Diplomarbeiten
(Fachbereiche): Informatik Robotik

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Titel Die künstliche Evolution der Cyborgs: Erkenntnistheoretische Aspekte der Bioinformatik 
Untertitel  
AutorIn Marion Friedrich 
Seiten 121 Seiten 
Hochschule Universität Augsburg Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 2000 
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 29004170 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe  
Einleitung:

Der Mensch projiziert seine Vorstellung von sich in die Zukunft und manipuliert nach diesem Bild seinen Organismus. Er konstruiert biologische Systeme und greift in die Evolution ein, indem er sein eigener Schöpfer wird. So wird der Mensch der nächsten Generationen heute, zumindest aus der Perspektive der Bioinformatik, gesehen. Durch die aufgrund dieses Forschungsziels entstehende ethische Problematik eröffnet sich der Philosophie ein spannendes Themenfeld: Die fortschreitende Technologisierung der Welt scheint außer Kontrolle geraten zu sein, Horrorvisionen einer zukünftigen Welt unter der Gewaltherrschaft von Maschinen und blinder Fortschrittsoptimismus stehen nebeneinander. Die Philosophie muss hier ethische Stellung beziehen. Doch inwieweit kann sie sich in der Diskussion um Risiken und Chancen des Fortschritts beteiligen und einen akzeptablen Lösungsvorschlag bringen?

Unsere Epoche ist charakterisiert durch die graduelle Inkorporierung technischer Elemente und Funktionen in unser Leben: Medizinische Hilfsmittel wie Herzschrittmacher und künstliche Gelenke, aber auch Internet und Telekommunikationssysteme sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir leben in der kontinuierlichen Präsenz von Technik und Technologie. Der Einsatz von Werkzeugen zählt zu den grundlegenden menschlichen Überlebensstrategien. Mechanische Werkzeuge wurden durch elektrische und elektronische Geräte ergänzt, die immer kleiner und leistungsstärker wurden. Der Kontakt zwischen dem Menschen und seinen technischen Hilfsmitteln wurde immer enger. Die Robotik treibt die Weiterentwicklung dieser Werkzeuge voran, die Cyborg-Technologie inkorporiert sie in den Organismus. Bioinformatische Schnittstellen zwischen Organismus und künstlichen Systemen ermöglichen bedeutende Fortschritte insbesondere im Bereich der Medizin. Wie wirkt sich der Integrationsprozess künstlicher Bestandteile in unser alltägliches Leben und die Fusion technischer Hilfsmittel mit natürlichen Ressourcen auf uns aus? In vorliegender Arbeit soll die Darstellung aktueller biotechnischer Methoden eine wissenschaftliche Annäherung an das spektakulär klingende Thema "Die künstliche Evolution der Cyborgs: erkenntnistheoretische Aspekte der Bioinformatik" gewährleisten.

Der zentrale Begriff des Cyborgs umfasst hier diejenigen symbiotischen Verbindungen zwischen einem lebenden Organismus und einem künstlichen System, die durch interne (intraorganistische) Schnittstellen entstehen. Somit werden durch mechanische Instrumente (wie Brillen, Rollstühle etc.) unterstütze Personen nicht als Cyborgs betrachtet.

Die progressive Weiterentwicklung der Cyborg-Technologie, die künstliche Evolution der Cyborgs, soll zusammenhängend dargestellt werden. Dazu werden mögliche Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, untersucht. Die These hierbei lautet, dass der Mensch durch die von ihm erschaffenen bioinformatischen Möglichkeiten in der Lage ist, die Evolution zu beeinflussen und zu steuern. Die Bioinformatik als Teilbereich der angewandten Informatik umfasst über die Integration künstlicher Komponenten in biologische Organismen hinaus "alle Verwendungsmöglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (ITK) im Bereich der Biowissenschaften, einschließlich der Biotechnologie und der medizinischen Forschung. [...]".

Diese Definition wird durch die thematische und konzeptionelle Ähnlichkeit zu ihren direkten Nachbarschaftsdisziplinen unterstützt: Die Bioinformatik steht in konstantem Austausch mit der Medizininformatik, der Rechtsinformatik und der Wirtschaftsinformatik. Für diese fachübergreifende Zusammenarbeit im Forschungsfeld der Cyborg-Technologien wird der Begriff der Syntopie verwendet. Dieses Begriffskonzept umfasst nicht nur methodische Analogien im Vorgehen, sondern auch eine ähnliche inhaltliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Disziplinen. Das Vorgehen der Bioinformatik ist ebenso von Erkenntnissen der Psychologie und der Rechtswissenschaften beeinflusst. Somit charakterisiert sich die Bioinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft.

Diese Arbeit unternimmt den Versuch, Folgen der globalen Ausbreitung von Informationstechnologien wie z.B. dem Internet zu identifizieren. Diese Faktoren werden unter philosophischen Gesichtspunkten betrachtet. Die Aktualität des Themas bewirkt dabei, dass vor allem das Internet und Newsgroups fast täglich eine Flut von mehr oder weniger relevanten Informationen erleben. Für diese Arbeit ergibt sich dadurch die Schwierigkeit, aus diesem Datenmeer die hier angebrachten und notwendigen Fakten herauszufiltern..

Parallel zum Fortschritt der Cyborg- und Informationstechnologie expandieren auch die Forschungsgebiete der Künstlichen Intelligenz, KI, und des Künstlichen Lebens, KL. Ihr Ziel ist die Entwicklung eines intelligenten Roboters, der sich vergleichbar zu einem lebenden Wesen verhält. Diese Entwicklung entfacht erneut Diskussionen um Möglichkeiten und Limitationen künstlichen Lebens. Roboter sind optimierte Werkzeuge des Menschen. Insofern ist die Robotik als artverwandt zur Bioinformatik zu betrachten. Die Cyborg-Technologie verlegt nun den Berührungspunkt zwischen Mensch und Werkzeug in den Organismus. Somit beruhen sowohl Robotik und Cyborg-Wissenschaft auf dem Grundsatz der Weiterentwicklung von Werkzeugen.

Die Konsequenzen der Cyborg-Technologie sind multidimensional: Soziale und gesellschaftliche Problematiken müssen berücksichtigt werden. Doch anders als es bei Automaten und Robotern der Fall ist, die entsorgt werden können, wenn sie den Anforderungen der Umwelt nicht mehr gerecht werden oder überflüssig geworden sind, sind Cyborgs lebende Wesen. Sie unterstehen keiner Verfügungsgewalt und entziehen sich somit der externen Kontrolle. Hier ergeben sich neue Anforderungen an Ethik und Philosophie. Durch den Fortschritt der Informationstechnologie vollzieht sich ein fließender Übergang vom Mensch zum Cyborg. Cyborgs erweitern die Grenzen des Mensch-Seins in biologischer und psychologischer Hinsicht und provozieren so wesentliche philosophische und auch religiöse Fragen. So ist eine philosophische Betrachtung des Themenkomplexes der Cyborg-Technologie dringend notwendig. Die Philosophie muss sich neuen Entwicklung rechtzeitig stellen, ihr kommt jetzt die Aufgabe zu, ein ethisches Fundament zu errichten, das die progressive Cyborgisierung des Menschen und der Gesellschaft tragen kann.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Cyborgs: Historie und Begriffsklärung 7
2.1 Vom Astronaut zum Cyborg: Clynes' Kinder 9
2.2 Evolution unter Umweltdruck 13
2.3 Cyborg- und Gentechnik 17
3. Biotechnische Methoden und Anwendungen 21
3.1 Neurochips 25
3.2 Ersatzsensorik 27
3.3 Schnittstellen zwischen Tier und Maschine 30
3.3.1 Rechnende Blutegel 31
3.3.2 Ratten mit "telepathischen" Fähigkeiten 32
3.3.3 Der Fisch-Roboter 32
3.4 Identifikation und Kommunikation durch Neurochips 33
3.4.1 Warwicks Transponder 34
3.4.2 "Telepathische" Computer 36
4. Die Annäherung von Mensch und Maschine 39
4.1 Die Digitalisierung der Gebrauchsgegenstände 39
4.2 Roboter 42
4.2.1 Etymologie und Historie 43
4.2.2 Aktuelle Robotertypen 45
4.2.3 Anforderungen an Dienstroboter 48
4.3 Bewusstsein und Cyborg-Realität 50
4.3.1 Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Bewusstseinstheorie 51
4.3.2 Die Irreduzibilität der Subjektivität 54
4.3.3 Neurophysiologische Erkenntnisse 55
4.3.4 Bioinformatische Ansätze 56
4.4 Künstliches Leben 59
4.4.1 Emotionen und Motive 61
4.4.2 Lernfähigkeit 61
4.4.3 Selbstreproduktion 63
4.5 Der Körperkünstler Stelarc 65
4.6 Zukunftsprognosen 69
4.6.1 Donna Haraways Cyborg-Manifest 71
4.6.2 Horrorvisionen 72
4.6.3 Absehbare Risiken der progressiven Cyborgisierung 75
4.6.4 Der Fortschritt der Informationstechnologie 77
5. Die philosophische Aufgabenstellung 79
5.1 Informationstechnologie und Fortschrittskontrolle 81
5.2 Praktische ethische Probleme 83
5.2.1 Wissen ist Macht 85
5.2.2 Überwachungssysteme 87
5.3 Lösungsansätze 91
5.3.1 Koexistenz von Mensch und Maschine 92
5.3.2 Technikfolgenabschätzung und Verantwortung 94
5.3.3 Die judikative Kritik als Lösungsansatz 98
5.4 Synthese 100
6. Nachwort 104
Literatur und Quellennachweise 108
 
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