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Gang der Untersuchung:
Das erste Kapitel beinhaltet die Darstellung einer Gattungsdefinition von Hanna Kralls Prosa. Ihr lakonischer und authentischer Prosastil wurde von der polnischen und deutschen Literaturkritik mit unterschiedlichen Gattungsbezeichnungen versehen. Die vorliegende Untersuchung basiert auf dem 1998 in Krakau erschienenen Erzählband " Tam juz nie ma zadnej rzeki."
Der Band setzt sich aus sechzehn authentischen Erzählungen zusammen, die Hanna Krall während ihrer zahlreichen Gespräche mit Zeitzeugen des Holocaust gesammelt und literarisch umgesetzt hat. Für dieses Buch erhielt sie im Januar 1999 den "Großen Preis der Kulturstiftung" in Polen.
Das Buch befand sich auf dem ersten Platz der Bestseller-Liste des "Literarischen Quartetts" im Südwestfunk und wurde zum Verkaufsschlager im Juni 1999 in Deutschland und Österreich. Die Übersetzung ins Deutsche wurde von der Europäischen Kommission gefördert.
Am 26.03.00 wurde ihr für diesen Erzählband während der Leipziger Buchmesse der Preis für Europäische Verständigung verliehen.
Die deutsche und polnische Literaturkritik liefert in den zahlreichen Rezensionen zu ihrem Werk verschiedene Ansätze einer Gattungsdefinition ihres persönlichen Prosastils. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Gattungsdefinitionen, die in der Pressekritik dominieren. Ihre authentische Erzählweise wurde überwiegend mit den Bezeichnungen "Tatsachenliteratur" oder "literarische Reportage" betitelt. Einen abweichenden Ansatz der Gattungsdefinition liefert Michal Cichy in seiner Rezension in der "gazeta wyborcza" vom 24.01.1999, in der er ihre Prosa als "dokumentarische Märchen" (basnie dokumentalne) bezeichnet.
In ihrem aktuellen Erzählband befindet sich auch eine zehnseitige Erzählung mit dem Titel "literatura faktu", in der Hanna Krall die Authentizität ihrer Schreibweise selbst thematisiert, indem sie schildert, wie sie während einer ihrer Lesungen mit anwesenden Zuhörern spricht und diese dazu auffordert, ihr aus ihrem eigenen Leben zu erzählen, um darüber ihre authentische Tatsachenliteratur zu schreiben.
Hanna Kralls Erzählung "literatura faktu" wird im nächsten Kapitel der Gattungsdefinition "Tatsachenliteratur" zugrundegelegt, da sie selbst diese Definition gewählt hat, um ihren Erzählstil zu beschreiben.
Die Gattungsdefinition der "literarischen Reportage" wird anhand der Erzählung "Pola" untersucht, da diese Erzählung über Apolonia Machczynska und den Einsatz des Hamburger Reserve- Polizeibataillons 101 in Józefów auch von amerikanischen Historikern; von Christopher Browning und Daniel Goldhagen erwähnt und literarisch umgesetzt wird.
Diese Beschreibung derselben authentischen Begebenheit am 13.07.1942 in Józefów wird der literarischen Umsetzung bei Hanna Krall kontrastiv gegenübergestellt und ihr spezifischer "literarischer Reportagestil" anhand dieses Vergleiches herausgearbeitet und aufgezeigt.
Bei dem Einsatz des Hamburger Polizeibataillons 101 in Józefów handelte es sich um etwa 500 Männer, die zu alt zum Dienst in der Wehrmacht waren und zu einem Sonderauftrag nach Polen gebracht wurden. Dort wurde ihnen eröffnet, daß sie die jüdische Bevölkerung in polnischen Dörfern aufspüren, die noch arbeitsfähigen Männer für den Lagereinsatz aussondern und die übrigen - Alte, Kranke, Frauen und Kinder - auf der Stelle zu erschießen hätten. Vor ihrem Einsatz fragte der Kommandant, wer sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Nur etwa 12 Männer von 500 traten vor, die restlichen nahmen am Erschießungskommando teil.
Als drittes folgt die Darstellung des Ansatzes von Michal Cichy, der Hanna Kralls Erzählstil als "dokumentarische Märchen" bezeichnet. Auch diese Gattungsdefinition wird anhand ausgewählter Beispiele aus ihrem aktuellen Erzählband "Tam juz nie ma zadnej rzeki" belegt.
Inhaltsverzeichnis:
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