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Das chinesische Finanzsystem

Reformen und Stabilisation

Das chinesische Finanzsystem
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sabine Naito
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 40 Seiten
  • Dateigröße: 855,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 49
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2024-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Naito, Sabine Juli 2008: Das chinesische Finanzsystem, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Minsky, China, Finanzsystem, Kapitalmarkt, Bubble

Bachelorarbeit von Sabine Naito

Einleitung:

Anfang des Jahres 2007 berichtete die Financial Times Deutschland, dass der chinesische Volkskongress vor einer Aktienblase warne, und bereits am 14. Mai 2007 titelte das Handelsblatt China fürchtet eine Finanzblase, nachdem drei Tage zuvor die Süddeutsche Zeitung die Kleinanleger Chinas für den Aktienboom verantwortlich gemacht hatte.

Im März dieses Jahres schließlich brach der Shanghai Index um 4,49 Prozent ein, da die chinesische Regierung angekündigt hatte, dem Anstieg der Immobilienpreise Einhalt zu gewähren. Kurseinbrüche auf einem Finanzmarkt haben in Zeiten der Globalisierung weltweite Folgen, wie auch schon die Subprime-Krise in den USA zeigt, die seit Frühjahr 2007 Vermögenspreisverfälle mit all ihren Konsequenzen nicht nur in den USA verursachte. Doch Finanzkrisen gibt es seit eh und je und seit 1966 jagt eine Finanzkrise die andere in immer kürzeren Abständen. Gemeinsamkeiten dieser Krisen - wie Ursache, Verlauf und Folgen - sind prägnant. Z.B. ist die Ursache ihres Ausbruchs weder in den Fundamentalen ihrer Volkswirtschaften zu finden, noch zu rechtfertigen.

Der Grund liegt viel mehr in der Mischung aus Gier nach schnellem Geld durch Spekulationen, billigem Geld durch einfache Kredite durch niedrige Zinsen und neuen Finanzprodukten, wie Derivaten, die zuerst einen Boom und daraufhin eine Krise verursachen. Sowohl die Financial Times Deutschland im April diesen Jahres als auch der Economist bemerkten diese Ähnlichkeiten und hinterfragten in ihren Artikeln, ob die USA nicht aus den Erfahrungen Japans mit der Bubble hätten lernen können und müssen.

Und auch Ökonomen beschäftigen sich, spätestens seit der Veröffentlichung John Maynard Keynes Werk The General Theory of Employment im Jahre 1937, mit der Analyse von Finanzkrisen und ihren Ursachen und Mechanismen, um Ansätze zur Vermeidung des Ausbruchs und ihrer volkswirtschaftlichen Folgen zu finden. Zurzeit besteht ein wahrlicher run auf die Publikationen Stabilizing an unstable Economy von Hyman P. Minsky, einem US-Ökonom, der Keynes Werk mit Fokus auf den Finanzmarkt neu interpretierte zu seiner Hypothese der finanziellen Instabilität. Durch Analyse schon vorausgegangener Krisen stellt Minsky seine These auf, dass in einem kapitalistischen System das Finanzsystem einer Volkswirtschaft in einem Konjunkturzyklus, aufgrund von Finanzierungsprozessen, automatisch instabil werde und so Boom und Rezession sich gegenseitig bedingten.

In dieser Arbeit wird im ersten Abschnitt Minskys Modell der finanziellen Instabilität dargestellt. Anschließend wird die Gültigkeit der Theorie Minskys überprüft, nachdem die Blase in China mit der Bubble Economy Japans verglichen wurde. Abschließend werden Reformvorschläge zur Vermeidung und Stabilisierung des chinesischen Finanzmarkts in Anlehnung an Minskys Maßnahmenkatalog gegeben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis i
Abbildungsverzeichnis ii
Abkürzungsverzeichnis iii
1. Einleitung 1
2. Minskys Modell 2
2.1 Einführung 2
2.2 Die Investitionstheorie 3
2.2.1 Portfoliokalkül und Finanzierungsentscheidung 3
2.2.2 Abgesicherte, spekulative und Ponzi-Finanzierung 4
2.2.3 Die Liquiditätspräferenz 5
2.2.4 Die Preisbildung bei Kapitalvermögen 6
2.2.4.1 DerPreis des bestehenden Kapitalvermögen Pk 6
2.2.4.2 Angebotspreis für Kapitalvermögen P1 7
2.2.5 Das Investitionsmodell Minskys 8
2.3 Die Konjunkturtheorie oder: das Minsky-Paradoxon 10
2.4 Forderung nach Staatseingriffen 12
3. Chinas „Bubble“ 14
3.1 Preissteigerung der Vermögenswerte 16
3.2 Überhitzung der Wirtschaftsaktivität 18
3.3 Wachstum des Geldangebots und des Kreditvolumens 20
3.4 Die Liberalisierung des Finanzmarktes und die schwachen Mechanismen zur Stärkung der Disziplin 21
3.4.1 Chinas Bankensystem 22
3.4.1.1 Zentralbank 22
3.4.1.2 Geschäfts- und Politbanken 23
3.4.2 Chinas Kapitalmarkt 26
3.4.2.1 Aktienmarkt 26
3.4.2.2 Anleihenmarkt 28
3.4.2.3 Versicherungsmarkt 29
4. Reformen und Stabilisation 29
5. Fazit 32
Literaturverzeichnis 33
Internetquellen 35

Textprobe:

Kapitel 2.4, Forderung nach Staatseingriffen: Resultierend aus der Instabilität des Finanzsystems durch private Investitionen und dessen gesamtwirtschaftlicher Wirkung richten sich die wirtschaftspolitischen Vorschläge Minskys auf die Stabilisierung der Wirtschaft bzw. des Konjunkturzyklus. In Stabilizing an unstable Economy veröffentlichte er einen wirtschaftspolitischen Maßnahmenkatalog.

Wie Keynes sieht Minsky die Notwendigkeit von Staatseingriffen, Big Gouvernement, und verlangt neben Geld- und Fiskalpolitik nach institutionellen Regeln v.a. für den Finanzmarkt. Die Zentralbank als lender of last resort, aber auch eine expansive Fiskalpolitik sollen in Zeiten eines Rückgangs der privaten Investitionen den wirtschaftlichen Abschwung bremsen und somit eine Krise verhindern. Eine expansive Fiskalpolitik, finanziert durch Staatsdefizite, soll Beschäftigung, Output und Profite sichern. Die Zentralbank soll durch ein niedriges Zinsniveau und Refinanzierung Kapitalvermögen und Finanzmärkte stabilisieren.

Die Diskontpolitik gilt jedoch hauptsächlich für Industrienationen bzw. wirtschaftlich entwickelte Länder mit einer stabilen Währung, da bei unterentwickelten Nationen eine Gefahr zur Kapitalflucht durch ein niedriges Zinsniveau besteht. Auch wenn der Refinanzierung durch die Zentralbank ein moralisches Risiko (moral hazard) unterliegt, da es durch die Refinanzierungsmöglichkeit durch die Zentralbank sowohl für Borger, wie auch Gläubiger rational ist, weiter risikoreiche Verbindlichkeitsstrukturen einzugehen, kann nach Minsky auf diese Institution nicht verzichtet werden. Um das Risiko des moral hazards einzudämmen, sind zusätzlich institutionelle Regelungen nötig.

Minsky schlägt u.a. höhere Liquiditäts- und Eigenkapitalvorschriften für Finanzintermediäre und auch eine Kontrolle derer Bilanzen durch eine Bankenaufsicht vor. Des Weiteren fordert er die Dezentralisierung des Finanzsystems in kleine Einheiten, auch zur Vermeidung des Gegenarguments Too-big-to-fail der Zentralbank zur Rettung und Refinanzierung und zur Ausschaltung des moral hazards. Eine gezielte Kreditallokation durch den Staat und/oder staatlich garantierte Bankschulden sind weitere Vorschläge für staatliche Interventionen.

In Zeiten der Inflationsgefahr sollte statt einer restriktiven Geldpolitik jedoch mit Fiskalpolitik eine antizyklische Wirkung erreicht werden, z.B. eine automatische Stabilisierung durch Erwirtschaftung eines Haushaltsüberschusses, bzw. ein Defizit bei Preisniveaustabilität oder Deflation. Weitere Stabilisierungsmaßnahmen wären direkte Preiskontrollen oder Anreizsysteme durch Steuern, wie z.B. Steuereinnahmensenkung progressiv zum Volkseinkommen und gleichzeitige Staatsausgabenerhöhung in Zeiten des konjunkturellen Abschwungs und vice versa in Aufschwungphasen, sowie ferner Steuerabzüge für Unternehmen in Inflationszeiten, wenn gleichzeitig Lohn- und Preiserhöhungen akzeptiert werden.

Nach Minsky sind Kaleckis erweiterte Profitgleichung und die aggregierte Nachfrage: Y= C+I+G+(Ex-Im) Äquivalente. So wirken Staatsdefizite sowohl direkt als auch indirekt über Investitionen auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, indem sie Profite und Portfolios stabilisieren und zum Anstieg der autonomen Nachfrage führen. Des Weiteren verlangt Minsky nach einer staatlichen Regulierung des Produktionssektors, z.B. durch Mindestlöhne und Industriepolitik, um laufende Output-Preise zu sichern.

Auch wenn Minskys Grundmodell unter der Annahme einer geschlossenen Volkswirtschaft entwickelt wurde, gilt es auch für offene Volkswirtschaften, da der globale Finanzmarkt und die wechselseitige Verbindung dieser als ein geschlossenes System gesehen werden kann. Dabei ist der Wechselkurs ein weiterer relativer Preis, da Schulden in einer anderen Währung auch in dieser geleistet werden müssen. In einer offenen Volkswirtschaft müssen somit nicht nur genügend Gewinne für den Schuldendienst erwirtschaftet werden, sondern diese auch konvertierbar sein. Handelsbilanzüberschüsse und Kapitalzuflüsse einer offenen Volkswirtschaft müssen hoch genug sein, um Zahlungsverpflichtungen, die in einer anderen Währung lauten, leisten zu können.

Kapitel 3, Chinas Bubble: China ist heute, wie Japan Anfang der 1980er, eine Wirtschafts- und Welthandelsmacht und erwirtschaftet enorme Handelsbilanzüberschüsse und Devisenreserven. Dabei ist der chinesische RMB einem enormen Aufwertungsdruck ausgeliefert. 2005 gab die Zentralbank Chinas, die People’s Bank of China, den Hard Peg zugunsten eines Währungskorbes mit einer Aufwertung des RMBs um 2 Prozent auf. Doch der nominale Wechselkurs zwischen 1994-2005 ist nicht an die Marktentwicklung angepasst und gilt bis heute als unterbewertet. Daher hat die Aufwertung des RMBs kaum negative Folgen auf den chinesischen Export.

Japan musste 1985 durch das Plaza-Abkommen den Yen aufwerten, was den japanischen Export und die wirtschaftliche Performance Japans schwächte. Nach einem konjunkturellen Abschwung bis 1986 wurde der Yen 1987 durch das Louvre-Abkommen abgewertet und die BoJ senkte den Leitzins von 5 auf 2,5 Prozent. Angezogen durch den niedrigen Zinssatz investierten die Akteure, doch nicht in Realinvestitionen, sondern in Wertpapiere und Immobilien, die die Kredite sicherten. Dadurch stiegen Geldmenge, Wirtschaftsaktivität, Inflationsrate und Vermögenspreise, v.a. der Aktien- und Grundstückspreise, und die Bubble Economy entstand.

Zusätzlich bewirkte die Liberalisierung des Finanzmarktes, dass sich Unternehmen vermehrt über den Finanzmarkt Kapital besorgten. Der Anteil Ponzi-Finanzierter stieg, die Finanzstrukturen wurden fragiler. 1989 hob der neue Zentralbankchef Japans den Zins zur Inflationsbekämpfung an, was zum Fall der Vermögenspreise führte, bis schließlich 1990 die Aktien-Blase platzte. Die Kapitalwerte der Unternehmen verloren an Wert, ihr Eigenkapital sank und ihr Verschuldungsgrad stieg. Durch die beträchtliche Wertminderung ihres Aktienbesitzes gerieten Unternehmen in einen Liquiditätsengpass. Die Preissteigerungen ihrer Vermögenswerte, auf die sie spekuliert hatten, blieben aus. Hinzu kamen Zahlungsverpflichtungen, die sie nicht leisten konnten. Da Kredite nicht mehr ausreichend gesichert werden konnten, vergaben auch Banken ihre Kredite restriktiver und es folgte ein Kreditengpass (credit crunch). Unternehmen war es nicht mehr möglich, sich zu refinanzieren und so auch zu investieren. Als auch die Immobilienblase mit einer Zeitverzögerung platzte, gingen viele Unternehmen Bankrott und Banken sahen sich einer beträchtlichen Anzahl NPLs gegenüber. Es kam zum triple decline, dem Verfall der Aktienpreise, des Wechselkurses und der fundamentalen Rahmendaten und zu einer Stagnation der Volkswirtschaft Japans ab 1992. Dem zweitlängsten Boom in der japanischen Geschichte folgte die zweitlängste Rezession nach dem zweiten Öl-Schock von 1980 bis 1983.

Angeheizt durch Intensified bullish expectations zeigt Abb. 3 die Entstehung der Bubble in Japan. Okina, Shirakawa und Shiratsuka charakterisieren sie mit folgenden Merkmalen: Der Preissteigerung von Vermögenswerten, Überhitzung der Wirtschaftsaktivität und dem Wachstum der Geldmenge und des Kreditvolumens, welche auch in China zu finden sind.

Arbeit zitieren:
Naito, Sabine Juli 2008: Das chinesische Finanzsystem, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Minsky, China, Finanzsystem, Kapitalmarkt, Bubble

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