Die deutsche Frage in den Texten von Walter Ulbricht 1945-1961
Eine grammatische und lexikalische Analyse
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Natalia Holzer
- Abgabedatum: Juni 2002
- Umfang: 116 Seiten
- Dateigröße: 811,1 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Warschau/ Uniwersytet Warszawski Polen
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5902-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5902-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5902-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Holzer, Natalia Juni 2002: Die deutsche Frage in den Texten von Walter Ulbricht 1945-1961, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sprachpolitik, Propagandasprache, Ideologie, Sprachlenkung, Newspeak
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Magisterarbeit von Natalia Holzer
Einleitung:
Die deutsche Frage ist noch im Jahr 2002 als ein Diskussionsthema aktuell. Heute, 12 Jahre nach der Wende, wird über das Problem der deutschen Einheit, oder manchmal, auch der deutschen Spaltung, der vergangenen, wie auch der immer noch existierenden, diskutiert.
Die Wiedervereinigung hat die Spaltung im geographischen Sinne aufgehoben, jedoch die politische, ökonomische, bestimmt auch kulturelle Kluft existiert bis heute.
Der Staat DDR „lebte“ 41 Jahre lang. Er hinterließ bei vielen die „sozialistische Sicht der Dinge“ - psychischen, beruflichen und politischen Ratlosigkeitszustand, wie auch die innere Spaltung zwischen der fremden Gegenwart und der vertrauten Vergangenheit.
Zum Glück für mich, hinterließ er auch unendlich viele Sprachdokumente - sichtbare Beweise für die Existenz des „zweiten“ Deutschlands.
Zu der DDR-Sprache wurden schon mit der Gründung der SBZ Termini geschaffen. Es wurden Artikel, Aufsätze und Publikationen geschrieben. Bis zum Ableben der DDR hat die gespaltene deutsche Sprache die westlichen, wie auch die östlichen Sprachwissenschaftler dazu bewegt das „andere Deutsch“ zu untersuchen und zu beschreiben.
Die mir als erste bekannte Publikation, die den Terminus LQI einführt, sind die Tagebücher Klemperers aus den Jahren 1945-1960 So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Klemperer nannte die gegenwärtige deutsche Sprache - „Kaderwelsch“.
Der vor allem als LTI-Verfasser bekannte Romanist schrieb 1953 die kleine Broschüre Zu der gegenwärtigen Sprachsituation in Deutschland. Auch wenn der Autor nicht politisch objektiv blieb, bemerkte er die Veränderungen der deutschen Sprache in Ostdeutschland und versuchte sie schriftlich zu fixieren.
Der Terminus LQI wird heute als eine Kontinuation des Begriffs LTI verstanden, natürlich sind heutige Überlegungen eher Vermutungen, da die Ausgangsidee sich aus der Lektüre der Tagebücher nicht eindeutig erschließen läßt.
Wichtig sind auch weitere, westliche Publikationen, die schon seit den fünfziger Jahren erschienen sind, zu erwähnen: Die Parteisprache in der Sowjetzone von Ernst Otto Maetzke (1953), Die Sprache im geteilten Deutschland von Hugo Moser (1964) und Sprache in der Politik von Walther Dieckmann (1969). Bedeutungsvoll sind``` 0von H.H. Reich Sprache und Politik. Untersuchungen zu Wortschatz und Wortwahl des offiziellen Sprachgebrauch in der DDR (1968), Wolfgang Fleischers Wortschatz der deutschen Sprache in der DDR (1988), von Horst Dieter Schlosser Die deutsche Sprache zwischen Stalinismus und Demokratie (1990) und Martin Ahrends Allseitig gefestigt, Stichwörter zum Sprachgebrauch der DDR (1989), die als Nachschlagwerke und Kompendien des Wissens über DDR-Sprache dienen können.
Es sind auch von weiteren Autoren viele sehr interessante Publikationen zum Thema der DDR-Sprache und der Sprache nach der Wende erschienen, die ich in der Bibliographie aufgelistet habe.
Nach der Wende wurde die DDR-Thematik mit groβer Sorgfalt wieder aufgenommen Es entstanden umfangreiche Wortschatzlisten und Wortschatzaufteilungen von zahlreichen Autoren unter dem Gesichtspunkt der Wende, vor allem im Zusammenhang mit ihren politischen und sozialen Folgen. Nennenswert sind die zwei Publikationen von Ulla Fix Ritualität in der Kommunikation der DDR (1998) und Sprachgeographien. Sprache und Sprachgebrauch vor und nach der Wende (1999). Es entstanden auch Lexika der Jugendsprache, der Umgangssprache, wie auch „Lexika“ des DDR-Wortschatzes, die den politischen Sprachwitz in der ehemaligen DDR schildern. Als Beispiele können von Bern-Lutz Lange Bonzenschleuder & Rennpappe (1996) und von Armin Ahrends Trabbi, Telespargel und Tränenpavillon (1986) dienen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungen | 5 | |
| 1. | Einleitung | 6 |
| 1.1 | Zum Forschungsstand | 6 |
| 1.2 | Thema und Vorgehensweise | 7 |
| 1.3 | Methoden | 8 |
| 2. | Geschichtlich- sozialer Hintergrund | |
| 2.1 | SBZ | 9 |
| 2.2 | DDR | 12 |
| 3. | Walter Ulbricht | |
| 3.1 | Biographie | 16 |
| 3.2 | Walter Ulbricht als Redner | 20 |
| 4. | Historisch-politischer Hintergrund der deutschen Frage 1945-1961 | 21 |
| 5. | Ideologie und Sprache | |
| 5.1 | Sprachpolitik, Sprachlenkung | 27 |
| 5.2 | Politische Propagandasprache, Newspeak | 30 |
| 5.3 | Rituelle Sprache | 31 |
| 5.4 | Der politische Diskurs in der DDR | 32 |
| 5.5 | LQI, DDR-Deutsch | 34 |
| 6. | Grammatische, lexikalische und rhetorische Analyse der Reden 1945-1961 | |
| 6.1 | Die Hauptmerkmale der Sprache | 36 |
| 6.1.1 | Die Vagheit | 37 |
| 6.1.2 | Die Emotionalität | 45 |
| 6.1.3 | Die Aggressivität | 56 |
| 6.1.4 | Die Ironie | 64 |
| 6.1.5 | Die Ritualität | 69 |
| 6.2 | Die Techniken der Einprägung von Inhalten | 89 |
| 6.3 | Der Macht- und Alleinvertretungswunsch von Walter Ulbricht | 92 |
| 7. | Zusammenfassung der Ergebnisse der sprachlichen Analyse | 96 |
| 8. | Schlusswort | 99 |
| 9. | Quellen | 103 |
| 10. | Literatur | 103 |
8. Die Idiome, Phraseologismen Sie sind oft mit den Einzelwörtern synonym, vermitteln aber in ihrer Bildhaftigkeit die Expressivität.96 Die Nachrichten können daher von den Hörern emotional empfangen werden. Sie sprechen die schon vorhandene sprachliche Kompetenz des Hörers und sein Wissen an. Oft sind es Metaphern, die infolge häufigen Gebrauchs in die Alltagssprache übergangen sind. Mit den Worten “Die amerikanische Militärregierung wird jetzt ihre Samthandschuhe ausziehen" verkündete zur gleichen Zeit General Clay auf einer Pressekonferenz in Berlin den Beginn des “kalten Krieges". General Clay hatte ja damals extra die Handschuhe ausgezogen um den “kalten Krieg" zu beginnen. (1949) In diesen Sätzen sehen wir die Wendung „Handschuhe ausziehen“ ironisch von Ulbricht gebraucht. Die Aussage bekommt dadurch mehr Bildhaftigkeit und Ausdruck. Der Sender wollte damit zum Ausdruck bringen, daβ General Clay keine Sensibilität für die deutschen nationalen Probleme gezeigt hat, und sie sogar demonstriert hat. Ich möchte es der Bonner Regierung überlassen, sich gegen die Kritik westdeutscher Politiker zu verteidigen, die der Meinung sind, die Herren Strauß, Lemmer und Brandt hätten in ihrem Übereifer die Katze zu früh aus dem Sack gelassen und damit zu früh erkennen lassen, was die westdeutschen Militaristen im Schilde führten. (1961) Die Wendung „Katze aus dem Sack lassen“ (eine Absicht, einen Plan, den man bisher absichtlich verschwiegen hat, anderen zur Kenntnis bringen97) wurde hier als umgangssprachlich und sehr bildhaft verwendet. Die politischen Gegner Ulbrichts hatten seiner Meinung nach, die absichtlich verschwiegenen militärisch aggressiven Pläne für sie selbst zu früh dargelegt und damit ihre politisch feindlichen Absichten geäuβert. Mit Pauken und Trompeten hatten sie den Anbruch einer neuen Zeit in die Welt posaunt. (1945) [...]
7. Der gehobene, pathetische Stil Erscheint im Kontext wichtiger Ereignisse, Entscheidungen und Informationen, die besondere Hervorhebung seitens Autors verdient haben. Der gehobene Stil signalisiert die Wichtigkeit der vermittelten Inhalte oder die Konnotation des Ausdrucks verleiht den Aussagen eine bestimmte Bedeutung. „Zweck der Darstellung ist nicht sachlich-nüchterne Faktenvermittlung sondern Bewuβtmachen der groβen Zusammenhänge und die Erregung emotionaler Anteilnahme des Lesers daran“.95 Mit tiefster Verachtung, mit brennender Empörung sieht unser Volk die Schreier der Naziregierung, den Kanonenkönig Krupp, den Flick vom Mitteldeutschen Stahltrust und andere auf der Anklagebank. (1945) Deutschland hatte damals den Weg der friedlichen Aufwärtsentwicklung gehen können, wenn nicht die Kräfte des deutschen Monopolkapitals ihre Macht dazu ausgenutzt hätten, um den Vertrag von Rapallo zu unterminieren und sich in das Schlepptau einer Blockpolitik mit England und Frankreich zu begeben. (1949) Die Deutsche demokratische Republik wird es niemals zulassen, daβ ihr die Ketten auferlegt werden, die Westdeutschland nach dem Bonner Vertrag fesseln. (1953) Wenn sich die Mehrheit des Volkes bei den Bundestagwahlen in Westdeutschland gegen die von amerikanischen Interessen geleitete Auβenpolitik Adenauers entscheidet und ihren Willen für Frieden (…) zum Ausdruck bringt, dann wird am Horizont die Möglichkeit der Festigung des Friedens und der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes zu einem friedliebenden und demokratischen Staat sichtbar. (1956) In Westdeutschland wurde die Herrschaft der Monopolherren und Militaristen restauriert und in den wichtigsten Stellen des Bonner Staates sitzen die faschistischen Wehrwirtschaftsführer und Ribbentrop-Leute. (1958) Das alles wird den friedliebenden Bürgern Westberlins nur zum Segen gereichen. (1959) Der sozialdemokratische Senat trägt zu einem erheblichen Teil die Verantwortung dafür, daß Westberlin zum Tummelplatz der Kriegstreiber und Kriegsinteressenten wurde, zum Paradies der Menschenhändler, Spione und Diversanten, zu einer Eiterbeule, die junge Menschen systematisch durch Filme verseucht, die Mord und andere Schwerverbrechen lehren. (1961) [...]
NATO-Politik der Adenauer-Partei, gegen die von amerikanischen Interessen geleitete Außenpolitik Adenauers entscheidet und ihren Willen für Frieden, Demokratie, Einheit Deutschlands und Fortschritt zum Ausdruck bringt, dann wird am Horizont die Möglichkeit der Festigung des Friedens und der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes (…) sichtbar. (1956) (…) so werden wir das Banner des Kampfes um die nationale Einheit stets hochhalten. (1958) Leute, die mit dem Krieg spielen, (…) muβ man in eine Zwangsjacke stecken (…). (1959) Unser Haus sollte zuerst angezündet werden. (1961) 6. Umgangssprachlicher Wortschatz Der Stil des Alltags schafft Ungezwungenheit und Lockerheit der Sprechweise.92 Nach Riesel „ermöglicht er eine gewisse Entspannung in der Gesamthaltung des Sprechers ein.“93 Es wird eine emotionale Nähe zwischen dem Sender und dem Empfänger kreiert. Der Sender und der Empfänger befinden sich dann auf einer sprachlichen Ebene. Die Umgangssprache ist leicht verständlich und spricht auch die ungebildeten Hörer an. Der Alltagsstil wertet subjektiv, oft ohne Begründung.94 Solche Dummköpfe gibt es noch viele. (1945) (…) Kriegsverbrecher wie Zangen, Reusch, Pferdemenges und wie sie alle heiβen. (1949) Adenauer war selbst in Moskau und hat dort mit eigenen Ohren gehört, daβ die Sowjetunion der Meinung ist, die Wiedervereinigung sei „Sache der Deutschen selbst“. (1956) Heute einen Termin zu nennen, erscheint mir müβig, und auβerdem bin ich kein Wahrsager. (1958) (…) ihnen eine richtige Abkühlung verschaffen. (1959) Das Treiben der Westberliner und Bonner Menschenhändler und Revanchepolitiker hatten alle satt. (1961) [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832459024
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Holzer, Natalia Juni 2002: Die deutsche Frage in den Texten von Walter Ulbricht 1945-1961, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sprachpolitik, Propagandasprache, Ideologie, Sprachlenkung, Newspeak



