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Was bewegt Partner psychisch Kranker zur Teilnahme bzw. Ablehnung der Teilnahme an einem Interventionsprogramm und welche Aspekte spielen dabei eine Rolle?

Was bewegt Partner psychisch Kranker zur Teilnahme bzw. Ablehnung der Teilnahme an einem Interventionsprogramm und welche Aspekte spielen dabei eine Rolle?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katja Bolle
  • Abgabedatum: Dezember 2004
  • Umfang: 153 Seiten
  • Dateigröße: 898,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Osnabrück Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8856-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8856-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8856-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bolle, Katja Dezember 2004: Was bewegt Partner psychisch Kranker zur Teilnahme bzw. Ablehnung der Teilnahme an einem Interventionsprogramm und welche Aspekte spielen dabei eine Rolle?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Angehörigenarbeit, Bedarfsanalyse, Qualitative Forschungsansätze, Partner spychisch Kranker, Caregiver burden studies

Diplomarbeit von Katja Bolle

Einleitung:

Seit der Einführung der ersten Neuroleptika in den 1950er Jahren hat die gesellschaftliche Situation psychisch erkrankter Menschen starke Veränderung erfahren. Das Prinzip des Lebensweltbezugs findet sich als zentrale Versorgungsleitlinie bei der WHO (1985 u. 1991) und weltweit in nationalen Programmen zur Reform der psychiatrischen Versorgung. Nachdem die Versorgung psychisch Erkrankter bis 1975 vorwiegend in psychiatrischen Großkrankenhäusern (Landeskrankenhäusern) erfolgte, wurde mit dem Bericht der Enquete-Kommission zur Situation der Psychiatrie in der BRD (Deutscher Bundestag, 1975) versucht, die Weichen in Richtung einer modernen, bedarfsgerechten und gemeindenahen Versorgung zu stellen. Deshalb beschränkt sich die stationäre Behandlung psychischer Erkrankungen heute zunehmend auf die Akutbehandlung und medikamentöse Einstellung im Rahmen relativ kurzer Klinikaufenthalte.

Das bedeutet, dass psychisch kranke Menschen größtenteils zu Hause bei ihren Angehörigen und damit auch bei ihren Partnern leben. „Moderne bedarfsgerechte und gemeindenahe“ Versorgung bedeutet dabei zum einen die Zunahme an sozialpsychiatrischen, ambulanten Möglichkeiten zur sozialen und beruflichen Rehabilitation z.T. chronisch psychisch Kranker. Für die Eltern, Partner und Kinder psychisch Erkrankter bedeutet sie gleichzeitig eine oft lebenslange Betreuungsleistung.

Die Erkenntnis, dass die Angehörigen eine der wichtigsten Instanzen im Rehabilitationsprozess psychisch Erkrankter darstellen, hat seit den 1950er Jahren zunächst im englischsprachigen Raum vermehrt Forschungsbemühungen hervorgerufen, die sich der Belastungssituation der Familien annahmen. Seitdem sind durch eine Vielzahl von Studien die gleichsam akute und chronische Belastungslage der Angehörigen und die vielfältigen Faktoren, die das Erleben der Belastung beeinflussen, eingehend untersucht und belegt worden.

Das psychiatrische Versorgungssystem reagiert bereits seit Mitte der 1950er Jahre auf diese Erkenntnisse aus der Belastungsforschung. Im Rahmen sogenannter psychoedukativer Angehörigenarbeit stand zunächst die intervenierende Einflussnahme auf das familiäre Klima, in das die Patienten nach einem Klinikaufenthalt entlassen werden, im Vordergrund. Durch gezielte Informationen über Ursache, Behandlung und Verlauf von psychischen Erkrankungen, sollten die Angehörigen im alltäglichen Umgang mit dem Patienten „geschult“ werden. In den letzten Jahren ist in der Angehörigenarbeit, die vielerorts zur Routineversorgung im Rahmen der Behandlung psychischer Erkrankungen geworden ist, ein Wandel zu vermerken: Von eher informativer, aufklärender Angehörigenarbeit hin zu Angeboten, die sich speziell auf der Belastung bzw. Belastungsreduktion der Angehörigen konzentriert und dabei auf aktuelle psychologische Konzepte zur Stressreduktion und Kommunikation zurückgreift.

Sowohl in Ansätzen zur Belastungsforschung als auch in der Entwicklung von Angeboten für Angehörige, wird erst allmählich und in den letzten Jahren eine Differenzierung der Angehörigen nach Verwandtschaftsgrad vorgenommen. Dass z.B. die Partner psychisch kranker Menschen speziellen Belastungen ausgesetzt sind, weil die Erkrankung des Lebensgefährten im Sinne eines kritischen Lebensereignisses eine deutliche Veränderung der Lebensperspektive nach sich ziehen kann, erfordert nach Erkenntnissen aus neueren Forschungsansätzen eine besondere Berücksichtigung bei der Entwicklung von Interventionsprogrammen. Die Umsetzung dieser Erkenntnisse findet sich allerdings erst vereinzelt in der Literatur zu diesem Thema.

Der Unterstützungsbedarf, der speziell für den Lebensgefährten aus der veränderten Lebenssituation aufgrund der psychischen Erkrankung des Partners resultiert, ist in einigen neueren Arbeiten untersucht worden. Diese Forschungsarbeiten, die aufgrund einer qualitativen Herangehensweise eine „sinnverstehende“ und alltagsorientierte Sicht auf die Belastungssituation erlauben, bieten die Möglichkeit zur Entwicklung spezifischer Interventionsangebote, die auf die Bedürfnisse speziell der Partner zugeschnitten sind. Aufbauend auf diese Erkenntnisse ist an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig ein Partner-Interventionsprogramm entwickelt worden. Ziel dieser Konzeptentwicklung war die Veränderung der Bewältigungsstrategien und des Belastungserlebens, sowie die Verbesserung des psychischen Befindens und die Entwicklung ressourcenorientierter Perspektiven bei Partnern von Patienten, die an Schizophrenien oder Depressionen leiden. Die hier vorliegende Diplomarbeit entstand im Rahmen der Evaluation dieses Interventionsprogramms. In der praktischen Umsetzung des Interventionsprogramms zeigte sich ein Phänomen, welches in der Literatur zur Angehörigenarbeit häufig beschrieben wird: Unterstützungsangebote von professioneller Seite werden viel weniger frequentiert, als dies aufgrund des bekundeten Unterstützungsbedarfs zu erwarten wäre. Vielerorts wird von dieser scheinbaren Diskrepanz zwischen Bedarf und Nutzung berichtet. Dies führt zu einem verstärkten Interesse an Forschungsarbeiten zu den Gründen, die Angehörige dazu bewegen, sich für oder gegen die Teilnahme an Unterstützungsprogrammen zu entscheiden.

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, erste Ansätze zur Beantwortung dieser Frage zu liefern. Für die Untersuchung dieses Phänomens, erschien eine größtmögliche Offenheit in der Herangehensweise an den Forschungsgegenstand entscheidend zu sein, um den Zugang zu neuen Erkenntnissen zu ermöglichen. Zur Umsetzung dieses Ziels war deshalb eine explorative Studie im qualitativen Design die Methode der Wahl. Auf der Basis von 22 Einzelfällen, bei denen es sich um Partner von an Schizophrenie oder Depression erkrankten Menschen handelt, wurden aus den Informationen aus narrativen Interviews Hypothesen darüber abgeleitet, welche Aspekte Einfluss auf die Teilnahmeentscheidung von Partnern psychisch Erkrankter in Bezug auf die Inanspruchnahme eines Interventionsprogramms haben.

Der erste Teil der hier vorliegenden Arbeit soll nun zunächst eine theoretische Einbettung dieser Untersuchung in den aktuellen Forschungsstand ermöglichen. Im Vordergrund steht hier die Vermittlung des Verständnisses für die Belastungssituation der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Um die zunehmend differenzierter werdende Betrachtung dieser Thematik in ihrer Entwicklung nachzuvollziehen, werden zunächst die Forschungsbemühungen zur Belastung von Angehörigen im Allgemeinen bis hin zur speziellen Situation von Partnern dargestellt. Anschließend werden Forschungsarbeiten genannt, die sich speziell mit dem Unterstützungsbedarf von Angehörigen und im Besonderen von Partnern beschäftigen. Wie diesem Bedarf im Rahmen der psychiatrischen Versorgungslandschaft Rechnung getragen wird, ist nachvollziehbar anhand einer kurzen Abhandlung über unterschiedliche Ansätze in der Angehörigenarbeit (Abschnitt 1.3). Vor diesem Hintergrund wird am Ende des Kapitels zum bisherigen Forschungsstand die Literatur zur Inanspruchnahme von Angehörigenangeboten zusammengefasst (1.4).

Darauf aufbauend erfolgt im 2. Teil die Ableitung der Forschungsfragen, die dieser Diplomarbeit zugrunde liegen. Im Methodenteil dieser Arbeit (Abschnitt 3) erfolgt sowohl die Beschreibung der Stichprobe (Sample), als auch eine detaillierte Darlegung der angewandten Methode und der Vorgehensweise, die im Rahmen dieser Studie im qualitativen Forschungsdesign zur Erkenntnisgewinnung geführt hat. Die Ergebnisdarstellung erfolgt getrennt nach Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern am Interventionsprogramm im 4. Teil dieser Arbeit. Abschließend werden die Ergebnisse im letzten Teil der Arbeit diskutiert. Darauf aufbauend soll sowohl eine kritische Bewertung dieser Untersuchung als auch ein Ausblick zur Praxisrelevanz und möglicher anschließender Forschungsfragen vorgenommen werden.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Forschungsstand 8
1.1 Belastungsforschung 9
1.1.1 Ansätze in der Belastungsforschung 10
1.1.2 Untersuchte Aspekte des Belastungserlebens 12
1.1.2.1 Zeitlicher und finanzieller Betreuungsaufwand 13
1.1.2.2 Berufliche Einschränkungen und Auswirkungen auf Soziale Kontakte 13
1.1.2.3 Informationsdefizit und fehlende Unterstützung des professionellen Versorgungssystems 14
1.1.2.4 Schwierigkeiten im Umgang mit dem Erkrankten 15
1.1.2.5 Emotionale Belastung 16
1.1.2.6 Gesundheitliche Belastungsfolgen 17
1.1.3 Zusammenfassende Bewertung 18
1.1.4 Die Situation der Partner psychisch Kranker 19
1.1.4.1 Partnerschaften psychisch Erkrankter 19
1.1.4.2 Spezifische Belastungsaspekte der Partner 22
1.2 Studien zum Unterstützungsbedarf der Angehörigen und speziell der Partner 25
1.3 Angehörigenarbeit in der Psychiatrie 27
1.3.1 Konzeptentwicklung: Expertengeleitet und nutzerorientiert 27
1.3.2 Experten- und angehörigendominierte Gruppenangebote 28
1.3.3 Störungsbezogene und zielbezogene Ansätze 30
1.3.4 Störungsspezifische und störungsheterogene Ansätze 30
1.3.5 Beziehungsspezifische und -homogene Ansätze 31
1.3.6 Zusammenfassung 31
1.4 Untersuchungen zum Inanspruchnahmeverhalten von Angehörigen psychisch Erkrankter 32
1.5 Zusammenfassung des Forschungsstandes 36
2. Zielsetzung und Fragestellung der Diplomarbeit 37
3. Methodische Basis und Durchführung der Untersuchung 39
3.1 Konzeption und Durchführung der Rahmenstudie 39
3.2 Datenbasis der vorliegenden Diplomarbeit 41
3.3 Konzeption der vorliegenden Untersuchung 43
3.4 Methode der Datenerhebung: Das narrative Interview 44
3.4.1 Forschungstheoretische Überlegungen zum narrativen Interview 44
3.4.2 Zur Durchführung des narrativen Interviews 44
3.4.3 Der Zugang zu den Interviewpartnern 46
3.5 Datenauswahl und theoretisches Sampling 48
3.6 Aufbereitung und Auswertung der Daten 49
3.6.1 Vorab-Information: Memowriting 51
3.6.2 Verfassen einer Globalanalyse 51
3.6.3 Diskurs über den Informationsgehalt des Interviews 52
3.6.4 Transkription der Interviewaufnahme 52
3.6.5 Sequenzierung des Interviewtranskripts 53
3.6.6 Offenes Kodieren der Textsequenzen 54
3.6.7 Bildung thematischer Felder 55
3.6.8 Zusammenfassende Fallrekonstruktion 56
3.6.9 Theoretische Verallgemeinerung 56
3.6.10 Diskursive Validierung 57
4. Ergebnisse 59
4.1 Was bewegt Partner psychisch Erkrankter zur Teilnahme an einem Partner-Interventionsprogramm? 61
4.1.1 Übersicht der befragten Teilnehmer am Interventionsprogramm 62
4.1.2 Darstellung der Kernhypothesen über die Beweggründe, die zur Teilnahme am Interventionsprogramm führten 63
4.1.2.1 Der Partner fühlt sich zum Zeitpunkt der Entscheidung Subjektiv belastet 63
4.1.2.2 Die wahrgenommene Belastung übersteigt die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten 64
4.1.2.3 Es besteht ein Veränderungswunsch mit positiven Erwartungen an das Interventionsprogramm 66
4.1.3 Darstellung der unterschiedlichen positiven Erwartungen (Nebenhypothesen) 68
4.1.3.1 Es besteht der Wunsch nach Anerkennung 68
4.1.3.2 Es besteht die Hoffnung auf „Freispruch von Schuldgefühlen“ 69
4.1.3.3 Es besteht der Wunsch nach eigener Entlastung 69
4.1.3.4 Es besteht der Wunsch nach einem Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen 70
4.1.3.5 Mit der Teilnahme verbindet sich der Wunsch nach Persönlichen Kontakten 71
4.1.3.6 Beim Partner besteht Informationsbedarf 72
4.1.3.6 Mit der Teilnahme verbindet sich der Wunsch nach bestmöglicher Unterstützung des erkrankten Partners 73
4.1.4 Zusammenfassung und Überblick 74
4.1.5 Kosten-Nutzen-Abwägung: Befürchtungen, Erwartungen und Einstellungen - eine integrierende Illustration anhand einer Einzelfalldarstellung 76
4.2 Was bewegt Partner psychisch Erkrankter dazu, die Teilnahme an einem Interventionsprogramm ab zu lehnen? 80
4.2.1 Übersicht der befragten Nicht-Teilnehmer am Interventionsprogramm 81
4.2.2 Darstellung der Kernhypothesen über die Ablehnung der Teilnahme an einem Interventionsprogramm 82
4.2.2.1 Die subjektive Belastung ist zum Zeitpunkt der Entscheidung (wieder) gering 82
4.2.2.2 Die eigene Situation wird als bewältigbar eingeschätzt oder es besteht kein Wunsch nach Veränderungen 84
4.2.2.3 Es bestehen keine positiven bzw. negative Erwartungen in Bezug auf ein Interventionsprogramm 86
4.2.2.3.1 Es besteht ein anderes Konzept der hilfreichen Unterstützung: Einzelgespräche oder Psychoedukation 86
4.2.2.3.2 Die Gruppenatmosphäre wird als zu anonym eingeschätzt und abgelehnt 87
4.2.2.3.3 Zusätzliche Belastung durch Probleme anderer Betroffener wird befürchtet (Abgrenzungswunsch) 88
4.2.2.3.4 Unterstützung von Anderen (Fremden) wird nicht als hilfreich empfunden 89
4.2.3 Darstellung der Nebenhypothesen, die zu einer Ablehnung der Teilnahme führten 90
4.2.3.1 Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung des Partners wird in nicht-akuten Phasen abgelehnt 90
4.2.3.2 Die eigene depressive Symptomatik verhindert die Teilnahme 91
4.2.3.3 Die Teilnahme am Unterstützungsprogramm wird aus zeitlichen Gründen abgelehnt 93
4.2.3.4 Es besteht zum Zeitpunkt der Entscheidung keine Bereitschaft (mehr), in die Partnerschaft zu investieren 94
4.2.3.5 Die Person versteht sich nicht als Partner eines psychisch Erkrankten und fühlt sich nicht der Zielgruppe zugehörig 95
4.2.3.6 Der Partner fühlt sich im Vergleich zu anderen nicht der Zielgruppe zugehörig 97
4.2.3.7 Die Teilnahme wird vom erkrankten Partner abgelehnt 98
4.2.4 Zusammenfassung und Überblick 98
4.2.5 Grundsätzliche Ablehnung vs. belastungsabhängige Inanspruchnahme - zwei gegensätzliche Fälle 101
4.3 Eine fallübergreifende Hypothese 106
5 Diskussion 108
5.1 Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion der Gewichtung der Hypothesen 110
5.2 Diskussion der „Zeitfenster-Hypothese“ 113
5.3 Diskussion des Haupteinflussfaktors „Belastung“ 114
5.4 Diskussion des Aspekts „Partnerschaft“ 116
5.5 Diskussion des Behandlungsauftrags 118
5.6 Einordnung der Ergebnisse in den Forschungsstand 119
5.7 Güte und Limitationen der Arbeit 121
5.8 Fazit und Ausblick 126
Literaturverzeichnis 129
Anhang A Fallportraits
Anhang B Globalanalysen
Anhang C Ablauf des Partner-Interventionsprogramms
Anhang D Transkriptionsregeln
Anhang E Anschreiben an die Teilnehmer
Anhang G Entwicklung der Datengrundlage

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Erwartungen an ein Unterstützungsprogramm werden also bei eingehender Untersuchung konkreter und scheinen sich auf einem Kontinuum zu bewegen zwischen „Wunsch nach eigener Belastungsreduktion“ (Interview 01, Interview 02, Interview 10) und „Wunsch nach Unterstützung des erkrankten Partners“ (Interview 04, Interview 07, Interview 09). Wichtig ist es demnach für die Partner einerseits, sich zumindest für die Zeit der Gruppentreffen selbst in den Mittelpunkt zu stellen und eigene Belastungsthemen zu besprechen. Im Gegensatz dazu und andererseits kann für Partner psychisch Erkrankter die Teilnahme an einem Unterstützungsprogramm aus dem Wunsch resultieren, dem Erkrankten bestmögliche Unterstützung zu bieten. Dabei ist zu beachten, dass es hier nicht um eine künstliche Zweiteilung des Samples geht. Ziel ist es eher, so etwas wie „Leitgedanken“ aufzudecken, die von weiteren Beweggründen begleitet werden. Im Folgenden wird nun dargestellt, was sich aus den Fallanalysen an handlungsleitenden Erwartungen und Wünschen der Teilnehmer ergab. [...]

„Die Interesse is von meiner Seite da um , um von mir aus auch mit einwirken zu können auf meine Frau denn , ich sach ma so der Lebenspartner is ja nich , unwichtig bei dem , bei der bei der ganzen Geschichte. Und zweitens ehmmm wollte ich ehm meiner Frau , auch das Gewi/ die Gewissheit vermitteln , und das den Rückhalt geben , dass ich mich für ihre Ges/ Krankheit , interessiere. Starkmachen möchte. Ihr helfen möchte. Und von mir aus ihr alles was ich kann , ehm zukommen lassen möchte um dass sie wieder gesundet“ (Z. 84 – 96, Interview 09, Partner einer depressiven Patientin) [...]

„Ich hab das , erfahren ; im/ als mein Mann im Krankenhaus lag in der X-Klinik , dass es etwas gibt , wo ich hingehen könnte. Ich hab da angerufen. Und da wurde mir ein Termin genannt. Der lag ein halbes Jahr entfernt im Anfang April. Da war ich fürchterlich entsetzt darüber. Ich gab der Dame die Antwort: Da lebe ich nicht mehr. Das halte ich bis dahin nicht aus. Das war mir einfach , immers zu viel mit war das zu plötzlich alles und=und dann so ‚ne weite Entfernung das war/ Der Termin auf ein halbes Jahr hinausgeschoben. Ich war noch mehr an Boden als wie ich so schon am Boden war. Weil mein Mann schon ein halbes Jahr im Krankenhaus lag (....) Ich wollte sofort Hilfe haben. Weil mir’s so schlecht ging“ (Z. 06 – 20, Interview 10, Partnerin eines depressiven Patienten) [...]

Arbeit zitieren:
Bolle, Katja Dezember 2004: Was bewegt Partner psychisch Kranker zur Teilnahme bzw. Ablehnung der Teilnahme an einem Interventionsprogramm und welche Aspekte spielen dabei eine Rolle?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Angehörigenarbeit, Bedarfsanalyse, Qualitative Forschungsansätze, Partner spychisch Kranker, Caregiver burden studies

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