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Die besondere Problematik der Finanzierung von Filmproduktionen

Die besondere Problematik der Finanzierung von Filmproduktionen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Joachim Hummel
  • Abgabedatum: März 2004
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 866,8 KB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Kempten Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9026-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9026-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9026-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hummel, Joachim März 2004: Die besondere Problematik der Finanzierung von Filmproduktionen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Institution, Filmföderer, Projektfinazierung, Filmprojekt, Filmfonds

Diplomarbeit von Joachim Hummel

Einleitung:

Schon im alten Ägypten, China und auch Arabien wurden Dokumente über bewegte Bilder gefunden. Die ersten Versuche damit machte aber wohl der deutsche Gelehrte Athanasius Kircher im 17. Jahrhundert. Er entwickelte eine sogenannte „Laterna Magica“, mit der selbstgezeichnete Bilder an die Wand projiziert werden konnten. Dies wurde über ca. 200 Jahre zur Belustigung des Volkes auf Jahrmärkten weitergeführt und entwickelt, bis 1830 Louis Jacques- Mande Daguerre die erste Photographie durch eine mit Jodsilber beschichtete Metallplatte in einer Lochkamera, der „Camera Obscura“, erstellte. Darauf folgten viele Erfindungen, der erste richtige Filmprojektor jedoch war der „Cinematograph“ von Auguste und Louis Lumiere. Die erste Filmvorführung am 28. Dezember 1895 war die Geburtsstunde des Kinos. 1908 gingen schon 10 Millionen Amerikaner ins Kino, das sie damals noch Nickelodeon nannten, da der Eintritt genau einen Nickel betrug.

Das erste Jahrzehnt des Kinofilmes wurde von französischen Filmen dominiert. Dann allerdings wurde in den USA 1908 die Motion Pictures Patents Company gegründet, ein Kartell zur gemeinsamen Kontrolle von Patentrechten. Dies veranlasste unabhängige Produzenten in den Vereinigten Staaten nach Kalifornien umzuziehen, da sie dort die teuren Lizenzgebühren umgehen konnten und auch billigere Arbeitskräfte in dem ehemals mexikanischen Kalifornien zu bekommen waren. Diese unabhängigen Produzenten wurden jedoch erst mächtig als das MPPC als illegal verurteilt wurde. Aus den kalifornischen Produzenten, meist jüdischer Abstammung, wurden mächtige Hollywoodfirmen wie Paramount und MGM, die auch heute noch existieren.

Dies war der Anfang einer großen Zeit für Hollywood, Stars wie Charlie Chaplin, der 1912 seinen ersten großen Film machte, Humphrey Bogart, 1940, und auch Charlton Heston, 1959, wurden geboren. Auch in Deutschland wurden amerikanische sowie auch skandinavische Filme populär. Trotzdem konnte auch der Deutsche Film durch Regisseure wie Fritz Lang seinen Marktanteil behaupten. In den 70er Jahren jedoch änderte sich das. Der Marktanteil brach dramatisch ein und bewegte sich selten über 15%. Filme aus Hollywood dominieren seitdem den deutschen Markt. Das hatte zur Folge, dass die Eigenkapitaldecke der Produzenten sehr dünn wurde und auch die Bereitschaft der Kreditinstitute zur Finanzierung eines deutschen Projektes ist sehr gering.

Da diese Entwicklung aus kulturpolitischer Sicht bedenklich ist und der Kinofilm vor allem auf die Jugendlichen einen starken Einfluss hat, wurden verschiedene gesetzliche Strukturen verabschiedet um es den Produzenten trotzdem zu ermöglichen anspruchsvolle, deutsche Filme zu machen. Die Filmfinanzierung in Deutschland wurde dadurch allerdings zu einem sehr komplexen und vielseitigen Thema.

Zur aktuellen Marktsituation: die Gruppe der 20 bis 29 jährigen hat momentan den stärksten Anteil an den Kinobesuchern, im Jahre 2003 waren es 35%. Und das, obwohl diese Gruppe nur 13% der Gesamtbevölkerung ausmacht.

Die Zurückhaltung der anderen Jahrgänge ist auch der Grund dafür, dass die Gesamtzahl der Kinobesucher so niedrig liegt und in den letzten beiden Jahren sogar noch nach unten ging.

Dieser erschreckende Rückgang wurde zwar nach Erkenntnissen des Marktforschungsunternehmens EDI Nielson in den ersten 6 Monaten des Jahres 2004 wieder um 1,8 Prozent (im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres) nach oben korrigiert, trotzdem liegen die Werte im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrig. Der direkte Vergleich zu dem Musterland des Kinofilms, den USA, sieht folgendermaßen aus: Die 152,5 Millionen Besucher brachten den deutschen Kinos Erlöse von 850 Millionen Euro. Die USA verkauften 1,64 Milliarden Tickets und erzielten damit einen Erlös von 9,5 Milliarden Dollar. In Euro entspricht diese Summe 7,75 Milliarden Euro.

Die Kinokarte kostete also durchschnittlich in Deutschland 5,57 Euro und in den USA 4,72 Euro. Der günstigere Ticket-Preis in den USA ist allerdings auch auf den Wechselkurs zurückzuführen. Den Größenunterschied bei der Zahl der verkauften Kinokarten kann man aufgrund der unterschiedlichen Bevölkerungsstärken beider Länder nicht als Vergleichsmaßstab zugrundelegen. Die Bundesrepublik Deutschland zählte im Jahr 2003 laut dem Statistischen Bundesamt 82,5 Mio. Einwohner, für die Vereinigten Staaten von Amerika wurde von dem Bureau of Census für dasselbe Jahr eine Einwohnerzahl von 292,1 Mio. festgestellt. Allerdings lässt sich aus diesen Zahlen ein durchschnittlicher Kinobesuch pro Staatsbürger und pro Jahr errechnen, der bei den USA um circa das Dreifache höher ist als in der BRD! Diese Situation stellt für die 1688 traditionellen Kinos und die 143 Multiplexkinos ein großes Problem dar. Rund 2/3 bleiben damit weit unter ihren Kapazitäten und sind mittlerweile kaum noch rentabel bis defizitär.

Ein Grund für diese schlechte Position bei den Kinobesuchen der Deutschen ist die führende Stellung unseres Landes bei dem neuen Medium DVD. Mit einem Wachstum der DVD - Spieler Verkäufe von 135% pro Jahr stellt Deutschland den am schnellsten wachsenden Markt in Europa dar8.Das Kino wird in Deutschland also immer mehr zu einem Werbemittel für DVD Verkäufe, mit denen die Filmproduzenten jetzt schon mehr verdienen als an der Kinokasse. „Ein Produzent geht an Filmprojekte nicht mehr mit einer natürlichen Präferenz für das Kino heran“ wird Frank Mackenroth, Experte der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers, in der Financial Times Deutschland zitiert. Die Verwertung eines Filmes wird mittlerweile über viele Eckpfeiler realisiert, auf die in dieser Arbeit noch näher eingegangen wird.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Entwicklung des Kinomarktes und Probleme bei der Finanzierung heutiger Filmproduktionen in Deutschland 1
2. Möglichkeiten zur Finanzierung 7
2.1 Finanzierung durch staatliche Institutionen 8
2.1.1 Europäische Institutionen 8
2.1.1.1 Das Programm des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union: Media Plus 8
2.1.1.2 Der europäische Filmfond Eurimages 10
2.1.1.3 Der Garantiefond Euro Media Guarantees 13
2.1.2 Nationale Institutionen 14
2.1.2.1 Das Filmfördergesetz und die Filmförderanstalt 14
2.1.2.2 Die Bundesregierung für Kultur und Medien 19
2.1.2.3 Das Kuratorium Deutscher Film 20
2.1.3 Regionale Institutionen 21
2.1.3.1 Der FilmFernsehFond in Bayern 21
2.1.3.2 Das Medienboard in Berlin und Brandenburg 23
2.1.3.3 Die Mitteldeutsche Medienförderung für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 25
2.1.3.4 Die Filmförderung in Hamburg 26
2.1.3.5 Andere Regionale Filmförderer 28
2.2 Finanzierung durch private Investoren 31
2.2.1 Finanzierung durch Finanzinstitute 31
2.2.1.1 Filmfonds der Fondgesellschaft 31
2.2.1.2 Durch Kredite von einem Geldinstitut 35
2.2.1.3 Beteiligungen von Venture Kapital Gesellschaften 36
2.2.2 Finanzierung durch Unternehmen 37
2.2.2.1 Kosten senken durch Product Placement 37
2.2.2.2 Finanzierung über Werbepartner 38
2.2.2.3 Vermarktung durch Merchandising 39
2.2.2.4 Filmproduktion im Auftrag 40
2.2.2.5 Durch Rechtvorverkäufe an Distributoren 41
2.2.2.6 Beteiligungen der Fernsehanstalten außerhalb des FFG 42
2.2.3 Sonstige Finanzierungsmöglichkeiten 43
2.2.3.1 Gelder aus Blocked Funds 43
2.2.3.2 Kapitalsammlung durch Internetportale 44
2.2.3.3 Finanzierung durch Eigenkapital 45
2.3 Koproduktion als Mittel der Projektfinanzierung 46
2.4 Darstellung der Filmfinanzierung in den USA 50
3. Probleme bei der Refinanzierung eines Filmprojektes 52
Literaturverzeichnis VI
Erklärung IX
Anlage 1 Begriffserklärungen X
Anlage 2 Gesetzestexte XII

Automatisiert erstellter Textauszug:

Neben Ihrer Mithilfe bei der Emission von Medienfonds stellt natürlich auch das traditionelle Geschäft der Banken, das Kreditgeschäft, eine Finanzierungsmöglichkeit für Filmproduzenten dar. Dabei treten die Banken allerdings nicht im üblichen Sinne als Investor auf, da sie das Risiko eines unrentablen Filmes nicht mittragen wollen.49 Die Produktion eines Filmes wird meist erst gestartet, wenn die Finanzierungsfrage komplett gelöst ist. Viele Investoren bezahlen allerdings erst nach Ablieferung des fertig produzierten Filmes. Um diesen Liquiditätsengpass in der Produktionsphase aufzulösen werden Bankkredite in Anspruch genommen. Die Banken verlangen also für ihre Kredite einen Vertrag mit einem Filmverwerter als Sicherheit. Dies wird dann Bridge - Financing genannt. Kredite ohne diese Sicherheiten zu bekommen, somit die Bank als Investor, ist sehr schwer. Es gehört eine enorme Kenntnis der Marktsituation von Seiten der Banken dazu, um das Risiko eines Filmes einschätzen zu können. Natürlich lassen sich auch dann noch keine Prognosen über den tatsächlichen Erfolg des Filmes treffen, aber es fällt leichter eine Entscheidung über die Kreditvergabe zu treffen. Das Umsatzpotenzial deutscher Filmproduzenten steht allerdings in keinem Vergleich zu diesen aufwendigen Marktforschungen, so dass diese sogenannte Gap - Financing (Lückenfinanzierung = Die Bank springt als Investor für die noch fehlenden Mittel ein und beteiligt sich somit auch am Gewinn) in der Realität keine große Rolle spielt.50 Die letzte Möglichkeit eine Bank in die Finanzierung einzubinden ist ein AvalKredit. Die Bank gibt gegen eine Gebühr eine Sicherheit, das heißt sie garantiert den Partnern des Produzenten eine Kreditvergabe, sollte der Produzent in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Aufgrund der bereits geschilderten Situation sind wohl nur Aval-Kredit und Bridge - Financing in der deutschen Filmwirtschaft von Bedeutung. Obwohl in den USA längst üblich, hat sich Gap - Financing in Deutschland (noch?) nicht durchgesetzt. [...]

ter neben dem Fonds Initiator auf alle wesentlichen wirtschaftlichen Entscheidungen des Fonds Einfluss nehmen können. Um die geforderten Einflussmöglichkeiten zu erlangen, ist es jedoch laut Medienerlass auch ausreichend, wenn die Gesellschafter einen Beirat oder ein vergleichbares Gremium aus Ihrer Mitte bilden um die Gesamtzahl der Gesellschafter zu vertreten. • • • Der Fonds ist nicht Hersteller, wenn zum Zeitpunkt der Übernahme beDer Fonds ist nicht Hersteller, wenn er als Auftraggeber nicht das geDer Fonds ist nicht Hersteller, wenn er nicht eine Gewinnerzielungsabreits mit den Dreharbeiten begonnen wurde. samte Risiko der Filmherstellung trägt. sicht belegen kann. Diese Steuerersparnis hat allerdings den Nachteil, dass Geld ohne fachliche Kompetenz und ohne inhaltliches Interesse in bestimmte Projekte investiert wird, unter Umständen auch im Ausland. In den USA wird dieses Geld „Silly Money“ genannt. Aus diesen Gründen wird von der Produzentengemeinschaft Film 20 eine Neuregelung verlangt, die deutsche Medienfonds zwingen soll, mehr Geld in deutsche Produktionen zu investieren. Im Jahr 2003 wurden 1,7 Milliarden Euro in Hollywood angelegt. Gesammelt wurde dieses Geld durch eine in Deutschland gewährte Steuerersparnis, investiert wurde es aber in den USA. Eine sogenannte German Spend, also eine Mindestanlage in deutsche Produktionen könnte dafür sorgen, dass wenigstens ein Teil dieses Geldes in Deutschland bleibt und somit sowohl dem deutschen Film als auch der deutschen Wirtschaft hilft. Denkbar wäre hier eine Quote, die festlegt wie viel Geld in Deutschland investiert werden muss. Nur Fonds, die diese Quote erfüllen, könnten dann 100% Verlustzuweisung bekommen. Allerdings darf sich diese Quote nur auf das Produktionsvolumen des Fonds beziehen. Im Falle einer Miteinbeziehung der Fondsnebenkosten könnten die meisten Fonds schon vor Drehbeginn bis zu 20% German Spend ausweisen. [...]

ren und bei denen nie eine Gewinnerzielungsabsicht zu erkennen ist, können die Verluste nicht in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Die Investition wird als ein privates Hobby betrachtet. Um dies zu verhindern muss der Fonds eine betriebswirtschaftlich nachvollziehbare Erlösprognose erstellen, bei der sich ein wirtschaftlicher Totalgewinn ergibt. Voraussetzung für diese Abschreibung der Verluste ist allerdings, dass der Fonds als Hersteller des Films anerkannt wird. Denn nur dann ist der Film ein selbstgeschaffenes immaterielles Wirtschaftsgut und damit nicht bilanzierungspflichtig. Gilt der Fonds nicht als Hersteller sondern nur als Erwerber des Filmes, müssen die Anschaffungskosten für die Filmrechte in der Bilanz aktiviert und verteilt über die Nutzungsdauer von 50 Jahren abgeschrieben werden. Nach dem Gesetzt ist derjenige Hersteller des Filmes, der die Entscheidungen trifft und die wirtschaftlichen Folgen verantwortet. Um dies etwas einzugrenzen hat das Bundesfinanzministerium den sogenannten Medienerlass (2001) und ein Ergänzungsschreiben dazu (2003) veröffentlicht. Diese Schreiben gelten nur für Film und Fernsehen. Dort werden folgende Einschränkungen genau definiert: • Der Fonds ist nicht Hersteller des Filmes, wenn der Initiator der Gesellschaft ein einheitliches Vertragswerk vorgibt und die Gesellschafter auf dieses keine wesentlichen Einflüsse haben. [...]

Arbeit zitieren:
Hummel, Joachim März 2004: Die besondere Problematik der Finanzierung von Filmproduktionen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Institution, Filmföderer, Projektfinazierung, Filmprojekt, Filmfonds

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