Diplomarbeiten
(Fachbereiche): Sprachwissenschaften Anglo-Amerikanistik Anglistik

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Titel Persönlichkeitsmodelle in ausgewählten Romanen Fay Weldons 
Untertitel  
AutorIn Iris Lehmann 
Seiten 123 Seiten 
Hochschule Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 1997 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 75000765 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe  
Gang der Untersuchung:

Die vier Hauptkapitel der Arbeit befassen sich mit jeweils einem Roman Fay Weldons. Verschiedene Theorien über die Konstitution der menschlichen Persönlichkeit aus den Bereichen Soziologie, Biologie, Philosophie und Psychologie werden zur Interpretation der Romane herangezogen. Insgesamt wird versucht, das Werk der Autorin in eine Strömung (post-)moderner Literatur einzuordnen, die sich zunehmend von der Vorstellung eines unveränderlichen Persönlichkeitskernes oder "wahren Selbst" distanziert.

Kapitel 2 behandelt Weldons zweiten Roman Down Among the Women (1971). Die Romanfiguren definieren sich zu Beginn - gemäß der anthropologischen Rollentheorie G.H. Meads - ausschließlich durch ihre sozialen Rollen. Dies hindert sie an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Die Thematik spiegelt sich in der stereotypen und zweidimensionalen Darstellung der Charaktere wider, in der fragmentarischen Erzählstruktur und in der wechselnden Perspektive.

Kapitel 3 befaßt sich mit dem Roman Praxis (1978). Die Titelheldin ist ihr Leben lang vergeblich auf der Suche nach ihrem Selbst und erkennt schließlich, daß der Mensch sich ständig verändert und sich daher nie eindeutig definieren läßt. Die Erkenntnis stimmt weitgehend überein mit den Theorien der englischen Philosophen Locke und Hume, nach denen die Persönlichkeit die Summe aller Sinneseindrücke und Erfahrungen ist, die der Mensch im Verlauf seines Lebens sammelt. Die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und damit des Selbstbildes wird durch die episodische Darstellungsweise und die Unzuverlässigkeit der Ich-Erzählerin unterstrichen.

Kapitel 4 untersucht den Roman The Life and Loves of a She-Devil (1983). Die extrem wandlungsfähige Protagonistin Ruth setzt die Existenzphilosophie Sartres von der absoluten Freiheit des Menschen, sich selbst zu erschaffen, wörtlich in die Tat um: Sie schlüpft in ständig wechselnde Rollen, um andere Menschen zu manipulieren, und gestaltet schließlich sogar ihren Körper neu. Durch die manipulierende Art ihrer Ich-Erzählung gelingt es ihr darüber hinaus, die Sympathien der Leser in die von ihr gewünschte Richtung zu steuern.

Kapitel 5 analysiert den Roman Splitting (1995). Protagonistin Angelica leidet unter einer Persönlichkeitsspaltung, die es ihr unmöglich macht, ein einheitliches Selbstbild zu entwickeln. Auch hier steht am Ende die Erkenntnis, daß es kaum möglich, geschweige denn wünschenswert ist, individuelle Eigenschaften zu unterdrücken, um sich zu einer konstanten, aber eindimensionalen "Persönlichkeit" zu entwickeln.

Das Fazit der Arbeit: Weldon betont in ihren Romanen die Dynamik und Unabschließbarkeit persönlicher Entwicklungsprozesse. Die Persönlichkeit läßt sich ihrer Auffassung nach nicht in ein allgemeingültiges Schema pressen: Sie ist vielschichtig und wandelbar und von jedem einzelnen subjektiv interpretierbar. Die Eigenverantwortung des Individuums für die eigene Persönlichkeit wird immer wieder hervorgehoben.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Down Among the Women: Die Suche nach dem Selbst hinter den sozialen Rollen 5
2.1 Das sozialbehavioristische Persönlichkeitsmodell 6
2.1.1 Der Vergesellschaftungsprozeß 7
2.1.2 Die Fügung in die Rollen 9
2.1.3 Die Lösung von den Rollen 12
2.1.4 Individualismus und Kollektivität 14
2.1.5 Fiction of ideas 16
2.2 Das empirisch-pragmatische Persönlichkeitsmodell 18
2.2.1 Das dualistische Wertdenken 18
2.2.2 Die Anerkennung der Eigenverantwortung 22
2.3 Der auktoriale Ich-Erzähler 23
2.4 Zusammenfassung 25
3. Praxis: Kausalität und Kontinuität 27
3.1 Kindheit, Vererbung und Gesellschaft 28
3.1.1 Die Kindheit 29
3.1.2 Determinismus 30
3.1.3 Die biologische Begründung der Geschlechterrollen 31
3.1.4 Die Dekonstruktion der sozialen Rollen 34
3.1.5 Die Möglichkeit zur aktiven Veränderung 35
3.2 Das empiristische Persönlichkeitsmodell 37
3.2.1 John Locke: Vergangene Selbstzustände 37
3.2.1.1 Die Flucht vor der Vergangenheit 38
3.2.1.2 Die Anerkennung der Eigenverantwortung 41
3.2.1.3 Der Bildungsroman 42
3.2.2 David Hume: Die Diskontinuität der Erlebniszustände 43
3.2.2.1 Die Unzuverlässigkeit der Erinnerung 44
3.2.2.2 Die Wandelbarkeit der Persönlichkeit 46
3.3 Der quasi-autobiographische Ich-Erzähler 47
3.4 Zusammenfassung 48
4. The Life and Loves of a She-Devil: Die Freiheit zur Selbsterschaffung und die Aufhebung der Oppositionen 50
4.1 Das existentialistische Persönlichkeitsmodell 51
4.1.1 Determinismus und Rollenidentifikation 52
4.1.1.1 Metaphor-into-narrative 54
4.1.2 Die Lösung von deterministischen Beschränkungen und sozialen Rollen 55
4.1.3 Die Freiheit zur Selbsterschaffung 57
4.1.4 Die Wandelbarkeit der Persönlichkeit 59
4.1.5 Comedy of impersonation 61
4.2 Dualismus 63
4.2.1 Ruth: Erlöserin und Teufelin 64
4.2.2 Judge Bissop: Recht und Unrecht 66
4.2.3 Father Ferguson: Geist und Körper 67
4.2.4 Mary Fisher: Wahrheit und Lüge 68
4.3 Der manipulative Erzähler 70
4.4 Zusammenfassung 72
5. Splitting: Dissoziation und Multiplizität 74
5.1 Aspekte psychologischer Persönlichkeitsmodelle 75
5.1.1 Die holistische Persönlichkeitspsychologie des zwanzigsten Jahrhunderts 75
5.1.2 Die Multiple Persönlichkeitsstörung 77
5.1.3 Die Funktion von Dissoziationsstrategien 79
5.1.4 Die Suche nach dem Gleichgewicht 82
5.2 Das narrative Selbst 84
5.2.1 Die Erzählung der persönlichen Geschichte 86
5.2.1.1 Androgynie und Transzendenz der Geschlechterrollen 88
5.2.2 Die Revision der persönlichen Geschichte 90
5.2.3 Der Verlust der persönlichen Geschichte 94
5.2.4 Ein Haus mit vielen Zimmern 95
5.3 Die multiple Perspektive 98
5.4 Zusammenfassung 99
6. Fazit 101
Literaturverzeichnis 106
 
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