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Einleitung:
Tauchen hat sich als Breitensport etabliert. Von sportwissenschaftlicher Seite gesehen, werden beim Sporttauchen alle konditionellen Beanspruchungsformen, wie Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination und als Besonderheit die Apnoefähigkeit wieder gefunden. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit beim Tauchen wird durch vier verschiedene Faktoren begrenzt. Zur physiologischen Leistungsfähigkeit kommen die Effizienz des Bewegungsablaufes, die Effizienz der Flossen als Antriebshilfe und der passive Widerstand durch die Ausrüstung. Der Einfluss auf die Fortbewegungsgeschwindigkeit, auf die Sauerstoffaufnahme und die Herzfrequenz wurde mit verschiedenen Ausrüstungsgegenständen untersucht.
So konnte gezeigt werden, wie wichtig die richtige Auswahl der Flossen für den entsprechenden Vortrieb ist. Zum Ausgleich des Auftriebes durch Kälteschutzanzüge werden Abtriebshilfen in Form von Bleigewichten verwendet. Hierdurch wird die Tauchlage durch Änderung des Drehmomentes beeinflusst. Die richtige Bleipositionierung und die richtige Bleimenge sind für eine korrekte Tarierung unerlässlich. Auftriebsmittel beeinträchtigen den Taucher insbesondere bei hohen Tauchgeschwindigkeiten. Bei zunehmendem Umgebungsdruck und zunehmender Tauchgeschwindigkeit steigt der Atemwiderstand von Lungenautomaten. Neuere Untersuchungen belegen, dass regelmäßiges Training der Atemmuskulatur die taucherische Leistungsfähigkeit verbessert.
Welchen Einfluss die Verwendung von Tauchanzügen auf die Effizienz der Fortbewegung unter Wasser hat, wurde bisher nur in vereinzelten Studien untersucht.
Taucher berichten immer wieder, dass sie sich durch Tauchanzüge eingeengt fühlen und sie der Gebrauch in ihrer Bewegungsfreiheit einschränke. Dies gelte insbesondere für die in unseren Breiten eingesetzten dickeren Nasstauchanzüge. Solche Erkenntnisse werden durch Urlaubsreisen in tropische Gewässer gestützt, bei denen keine oder nur dünnere Anzüge verwendet wurden. Es ist jedoch nicht allein die Dicke des Anzuges für den Kälteschutz entscheidend, sondern auch die Passform. Bewegungen können dazu führen, dass der für Nasstauchanzug typische Wasserfilm zwischen der Haut des Tauchers und der Innenseite des Tauchanzuges in Fluss kommt und somit ein Teil des Isolationsvermögens des Anzuges verloren geht. Des Weiteren reduziert sich das Isolationsvermögen durch Kompression in zunehmender Wassertiefe, obwohl sie fester am Körper anliegen. Tauchanzüge schützen zwar den Körper gut vor dem kalten Wasser, sie limitieren aber das Bewegungsausmaß der meisten Gelenke des Körpers wie eine elastische Hülle. Zusätzliche Energie ist notwendig, um die Gelenke zu bewegen, wodurch der Atemluftverbrauch ansteigt. Der Gebrauch von Kälteschutzanzügen bedeutet durch die Einengung der Bewegungen erhebliche Anstrengungen bei der Fortbewegung im Wasser und führt so zu vorzeitiger Erschöpfung des Tauchers.
Pendergast et al. konnten nachweisen, dass der Energieverbrauch in der Schwimmhalle beim Tauchen mit Kälteschutz im Vergleich zum ungeschützten Zustand erhöht war. Tauchen in Nasstauchanzügen wiederum war anstrengender als in den verwendeten Trockentauchanzügen. Ducasse et al. zeigten, dass die Atemfähigkeit von gesunden Tauchern und insbesondere die von Asthmatikern durch Nasstauchanzüge schon in Dicken von 3mm und besonders von 6mm eingeschränkt wurde. Dass zu enge Tauchanzüge während des Tauchganges schwere Probleme auslösen können, wird durch veröffentlichte Unfallberichte verdeutlicht. Zu enge Tauchanzüge können zu Atemnot und Panikattacke mit Notaufstieg führen. Nach Durchsicht der zur Verfügung stehenden Literatur fand sich lediglich eine Arbeit, bei der der Einfluss von Kälteschutzanzügen beim Tauchen auf die Herzfrequenz und das subjektive Anstrengungsempfinden im Vergleich zum ungeschützten Zustand untersucht wurde. Dabei qualifizieren sich gerade die Herzfrequenz und das Anstrengungsempfinden als Parameter für leistungsdiagnostische Messungen unter Wasser durch ihre relativ einfache Erhebung mittels handelsüblicher Herzfrequenzuhren (Neumann u. Engelhardt 1991) und der RPE-Skala nach Borg.
Der Anstieg der Herzfrequenz bei körperlicher Belastung steht in einem engen Zusammenhang zur Sauerstoffaufnahme und zur metabolischen Beanspruchung in der Arbeitsmuskulatur. Laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, den "Guidelines for exercise testing and prescription" des American College of Sportsmedizin und den "Exercise Standards for Testing and Training" der American Heart Association stellt die Herzfrequenz den zentralen Parameter für die Beurteilung des Aktivitätszustandes des Kreislaufs dar. Die Verwendung der BORG-Skala wird in den "Fitness to dive standards" des European diving technology committee im Rahmen von Leistungstests empfohlen.
Ziel dieser Arbeit war die Durchführung eines Leistungstests bei Sporttauchern, mit dem der Einfluss von Kälteschutzanzügen auf die Belastung beim Tauchen mit Drucklufttauchgeräten bestimmt werden sollte. Als standardisierte Methode der Leistungsdiagnostik wurden ein Maximalgeschwindigkeitstest und ein Stufentest, die in der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) entwickelt wurden, verwendet. Anhand der Parameter Maximalgeschwindigkeit, Herzschlagfrequenz und subjektives Anstrengungs- / Belastungsempfinden nach BORG, angegeben als rating of perceived exertion (RPE), und deren Veränderungen beim Gebrauch von Kälteschutzanzügen, sollten Aussagen über den Unterschied in der Beanspruchung bei der Fortbewegung unter Wasser in typischen Tauchsituationen gemacht werden. Mit Hilfe definierter Belastungsstufen können Hinweise auf tauchsportspezifische Anforderungen gegeben werden. Tauchen in einer Geschwindigkeit von 0,4ms-1 entspricht einem langsamen Tauchgang, 0,6ms-1 gegen leichte bis mittlere Strömung, 0,8ms-1 und die Maximalgeschwindigkeit entsprechen den Anforderungen gegen starke Strömung und beim Rettungsversuch. Darüber hinaus sollte der Einfluss der Umgebung Hallenschwimmbad gegenüber Freigewässer untersucht werden. Es sollten insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
1. Sind Sporttaucher mit Nasstauchanzügen in der Lage, die vorgegebenen Sollgeschwindigkeiten des verwendeten stufenförmigen Belastungstests zu tauchen?
2. Unterscheiden sich die getauchten Geschwindigkeiten im Belastungstest zur Ermittlung der Herzfrequenzen bei den verschiedenen Testbedingungen?
3. Wird die maximale Tauchgeschwindigkeit durch den Gebrauch von Kälteschutz beeinflusst?
4. Wird die Herzfrequenz in der Vortestphase unter Wasser in 5m Tiefe durch die verschiedenen Untersuchungsbedingungen beeinflusst?
5. Bewirkt der Gebrauch von Kälteschutz beim Belastungstest im Hallenschwimmbad einen zusätzlichen Anstieg der Herzfrequenz und des Anstrengungsempfindens im Vergleich zum ungeschützten Zustand?
6. Bedeutet Tauchen in Freigewässern eine zusätzliche Belastung für den Taucher beim Belastungstest, werden hierdurch höhere Herzfrequenzen und höheres Anstrengungsempfinden als im Hallenschwimmbad hervorgerufen?
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