Der chinesische Immobilienmarkt. Entwicklungsphasen, Tendenzen, Potenziale
Eine kritische Analyse der volkswirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Immobilienwirtschaft in der VR China
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Katja Henschke
- Abgabedatum: November 2003
- Umfang: 127 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0440-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8428-0440-1 P - ISBN (CD) :978-3-8428-0440-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Henschke, Katja November 2003: Der chinesische Immobilienmarkt. Entwicklungsphasen, Tendenzen, Potenziale, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: China, Immobilienmarkt, Marktstruktur, Planwirtschaft, Reform
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Diplomarbeit von Katja Henschke
Zielsetzung der Arbeit:
Für das kapitalistische Wirtschaftssystem wird der Handel mit Gebäuden und Grundstücken als ein Indikator für das ökonomische Entwicklungsniveau eines Landes angesehen. Zentrales Anliegen dieser Arbeit ist die Klärung der Fragestellung, ob sich unter den in der Volksrepublik China gegebenen Bedingungen der zentralen Planwirtschaft und des Verbots von Privateigentum an innerstädtischen Grundstücken ein effizienter Immobilienmarkt entwickeln konnte.
Ein Blick in die Geschichte des Reiches zeigt, dass das feudalistisch geprägte China ein Privateigentum an Grund und Boden kannte und dass ein Handel damit möglich war. In der Zeit der chinesischen Republik sollten parallel zur Einführung eines westlich geprägten Zivilrechtes auch die Regelungen für einen prosperierenden Immobilienmarkt implementiert werden. Doch die Kommunistische Partei setzte nach ihrer Machtergreifung eigene Ideale einer Bodenreform durch, in deren Verlauf landwirtschaftlich genutzter Boden den Kollektiven und städtischer Boden dem Staat zugeordnet wurde. Es ist einsichtig, dass der Immobilienmarkt seit dieser Zeit brach lag. Zudem kam es in Folge der zentralistischen Planwirtschaft zu enormen Fehlentwicklungen, deren schwerwiegende Ausmaße in Hungersnöten und akuten Engpässen in der Wohnraumversorgung sichtbar wurden. Die derzeitige Staatsführung scheint aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben und hat im Hinblick auf die Wiederbelebung des chinesischen Immobilienmarktes zahlreiche Transformationsprozesse in Gang gesetzt.
Die Entwicklungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt sollen in der vorliegenden Arbeit auch hinsichtlich ihrer Konsequenzen für ausländische Investoren dargestellt werden. Weiteres Anliegen der Verfasserin ist es, die wichtigsten Bereiche des heutigen Immobilienmarktes im Kontext der politisch-rechtlichen Veränderungen und der wirtschaftlichen Auswirkungen seit der Öffnungspolitik darzustellen. Auf finanzwirtschaftliche Aspekte der Immobilienwirtschaft kann im Rahmen dieser Arbeit besonders im Hinblick auf die anhaltenden Umstrukturierungen der chinesischen Bankenlandschaft nicht detailliert eingegangen werden. Ebenso wenig soll eine volkswirtschaftliche Analyse Gegenstand der Arbeit sein.
Im Vordergrund stehen vielmehr die Prozesse und Reformen des chinesischen Immobilienmarktes, die Betrachtung der aktuellen Rahmenbedingungen und eine kritische Einschätzung der Stellung des chinesischen Immobilienmarktes. Die Arbeit soll dazu beitragen, verschiedene Aspekte des chinesischen Immobilienmarktes und die wichtigsten Phasen seiner Entwicklung aufzuzeigen und somit die aktuell bestehende Situation verständlich zu machen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen Interessenten eine Handlungsgrundlage bei den chinesischen Immobilienmarkt betreffenden Entscheidungen bieten.
Zum Aufbau dieser Arbeit:
Die Entwicklung des chinesischen Immobilienmarktes vollzog sich in drei großen Etappen, die sich im Aufbau dieser Arbeit in Form eigenständiger Abschnitte widerspiegeln. So beschäftigt sich Kapitel Zwei mit einem historischen Abriss zur Entstehung der Bodenordnung und der Eigentumsrechte vor Gründung der Volksrepublik China. Es schließt sich eine Darstellung der maoistischen Ära und der entsprechenden Auswirkungen auf den Immobilienmarkt an, wobei die Entwicklungen auf dem Land und in den städtischen Gebieten gesondert betrachtet werden.
Kapitel Drei hat die gravierenden Änderungen im chinesischen Immobilienmarkt seit der Öffnungspolitik der Jahre 1978 und 1979 zum Inhalt. Dabei kommt dem juristischen Konstrukt der Landnutzungsrechte besondere Bedeutung zu. Die politisch-rechtlichen Änderungen beeinflussten die Marktentwicklung in dieser Zeit nachhaltig. So kam es im Anschluss an die Einführung der Landnutzungsgebühren und der Veräußerbarkeit von Landnutzungsrechten zu einer Phase der Marktbelebung. Mit der Weiterentwicklung der Eigentumsrechte und der staatlichen Wohnungspolitik kann für die Zeit ab 1990 von einem Marktwachstum gesprochen werden, dem sich der zweite Teil des dritten Kapitels ausführlich widmet.
Kapitel Vier beschäftigt sich nach einer ausführlichen Beleuchtung der Rahmenbedingungen für in- und ausländische Investoren mit der Stellung der Immobilienwirtschaft innerhalb der chinesischen Volkswirtschaft. Dabei werden die Besonderheiten des chinesischen Marktes unter dem Aspekt der sozialistischen Marktwirtschaft herausgearbeitet. Danach erfolgt ein allgemeiner Marktüberblick aus der Perspektive der spezifischen Charakteristiken des Standortes China, woran sich eine Darstellung der aktuellen dynamischen Entwicklungen auf den regionalen und objektbezogenen Immobilienteilmärkten anschließt.
Der regionale Teilmarkt Shanghai wird gesondert betrachtet, da er durch seine Attraktivität für ausländische Investoren eine bemerkenswerte Stellung innerhalb des chinesischen Gesamtmarktes bekleidet. Die Untersuchungen zur Immobilienwirtschaft in den Teilmärkten erfolgen unter den Gesichtspunkten des vordringlichen Interesses ausländischer Investoren. Bei der Betrachtung der Teilmärkte werden die Regionen Hong Kong, Macao und Taiwan aufgrund ihrer besonderen Position und ihrer fehlenden Beispielhaftigkeit für den gesamtchinesischen Immobilienmarkt ausgeklammert.
Alle Abschnitte folgen in ihrem Aufbau derselben Methodik. Zuerst werden die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen erläutert. Daran schließt sich jeweils eine Untersuchung der Auswirkungen auf den chinesischen Immobilienmarkt an.
Mit einer abschließenden kritischen Darstellung der Unzulänglichkeiten des jungen chinesischen Immobilienmarktes sowie einem Ausblick auf die künftige Entwicklung soll der Dreiklang der wissenschaftlichen Untersuchungen dieser Forschungsarbeit aus rechtlichen Grundlagen, volkswirtschaftlichen und politischen Aspekten sowie immobilienwirtschaftlichen Entwicklungen arrondiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung | 1 |
| 2. | Historische Entwicklung der Landnutzungsrechte und des chinesischen Immobilienmarktes | 4 |
| 2.1 | Die Zeit vor Gründung der Republik 1949 | 4 |
| 2.1.1 | Landnutzung, Eigentumsverhältnisse und Bodenordnung | 4 |
| 2.1.2 | Die Entstehung des republikanischen Bodenrechts | 7 |
| 2.1.3 | Die Entwicklung des chinesischen Immobilienmarktes 1840-1949 | 8 |
| 2.2 | Die Abschaffung des Privateigentums in der Zeit ab 1949 | 9 |
| 2.2.1 | Die maoistische Bodenreform | 9 |
| 2.2.2 | Die Ordnung der ländlichen Liegenschaften | 10 |
| 2.2.3 | Die Entwicklung in den städtischen Gebieten | 11 |
| 3. | Die Reformen seit 1979 | 13 |
| 3.1 | Die Phase der Marktbelebung 1979-1990 | 13 |
| 3.1.1 | Der Beginn der Umstrukturierung von Bodenordnung und Immobilienwirtschaft | 13 |
| 3.1.2 | Die Einführung von Landnutzungsgebühren und Landnutzungsrechten | 15 |
| 3.1.3 | Die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt | 19 |
| 3.2 | Die Phase des Marktwachstums seit 1990 | 21 |
| 3.2.1 | Die Weiterentwicklung der Rechtsverhältnisse und staatliche Wohnungspolitik | 21 |
| 3.2.2 | Die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt | 24 |
| 4. | Der heutige chinesische Immobilienmarkt | 27 |
| 4.1 | Die aktuellen Rahmenbedingungen | 27 |
| 4.1.1 | Typologisierung und Grundlegungen | 27 |
| 4.1.2 | Die volkswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Determinanten und Einflussfaktoren auf Investitionen | 30 |
| 4.1.3 | Der Immobilienmarkt und die sozialistische Marktwirtschaft | 33 |
| 4.1.4 | Der öffentliche Stellenwert der Immobilienwirtschaft | 38 |
| 4.1.5 | Die aktuellen Investitionsbedingungen am Beispiel deutsch-chinesischer Joint Ventures | 41 |
| 4.2 | Allgemeiner Überblick und regionale Gliederung des Immobilienmarktes | 44 |
| 4.3 | Gliederung der Teilmärkte nach Objektarten | 48 |
| 4.3.1 | Der Markt für Wohnimmobilien | 48 |
| 4.3.2 | Der Markt für Büroimmobilien | 53 |
| 4.4 | Der regionale Teilmarkt Shanghai | 56 |
| 4.5 | Probleme des chinesischen Immobilienmarktes | 62 |
| 4.5.1 | Ungelöste Entscheidungsregelungen | 62 |
| 4.5.2 | Gegenwärtige Schwierigkeiten des Büro- und des Wohnimmobilienmarktes | 63 |
| 4.6 | Die Entwicklungstendenzen des chinesischen Immobilienmarktes | 68 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 70 |
| Anhang I | ||
| Anhang II | ||
| Literaturverzeichnis | ||
| Eidesstattliche Erklärung |
Die Vorgehensweise dabei entspricht in etwa dem nachfolgend beschriebenen Schema. Zunächst wird der unrentable Wohnungsbestand abgerissen, wobei es sich überwiegend um regionstypische Architektur handelt, deren Verlust von vielen Bewohnern sehr beklagt wird. Die im Anschluss auf den geräumten Grundstücken errichteten Neubauten sollen auf dem Markt unter Gewinnerzielungsabsicht veräußert werden. Im Allgemeinen können die Bewohner während des Entwicklungsprozesses selbst entscheiden, ob sie die Wohnung unter Zahlung kostendeckender Mieten behalten, als kommerzialisierte Wohnungen zu Marktpreisen oder zu einem subventionierten Preis kaufen wollen.220 Dabei ist zu beachten, dass die durchschnittlichen Einkommen der chinesischen Haushalte im Vergleich zu den Wohnungspreisen trotz des Anstiegs der vergangenen Jahre noch immer relativ niedrig sind. In Verbindung mit der allgemeinen Wirtschaftslage und der noch immer vorhandenen Skepsis gegenüber den wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Änderungen resultiert daraus eine geringe Nachfrage nach Wohneigentum. Somit verfügen bislang weniger Haushalte über eigenen Wohnraum als staatlich geplant war. Dafür ist die zweite Reformstufe konzipiert, die den Verkauf der staatlichen und kollektiven Altbauwohnungen an die bisherigen Nutzer beziehungsweise den stark subventionierten Verkauf der Neubauten durch den Staat und die danwei vorsieht. Diese Möglichkeit, die jedoch nur ein Teileigentum beinhaltet, zielt auf die neue chinesische Mittelschicht ab.221 Für den Fall, dass die beiden zuvor beschriebenen Wege der Privatisierung nicht durchsetzbar sind, werden die Mieten über einen langen Zeitraum hinweg angehoben, bis eine Kostendeckung erreicht ist.222 [...]
angeboten werden. Als „soziale Wohnungen“ (shihui zhuzhai) gelten in China all jene Wohnungen, die mit direkten staatlichen Subventionen, mit Hilfe steuerlicher Vergünstigungen oder mittels subventionierter spezieller Wohnentwicklungsunternehmen errichtet werden. Weitere Klassifizierungen innerhalb des sozialen Wohnungsbaus sind die „preiswerten Wohnungen“ (jingji shiyong zhuzhai) und die „Wohlfahrtswohnungen“ (fuli zhuzhai), die noch unter dem früheren Wohlfahrtssystem der VR China erbaut und zu geringen Mieten an die Stadtbewohner verteilt wurden.216 Luxusappartements als Zugpferd Der chinesische Wohnimmobilienmarkt befindet sich noch immer in der Gründungsphase. In der aktuellen Situation, insbesondere unter dem Aspekt ausländischer Direktinvestitionen, fällt dem Bau neuer Appartements für die kaufkräftigeren Bevölkerungsschichten eine tragende Funktion zu. Dieser Teilmarkt wurde anfänglich ausschließlich von ausländischen Immobilienentwicklungsgesellschaften erschlossen. Ausgehend von einer umfassenden Bautätigkeit im Raum Hong Kong in den späten 1980er Jahren entwickelte sich der Markt für Wohnimmobilien zunächst in den Sonderwirtschaftszonen und dehnte sich dann auf die großen Städte in Küstennähe aus. Für die Zeit seit 1992 spricht die Forschung einhellig von einem „Immobilienfieber“217 in diesem Marktsegment. Der gesamte chinesische Immobilienmarkt wies alle typischen Begleiterscheinungen wie extreme Preisschwankungen, Spekulationen und Überangebot auf.218 Aktuelle Reformschritte im Wohnungssystem In Verbindung mit der landesweiten Wirtschaftsreform wird das Wohnungssystem zur Zeit grundlegend umgestaltet.219 Die Wohlfahrtswohnungen der vergangenen fünfzig Jahre sollen sukzessiv vom chinesischen Immobilienmarkt verschwinden, wofür andere Eigentumsarten von Wohnraum entstehen. [...]
Überdies sind die übergroße Mehrheit der Nachfrager auf dem Büroimmobilienmarkt und auf dem Markt für hochwertige Appartementanlagen ebenfalls in der Gruppe dieser chinesischstämmigen Investoren zu finden, die nicht im Mutterland ansässig sind. Bei der eigenen Nachfrage dieser Geschäftsleute kommen die gleichen Kriterien zur Anwendung wie bei ihrer Investitionsentscheidung, wodurch die Küstenprovinzen gegenüber dem Hinterland gleich mehrfach im Vorteil sind. Als Balancefaktoren im gesamtchinesischen Wohnimmobilienmarkt können die Investitionstätigkeiten des Staates und der Arbeitskollektive angesehen werden, die gewährleisten, dass landesweit das notwendige Existenzminimum an Wohnraum zur Verfügung steht. Ebenso finden aktuell verstärkt politische Instrumente zur Erhöhung der Attraktivität der westlichen Provinzen für ausländische Direktinvestitionen Anwendung.213 Grundsätzlich ist fest zu halten, dass die westlichen und zentralen Regionen der VR China weit hinter der rasanten Entwicklung der Küstenprovinzen zurück liegen. Trotz des regulierenden Eingriffs des Staates im Bereich des Wohnungsteilmarktes können die gravierenden regionalen Unterschiede im Entwicklungsstand des chinesischen Immobilienmarktes nicht egalisiert werden. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842804401
Arbeit zitieren:
Henschke, Katja November 2003: Der chinesische Immobilienmarkt. Entwicklungsphasen, Tendenzen, Potenziale, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
China, Immobilienmarkt, Marktstruktur, Planwirtschaft, Reform



