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Einleitung:
Die Anregung zur Beschäftigung mit dem Thema entstand durch ein Praktikum in der sozialpädagogischen Familienberatungsstelle, einem Projekt der Freien Universität Berlin. Diese Einrichtung orientiert ihre sozialpädagogische Arbeit an Erkenntnissen, Modellen und Methoden der systemischen Familientherapie, um sie in der psychosozialen Beratung mit Einzelpersonen, Paaren und Familien umzusetzen.
Psychosoziale Beratung erfordert individuumübergreifende (system-)theoretische Konzepte. Selbst wenn 'nur' ein einzelner Klient in die Beratung kommt, kann man ihn in seinem sozialen Kontext betrachten und gedanklich die für den Klienten wichtigen Systeme mit in die Beratung einbeziehen. Die systemische Familienberatung ist nicht pathologieorientiert, sondern ressourcenorientiert, setzt also bei den in der Familie vorhandenen Ressourcen an, die gemeinsam mit ihr aktiviert werden. Die Klienten bestimmen dabei ihre Ziele selbst und versuchen gemeinsam mit dem Berater , neue Lösungswege zu finden und zu erproben. In diesem Sinne kann Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden, in dem sie die Selbstheilungskräfte der Klienten, die in einer akuten Lebenskrise verloren gingen, reaktiviert.
Bei der Auseinandersetzung mit den theoretischen und praktischen Erkenntnissen der systemischen Familientherapie und Beratung wurde ich auf das Konzept der lösungsorientierten Beratung aufmerksam, das auf dem Kurztherapiemodell Steve DE SHAZERs und seinem Team vom Brief Family Therapy Center (BFTC) in Milwaukee (USA) basiert. Einer der wichtigsten Grundsätze besteht hier in der Annahme, dass - entgegen traditioneller Vorstellungen - Ursache, Genese und Art der Aufrechterhaltung von Problemen nicht bekannt sein müssen, um eine Lösung erreichen zu können.
Der Ansatz beinhaltet Vorschläge zur Einteilung des Beratungsprozesses in Phasen sowie zur Gestaltung der Kommunikation mit Klienten. Der Fokus in der lösungsorientierten Beratung richtet sich konsequent auf Informationen über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Lösungen und auf das Entdecken zieldienlicher Ressourcen. WALTER/PELLER (1999) beschreiben eine mit diesem Grundsatz korrespondierende Ausrichtung auf das Positive, auf die Lösung und auf die Zukunft. Deshalb soll man sich auf lösungs-orientiertes Sprechen konzentrieren und nicht auf problem-orientiertes (ebd. S. 53).
Ausgehend von dem Zitat DE SHAZERs "Problem talk creates problems, solution talk creates solutions!" (vgl. Schlippe/Schweitzer 2000, S. 35) entstand der Titel der vorliegenden Arbeit Lösungen statt Probleme? Das Konzept der systemisch - lösungsorientierten Beratung nach dem Kurztherapiemodell von Steve de Shazer. Der Untertitel Möglichkeiten und Grenzen im Kontext der Anwendbarkeit für die psychosoziale Beratungsarbeit mit Klienten wurde hinzugefügt, um der Darstellung und Betrachtung eine kritische Auseinandersetzung innerhalb der vorhandenen Literaturquellen bezüglich dieses lösungsorientierten Modells hinzuzufügen.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die systemtheoretischen Gedanken darzustellen und die Implementierung der vorhandenen Theorien im psychosozialen-beraterischen Kontext mit verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten darzustellen. Im Anschluss daran soll das lösungsorientierte Modell DE SHAZERs eingehend betrachtet und auf Möglichkeiten und Grenzen hin untersucht werden. Im Detail folgt diesem Ziel folgende Logik des Aufbaus:
Nach einer kurzen Einleitung beschäftigt sich zunächst das zweite Kapitel mit den in der Literatur immer wieder synonym verwendeten Begriffe Beratung und Therapie. Diese Unterscheidung erscheint am Anfang dieser Arbeit sinnvoll, da im Folgenden die Begriffe konsequent angewendet werden können und somit Missverständnisse von vornherein verhindert werden.
Das dritte Kapitel widmet sich ausschließlich den systemtheoretischen Grundlagen. Deren Implikationen für die Entwicklung einer systemischen Sichtweise in der Familientherapie und Beratung, sowie weitere ausgewählte Modelle der systemischen Praxis, die für die Darstellung des lösungsorientierten Konzeptes bedeutsam sind, werden im vierten Kapitel vorgestellt. In diesem Kontext werden vor allem das strategische Modell der Palo-Alto-Gruppe um WATZLAWICK und WEAKLAND, sowie das Mailänder Modell von SELVINI PALAZZOLI u.a. vorgestellt.
Im fünften Kapitel wird dann das Konzept der lösungsorientierten Beratung, das auf dem Kurztherapiemodell Steve DE SHAZERs basiert, dargestellt. Hierbei werden folgende Fragen berücksichtigt:
Weshalb scheint es sinnvoll, sich diesem Beratungskonzept zufolge, allein auf Lösungen und Ressourcen zu konzentrieren?
Welche Grundprinzipien und Leitlinien sind - hinsichtlich der Abwendung von der Problemanalyse - mit diesem Konzept verbunden?
Welche methodischen Elemente stellt das lösungsorientierte Modell bereit, um auch lösungs- und ressourcenorientiert vorgehen zu können?
Wie gestaltet sich der lösungsorientierte Beratungsprozess?
Möglichkeiten und Grenzen des lösungsorientierten Konzeptes im Hinblick auf psychosoziale Beratung werden abschließend im Hinblick auf die Fachliteratur im sechsten Kapitel reflektiert.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Schlussbemerkung im siebten Kapitel, in der eine persönliche Bilanz, die die theoretischen Erkenntnisse mit den Erfahrungen in der praktischen Anwendung verbindet.
Inhaltsverzeichnis:
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