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Die Franziskaner in Sachsen

Mit einem Exkurs zur Bildung der Lebensregel

Die Franziskaner in Sachsen
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Dana Kampl
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Chemnitz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 45
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1068-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kampl, Dana Oktober 2006: Die Franziskaner in Sachsen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Franziskaner, Sachsen, Franziskus, Christentum, Reformation

Magisterarbeit von Dana Kampl

Einleitung:

Das Time-Magazine wählte den heiligen Franz von Assisi im Jahr 1999 zum Mann des Jahrtausends, mehr als 800 Jahre nach seinem Tod. Das beweist, dass er in den Köpfen der Menschen immer noch präsent ist. Überall auf der Welt gibt es Konvente der Franziskaner, der Franziskaner-Minoriten oder Konventualen, der Kapuziner, der Klarissen und verschiedener Laiengemeinschaften, die alle auf den ursprünglichen, von Franziskus gegründeten Orden zurückgehen.

Heute sind sie vor allem in ehrenamtlichen Tätigkeiten, in der Seelsorge, in der Jugendarbeit und vielem mehr tätig und finanzieren sich größtenteils durch Spenden und den Verkauf von handwerklichen Produkten. In Sachsen jedoch ist die Zeit der Franziskaner schon lange vorbei. Diese Arbeit beschäftigt sich in ihrem Hauptteil mit den Franziskanischen Spuren in Sachsen von der Zeit der Klostergründungen bis hin zum Untergang der Konvente während der Reformation.

Im späten Mittelalter prägten Franziskanerklöster in Sachsen das Bild vieler Städte. Bereits im 12. Jahrhundert entstanden im Zuge der Ostsiedlung auch einige Klöster jenseits der Saale. Das waren vor allem die Feldklöster der Benediktiner und Zisterzienser, die von die Abgaben ihrer bäuerlichen Untertanen lebten und fest in die bestehende Feudalordnung eingebunden waren. In den neu entstehenden Städten lebten jetzt aber vorwiegend freie Menschen, Handwerker und Händler. Es spielte keine Rolle mehr, ob man von adliger Herkunft war. Das gehobene Stadtbürgertum definierte seine Stellung vor allem durch ihr erwirtschaftetes Vermögen.

Daneben bildeten sich natürlich auch ärmere und sozial niedriger stehende Volksschichten. Das Stadtvolk hatte keinerlei Bezug mehr zu den vornehmen Feldklöstern und auch immer weniger Vertrauen und Nähe zu der reichen und übermächtigen Kirche. In diesem Szenario traten Franziskus und seine Brüder auf. Zunächst oft selbst überwiegend aus der Stadtbevölkerung stammend, ließen sich für sie leicht Bezugspunkte in den Städten finden. Zur Stadtgeistlichkeit wiederum war das Verhältnis in den meisten Fällen sehr getrübt, weil die Mönche zu einer Konkurrenz in der cura animarum wurden. Für die Kirche selbst sollten die Bettelorden vor allem dazu dienen, die verlorene Volksnähe und das Gottvertrauen in den Städten wiederherzustellen. Zu den Franziskanerklöstern in Sachsen ist die Quellenlage überaus schlecht. Anfangs gehörte zur Gründung eines Konvents nicht mehr als die Überlassung eines Gebäudes oder Grundstückes zur Nutzung.

Darüber mussten nicht zwangsläufig Urkunden ausgestellt werden. Erst im 14. Jahrhundert, als man begann, die Ordensregel großzügiger auszulegen setzen auch die Quellen ein, die zum größten Teil aus Schenkungs- und Stiftungsurkunden bestehen. Zu den einzelnen Klöstern gibt es zwar einige Monographien, die aber fast ausschließlich aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert stammen. In den übergreifenden Darstellungen zur Geschichte Sachsens werden die Klöster oft nur am Rande erwähnt.

Gang der Untersuchung:

Bevor nun die einzelnen Klöster auf sächsischem Gebiet behandelt werden, soll es im ersten Teil der Arbeit zunächst einmal darum gehen, die Bildung der Lebensregel der Franziskanischen Gemeinschaft nachzuzeichnen. Bis weit über die Lebenszeit des Ordensstifters hinaus wurde an den Bestimmungen für das Zusammenleben der Minderbrüder gefeilt. Die verschiedenen Interpretationen der Regel und das päpstliche Eingreifen führten im Orden zu zahlreichen Konflikten und Reformbewegungen, die auch die sächsischen Klöster nicht unberührt ließen.

Der Großteil der Klöster in Sachsen blieb bis zum Schluss dabei, die Ordensregel im Punkte der Armut, einem Hauptanliegen des Franziskus, sehr großzügig auszulegen. Neben den zahlreichen Privilegien der Franziskaner war dies sicher auch ein Grund für die Konflikte mit der Weltgeistlichkeit und später auch mit den Stadtobrigkeiten und der Bevölkerung, die sich vielerorts von den Bettelmönchen abwandte.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Regelbildung 5
2.1 Entstehung einer Bewegung 5
2.1.1 Giovanni Francesco Bernardone 5
2.1.2 Das Leben des Franziskus als Form des Franziskanerlebens 8
2.1.3 Die Urregel 11
2.2 Konstituierung eines Ordens 13
2.2.1 Die Regula non Bullata 15
2.2.2 Die Regula Bullata 18
2.2.3 Die päpstlichen Regelerklärungen 22
2.3 Reformbewegungen und Spaltungen 26
2.4 Von den Päpsten gewährte Privilegien 28
3. Die Franziskaner in Sachsen 29
3.1 Mission nach Deutschland 29
3.2 Die Franziskanerklöster in Sachsen 31
3.2.1 Zwickau 31
3.2.2 Görlitz 33
3.2.3 Bautzen 36
3.2.4 Torgau 40
3.2.5 Oschatz 41
3.2.6 Leipzig 42
3.2.7 Freiberg 45
3.2.8 Meißen 46
3.2.9 Zittau 48
3.2.10 Dresden 49
3.2.11 Löbau 51
3.2.12 Chemnitz 53
3.2.13 Kamenz 54
3.2.14 Annaberg 58
3.3 Beginn der Reformation - Niedergang der Franziskanerklöster 59
4. Schluss 70
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 71
5.1 Quellen 71
5.2 Literatur 72
6. Anhang 74

Textprobe:

Kapitel 3.3.2, Görlitz:

Der Franziskanertradition zufolge wurde das Kloster in Görlitz 1234 vom Markgrafen von Brandenburg gegründet. Stifter sollen die Herren von Wirsing gewesen sein. Diese Angaben sind wie im Falle von Bautzen sehr fraglich. 1245 wurde die Klosterkirche von Bischof Konrad „in der Ehre der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Franziskus“ geweiht. Das Kloster lag ursprünglich außerhalb der Stadt, wurde aber 1255 im Zuge der Stadterweiterung miteinbezogen. Der Görlitzer Konvent gehörte zur Kustodie Goldberg und demzufolge bis ins Jahr 1274 zur böhmischen Ordensprovinz.

In den Jahren 1266, 1315 und 1388 wurden die Provinzkapitel in Görlitz abgehalten. Die Mönche lebten nicht streng nach ihrer Regel. Es gab zahlreiche Schenkungen und Stiftungen. Das Kalendarium verzeichnet eine Reihe von Wohltätern, die dem Kloster Kelche, Gewänder, Bücher, Barsummen und Liegenschaften schenkten oder vermachten. der Görlitzer Bürgermeister schrieb im 16. Jh., dass die Brüder in Wohlstand lebten, und das Beste gegessen und getrunken haben. Das Kloster verfügte über eine Bibliothek mit 72 Werken, die vor allem zur Predigtvorbereitung dienten, sowie einigen juristischen und philosophischen Schriften. Ende des 15. Jh. umfasste die sie bereits über 300 Werke. 1458 wurde auf Beschluss des Provinzkapitels ein Franziskanerstudium eingerichtet. Zwei Lesemeister bereiteten acht bis zehn Brüder aus anderen Klöstern auf das Studium an einer theologischen Fakultät vor.

Auch in Görlitz gab es Streitigkeiten mit dem Stadtpfarrer, auch aufgrund der Privilegien und der Blüte des Klosters. Seit 1386 wurde in Rom ein Prozess geführt, der mit der Verurteilung der Barfüßer endete. Weil sie sich dem Urteil aber nicht fügen wollten, erfolgte 1391 der Bann über das Kloster. Rat und Bürgerschaft unterstützten die Mönche weiterhin, der Stadtpfarrer sprach den Bann über die ganze Stadt. Jetzt sah sich der Rat gezwungen, die Mönche der Stadt zu verweisen. Schließlich erging 1393 ein päpstlicher Befehl, woraufhin das Interdikt zurückgenommen wurde und die Brüder nach Görlitz zurückkehren konnten. 1416 gab es einen Zusammenstoss des Guardians mit den städtischen Behörden, weil er angeblich fremdes Bier ausgeschenkt hätte. Daraufhin bezichtigte er die Görlitzer der Bestechlichkeit und beschimpfte sie als „Wendehälse“. Der Görlitzer Rat spielte bei der Reform des Klosters eine große Rolle. Immer hielt er die Hand schützend über die Mönche.

Der Anstoß zu einer Reform ging wahrscheinlich von Johannes Kapistran aus, der 1453 in Görlitz weilte. Die Zucht im Kloster war gut, von großen Verfehlungen hört man nichts, dennoch lebten die Brüder ein anderes Leben, als es die Regel vorschrieb. Sie hatten immer reichlich zu essen, besaßen eine Reihe von Büchern und lebten auch sonst einigermaßen gut. Der Görlitzer Rat war nun bestrebt, nur noch solche Brüder zu dulden, die ein wahrhaft geistliches Leben führten. Am 19. November 1462 wurde die Reform formal abgeschlossen, die Kleinodien des Klosters wurden inventarisiert. Wahrscheinlich unterstand der Konvent schon seit 1476 dem Visitator. Seit 1487 ist der Görlitzer Rat ständig darauf bedacht, die hergestellte Ordnung im Kloster zu wahren. 1488 schrieb man an den Rat der Stadt Sagan, er möge den Kustos der Goldberger Kustodie dazu anhalten, die Görlitzer Barfüßer nicht weiter in ihrer Lebensweise zu stören und die Versuche aufgeben, sie zurück unter seine Obedienz zu bringen. An den Minister schrieb der Görlitzer Rat, er möge doch das Kloster nur noch mit frommen, geistlichen Brüdern, nicht mit unreformierten besetzen und dem Kloster einen fleißigen und besorgten Lesemeister senden, um die Observanz weiter zu wahren. In den Jahren 1492 und 1493 war der Rat vor allem bestrebt, den Lesemeister Vinzenz Eisack im Amt zu behalten und einen Wechsel des Guardians zu verhindern, weil sonst die Observanz gefährdet wäre.

Am 10. November 1495 bat der Rat den Visitator Benedikt, nach Görlitz zu kommen, um „einige Gebrechen im Kloster abzustellen“. Möglicherweise ist damit das Generalstudium gemeint, welches nach Meinung des Rates zur Schwächung der Geistlichkeit und Observanz beitrug. 1498 wurde auch Vinzenz Eisack des Klosters verwiesen. Seine Ausübung des Arztberufes und der Besitz einer Apotheke gingen nicht mehr konform mit der Reform des Konvents. Er machte noch einige erfolglose Versuche zur Rückkehr, aber der Rat blieb bei seiner Entscheidung. In den nächsten Jahren war der Görlitzer Rat vor allem damit beschäftigt, das Görlitzer Kloster zusammen mit anderen reformierten Klöstern unter der Obedienz des Visitators zu halten, versuchte man doch immer wieder, die Klöster zurück unter den Kustos zu bringen. Als jedoch Ludwig Henning zum neuen Generalminister wurde, versuchte er die Sonderstellung einiger sächsischer Klöster unter dem Visitator zu beseitigen und unter den Vikar zu stellen.

Am 13. Mai 1511 bat der Rat den Franziskanergeneral Philipp de Bagnacvalle, dafür zu sorgen, dass die von Henning gewünschten Veränderungen unterblieben, da man aufgrund des guten Lebenswandels der Brüder kein Interesse daran habe. Ludwig Henning leugnete, dass er das je geplant hätte und im Oktober und November 1511 dankte der Rat Henning für sein Abrücken und dem General für seine Vermittlung in der Sache. Dennoch hatte der Rat in den nächsten Jahren weiterhin alle Hände voll zu tun, erhoben doch auch die böhmischen Provinzen Anspruch auf das Kloster.

Arbeit zitieren:
Kampl, Dana Oktober 2006: Die Franziskaner in Sachsen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Franziskaner, Sachsen, Franziskus, Christentum, Reformation

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