Region fördern und zum Schutz der Natur ermutigen soll. Die Umsetzung dieser Konzepte ist allerdings nicht mehr zeitgemäß, und die potenziell erreichbare Zielgruppe wird immer kleiner.

‘[Inzwischen hat] eine zunehmende Zahl von Menschen Schwierigkeiten, Natur aktiv ohne fachliche Anleitung zu erleben. Dazu trägt nicht nur die zunehmend verstädterte Lebensumwelt bei, sondern auch eine gewisse ‘Scheu vor der Wildnis’.

Die Verwendung modernster Technik ermöglicht dagegen, altbewährte aber gerade auch aktuelle pädagogische Konzepte einer neuen, jungen Zielgruppe zugänglich zu machen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen, weil durch sie eine Möblierung der Landschaft überflüssig wird. Am Beispiel Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald soll die Umsetzung eines mobil geführten Pfads auf Basis aktueller pädagogischer und didaktischer Grundlagen in Form eines theoretischen Konzepts konkretisiert werden. Die pädagogischen und didaktischen Grundlagen sollen sich auch auf andere Einrichtungen mit dem Schwerpunkt Umweltbildung anwenden lassen.

Die Natur spielt im Leben vieler Kinder und Jugendlicher – vor allem jener, die in der Stadt groß werden – nur noch eine untergeordnete Rolle. Multifunktionale Handys hingegen sind aus dem Alltag junger Menschen kaum noch wegzudenken. Dass Technik und Natur kein Widerspruch sein müssen, sondern einander bereichern und eine Brücke schlagen können zwischen der Lebenswelt der Menschen und ihrem größten Gut – zu dieser Chance möchte diese Arbeit eine Beitrag leisten.

Inhaltsverzeichnis:

A Inhalt
B Verzeichnis der Abbildungen 3
C Verzeichnis der Tabellen 3
1. Einleitung 4
2. Das Projektgebiet: Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald 8
2.1 Geographie und Geologie des Odenwalds 8
2.1.1 Oberrheingraben 9
2.1.2 Kristalliner Odenwald 10
2.1.3 Buntsandstein-Odenwald 11
2.2 Geoparks 12
2.2.1 Richtlinien zur Ausweisung als Geopark 12
2.2.1.1 Nationale Richtlinien 13
2.2.1.2 Europäische Richtlinien 14
2.2.1.3 Internationale Richtlinien 15
2.3 Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald 17
3. Mobile multimediale Informationssysteme 21
3.1 Leistungsanforderungen 21
3.1.1 Navigation 22
3.1.2 Informationen 22
3.1.3 Interaktion 23
3.2 Mobile Endgeräte 24
3.2.1 Wanderwalter 25
3.2.2 Herman Wanderführer (Novatour) 26
3.2.3 ADAC Wanderführer 26
3.2.4 NABU Albentdecker 27
3.3 Ergebnis 30
3.4 Zielgruppe 32
4. Theoretische Grundlagen zur Konzeption eines Pfads 34
4.1 Klassische Lehrpfade 36
4.2 Lehrpfade der zweiten Generation 37
4.3 Entdeckungspfade 37
4.4 Naturerlebnispfade 38
4.5 Natur- und Kulturinterpretation 38
4.5.1 Phänomen 40
4.5.2 Besucher 40
4.5.3 Interpret 41
4.5.4 Leitidee 42
4.6 Didaktik 43
4.7 Ergebnis/Schlussfolgerung 44
5. Das Konzept des Pfads 46
5.1 Zielsetzung 47
5.2 Zielgruppe 49
5.3 Lage und Geographie der Umgebung 50
5.4 Verlauf des Pfads 53
6. Praktische Umsetzung 55
6.1 Leitidee 55
6.2 Stationen 56
6.2.1 Übersicht der Stationen 57
6.2.2 Erläuterung der Stationen 60
6.3 Weitere Anwendungsmöglichkeiten und wichtige Funktionen 98
6.4 Pflege und Evaluation 101
7. Fazit 103
D Literatur 110
E Anhang 116

Textprobe:

Kapitel 4, Theoretische Grundlagen zur Konzeption eines Pfads:

Das Leitbild des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald beinhaltet unter anderem die Maxime ‘Schutz durch Nutzung’. Um die Natur einerseits zu schützen und gleichzeitig die Region touristisch zu entwickeln, ist ein umfangreiches umweltpädagogisches Programm mit erlebnispädagogischen Angeboten notwendig.

In den Richtlinien zur Ausweisung als nationaler, europäischer oder globaler Geopark wird ebenfalls der Bildungsauftrag eines Geoparks beschrieben. Der Lehrauftrag sollte besonders auf Laien ausgerichtet sein. Die UNESCO empfiehlt in ihren Kriterien zur Aufnahme in das globale Netzwerk nationaler Geoparks die Verwendung neuer Medien. Der Ansatz, mit Hilfe von Umweltbildung einen nachhaltigen Schutz der Landschaft zu gewährleisten, muss sich auch in der Gestaltung einer mobil geführten Tour wiederfinden. Dazu werden im Folgenden einige didaktische und pädagogische Möglichkeiten zur inhaltlichen Ausgestaltung einer solchen Tour vorgestellt.

Dies sind zum Einen verschiedene Pfadmodelle, die ihren Ursprung in der allgemeinen Umweltbildung haben. Die Auswahl der vorgestellten Pfadansätze ist so gewählt, dass grundsätzlich eine Umsetzung mit einem mobilen Endgerät möglich ist. Jedoch wird sich zeigen, dass sie nicht immer sinnvoll sind oder dem heutigen Anspruch an informelle Bildung nicht mehr genügen. Außerdem soll ein kurzer Einblick in das Modell der sogenannten Naturinterpretation nach TILDEN gegeben werden. In modernen Pfadmodellen sowie in geographisch-didaktischen Ansätzen finden sich elementare Bestandteile dieser speziellen Form der Interpretation wieder. Schließlich soll ein projektbezogener Didaktikansatz gefunden werden, der zum Einen einer informellen Lehre und zum Anderen dem entdeckenden Lernen gerecht wird. Grundsätzlich verfolgen alle Ansätze das Ziel, den Besucher etwas zu lehren, um somit sein Verhalten in Bezug auf Natur- und Umweltschutz positiv zu beeinflussen. In der modernen Lernpsychologie wird Lernen als ein Prozess definiert, ‘der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential (z. B. Einstellung und Werte) führt und auf Erfahrung aufbaut’.

Mit zunehmender Verstädterung entfernt sich der Mensch nicht nur geographisch von der Natur, sondern auch emotional und praktisch. MEGERLE bemerkt in diesem Zusammenhang, dass Menschen eine zunehmende ‘Scheu vor der Wildnis’ entwickeln. Bereits während der Industrialisierung hat sich der Mensch von der Natur entfremdet. Die Folgen waren bzw. sind laut LUDWIG schwindende Kenntnisse zu Naturphänomenen und mangelndes Umwelt-bewusstsein. Im gleichen Zuge hat man jedoch auch begonnen, sich mit dem Prinzip der Umweltbildung auseinanderzusetzen. Ziel ist hierbei die Förderung eines ökologischen Bewusstseins, um jeden einzelnen an der Lösung von Umweltproblemen zu beteiligen. In diesem Zusammenhang wurden auch verschiedene Ideen entwickelt, den Menschen zu helfen, die Natur aktiv und mit fachlicher Anleitung zu erleben. Anfangs lag der Schwerpunkt noch auf einer reinen Wissensvermittlung mit teilweise hohem fachlichem Niveau. Auch heute noch basiert die formelle Umweltbildung, beispielsweise in Schulen, auf einer Wissensvermittlung, die häufig eine negative Grundeinstellung aufweist: Sie ist hauptsächlich auf Umweltprobleme ausgerichtet. Man erkannte aber, dass bei einer informellen Umweltbildung ein anderer Ansatz gefunden werden muss, denn Menschen lassen sich ungern in ihrer Freizeit belehren. Bei einer freiwilligen Umweltbildung sollten demnach Freude am Erleben und Kennenlernen der Natur an erster Stelle stehen.

Das Umweltbundesamt hat 1992 in einer Untersuchung festgestellt, dass die reine Vermittlung von Fachwissen auf lange Sicht weniger zu gewünschten Verhaltensänderungen führt als emotionale Eindrücke. Um also bei Menschen den Wunsch nach Schutz und Erhalt der Umwelt zu wecken, ist es sinnvoll, den Aufbau einer intensiven Beziehung zur Natur zu fördern. Das Naturerlebnismodell nach JANSSEN beschreibt die emotionale Ebene als Basis für die Entwicklung eines Umweltbewusstseins, das zu einer Handlungsbereitschaft führt bzw. befähigt.

Ausgehend von der subjektiven Wahrnehmung der Natur auf der emotionalen Ebene des ‘Naturerlebens’, beginnt man anschließend das Erlebte zu beschreiben. Aufbauend auf dem oberflächlichen Beschreiben ist der Besucher in der Lage, die Natur bzw. ein Phänomen zu erklären und zu verstehen. Auf diesen Lernprozess baut sich ein Umweltbewusstsein auf. Dieses Bewusstsein ist Voraussetzung für ein begründetes Handeln im Interesse der Natur und Umwelt. Das Erleben der Sach-, Bewusstseins- und Handlungsebene beeinflusst rückwirkend die Qualität der emotionalen Ebene. Umweltbildung setzt sich demnach aus einer kognitiven und einer emotionalen Ebene zusammen.

(an dieser Stelle erscheint im Original eine Abbildung).

Eine rein erlebnisorientierte Pädagogik, die kein Wissen vermittelt, befähigt einen Besucher nicht dazu, auf der Handlungsebene seine Interessen zu vertreten. Umgekehrt fehlt bei einer rein rationalen Ebene der persönliche Bezug zur Natur, was ebenfalls nicht zu einem engagierten Verhalten führen kann.

Wie verschiedene Modelle diese Anforderungen der Umweltbildung umsetzen, soll nun kurz vorgestellt werden, da sie die Grundlage für den zu erstellenden Pfad bilden. Der Nutzen einer mobil geführten Tour kann sich nur dann zeigen, wenn die Route auf didaktisch, gestalterisch und pädagogisch aktuellen Erkenntnissen basiert.

4.1, Klassische Lehrpfade:

Lehrpfade sollen nach EBERS Informationen über Landschaften, Tiere oder Pflanzen vermitteln. Auf diese Weise soll ein Umweltbewusstsein entstehen, das zu umweltschonendem und umweltverträglichem Verhalten führt. Ein klassischer Lehrpfad versucht dies mithilfe von Text- und Bildtafeln zu verschiedenen Phänomenen entlang eines Pfads. Oft haben die Inhalte keinen konkreten Bezug zu der Region und beschreiben einen Sachverhalt eher allgemein. Die Idee schien in der Theorie sehr gut, und da eine Evaluation über die tatsächliche Tauglichkeit dieser Pfade schwer durchzuführen ist, entstanden in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts unzählige dieser Lehrpfade in verschiedenen Variationen. In den neunziger Jahren haben Untersuchungen jedoch gezeigt, dass Besucher sich die Inhalte der Tafeln schlecht merken können.

‘Insbesondere die oft didaktisch unzureichend aufbereiteten Texte und das Angebot von ,Lehrpfaden von der Stange‘, die häufig ohne jeden örtlichen Bezug in der gesamten Bundesrepublik zu finden waren, weckten berechtigten Zweifel, ob die herkömmlichen Lehrpfade den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden konnten’. Diese Erkenntnis führte zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Lehrpfadprinzip.

4.2, Lehrpfade der zweiten Generation:

Nachdem klar wurde, dass das Prinzip eines klassischen Lehrpfads nur sehr wenige Besucher erreicht, und das Ziel, nämlich das Schulen eines Umweltbewusstseins, verfehlt wird, wurde das Konzept überarbeitet. Die didaktische Aufarbeitung der Texte sollte verbessert werden, indem man versuchte, bei Lehrpfaden der zweiten Generation eine leicht verständliche, nicht fachliche Sprache zu wählen und einen Bezug zur Lebenswelt des Besuchers herzustellen. Dabei wurden vermehrt Elemente der ‘Naturinterpretation’ angewendet. Auch hier entstanden diverse Variationen, um auf Probleme des klassischen Lehrpfads direkt zu reagieren. Beispielsweise erkannte man vielerorts den Nachteil von fest installierten Tafeln, die ein auffälliger Eingriff in die Landschaft sind. Sie sind anfällig für Vandalismus, und auch der natürliche Verschleiß macht die Installationen sehr pflegeintensiv.

Arbeit zitieren:
Eckhardt, Tim Mai 2010: Konzeption eines multimedialen Informationssystems für mobile Endgeräte am Beispiel Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Umweltpädagogik, mobile Informationssysteme, Geopark, GPS, Lehrpfad

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