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Der chinesische Wirtschaftsraum als Investitionsziel deutscher Unternehmen

Hemmnisse und Potentiale bei Direktinvestitionen in China unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Mittelstandes

Der chinesische Wirtschaftsraum als Investitionsziel deutscher Unternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ronald Wolfgang Qualmann
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 118 Seiten
  • Dateigröße: 685,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8053-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8053-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8053-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Qualmann, Ronald Wolfgang April 2004: Der chinesische Wirtschaftsraum als Investitionsziel deutscher Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: WTO, Deutscher Mittelstand, Rechtsformwahl, Standortwahl, Handelsgeschäfte

Diplomarbeit von Ronald Wolfgang Qualmann

Einleitung:

Die chinesische Regierung heißt nach mehreren Jahrzehnten der Isolation ausländische Investoren Willkommen. Im Rahmen der Öffnung zum Westen konnten zunächst nur in ausgewählten Sonderzonen finanzielle und wirtschaftliche Vergünstigungen in Anspruch genommen werden. Seit 1978 die Reformierung der planwirtschaftlich geprägten Wirtschaft begann, hat sich viel verändert. Die Volksrepublik China ist mittlerweile der World Trade Organisation beigetreten und zum weltweit größten Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen geworden. Ein relativ krisenbeständiges wirtschaftliches Wachstum von 7 – 9% pro Jahr lässt den chinesischen Wirtschaftsraum als einen konjunkturellen Fixstern in einer sonst recht trüben Weltwirtschaft erscheinen. Ein immenses Konsumentenpotential unter den mehr als 1,3 Mrd. Chinesen lässt westliche Manager schwärmen.

Der wirtschaftlichen Attraktivität stehen aber auch einige Hemmnisse entgegen. Analysten warnen vor einer konjunkturellen Überhitzung und einem dramatisch ansteigenden Wettbewerb. Zunehmend wird über den Aufbau nicht tarifärer Hemmnisse durch die chinesische Bürokratie geklagt, die chinesische Unternehmen vor zu viel Konkurrenz schützen sollen. Unternehmererfahrungen über nicht autorisierten Technologietransfer sowie umfangreiche Produktpiraterie lassen auch die Gefahren eines Engagements erahnen. Hinzu kommt, dass ein Ende des Prozesses der Reformierung noch nicht absehbar ist, der von beständigen Veränderungen in vielfältigen wirtschaftlichen und rechtlichen Bereichen begleitet wird.

Seit den 80iger Jahren haben überwiegend deutsche Großkonzerne den Schritt zu einer Direktinvestition in China gewagt. Nach und nach folgen auch mittelständische Unternehmen, für die der heimische Standort an Attraktivität verliert und die neue Absatz- und Entwicklungspotentiale für die Zukunft des Unternehmens suchen. Das Engagement des deutschen Mittelstands ist allerdings noch zögerlich, der seine Chancen auf dem chinesischen Markt werden bisher nur zu 10% genutzt. Ein zögerliches Verhalten könnte den Unternehmen allerdings einen strategischen Wettbewerbsnachteil verschaffen, da die internationale Konkurrenz nicht schläft.

Zielstellung der Arbeit ist es, die auf den chinesischen Markt bezogenen Potentiale für Direktinvestitionen aber auch die Hemmfaktoren zu erfassen und zu analysieren, um diese im Anschluss einer besonderen Gewichtung für deutsche Mittelstandsunternehmen zu unterziehen. Hierbei sollen zum einen die grundlegenden Entscheidungsalternativen einer Direktinvestition analysiert werden, zum anderen die im Lebenszyklus auftretenden Problemstellungen und Chancen. Bei der Abhandlung dieser Abschnitte geht es um die Analyse wesentlicher und branchenübergreifender Kernelemente, die für Mittelstandsunternehmen Bedeutung haben.

Von einer Spezialisierung auf bestimmte Branchen muss mit Ausnahme der Ausführungen für Unternehmen mit Handelsorientierung abgesehen werden. Ebenso nur in Randbemerkungen kann eingegangen werden auf die eher unternehmensinternen Finanzierungsmöglichkeiten eines Engagements sowie die angrenzenden Probleme im chinesischen Bankensystem. Eine weitere Eingrenzung aufgrund der Beschränkung des Umfangs der Arbeit bezieht sich auf Förderinstitutionen, die teilweise finanzielle oder auch informative Beratungsleistungen liefern. Die Beschaffung verlässlicher Marktinformationen über den chinesischen Markt wird als problematisch angesehen. Daher erfolgt eine Berücksichtigung der wichtigsten Institutionen im Anhang.

Anzumerken sei, dass bei der Erstellung dieser Arbeit aufgrund der beständigen Veränderungen auf dem chinesischen Markt und den Direktinvestitionsparametern insbesondere wertgelegt wurde auf eine hohe Praxis- und Anwendungsorientierung, um der Forderung nach Aktualität der Arbeit Rechnung tragen zu können.

Gang der Untersuchung:

Teil eins dieser Arbeit dient der allgemeinen Einleitung und Darlegung der Grundlagen. Teil zwei und drei haben die Aufgabe, einen wirtschaftlichen Rahmen für die Ausführungen des Hauptteils mit dem vierten und fünften Kapitel zu beschreiben. Der sechste Teil dient der kritischen Würdigung und der Erfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

Im zweiten Teil der Arbeit wird zunächst die Entwicklung des chinesischen Wirtschaftssystems dargelegt. Hierbei werden die wirtschaftlichen Reformbestrebungen seit 1978 erläutert und die Öffnungspolitik durch den WTO-Beitritt dargestellt. Im Anschluss folgt eine Beschreibung der chinesischen Wirtschaft, wie sie sich heute ausländischen Investoren präsentiert.

Der dritte Teil der Arbeit analysiert die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen und innerhalb derer die Anteile des deutschen Mittelstands. Dazu werden der deutsch-chinesische Außenhandel und die generelle Entwicklung der deutschen Direktinvestitionen beleuchtet. Im Anschluss wird das gegenwärtige Engagement des deutschen Mittelstands in China und seine Investitionsmotive für Direktinvestitionen beschrieben.

Der folgende vierte Teil knüpft an die Investitionsmotive an, in dem es um die Analyse der wichtigsten Parameter einer Direktinvestition geht. Zunächst wird auf die Vorüberlegungen eingegangen, die zur Durchführung einer Direktinvestition unabdingbar sind und einer grundsätzlichen gedanklichen Auseinandersetzung bedürfen. Im Rahmen der anschließenden Standortwahl wird auf die chinesischen Wirtschaftszonen eingegangen, in denen ausländischen Investoren seit den 80er Jahren besondere Anreize gewährt werden und die sich deshalb zu den Kernregionen ausländischer Unternehmenstätigkeit entwickelt haben. Die Pläne der chinesischen Regierung, die ausländischen Direktinvestitionen über den Hebel der Investitionsanreize zu steuern, werden im folgenden dargelegt. Weiterhin befasst sich der vierte Teil mit der Analyse der grundsätzlich für den Mittelstand in Frage kommenden Rechtsformen. Der anschließenden kritischen Würdigung der Eignung für den Mittelstand folgen Besonderheiten eines wirtschaftlichen Engagements für Unternehmen mit Handelsorientierung.

Die Potentiale und Hemmnisse im Lebenszyklus einer Direktinvestition werden im fünften Teil analysiert. Zunächst sollen mit Hilfe der Indikatoren Olympia 2008 (Peking) und Weltausstellung 2010 (Shanghai) sowie klassischen deutschen Wirtschaftsschwerpunkten die Potentiale einzelner Branchen dargelegt werden. Anschließend wird auf den chinesischen Konsumentenmarkt abgehoben, ein Ausblick über zukünftige Entwicklungstendenzen gegeben und eine kritische Würdigung der Orientierungsphase für den deutschen Mittelstand vorgenommen. In der folgenden Verhandlungs- und Gründungsphase konzentrieren sich die Ausführungen auf Problembereiche und Möglichkeiten vor der Aufnahme der eigentlichen Geschäftstätigkeit.

Zunächst werden grundlegende kulturelle Eigenheiten des chinesischen Kulturkreises beschrieben und deren Einflüsse auf den Geschäftsverkehr. Gefolgt von Problemen der Vertragsverhandlung und Möglichkeiten der Personalbeschaffung wird eine kritische Würdigung dieser Phase für den deutschen Mittelstand vollzogen. Die Phase des laufenden Geschäftsbetriebes beginnt mit der Darstellung von bürokratischen, netzwerkbezogenen und korrupten Verhältnissen auf dem chinesischen Markt. Einer kurzen Abhandlung des zunehmenden Wettbewerbsdrucks schließt die Darlegung der Probleme und Möglichkeiten beim Schutz geistigen Eigentums an. Wird diese Phase wiederum einer kritischen Würdigung für den deutschen Mittelstand unterzogen, so soll im letzten Abschnitt des fünften Teils versucht werden, die Ergebnisse der Arbeit anhand der Erfahrungen eines vor einem Jahr gegründeten Unternehmens in Shanghai auf praktische Stichhaltigkeit zu überprüfen.

Das sechste Kapitel der Arbeit umfasst eine Darlegung der gewonnenen Erkenntnisse, anhand derer ein Ausblick für den deutschen Mittelstand abgeleitet wird.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung I
Abbildungen IV
Abkürzungen V
Personen VI
1. Einleitung und Zielstellung der Arbeit 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 1
1.3 Gang der Untersuchung 2
2. Die chinesische Wirtschaftsentwicklung seit 1978 4
2.1 Reformierung der Planwirtschaft 4
2.2 China in der World Trade Organisation (WTO) 7
2.3 Chinas Wirtschaft heute, Außenhandel und Direktinvestitionen 9
3. Deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen und Perspektiven des deutschen Mittelstands 12
3.1 Deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen 12
3.1.1 Aussenhandel 12
3.1.2 Deutsche Direktinvestitionen 13
3.2 Der deutsche Mittelstand in China 14
3.2.1 Engagement in China heute 14
3.2.2 Investitionsmotive für Mittelstandsunternehmen 16
4. Hemmnisse und Potentiale bei Direktinvestitionen in China 19
4.1 Markteintrittsüberlegungen und Vorbereitung der Direktinvestition 19
4.2 Möglichkeiten der Standortwahl 21
4.2.1 Chinesische Wirtschaftszonen 21
4.2.2 Steuervergünstigungen und Investitionsanreize im Wandel 25
4.3 Rechtsformwahl 27
4.3.1 Die Repräsentanz 29
4.3.2 Das Equity Joint Venture (EJV) 30
4.3.3 Das Contractual Joint Venture (CJV) 34
4.3.4 Das Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOE) 37
4.3.5 Kritische Würdigung von Standort- und Rechtsformwahl für den deutschen Mittelstand 40
4.4 Besonderheiten für Handelsgeschäfte 43
5. Potentiale und Hemmnisse in den Phasen des Lebenszyklus einer Direktinvestition 49
5.1 Orientierungsphase 49
5.1.1 Branchen und Schlüsseltechnologien 49
5.1.2 Chinesischer Konsument und Wachstumspotentiale 60
5.1.3 Kritische Würdigung der Orientierungsphase für den deutschen Mittelstand 62
5.2 Verhandlungs- und Gründungsphase 63
5.2.1 Kulturelle Basis und Differenzen im Geschäftsverkehr 63
5.2.2 Vertragsverhandlung 66
5.2.3 Personalbeschaffung 69
5.2.4 Kritische Würdigung der Vertragsverhandlungs- und Gründungsphase für den deutschen Mittelstand 74
5.3 Phase des laufenden Geschäftsbetriebs 76
5.3.1 Bürokratie, Netzwerke und Korruption 76
5.3.2 Wettbewerb 79
5.3.3 Schutz geistigen Eigentums 80
5.3.4 Kritische Würdigung der Phase des laufenden Geschäftsbetriebs für den deutschen Mittelstand 84
5.4 Hemmnisse und Potentiale bei Direktinvestitionen am Beispiel der Firma Eppendorf in Shanghai Pu Dong 85
6. Schlussbetrachtung 87
Anlage 89
Literaturverzeichnis 94
Ehrenwörtliche Erklärung 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zulieferbetriebe nach China gefolgt 247 . Neben der Funktion als Zulieferer in der lokalen Produktion kann der Mittelstand zudem eigene Auslandserfahrungen im asiatischen Raum sammeln. Weitere Erlöspotentiale ergeben sich durch die Herstellung und den Vertrieb von Ersatzteilen sowie die Einrichtung technischer Servicestationen 248 . Für ein erfolgreiches Engagement ist es deshalb von Vorteil, Kosten durch einen lokalen Produktionsanteil geringer zu halten sowie einen zuverlässigen Vor-Ort- Service anzubieten. Primäres Kaufentscheidungskriterium ist nach wie vor der Preis, jedoch macht sich eine zunehmende Sensibilisierung gegenüber Serviceparametern bemerkbar, wie beispielsweise zeitnaher Ersatz von defekten Komponenten und wird in Zukunft die Kaufentscheidungen stärker beeinflussen249. - Indikatoren: Olympiade 2008 in Peking und Weltausstellung 2010 in Shanghai Auf der Suche nach geeigneten Indikatoren für eine Prognose der Entwicklung von Branchen und der Identifikation von Nischen können sowohl die Olympiade 2008 in Peking als auch die Weltausstellung 2010 in Shanghai herangezogen werden. In dieser Arbeit soll eine Beschränkung auf die bei diesen Ereignissen als besonders bedeutsam eingestuften Branchen vorgenommen werden sowie auf aus deutscher Sicht interessante [...]

Bei der Identifikation von lukrativen Branchen ist eine gewisse Beständigkeit im Zeitablauf bedeutsam. Als Indikatoren für die nahe Zukunft eignen sich aufgrund ihres Modellcharakters für China die Olympischen Spiele 2008 in Peking sowie die Weltausstellung in Shanghai 2010. Um der WTO beitreten zu können, musste Chinas einwilligen, etappenweise seinen Markt für Auslandsinvestitionen zu öffnen. Vorher für Investitionen verschlossene Bereiche sind mittlerweile geöffnet, wie beispielsweise die Papierproduktion, die ölverarbeitende und petrochemische Industrie, die Metallverhüttung und die Herstellung von Kfz- und Transportausrüstungen 244 . Wirtschaftliche Potentiale verspricht auch das Vorhaben der chinesischen Regierung, den Markt für städtische Versorgungsunternehmen (Wasser, Gas, Strom, Fernwärme, Müllentsorgung, Kommunikation) vollständig für in- und ausländische Investoren zu öffnen. Für die Entwicklung der ärmeren Provinzen in Zentral- und Westchina liegen zwar detaillierte Vorstellungen über benötigte Investitionsprojekte bei den lokalen Regierungen vor, häufig fehlen allerdings Technologie und Kapital. Beste Chancen in diesem Rahmen haben Unternehmen, die beides mitbringen können245. Zuerst engagierten sich Grossunternehmen in China, wie Volkswagen bereits 1980 oder Siemens im Verbund mit Thyssen/Krupp. Im Zuge des Markteintritts von deutschen oder internationalen Grossunternehmen bieten sich in einigen Branchen ebenfalls vielfältige Investitionsmöglichkeiten für deutsche Mittelstandsunternehmen an 246 . Dem VolkswagenKonzern sind seit der Gründung des Joint Ventures in Shanghai mehr als 140 [...]

Das Sinken der Einfuhrzölle macht sich bereits im Aussenhandel bemerkbar238. Die Importe legten derartig stark zu, dass die Zolleinnahmen 2002 trotz Zollsenkungen um 4% steigen konnten239. Neben der Senkungen der Zölle auf Importe kamen Belastungen für Exporte durch die nur teilweise Rückerstattung der Mehrwertsteuer auf lokal beschaffte Bestandteile für Exportgüter hinzu240. Importquoten, die im Rahmen des Beitritts zur WTO abgeschafft werden sollen, beliefen sich beispielsweise für Automobile und Ersatzteile im Jahre 2002 auf 7.935 Mrd. US-$, für Motorräder und wesentliche Ersatzteile auf 380 Mio. US-$, für Kameras auf 133 Mio. US-$ und für Uhren auf 482 Mio. US-$241. Beim Erreichen dieser Werte ist der Import weiterer Produkte dieser Warenkategorien bis zum Ende des Jahres verboten. Im Jahr 2003 sind die Importquoten für Kameras und Uhren bereits aufgehoben worden242. Für den Transport der Waren wird der Schiffsverkehr bevorzugt, auch ist der Versand über die Transsibirische Eisenbahn in Russland möglich243. Zur Versicherung der Waren können mittlerweile auch ausländische Versicherungen mit Sitz in China beauftragt werden, um das erhöhte Transportrisiko in China abzudecken. [...]

Arbeit zitieren:
Qualmann, Ronald Wolfgang April 2004: Der chinesische Wirtschaftsraum als Investitionsziel deutscher Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
WTO, Deutscher Mittelstand, Rechtsformwahl, Standortwahl, Handelsgeschäfte

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