Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Vergangenes bewahren, Künftiges gestalten - über den Wandel in der Heimerziehung

Innewohnende Erzieher zwischen eigenem Anspruch und Wirklichkeit

Vergangenes bewahren, Künftiges gestalten - über den Wandel in der Heimerziehung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Schöne
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 717,8 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Merseburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 22
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1222-7
  • ISBN (CD) :978-3-8366-1222-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schöne, Frank Februar 2007: Vergangenes bewahren, Künftiges gestalten - über den Wandel in der Heimerziehung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kinderdorffamilie, Heimerziehung, Pestalozzi, Erzieher, Soziale Arbeit

In den Warenkorb
48,00 €

Diplomarbeit von Frank Schöne

Gang der Untersuchung:

Im Zentrum der Diplomarbeit stehen Projekte in der Heimerziehung mit Innewohnenden Erziehern und Erzieherinnen, sowie ihren Problemlagen. In Form einer Befragung wird Bezug auf den Verlauf der Erfahrungen der Kolleginnen in ihren eigenen Sichten auf ihre übernommenen Aufgaben genommen.

Ziel der Untersuchung war es, die Vorstellungen der Innewohnenden Erzieherinnen vor ihrem Einstieg, während ihrer Arbeit und nach einer längeren Zeit im Beruf zu erfassen und auszuwerten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Klärung der Frage, welche Ziele und Vorstellungen konnten die Kolleginnen wirklich realisieren und wie haben sich ihre Sichtweisen verändert?

Im einleitenden theoretischen Teil werden Sichtweisen von Johann Heinrich Pestalozzi, Anton S. Makarenko und Alexander S. Neill dargestellt, welche für den Bereich des Innewohnenden Erziehers der heutigen Zeit anwendbare Theorien und Methoden beinhalten.

Die Anforderungen an einen Innewohnenden Erzieher in seinem Spannungsfeld zwischen persönlichem Leben und professionellem Leistungsangebot wird im Punkt 3 erörtert.

Von der Beschreibung verschiedener inhaltlich möglichen Formen des „Innewohnens“ ausgehend werden die pädagogischen Grundlagen und Zielsetzungen unseres „Kinderhauses“ dargestellt. In diesem wird eine mögliche Form des Innewohnens auf der Basis einer Kernfamilie des Pädagogen mit eigenen Kindern und dem Zuwachs von sechs zu betreuenden Kindern und Jugendlichen realisiert.

Zur Erkenntnisgewinnung in der empirischen Untersuchung wurde das narrative Interview eingesetzt. Die Fragen darin beziehen sich auf die Veränderung einer Einstellung in einem bestimmten Lebensabschnitt der Erzieherinnen. Jede von ihnen hat dazu eigene Sichtweisen und individuelle Erlebnisse. Sie sind diejenigen, welche allein ihre Einstellungsveränderung und ihre Verlaufssituation kennen, über die mehr in Erfahrung gebracht werden soll. In dieser Interviewform erhalten sie Raum, um ihre Geschichte, welche mit eingrenzenden Fragen nie erfasst werden könnte, in einem selbst gewählten Tempo zu erzählen und eigene Akzente zu setzen.

In der Untersuchung wird von der Hypothese ausgegangen, dass jede Kollegin im Verlaufe ihrer Tätigkeit als innewohnende Erzieherin eine Desillusionierung ihrer Vorstellungen erfahren hat und sie sich sowohl durch äußere Umstände, als auch bedingt durch ihr betreutes Klientel einen hohen Grad an Anpassungsfähigkeit erfahren musste, um ihre Aufgabe weiter erfüllen zu können. Es wird angenommen, dass für die Kolleginnen, sobald sie in der Aufgabe selbst fest eingebunden sind, ein hoher Bindungs- und Identifikationsgrad mit ihrem Arbeitsbereich und vor allem mit den von ihnen Betreuten entsteht und dieser sowohl die Dauer, als auch die Intensität deren Erfüllung wesentlich bestimmt.

Die Untersuchung bezieht sich auf einen begrenzten Teil von Innewohnenden Erzieherinnen und kann daher nicht als umfassend repräsentativ gelten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Heimerziehung anders gestaltet - ein Einstieg 3
1.2 Eine gesellschaftliche Sicht 4
1.3 Worin besteht das wissenschaftliche Interesse? 5
1.4 Zum Inhalt dieser Arbeit 6
2. J.H. Pestalozzi, A.S. Makarenko, A.S. Neill - drei Klassiker sozialpädagogischer Projekte 8
2.1 Johann Heinrich Pestalozzi - seiner Zeit voraus 8
2.2 Anton S. Makarenko - „Ich fordere dich, weil ich dich achte“ 13
2.3 Alexander S. Neill - Reformpädagoge!? 18
2.4 Warum J.H. Pestalozzi, A.S. Makarenko und A.S. Neill? 23
3. Die innewohnenden Erzieher und Erzieherinnen im Spannungsfeld zwischen persönlichem Leben und professionellem Leistungsangebot in der Heimerziehung 25
4. Beschreibung von ausgewählten Möglichkeiten der verschiedenen Formen des Innewohnens von Erziehern und Erzieherinnen im Land Brandenburg 32
5. Pädagogische Grundlagen und Zielsetzungen in unserem Kinderhaus 37
5.1 Die Kinderdorffamilie als Projekt - soziale Zusammenhänge und Entwicklungen 37
5.2 Die Kinderdorfeltern zwischen eigener und „künstlicher“ Familie 40
5.3 Die unterstützende Mitarbeiterin - Teil des sozialen Systems 42
5.4 Die Kinder - natürlicher und „künstlicher“ Zuwachs der Familie 45
6. Empirische Untersuchung 47
6.1 Auswahl der Interviewpartner 47
6.2 Erhebungsmethode - Narratives Interview 49
6.3 Analyseverfahren 50
6.4 Durchführung - Konzeption und Realisierung 51
7. Die Ergebnisse und ihre Auswertung 52
7.1 Schwerpunkt 1: Welche Motivation gab es bei den Befragten zur Ergreifung des Sozialberufes? 52
7.2 Schwerpunkt 2: Welche Vorstellungen bestanden vor Beginn der Innewohnendenprojekte bei den Kolleginnen? 54
7.3 Schwerpunkt 3:Welcher Wandel in den Ansichten zum Innewohnen vollzog sich im Verlauf der Gestaltung des eigenen Projektes? 55
7.4 Schwerpunkt 4: Welche Ansichten existieren in Bezug auf ihre Projekte heute? 56
7.5 Schwerpunkt 5: Welche eigene Perspektive sehen die Kolleginnen im Projekt oder im Anschluss an die Projekte? 59
8. Evaluation der Untersuchungsergebnisse in Bezug auf die Frage: Welchen Wandel vollziehen Sichtweisen und Motivation der Innewohnenden Erzieherinnen im Zeitraum ihrer Tätigkeiten? 61
9. Schlussbemerkungen 64
Literaturverzeichnis 66
Anhang 68

Textprobe:

Kapitel 5.3, Die unterstützende Mitarbeiterin – Teil des sozialen Systems:

Zur Unterstützung der Kinderdorffamilie steht ihr eine sogenannte Stützerzieherin zur Verfügung. Bei voller Belegung arbeitet diese 40 Stunden die Woche. Die Arbeitszeit richtet sich nach den Notwendigkeiten in der Familie und kann von Tag zu Tag variieren. In Zeiten der längeren Abwesenheit der Kinderdorfeltern übernimmt sie in vollem Umfang deren Verantwortung und zieht zeitweilig ins Kinderhaus ein.

Damit steht sie für die Kinder als dritte Bezugsperson zur Verfügung und spielt eine wichtige Rolle im gesamten Kinderdorffamiliensystem, auch für die leiblichen Kinder der Kinderdorfeltern.

Welche aber ist das? Als „drittes Elternteil“ kommt sie kaum in Frage. Sie ist die von „außen“ hinzukommende und wohnt nicht direkt in der Familie, was ihre Rolle eigentlich erschwert. Wenn sie abends nach Hause geht, oder einige Tage nicht da war, fehlen ihr die Informationen, welche die Kinderdorfeltern durch ihre ständige Anwesenheit haben. Das kann auch ein noch so gutes Informationsgespräch nicht ersetzten. Auch spüren die betreuten Kinder und Jugendlichen, dass die wichtigen Entscheidungen zwischen den Kinderdorfeltern fallen und die Erzieherin diese, ob sie will oder nicht, umsetzen muss. Wirklich frei in ihren Handlungen kann sie nur sein, wenn die Kinderdorfeltern selbst über einen längeren Zeitraum abwesend sind, und dann auch nur in den Bereichen, die keine grundsätzlichen Dinge des Alltags betreffen.

Diese Rolle muss sie erst einmal akzeptieren, um für die Kinderdorffamilie eine wirkliche Hilfe zu sein. Kann sie das nicht, so sind Differenzen und Auseinandersetzungen zwischen den Erwachsenen in größerem Umfang vorprogrammiert. Es ist ein Unterschied, ob man auf eine Arbeitsstelle geht oder in dieser selbst tagtäglich wohnt und lebt. Daher können die wesentlichen Dinge des Alltags, wie zum Beispiel der grundsätzliche Tagesablauf mit seinen Eckpunkten, auch nur von den im Projekt Wohnenden festgelegt werden. Das heißt natürlich nicht, dass die Kollegin kein Mitspracherecht in solchen Dingen hat, wenn es aber zur Festlegung kommt, muss die Meinung der Kinderdorfeltern einfach mehr Gewicht haben.

Es ist von Vorteil, wenn die Stützerzieherin einen eigenen, begrenzten Arbeitsbereich hat, für den sie hauptsächlich zuständig ist. In unserem Kinderhaus betrifft das zum Beispiel die Erledigung der Hausaufgaben und deren Kontrolle. Da kann sie in diesem Rahmen selbständig Festlegungen treffen, wann und in welchem Rahmen die Hausaufgaben zu machen und in welchem Umfang Übungen darüber hinaus notwendig sind.

Für alle Kinder der Kinderdorffamilie ist es von großem Vorteil, dass es noch eine dritte Bezugsperson gibt. Bei acht Kindern kann es schon einmal vorkommen, dass die Kinderdorfeltern das eine oder andere nicht richtig einschätzen oder übersehen, und da wirkt sich die Möglichkeit, zu einer dritten Person gehen zu können, als durchaus positiv aus. Ebenso verhält es sich mit bestimmten Spannungen und Konflikten in der Kinderdorffamilie. Es besteht dann die Möglichkeit, dass mittels der dritten Person eine Konfliktlösung neutraler ist. Dabei ist es unerheblich, ob diese Konflikte zwischen den Erwachsenen und den Kindern oder nur zwischen den Kindern bestehen. Am wichtigsten ist es jedoch, dass es keine grundsätzlich gegenteiligen Auffassungen zwischen den Erwachsenen gibt, und das ist nicht immer leicht.

Durch das Hinzukommen von „außen“ werden von der Stützerzieherin bestimmte Situationen anders wahrgenommen und aus einem anderen Blickwinkel als dem der Kinderdorfeltern betrachtet. Sie kann damit im Rahmen der Kinderdorffamilie sehr belebend wirksam werden. Es müssen nicht alle Betrachtungsweisen der Eltern immer richtig sein, wie das in einer natürlich gewachsenen Familie mitunter auch ist, aber hier hat die Kinderdorffamilie die Möglichkeit, ohne Mehraufwand eine dritte Person mit hinzuzuziehen. Es gibt die Chance, durch die Sichtweisen der Stützerzieherin eine Erweiterung der Lösungsmöglichkeiten zum Beispiel in Konfliktsituationen zu erreichen.

Gelingt das Finden des gemeinsamen Weges nicht, so kommt es zu Situationen, wie es zwei interviewte Erzieherinnen in der nachfolgenden Untersuchung schildern:

Interviewte C: „Dann gab es auch drei Monate richtig tierisch Krach mit den Erziehern, mit den Stützerziehern. Die zwei Weiber schwangen das Zepter. Also, ich als Innewohnende, eigentlich als Chef, stand immer da wie so ein begossener Pudel. Die Damen machten die Arzttermine, was weiß icke nich, keine Ahnung, ich war nur da fürs Saubermachen, fürs Kochen und wie gesagt, für die Wäsche war ich noch zuständig. So, das war so mein Ding. Was die Kinder betraf, das haben alles die beiden gemacht. Also, ich bin richtig dolle gemobbt worden. Es gab richtig dolle Stress, bis die Chefin gesagt hat: „Jetzt ist Schluss!“ Und die beiden sind dann gegangen und dann ist meine jetzige Kollegin...“.

Interviewte D: „Die (hinzukommende) Kollegin war gut 30 Jahre älter, hatte sieben Jahre das auch mit aufgebaut und dann auch so Eifersucht, die spielte eine große Rolle, damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich da mit den Kindern lebe, bist den näher, als ne „Hinzukommende“, die nur von außen reinkommt, und es wurde auch irgendwann dann doch nicht mehr schön. ... Das führte immer mehr zu Problemen, die nicht ausgesprochen wurden, und vielleicht war auch das Alter ein Stück mit eine Schwierigkeit gewesen, wobei ich das nicht am Alter festmache. ... Ich bin der Meinung, jeder hat sein Arbeitsfeld, der Innewohnende lebt mit den Kindern und der Stützerzieher ist der Hinzukommende, unterstützt die Innewohnende. Dann kann das auch funktionieren. Das ist das, was für mich immer wieder sehr belastend ist und das ist für mich mit das Wichtigste, die Teamarbeit. So schwierig, wie das mit den Kindern ist, um so wichtiger ist die Teamarbeit.“.

In den Warenkorb
48,00 €

Arbeit zitieren:
Schöne, Frank Februar 2007: Vergangenes bewahren, Künftiges gestalten - über den Wandel in der Heimerziehung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kinderdorffamilie, Heimerziehung, Pestalozzi, Erzieher, Soziale Arbeit

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren