Die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der ersten Clinton-Administration
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Andreas Roschel
- Abgabedatum: August 1999
- Umfang: 124 Seiten
- Dateigröße: 758,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1987-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1987-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1987-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Roschel, Andreas August 1999: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der ersten Clinton-Administration, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Clinton, deutsch-amerikanische Beziehungen, Internationale Beziehungen, GATT, NATO
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Magisterarbeit von Andreas Roschel
Problemstellung:
Die Arbeit beleuchtet die für das transatlantische Verhältnis entscheidenden deutsch-amerikanischen politischen wie wirtschaftspolitischen Beziehungen unmittelbar nach den dramatischen Umwälzungen der Jahre 1989 und 1990 sowie dem Golfkrieg 1991.
Das Jahr 1992 als Anfangspunkt der Analyse steht hier für eine außenpolitische Reorientierung der beiden bisherigen Partner. Mit dem Abtritt Hans-Dietrich Genschers als dienstältestem Außenminister von der internationalen Politikbühne, der von den Verbündeten als schädlich für die weltwirtschaftliche Entwicklung empfundenen rigiden Zinspolitik der Bundesbank sowie der eigenmächtigen diplomatischen Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die Bundesregierung kündigt sich ein außenpolitisch selbstbewußterer und unabhängigerer Kurs Deutschlands an; in den USA hingegen suggeriert die Wahl William Jefferson Clintons zum Präsidenten die verstärkte Konzentration der US-amerikanischen Politik auf die inneren Belange des Landes, vorrangig den von ihm beabsichtigten gesellschaftlichen Umbau.
Mit Beginn der ersten Clinton-Administration werden Gemeinsamkeiten und Problemfelder in den beiderseitigen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung des europäischen Einigungsprozesses aufgezeigt. Der Spannungsbogen reicht hier von den inneren, vornehmlich ökonomischen Schwierigkeiten beider Länder sowie deren außenwirtschaftlichem Niederschlag im GATT-Abkommen Ende 1993 bis hin zur sicherheitspolitischen Komponente, der Neuordnung des europäischen Sicherheitsgewölbes mit der Anpassung der nordatlantischen Militärallianz NATO an die postsowjetischen Verhältnisse, d.h. der militärisch-operativen Flexibilisierung wie geographischen Expansion des Bündnisses, und dem institutionellen Ausbau der KSZE zur OSZE von der unverbindlichen Konsultationsrunde zum ständigen Forum für europäische Sicherheitsfragen. Die Studie endet mit dem Dayton-Abkommen zur Beilegung des Bürgerkrieges in Bosnien-Herzegowina.
Die anfängliche außenpolitische Strategie der Clinton-Administration, weltweite Stabilität durch einen verstärkten multilateralen Ansatz bei der Lösung der immer mehr regionalisierten Konflikte zu erreichen und somit auch die eigenen finanziellen und logistischen Ressourcen zu schonen, findet ihren europaspezifischen Höhepunkt in der zu Beginn des Jahres 1994 initiierten "Partnerschaft für den Frieden", die mehr einen Teilrückzug aus der sicherheitspolitischen Verantwortung der USA für Europa darstellt als den darin angesprochenen osteuropäischen Ländern eine Alternative zum sicherheitspolitischen Vakuum anzubieten, das nach der Auflösung des Warschauer Paktes dort entstand und zur Mitte der 90er Jahre von der Ausfüllung durch eine Renaissance russischer Machtansprüche bedroht wird. Die Bemühungen des deutschen Außenministers Kinkel zur stärkeren Emanzipation der Europäer von den Vereinigten Staaten bei der Gestaltung ihrer eigenen Sicherheitspolitik, z.B. durch die Instrumentarien der neugeschaffenen OSZE, werden durch die strategische Kehrtwende in der US-Außenpolitik konterkariert, die von Clinton bereits Mitte 1994 aus innen- wie außenpolitischen Gründen vollzogen wird. Auch in den Reihen der Bundesregierung trifft sein Engagement auf Widerstand, z.B. bei Verteidigungsminister Rühe. Im Abkommen von Dayton Ende 1995 findet die erneute Hinwendung US-amerikanischer Sicherheitspolitik auf den europäischen Kontinent schließlich ihre endgültige Manifestation und einen letzten Höhepunkt, bevor die sicherheitspolitische Entwicklung der nachfolgenden Jahre wieder einen Rückzug des US-Engagements aus Europa ankündigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Die Ausgangslage | 7 |
| 1.1. | Deutschland und die USA | 7 |
| 1.2. | Die USA und die "neue Weltordnung" | 12 |
| 1.3. | Die Europäische Gemeinschaft, das Maastricht-Abkommen und die USA | 13 |
| 1.4. | Die Zukunft der NATO | 15 |
| 1.5. | Die Vereinten Nationen nach dem Kalten Krieg | 16 |
| 2. | Die US-Präsidentschaftswahlen im November 1992 | 18 |
| 3. | Clintons außenpolitisches Profil | 20 |
| 3.1. | Die neue Clinton-Administration und deren Reibungspunkte mit Europa | 21 |
| 3.2. | Die Außenhandelspolitik Clintons | 22 |
| 3.3. | Grundsätzliche Probleme zukünftiger US-amerikanischer Außenpolitik | 24 |
| 4. | Die amerikanisch-europäischen Beziehungen während der Anfangsphase der Clinton-Administration | 26 |
| 4.1. | Die Clinton-Administration und der Krieg in Bosnien-Herzegowina | 28 |
| 4.2. | Wirtschaftspolitische Konsultationen | 29 |
| 4.3 | Binnenwirtschaftliche Voraussetzungen und weltwirtschaftliche Vorstellungen Deutschlands und der USA | 30 |
| 4.4. | Clinton auf dem G7-Weltwirtschaftsgipfel in Tokio | 34 |
| 4.5 | Deutschland und die USA in der Diskussion um die Erweiterung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen | 37 |
| 4.6. | Die NATO im Umbruch | 40 |
| 4.7 | Deutschland im europäischen Einigungsprozeß unter dem Einfluß des Maastricht Abkommens | 42 |
| 5. | Der Abschluß der GATT-Verhandlungen | 49 |
| 5.1 | Die weltwirtschaftliche Entwicklung vor dem Abschluß der GATT-Verhandlungen | 49 |
| 5.2. | Die OECD-Studie über die wirtschaftspolitischen Folgen des GATT | 50 |
| 5.3. | Die europäisch-amerikanische Einigung in Genf | 53 |
| 5.4. | Die deutschen und US-amerikanischen Erwartungen an das GATT | 54 |
| 5.5. | Fazit | 56 |
| 6. | Die Neuordnung des europäischen Sicherheitsgewölbes von der "Partnerschaft für den Frieden" zum Budapester Dokument der OSZE | 58 |
| 6.1. | Clintons bisherige Bilanz | 58 |
| 6.2. | Clintons Angebot der "Partnerschaft für den Frieden" | 59 |
| 6.3. | Die strategische Kehrtwende in der US-Außenpolitik | 64 |
| 6.4. | Die Institutionalisierung der KSZE | 71 |
| 7. | Die Diskussion um die NATO-Osterweiterung | 79 |
| 8. | Die Vereinigten Staaten und das Abkommen von Dayton | 85 |
| Schlußbetrachtung | 90 | |
| Quellen- und Literaturverzeichnis | 96 |
57 mung dieser noch nicht akuten, doch langfristig bedeutsamen Aufgabe übertragen würden. Nach den weitgehend gescheiterten Aktivitäten Deutschlands und der EG zur Beilegung des jugoslawischen Bürgerkriegs wäre jedoch davon auszugehen, daß die Vereinigten Staaten auch in diesem Fall nach wie vor die Funktion der politischen Ordnungsmacht Europas ausfüllen und so Deutschlands Machtanspruch auf dem Kontinent und speziell in dieser Region als fiktiv entlarven würden. Betrachtet man zusammenfassend die wirtschafts- und auch sicherheitspolitischen Implikationen des Maastricht-Vertrages, so besaß die Tatsache, daß Deutschland als eigentlicher Vorreiter der europäischen Einigung als letzter Signatarstaat des Unionsvertrages dessen Ratifizierung vornahm, durchaus Symbolcharakter für den wahren Stellenwert der im Kontrakt niedergelegten Regelungen. Dies sollte in den nächsten Jahren nicht nur Rückwirkungen auf die politische und ökonomische Entwicklung innerhalb der EU haben, sondern auch den Charakter der deutschamerikanischen bzw. europäisch-amerikanischen Beziehungen prägen. Bereits der dem Inkrafttreten des Maastricht-Vertrages unmittelbar folgende Abschluß der GATT-Verhandlungen sollte dies zeigen. [...]
56 ser Regierung mit den EU-Mitgliedern führen, die eine rasches und konstruktives Zustandekommen der neuen Welthandelsordnung befürworteten. Die nationalen Repräsentanten im EUMinisterrat und auch dem Europäischen Rat stellten den europäischen Gemeinschaftsgedanken noch immer sehr weit zurück, wenn die Belange ihrer Staaten berührt wurden, die absolute Priorität genossen. Auch die EU als vermeintliche Weiterentwicklung der EG konnte ihren historischen Ursprung einer Wirtschaftsgemeinschaft, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges gegründet wurde, nicht verleugnen. Dieses Faktum könnte sich in Zukunft als schwere Hypothek erweisen, deren Bewältigung einer strukturellen Metamorphose gleichkommen würde, die Ähnlichkeiten mit dem gleichzeitigen Prozeß innerhalb der NATO aufwies. Unbestreitbar blieb jedoch, daß beide Institutionen, sowohl die EU als auch die NATO, in denen Deutschland federführend tätig war bzw. in Zukunft sein möchte, sich der neuen geopolitischen Situation der 90er Jahre zu stellen hatten. Dies mußte nicht nur aus Gründen der sinnvollen Erhaltung der beiden supranationalen bzw. suprakontinentalen Organisationen geschehen, sondern war auch für einen begründeten und zukunftsorientierten sicherheits- wie handelspolitischen Standpunkt gegenüber der USA dringend geboten. Ob der Vertrag von Maastricht im Falle der EU hierfür eine ausreichende Grundlage darstellte, durfte zumindest bezweifelt werden. Die in der Union weitverbreitete Ansicht, bei der Osterweiterung Länder wie Rußland, Bulgarien oder Rumänien84 außen vor zu lassen, könnte sich nicht nur zu einem wirtschafts- und migrationspolitischen Desaster entwickeln, sondern auch ein sicherheitspolitisches Vakuum jenseits des Nordatlantischen Kooperationsrates schaffen, das die Vereinigten Staaten als bisherige Garantiemacht des europäischen Gleichgewichts dazu nötigen würde, sich stärker als erwartet bei der Vermittlung in einem jahrhundertelangen, Europa spaltenden Konflikt zu engagieren. Am Ende des zweiten christlichen Jahrtausends drohten durch solche Abgrenzungsversuche die überwunden geglaubten religiösen Konfliktlinien zwischen dem römisch-katholischen Westen und dem byzantinisch-orthodoxen Osten wieder aufzutauchen. Die teilweise verheerende Rolle der Religion bei der Verortung des nationalen Selbstverständnisses der neuen Nationen in Ost- und Südosteuropa trat beim Balkankrieg exemplarisch zutage. Die USA, die laut der ClintonAdministration die Sicherheitskompetenzen in Europa neu auf- und verteilen wollte, könnte sich aufgrund einer derartigen sicherheitspolitischen Herausforderung, die aus der ökonomischen Exklusion der Staaten oströmischer Glaubensherkunft von der Europäischen Union resultieren könnte, gezwungen sehen, in einer zumindest politischen Eskalation zwischen der EU und den betreffenden Nationen Osteuropas, die den Vereinigten Staaten vertrauen, zu vermitteln. Diese Funktion eines Mittlers zwischen Ost- und Westeuropa wurde nach 1990 allerdings zunächst Deutschland zugeschrieben. Es bliebe eine Frage des Vertrauens der beteiligten Nationen in die Konfliktlösungskompetenzen der USA oder Deutschlands, wem sie in Zukunft die Wahrneh- [...]
55 Organ in Deutschland keine Entwicklung hin zu einem Bundesstaat dar, sondern es schuf einen eng gefaßten Staatenbund81. In seiner Stellungnahme zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts äußerte Bundeskanzler Kohl neben den bereits bekannten Zielen der Europäischen Union wie etwa der GASP, der EWWU oder der rechtlichen Aufwertung des Europäischen Parlaments, die es nach der juristischen Zustimmung Deutschlands jetzt zu verfolgen galt, einen Aspekt der EU, der zumindest die Staaten, die einem verstärkten Föderalismus innerhalb der Union eher abgeneigt waren, wie z.B. Großbritannien, zu Kritikern der deutschen Position machte. Der entschiedene Förderer des europäischen Einigungsprozesses verlangte „Die Stärkung der föderativen Elemente der Europäischen Union, insbesondere durch das im Vertrag verankerte Subsidiaritätsprinzip, also möglichst bürgernaher Entscheidungen.“82 Die deutsche Bundesregierung übergab als letzte der zwölf Signatarstaaten der Europäischen Union die Ratifizierungsurkunde an die zuständige italienische Regierung in Rom, wo die Geschichte der bisherigen EG mit den Verträgen vom 25. März 1957 über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) begann. Der Vertrag von Maastricht trat schließlich am ersten November 1993 in Kraft. Deutschlands Integration in das Maastrichter Vertragssystem über die Europäische Union stand zu ihrem Beginn unter keinem guten Stern. Nicht nur die Wirtschaftsdaten der Signatarstaaten verhießen keine gute Zukunft, auch ihre grundsätzlich unterschiedlichen Interessen, die sie im Staatenbund zum Ausdruck brachten, ließen positive Prognosen kaum zu. Jochimsens Einschätzung, „daß es gemeinsames Geld dauerhaft nicht ohne gemeinsamen Staat gibt, daß voluntaristisch gebildete Unionen auch zerfallen können, wenn die politischen Klammern zu schwach sind“83, wurde zwar von der Bundesregierung geteilt, war aber selbst in ihrem eigenen Umfeld nicht unumstritten; weiterhin befanden sich in der Union Nationen wie etwa Großbritannien, die selbst im Unionsvertrag Ausnahmeregelungen durchsetzten und der deutschen Tendenz, die EU über verstärkte föderale Strukturen und der Betonung der Regionen bzw. deutschen Bundesländer langfristig vom Staatenbund zum Bundesstaat umzubauen, entgegenstanden. Aufgrund seiner ausgeprägt negativen historischen Erfahrungen mit der Institution des Nationalstaates sollte für Deutschland auch in Zukunft an einer intensiven Integrationspolitik der Mitglieder im Rahmen der Europäischen Union kein Weg vorbeiführen. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wann ein grundlegender Richtungsstreit zwischen den tonangebenden Ländern des europäischen Staatenbundes ausbrechen würde; bereits die GATT-Abschlußverhandlungen mit den Vereinigten Staaten und die diesbezügliche starre Weigerung Frankreichs, auf Agrarsubventionen zu verzichten, konnten auch innerhalb der Union für gravierende Meinungsverschiedenheiten der Pari- [...]
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