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Die deutsch-französischen Beziehungen 1989-90

Ausgewählte Aspekte

Die deutsch-französischen Beziehungen 1989-90
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Johanna Pflüger
  • Abgabedatum: Januar 1999
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 639,8 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1579-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1579-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1579-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pflüger, Johanna Januar 1999: Die deutsch-französischen Beziehungen 1989-90, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Europa, Frankreich, Deutschland, Mitterand, Wiedervereinigung

Magisterarbeit von Johanna Pflüger

Einleitung:

Mit der sogenannten "Wende" im Osten kommt die deutsch-französische Zusammenarbeit, die jahrzehntelang auf einer empfindlichen Balance zwischen einem politischen Übergewicht Frankreichs und einer wirtschaftlichen Überlegenheit der Bundesrepublik basiert, auf den Prüfstein.

Die deutsche Frage und schließlich die Wiedervereinigung haben die deutsch-französischen Beziehungen stark belastet und ihrer womöglich größten Bewährungsprobe ausgesetzt. Dabei ist die verschlechterte Stimmung größtenteils der französischen Seite zuzuschreiben.

Gang der Untersuchung:

In einem ersten Teil werden die deutsch-französischen Beziehungen 1989-90 im Spiegel von Verhandlungen und Gesprächen auf Regierungsebene betrachtet. Dabei stützt sich die Darstellung auf die im August erschienene Sonderedition aus den Akten des Bundeskanzleramts zur deutschen Einheit. Der Vergleich zwischen Wort und Tat oder Taktik des französischen Präsidenten Mitterrands, der die deutsche Einheit nur widerwillig akzeptiert hat, ist ebenso aufschlußreich wie seine vertraulichen, von seinem Berater Attali aufgezeichneten Äußerungen zu dem Thema.

Der zweite Teil der Arbeit fängt exemplarisch Stimmen der "intellektuellen Elite" Frankreichs ein und veranschaulicht die Reaktionen von Politikern und Meinungsmachern auf das Ende der europäischen Teilung. Wie gingen sie mit der neuen Position Deutschlands, wie mit der veränderten Rolle ihres eigenen Landes um? Welche Ängste bedrückten, welche Hoffnungen beflügelten sie?

Abschließend soll ein Ausblick auf das Europa der Maastrichter Verträge zeigen, wie sich die Partner nach der "Vertrauenskrise" in ihre neuen Rollen eingefunden haben und welche Chancen für eine tiefreichende Verständigung das deutsch-französische Paar in der Ära der europäischen Integration hat.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 1
II. DIE DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN BEZIEHUNGEN 1989-90 AUF REGIERUNGSEBENE 3
A. Die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel von Verhandlungen und Gesprächen 3
1. Der Fall der Mauer 4
2. Erste Reaktionen der europäischen Partner 5
3. Das Zehn-Punkte-Programm 7
4. Mitterrands Verzögerungsversuche 10
a. Die Intensivierung der französisch-sowjetischen Beziehungen 10
b. Der Besuch der DDR 11
5. Europa als Dach für die deutsche Wiedervereinigung 12
a. Deutsche und französische Vorstellungen 12
b. Die Haltung des EG-Kommissionspräsidenten 13
6. Die Frage des militärischen Bündnisses 14
7. Die Zwei-plus-Vier-Verhandlungen 15
8. Die Oder-Neiße-Grenze 16
9. Die Verlangsamung der Europäischen Integration 19
10. Erneute Annäherung 20
11. Französisch-sowjetische Allianz? 22
12. Deutsch-französischer Routineeinsatz für Europa 22
13. Deutsch-sowjetische Einigung 23
14. Das Ende der "Siegerrechte" der Alliierten 24
15. Der Tag der deutschen Einheit 25
B. Ausblick auf die weitere Entwicklung 26
1. Deutsch-französische Initiativen 27
2. Maastricht 28
3. Neue weltpolitische Verantwortung 29
4. Die Ostpolitik 31
C. Zusammenfassung 32
III. DIE HALTUNG DER INTELLEKTUELLEN ELITE FRANKREICHS 34
A. Einleitung 34
B. Die Darstellung in der französischen Presse 35
1. Vorbemerkungen 36
2. Le Figaro 37
a. Vorbemerkung 37
b. Nach dem Fall der Mauer: Lehren aus der Geschichte 37
c. Deutschlands neue internationale Position 38
d. Lob für Kohl - Kritik an der eigenen Regierung 39
e. Die Grenzfrage 39
f. Europa als Schutzinstrument vor deutscher Dominanz 40
g. Die deutsch-französischen Beziehungen 41
h. Der Tag der deutschen Einheit 43
3. Le Monde 44
a. Vorbemerkung 44
b. Frühzeitige Sensibilität 44
c. Nach dem Fall der Mauer 45
d. Historische Reminiszenzen 45
e. Die deutsch-französischen Beziehungen 46
f. Die Grenzfrage 47
g. Germanophobie 48
h. Die Wiedervereinigung innerhalb des westlichen Bündnisses 49
k. Das Bild des Kanzlers 50
l. Deutschland in Europa 51
m. Der Tag der deutschen Einheit 52
4. Ausgewählte, repräsentative Publikationen 53
a. Vorbemerkung 53
b. Emotionalisierung der Massen 53
c. Konsequenzen für Frankreich 55
d. Deutsch-französische Mittler: Ausnahmepositionen 57
e. Nach der Wiedervereinigung 58
5. Zusammenfassung 59
IV. FAZIT 61
Welche Zukunft für Europa? 62
Persönliche Nachbemerkung 65
ANHANG:
Exkurs - Die öffentliche Meinung in Frankreich Ende 1989 66
BIBLIOGRAPHIE 69

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der Streit nimmt noch größere Ausmaße an, als sich Mitterrand in einer gemeinsamen Pressekonferenz demonstrativ auf die Seite der Polen stellt. Er unterstützt deren Forderung nach einem Friedensvertrag, der durch die Vier Mächte garantiert werden soll, sowie die polnische Teilnahme an den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen. Der französische Präsident sieht selbst, daß „die französische Position weiter geht als die, die sich aus der Erklärung des Bundestags ergibt“. Dieses liege aber „im Interesse Europas und des Friedens“ 56. Er macht sich somit „zum Sachwalter der Interessen Warschaus und stellt sich öffentlich gegen den Bundeskanzler.“ 57 Von Attali wird die Bemerkung Mitterrands überliefert, die Grenze stehe nicht zur alleinigen Verfügung der Deutschen, sondern sei „das Resultat eines Krieges, bei dem wir [die Franzosen] auf der Seite der Sieger standen.“ Er begrüßt zwar die Resolution des Bundestags, besteht aber auf einem international gültigen Vertrag: „Es ist sonst nichts wert.“ 58 Erst viel später, in seinen Reflexionen zur deutschen Einheit, beteuert Mitterrand Verständnis für das deutsche Zögern bei der Anerkennung der Ostgrenze. Verlange man von den Deutschen, dieses Grenze als „vollendete Tatsache“ zu betrachten, billige man damit auch die hier erfolgte, sogenannte „ethnische Säuberung“, die „massenhafte und zwangsweise Umsiedlung der Bevölkerung“ 59. Die Tatsache, daß man im Ausland einer Entschließung des Bundestages nur begrenzt Vertrauen schenkt, bedeutet einen Rückschlag für die diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung. Sie steht zu diesem Zeitpunkt recht isoliert in dem internationalen Beziehungsgeflecht da. In einem weiteren Telefongespräch am 14. März 1990 teilt Mitterrand persönlich dem Bundeskanzler die Ergebnisse der französisch-polnischen Gespräche mit. Bei der Gelegenheit stimmt der Kanzler einer polnischen Beteiligung an den die Grenzfrage betreffenden Verhandlungen zu. Er betont aber auch sein Mißfallen daran, daß die Polen mit Frankreich, nicht aber mit Deutschland über den gewünschten Grenzvertrag gesprochen hätten. Erbitterung macht sich Luft über die jüngsten Reaktionen im Ausland, nachdem die beiden deutschen Parlamente und die Bundesregierung verbindliche Erklärungen zur Grenzgarantie abgegeben haben: Er habe lernen müssen, „daß vierzig Jahre Demokratie in der Bundesrepublik nichts gelten.“ Der Kanzler bringt auch seine persönliche Enttäuschung zum Ausdruck. Er habe derzeit den Eindruck, man nehme zwar viel Rücksicht auf [...]

8. Die Oder-Neiße-Grenze Die deutsche Position in den Verhandlungen über die Oder-Neiße-Grenze ist von taktischen Überlegungen bestimmt. Innenpolitisch liegt Kohl daran, nationalen Stimmen, die Deutschland in den Grenzen von 1937 wiederherstellen wollen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ihnen soll nicht unnötig Brennstoff gegeben werden, indem die Grenze früher als nötig unumkehrbar anerkannt wird. Der Kanzler wird später argumentieren, die deutsche Einheit sei nur zum Preis der Grenzanerkennung möglich gewesen. Außenpolitisch versucht die Bundesregierung ebenfalls, die Grenzfrage so lange wie möglich hinauszuschieben. Kohl hält es für „taktisch ungeschickt und politisch unverantwortlich, die Grenzanerkennung auszusprechen, solange die Entscheidung über die Einheit Deutschlands nicht getroffen worden ist.“ 54 Eine denkwürdige Rolle spielen Mitterrand und die französischen Entscheidungsträger in der Frage der Oder-Neiße-Grenze. Kohl erläutert dem französischen Staatspräsidenten telefonisch seine Strategie: zunächst sollten die beiden deutschen Parlamente jeweils eine Erklärung verabschieden, daß nach der Einheit eine völkerrechtliche Grenzanerkennung durch ein gesamtdeutsches Parlament vollzogen werde. Im Gegenzug erwartet Kohl den vom damaligen polnischen Ministerpräsidenten Mazowiecki bereits zugesagten Schutz der Rechte der in Polen lebenden deutschen Minderheit sowie die Bekräftigung des Verzichts Polens auf deutsche Reparationszahlungen. Mitterrand hält sich eher bedeckt: Man müsse „zwischen dem juristischen und dem politischen Aspekt unterscheiden.“ Politisch gesehen sei „die Grenze eine Realität.“ Doch scheint ihm eine Absichtserklärung, wie Kohl sie vorschlägt, nicht auszureichen55. In Bonn gelingt es dem Kanzler, zunächst einmal die Koalition auf eine Linie einzuschwören. Deren Entschließungsantrag sichert den Polen das Recht auf sichere Grenzen zu und fordert zugleich deren Verzicht auf Reparationen. Außerdem soll nach vollendeter Wiedervereinigung ein Vertrag zwischen einer gesamtdeutschen Regierung und Polen abgeschlossen werden. Der Wortlaut des Entschließungsantrags wird von Kohl an die Vier Mächte vermittelt, um ihnen seine Vertrauenswürdigkeit zu demonstrieren. Doch entgegen Kohls Hoffnung ist keineswegs Ruhe in die Grenzfrage eingekehrt. Bei dem Besuch von Mazowiecki und dem polnischen Präsidenten Jaruzelski in Paris im März 1990 treten die unterschiedlichen Positionen erneut zu Tage. Polen will den Abschluß eines Friedensvertrags mit Deutschland noch vor der Wiedervereinigung. Außerdem fordert es die Teilnahme an allen Zwei-plus-Vier-Verhandlungen in Sicherheitsfragen. [...]

Im Februar 1990 treffen sich zur Festlegung solcher Verhandlungen die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten und des Warschauer Pakts in Ottawa. Dort beschließt man, daß die Integrierung der deutschen in die europäische Einigung sichergestellt sowie der UdSSR Sicherheitsgarantien gegeben und die Unantastbarkeit der Grenzen bestätigt werden müssen50. Bei einem Besuch Kohls in Paris am 15. Februar pocht Mitterrand erneut auf das „droit de regard“ (eine Art „Prüfungsrecht“) der Alliierten: dieses sei legitim, wenn es um die Konsequenzen der Einheit für Deutschlands Nachbarn gehe, also z.B. die Präsenz alliierter Truppen auf deutschem Boden, die NATO-Mitgliedschaft und die atomare Bewaffnung. Hierzu zähle außerdem die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die Deutschen. Juristisch gesehen sei der Kanzler im Recht, den polnischen Forderungen nach Beteiligung an den Verhandlungen nicht gefolgt zu sein, politisch gesehen wäre es aber Mitterrands Meinung nach besser gewesen. Der Präsident fügt hinzu, der Bundeskanzler dürfe „nicht den Eindruck erwecken, daß dies «die andern» nichts“ angehe. Die anderen betreffe sehr wohl, „was die Deutschen unter sich machten.“ Beide sind sich einig über die Ausarbeitung einer europäischen Konföderation. Zu dieser sollten alle demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaaten Europas Zugang haben. Außerdem wollen sie einen informellen EG-Sondergipfel zur Lage in Ostdeutschland einberufen. Kohl setzt Mitterrand auseinander, daß die Wiedervereinigung günstige wirtschaftliche Folgen für Frankreich haben werde. Er betont weiterhin, wie wichtig die deutschfranzösische Freundschaft und die Integration Deutschlands in die EG sei, „weil hierdurch jeglicher Verdacht gegen eine deutsche Hegemonie relativiert“ werde51. Aus dem Gespräch resultiert, daß weiterhin Meinungsverschiedenheiten über die deutschpolnische Grenze bestehen. Denn der Bundeskanzler will diese erst nach der Wiedervereinigung anerkennen, weil nur ein gesamtdeutsches Parlament hierzu befugt sei. Sollte ein Vertrag mit Polen unterzeichnet werden, schließt Kohl die Alliierten als „Garantiemächte“ in dieser Sache aus. Die beiden Staatsmänner mögen sich über viele politische Richtungsentscheidungen einig sein- der Streit über die Oder-Neiße-Grenze wird die deutschfranzösischen Beziehungen nachhaltig überschatten52. Aus Mitterrands Sicht ist dieses Thema „so etwas wie sein letzter Trumpf“, nun da er sich mit der Wiedervereinigung als solcher abfinden muß53. [...]

Arbeit zitieren:
Pflüger, Johanna Januar 1999: Die deutsch-französischen Beziehungen 1989-90, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Europa, Frankreich, Deutschland, Mitterand, Wiedervereinigung

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