Der deutsche Hörfunk als Feld der kulturellen Produktion
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Friso Richter
- Abgabedatum: August 2006
- Umfang: 77 Seiten
- Dateigröße: 504,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Bauhaus-Universität Weimar Deutschland
- Bibliografie: ca. 62
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0283-9
- ISBN (CD) :978-3-8366-0283-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Richter, Friso August 2006: Der deutsche Hörfunk als Feld der kulturellen Produktion, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Deutschland, Hörfunk, Radio, Journalismus, Kapital
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Bachelorarbeit von Friso Richter
Einleitung:
Jeder Hörfunk-Sender hat eine andere Auffassung und Gewichtung der in der Radiolandschaft allgemein anerkannten Werte des Hörfunks. Um diese Radiolandschaft verstehen zu wollen, ist es daher notwendig, gerade diese Werte des Hörfunknetzes näher zu untersuchen, um so die unterschiedlichen Positionen der einzelnen Sender im gesamten Netz bestimmen und erklären zu können.
In seinem Werk Die Regeln der Kunst setzt sich der französische Soziologe Pierre Bourdieu mit den Produzenten von kulturellen Produkten auseinander. Dabei untersucht er die Produzenten von französischer Literatur und entwickelt so eine Theorie, mit der er versucht auch „für die Gesamtheit der Felder der kulturellen Produktion gültige Sätze abzuleiten.“ Obwohl Die Regeln der Kunst hauptssächlich das Feld literarischer Produktion untersucht, kann der theoretische Ansatz also durchaus als eine Art ‘theoretischer Baukasten’ für alle Produzenten von kulturellen Produkten verstanden werden.
Das spiegelt sich auch in der für Bourdieu typischen Arbeitsweise wieder. So äußert er sich dazu in einem bereits 1991 geführten Interview: „Mit meiner Analyse eines historischen Falls liefere ich ein Programm für andere empirische Analysen unter anderen Verhältnissen als den von mir untersuchten. Sie ist eine Aufforderung zur schöpferischen Lektüre und zur theoretischen Induktion, die von einem gut konstruierten besonderen Fall ausgehend verallgemeinert.“ Genau solch eine Analyse soll nun am Fall des deutschen Hörfunks stattfinden.
Hierbei soll Bourdieus Feldtheorie für kulturelle Produzenten angewendet werden, um den deutschen Hörfunk als Feld der kulturellen Produktion zu konstruieren und dabei zu untersuchen. Ziel ist es, neben einer Bestätigung der bourdieuschen Theorie, die gültigen Grundsätze bzw. Werte des Feldes zu bestimmen, nach denen sich alle Hörfunk-Sender in Deutschland richten müssen bzw. von denen ihre Existenz abhängt. Außerdem soll untersucht werden, wie sich die Relevanz der einzelnen Werte bei den verschiedenen Arten von Hörfunk-Sendern unterscheidet, damit sie dann in einem Feld positioniert und somit in Verhältnis gebracht werden können.
Diese Arbeit gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Teile. Der erste Abschnitt hat einführenden Charakter und macht mit der bourdieuschen Feldtheorie vertraut. Hier werden alle relevanten Elemente eines Feldes aufgearbeitet und bei einer abschließenden Konstruktion des Feldes der kulturellen Produktion miteinander in Verbindung gebracht.
Mit diesem ‘theoretischen Baukasten’ wird dann im zweiten Teil der Arbeit das Feld des deutschen Hörfunks, als Feld der kulturellen Produktion konstruiert und in das Feld der kulturellen Produktion implementiert.
Hierbei spielt vor allem die Bestimmung der bereits angesprochenen Werte eine wichtige Rolle, die sich in Bourdieus Feldtheorie als unterschiedliche Kapitalformen wiederfinden. So können dann in dem dritten Teil die verschiedenen Gruppierungen des deutschen Hörfunks (die Anstalten des öffentlichen Rechts, die privaten Hörfunk-Sender, die Sender der Deutschen Welle, die Bürgerfunksender, die Internetradios und Podcastings) als Akteure bzw. Akteursgruppen des Feldes positioniert werden.
Obwohl mit dieser Arbeit die heutige Situation des deutschen Hörfunks dargestellt wird, liegt dabei auch ein besonderer Fokus auf die geschichtlichen und rechtlichen Hintergründe des Hörfunks. Gerade diese Herangehensweise dient dazu, die heutige Position der einzelnen Akteure im Feld des deutschen Hörfunks zu bestimmen und auch zu erklären.
In einem abschließenden Fazit werden dann die erarbeiteten Ergebnisse noch einmal zusammenfassend vorgestellt.
Problemstellung:
Jeder Hörfunk-Sender hat eine andere Auffassung und Gewichtung der in der Radiolandschaft allgemein anerkannten Werte des Hörfunks. Um diese Radiolandschaft verstehen zu wollen, ist es daher notwendig, gerade diese Werte des Hörfunknetzes näher zu untersuchen, um so die unterschiedlichen Positionen der einzelnen Sender im gesamten Netz bestimmen und erklären zu können.
In seinem Werk Die Regeln der Kunst setzt sich der französische Soziologe Pierre Bourdieu mit den Produzenten von kulturellen Produkten auseinander. Dabei untersucht er die Produzenten von französischer Literatur und entwickelt so eine Theorie, mit der er versucht auch „für die Gesamtheit der Felder der kulturellen Produktion gültige Sätze abzuleiten.“ Obwohl Die Regeln der Kunst hauptssächlich das Feld literarischer Produktion untersucht, kann der theoretische Ansatz also durchaus als eine Art ‘theoretischer Baukasten’ für alle Produzenten von kulturellen Produkten verstanden werden.
Das spiegelt sich auch in der für Bourdieu typischen Arbeitsweise wieder. So äußert er sich dazu in einem bereits 1991 geführten Interview: „Mit meiner Analyse eines historischen Falls liefere ich ein Programm für andere empirische Analysen unter anderen Verhältnissen als den von mir untersuchten.
Sie ist eine Aufforderung zur schöpferischen Lektüre und zur theoretischen Induktion, die von einem gut konstruierten besonderen Fall ausgehend verallgemeinert.“ Genau solch eine Analyse soll nun am Fall des deutschen Hörfunks stattfinden. Hierbei soll Bourdieus Feldtheorie für kulturelle Produzenten angewendet werden, um den deutschen Hörfunk als Feld der kulturellen Produktion zu konstruieren und dabei zu untersuchen. Ziel ist es, neben einer Bestätigung der bourdieuschen Theorie, die gültigen Grundsätze bzw. Werte des Feldes zu bestimmen, nach denen sich alle Hörfunk-Sender in Deutschland richten müssen bzw. von denen ihre Existenz abhängt. Außerdem soll untersucht werden, wie sich die Relevanz der einzelnen Werte bei den verschiedenen Arten von Hörfunk-Sendern unterscheidet, damit sie dann in einem Feld positioniert und somit in Verhältnis gebracht werden können.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Teile. Der erste Abschnitt hat einführenden Charakter und soll mit der bourdieuschen Feldtheorie vertraut machen. Hier werden alle relevanten Elemente eines Feldes aufgearbeitet und bei einer abschließenden Konstruktion des Feldes der kulturellen Produktion miteinander in Verbindung gebracht. Mit diesem ‘theoretischen Baukasten’ soll dann im zweiten Teil der Arbeit das Feld des deutschen Hörfunks, als Feld der kulturellen Produktion konstruiert und in das Feld der kulturellen Produktion implementiert werden.
Hierbei wird vor allem die Bestimmung der bereits angesprochenen Werte eine wichtige Rolle spielen, die sich in Bourdieus Feldtheorie als unterschiedliche Kapitalformen wiederfinden. So können dann in dem dritten Teil die verschiedenen Gruppierungen des deutschen Hörfunks (die Anstalten des öffentlichen Rechts, die privaten Hörfunksender, die Sender der Deutschen Welle, die Bürgerfunksender, die Internetradios und Podcastings) als Akteure bzw. Akteursgruppen des Feldes positioniert werden.
Obwohl mit dieser Arbeit die heutige Situation des deutschen Hörfunks dargestellt werden soll, wird dabei auch ein besonderer Fokus auf die geschichtlichen und rechtlichen Hintergründe des Hörfunks gelegt werden. Gerade diese Herangehensweise soll dazu dienen, die heutige Position der einzelnen Akteure im Feld des deutschen Hörfunks zu bestimmen und auch zu erklären.
In einem abschließenden Fazit werden dann die erarbeiteten Ergebnisse noch einmal zusammenfassend vorgestellt und die Erfüllung der Eingangs formulierten Ziele dabei überprüft.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Die Theorie des Feldes | 4 |
| 2.1 | Der Habitus | 4 |
| 2.2 | Das (soziale) Feld | 6 |
| 2.3 | Die Kapitalformen | 9 |
| 2.4 | Die Klassen | 10 |
| 2.5 | Das Feld der kulturellen Produktion im Feld der Macht | 16 |
| 3. | Die Konstruktion des deutschen Hörfunk-Feldes | 20 |
| 3.1 | Genese und Position als Massenmedium im Feld der kulturellen Produktion | 21 |
| 3.1.1 | Die Erfindung des Mediums Hörfunk | 23 |
| 3.1.2 | Die Entstehung des Hörfunks in Deutschland | 24 |
| 3.2 | Autonomie und Kapitalformen des Feldes | 27 |
| 3.2.1 | Die Autonomie | 28 |
| 3.2.2 | Das ökonomische Kapital | 29 |
| 3.2.3 | Das spezifische symbolische Kapital der Unterhaltung | 31 |
| 3.2.4 | Das spezifische symbolische Kapital der Aktualität | 34 |
| 4. | Die Akteure im Feld des deutschen Hörfunks | 36 |
| 4.1 | Die Anstalten des öffentlichen Rechts | 37 |
| 4.2 | Die privaten Hörfunksender | 42 |
| 4.3 | Das Deutschlandradio | 49 |
| 4.4 | Die Bürgerradios | 54 |
| 4.5 | Die Internetradios und Podcasts | 60 |
| 5. | Fazit | 63 |
| Literaturverzeichnis | 66 | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 71 |
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Die Theorie des Feldes | 4 |
| 2.1 | Der Habitus | 4 |
| 2.2 | Das (soziale) Feld | 6 |
| 2.3 | Die Kapitalformen | 9 |
| 2.4 | Die Klassen | 10 |
| 2.5 | Das Feld der kulturellen Produktion im Feld der Macht | 16 |
| 3. | Die Konstruktion des deutschen Hörfunk-Feldes | 20 |
| 3.1 | Genese und Position als Massenmedium im Feld der kulturellen Produktion | 21 |
| 3.1.1 | Die Erfindung des Mediums Hörfunk | 23 |
| 3.1.2 | Die Entstehung des Hörfunks in Deutschland | 24 |
| 3.2 | Autonomie und Kapitalformen des Feldes | 27 |
| 3.2.1 | Die Autonomie | 28 |
| 3.2.2 | Das ökonomische Kapital | 29 |
| 3.2.3 | Das spezifische symbolische Kapital der Unterhaltung | 31 |
| 3.2.4 | Das spezifische symbolische Kapital der Aktualität | 34 |
| 4. | Die Akteure im Feld des deutschen Hörfunks | 36 |
| 4.1 | Die Anstalten des öffentlichen Rechts | 37 |
| 4.2 | Die privaten Hörfunksender | 42 |
| 4.3 | Das Deutschlandradio | 49 |
| 4.4 | Die Bürgerradios | 54 |
| 4.5 | Die Internetradios und Podcasts | 60 |
| 5. | Fazit | 63 |
| Literaturverzeichnis | 66 | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 71 |
Textprobe:
Kapitel 2.5, Das Feld der kulturellen Produktion im Feld der Macht:
„Das Feld der Macht ist der Raum der Kräftebeziehungen zwischen Akteuren und Institutionen, deren gemeinsame Eigenschaft darin besteht, über das Kapital zu verfügen, das dazu erforderlich ist, dominierende Positionen in den unterschiedlichen Feldern (insbesondere dem ökonomischen und dem kulturellen) zu besetzten.“ Es beinhaltet somit die bereits erläuterten Eigenschaften des bourdieuschen Feldbegriffes, stellt aber im Bezug zu den Kämpfen eine gesteigerte Form dar. In diesem Feld geht es um sehr bedeutende Machtkämpfe, zwischen den herrschenden Akteuren des sozialen Raums.
Im Ruhezustand stellt das Feld der Macht lediglich die Machtverhältnisse und kleineren Kämpfe zwischen verschiedenen Kapitalsorten dar, oder genauer gesagt, zwischen Akteuren, die in ausreichendem Maße mit einer oder mehrerer der Kapitalformen ausgestattet sind, um gegebenenfalls das entsprechenden Feld beherrschen zu können. Wenn aber der relative Wert der verschiedenen Kapitalformen ins Wanken gerät, indem sich z.B. der ‘Wechselkurs’ zwischen ökonomischem und kulturellem Kapital in größerem Umfang verändert, dann nehmen die Kämpfe an Intensität zu.
Dies geschieht vor allem dann, wenn durch solche Schwankungen die größeren Akteure, Institutionen, oder Instanzen, die durch ihre extremen Positionen im Feld (z.B. Monopolist des kulturellen Kapitals) für die Reproduktion des Feldes der Macht verantwortlich sind, bedroht sind. Somit ist dieses Feld ein Ort, „an dem die Auseinandersetzungen zwischen Inhabern unterschiedlicher Machttitel (oder Kapitalsorten) ausgetragen werden, bei denen es um die Veränderung oder Bewahrung des relativen Wertes der unterschiedlichen Kapitalsorten geht“. Gerade in diesem Feld wird viel bewegt, da die dort ansässigen Akteure Vertreter der herrschenden Gruppe sind und somit über das meiste Kapital innerhalb des sozialen Feldes verfügen.
Wie bereits erwähnt, teilt sich die herrschende Gruppe in zwei Gruppen: die der herrschenden Herrschenden und die der beherrschten Herrschenden. Letztere verfügt im sozialen Raum über das höchste kulturelle Kapital. Um diese herrschende Position zu sichern, müssen die Akteure der Gruppe auch für die Repro-duktion ihres Kapitals sorgen. Dies geschieht durch die Produktion von kulturellen Gütern im Feld der kulturellen Produktion. Da die Produktion von den Akteuren der beherrschten Herrschenden ausgeübt wird, ist das Feld der kulturellen Produktion auch mit der Position dieser Gruppe im Feld der Macht gleichzusetzen:
Das Feld der kulturellen Produktion definiert sich durch den Grad der Autonomie gegenüber dem Feld der Macht. Somit haben die in den bisher genannten Feldern dominanten Kapitalarten nicht den denselben Wert innerhalb des Feldes der kulturellen Produktion. Genau genommen hat sich das Ordnungs- bzw. Wertesystem des Feldes der kulturellen Produktion im Verlauf eines langen und langsamen Autonominierungsprozesses zu einem Gegenbild der ihm umgebenden Welt bzw. Feldstruktur entwickelt.
So werden die ihm eigentlich unterliegenden ökonomischen und kulturellen Kapitalien erst einmal verneint, wodurch die eigene Autonomie (AUTON) ausgedrückt wird. Die einzige erlaubte Kapitalform, die diese Autonomie unterstützt und somit im Feld als legitim gilt, ist das symbolische bzw. je nach produzierten Gut (z.B. Literatur, Kunst, Theater) spezifische symbolische Kapital (SSK). Für die Produzenten im Feld (Autoren Musiker, Kritiker, Verleger und andere Kulturunternehmer) besteht also die einzig zulässige Strategie der Akkumulation von Kapital darin, sich einen Namen zu machen, bekannt zu werden und wahrgenommen zu werden. Durch das so gewonnene Kapital, erhalten sie wiederum die Fähigkeit im Feld kulturelle Güter (durch Unterschrift, durch die Kennzeichnung mit dem Warenzeichen oder Firmennamen) oder auch Personen (durch das Verlegen, das Ausstellen und das Auftreten bzw. Auftreten lassen) zu markieren bzw. ihnen in Form von spezifischen symbolischen Kapital Anerkennung zu verleihen.
Wer also im Feld der kulturellen Produktion erfolg haben will, der muss die dort gültigen Spielregeln bzw. Illusio anerkennen. Nur so kann er an die dort begehrte symbolische Kapitalform gelangen, die als Ausdruck der Autonomie des Feldes sozusagen das höchste Gut ist. Die Zusammengehörigkeit der Autonomie des Feldes und des dort herrschenden symbolischen Kapitals wird auch an Bourdieus Modell vom Feld der kulturellen Produktion im Feld der Macht deutlich. Hier finden beide Werte ihre maximale Position an der linken äußersten Seite des Feldes, wohingegen sie auf der rechten Seite immer weiter an Umfang verlieren. Grund dafür ist eine Kapital-form, die zwar eigentlich vom Feld der kulturellen Produktion verneint wird, aber trotzdem einen erheblichen Einfluss auf dieses Feld hat und somit eine wichtige Rolle spielt: das ökonomische Kapital.
So autonom das Feld der kulturellen Produktion auch definiert wird, es ist immer noch Bestandteil des Feldes der Macht, wo es auf der Seite des kulturellen Kapitals implementiert ist, die der Gruppe der beherrschten Herrschenden entspricht. Wie deren Name schon sagt, wird diese Gruppe und somit diese Position des Feldes aber von der Gruppe der herrschenden Herrscher beherrscht, welche über das höchste ökonomische Kapital im sozialen Raum verfügen. Dadurch nehmen sie die mächtigste Position im gesamten sozialen Raum -und somit auch im Feld der Macht- ein, da sie mit dem ökonomischen Kapital über die bedeutenste Kapitalform verfügen.
Hinzu kommt, dass sie durch diese Kapitalform sogar in der Lage sind politische Pro-zesse zu beeinflussen bzw. zu beherrschen. Aufgrund dieses Machteinflusses, dem sich die beherrschten Herrschenden nicht entziehen können, muss das ökonomische Kapital auch als ein fester Bestandteil des Feldes der kulturellen Produktion gesehen werden, weshalb Bourdieu in seinem Modell diese Kapitalform als Gegenpol auf die rechte Seite des Feldes integriert.
Somit finden sich in diesem Feld zwei Kapitalformen wieder, deren jeweiliges Volumen sich gegenläufig zum Volumen des anderen verhält. Diese zwei hierarchischen Prinzipien bilden für ihn auch die Grundlage, das Feld der kulturellen Produktion in zwei voneinander relativ unabhängige Gruppen - sogenannten Subfeldern - zu unterteilen: das Subfeld der Massenproduktion und das der eingeschränkten Produktion.
Während das Subfeld der Massenproduktion dem Prinzip der heteronomen (externen) Hierarchisierung folgt, womit dessen weltlicher Erfolg an den Indizien kommerziellen Erfolges (wie z.B. Auflagenhöhe bei Büchern, oder Kartenverkauf bei Theaterstücken) oder gesellschaftlicher Bekanntheit (Auszeichnung, Aufträge usw.) abzulesen ist, folgt das Subfeld der eingeschränkten Produktion dem autonomen (internen) Prinzip. Hierbei geht es eher um das symbolische Kapital und somit um feldspezifische Anerkennung, die oft von Kollegen her rührt. Die dort tätigen Akteure sind meist nur einer sehr kleinen, sozusagen elitären Gruppe (im Bezug auf das jeweilige Feld) bekannt und generieren somit ihr Ansehen aus der Tatsache, dass sie sich der Nachfrage des breiten Publikums entziehen bzw. von diesem unabhängig sind. Beide Subfelder bzw. Gruppen sind feste Bestandteile des Feldes der kulturellen Produktion und definieren im Prinzip die beiden groben Ausrichtungen des Feldes, die die Akteure eines Feldes der kulturellen Produktion einnehmen können.
Weiterhin lässt diese Einteilung aber auch eine genaue Positionierung eines jeden Feldes, das die Produktion eines spezifischen kulturelles Gutes beinhaltet, zu. So kann z.B. das literarische Feld, das künstlerische Feld, das musikalische Feld, oder das der Filmproduktion als Feld im Feld der kulturellen Produktion angesiedelt werden, wobei jedes Mal die spezifischen Kapitalformen eine Feldes und somit die dort herrschenden Spielregeln neu definiert werden müssen. Diese Vorgehensweise ist auch nötig, wenn man das Feld des deutschen Hörfunks in das Feld der kulturellen Produktion implementieren will.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836602839
Arbeit zitieren:
Richter, Friso August 2006: Der deutsche Hörfunk als Feld der kulturellen Produktion, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Deutschland, Hörfunk, Radio, Journalismus, Kapital



