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Die argentische Presse und der Schmutzige Krieg

Die Rolle der privaten Printmedien Argentiniens während der Militärdiktatur 1976-1983

Die argentische Presse und der Schmutzige Krieg
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephanie Rauer de Schapiro
  • Abgabedatum: März 2003
  • Umfang: 150 Seiten
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6837-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6837-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rauer de Schapiro, Stephanie März 2003: Die argentische Presse und der Schmutzige Krieg, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Journalismus, Diktatur, Menschenrechte, Argentinien, Printmedien

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Diplomarbeit von Stephanie Rauer de Schapiro

Einleitung:

Zerbricht ein demokratisches System unter einer Diktatur, dann werden Massenmedien oftmals von den Herrschenden als Propagandaverteiler und Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung missbraucht, selbst wenn sie sich in privater und nicht in staatlicher Hand befinden. Dennoch können Massenmedien unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Wiederherstellung demokratischer Werte in einem repressiven Regime beitragen.

In der vorliegenden Diplomarbeit sollen diese möglichen politischen Funktionsweisen von Massenmedien unter einer Diktatur anhand der Geschichte der argentinischen Presse während der Militärherrschaft von 1976 bis 1983 dargestellt werden. Das Militär, das wegen massiven Staatsterrors und Menschenrechtsverletzungen international in Misskredit geraten ist, bediente sich der Massenmedien beim „Prozess der nationalen Reorganisation“ als Sprachrohr für seine politischen Interessen.

Ziel ist es, anhand des argentinischen Fallbeispiels die Situation der Massenmedien in einer Diktatur zu untersuchen und zu beschreiben. Da sowohl Rundfunk als auch Fernsehen im damaligen Argentinien weitgehend verstaatlicht und somit unter der Militärjunta gleichgeschaltet waren, widmet sich diese Analyse dem Verhalten der als unabhängig geltenden privaten Presse. Diese unterlag offiziell keinerlei Form von Zensur, da eine freie Berichterstattung nach Auffassung des Militärs dessen Streben nach demokratischen Strukturen beweisen sollte. In der Praxis waren die untersuchten Tageszeitungen jedoch einer Vielzahl von Repressionsmaßnahmen ausgesetzt, die im Verlauf der Arbeit aufzuzeigen sind. Zu klären ist, ob sich Printjournalisten dadurch stillschweigend den Zielen des Militärs und somit einer Selbstzensur unterworfen haben oder inwieweit sie versucht haben, trotz drohender Repressalien über Menschenrechtsverletzungen in Argentinien zu berichten.

Die Thesen, die im Verlauf der Arbeit zu überprüfen sind, lauten:

- Die argentinische Militärregierung sicherte den privaten Printmedien zwar Pressefreiheit zu, aber diese Garantie beruhte auf dem Wissen, dass die Streitkräfte die Printmedien auf vielfältige Weise für ihre Zwecke benutzen und gleichzeitig den Schein einer letzten demokratischen Instanz aufrechterhalten konnten.

- Während der argentinischen Militärdiktatur waren die politischen Funktionen der Massenmedien, wie z.B. das Herstellen von Öffentlichkeit, nur stark eingeschränkt oder überhaupt nicht vorzufinden.

- Aus den Thesen (1) und (2) ergibt sich, dass Massenmedien unter einer Militärdiktatur nicht mehr die Kontrollfunktion einer „Vierten Gewalt“ übernehmen. Dennoch existiert eine Art „Restgewalt“, mit deren Hilfe Journalisten potenziell in der Lage sind, einen Beitrag zur freien Meinungsbildung und somit letztlich zur Wiederherstellung demokratischer Strukturen zu leisten.

In Kapitel 1 wird zunächst die Frage beantwortet, welche politischen Funktionen Massenmedien in einer Demokratie im Vergleich zu einer Diktatur übernehmen und worin sich das Verhältnis zwischen dem jeweiligen politischen System und den Massenmedien unterscheidet.

Zum besseren Verständnis des historischen und gesellschaftspolitischen Kontextes verdeutlicht Kapitel 2 die für Argentinien und ganz Lateinamerika charakteristische tiefe Verwurzelung des Militärs im politischen Prozess und die damit verbundene Tradition repressiver Politik.

Auf dieser Basis wird im 3. Kapitel der argentinische Militärputsch von 1976 auf seine Ziele und Legitimation untersucht. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem von den Militärs ausgerufenen „Krieg gegen die Subversion“ der als Rechtfertigung für die Machtergreifung galt. Die ausführliche Darstellung dieses „Schmutzigen Krieges“ ist notwendig, weil dadurch die Situation des Terrors in Argentinien verdeutlicht werden kann, die zu einer angsterfüllten Lähmung der Bevölkerung geführt hat. Vor allem unter diesem Aspekt ist das Verhalten der zu untersuchenden Tageszeitungen zu bewerten.

Es entspräche einer verkürzten Sichtweise, die argentinischen Printmedien nur in den relevanten Jahren 1976 bis 1983 zu untersuchen. In Kapitel 4 muss daher zunächst im ersten Abschnitt ein Überblick auf die Geschichte der argentinischen Presse gegeben werden, der die Rolle von Zeitungen im kulturellen Leben Argentiniens und die tiefe Verzahnung von Presseorganen und politischen Akteuren demonstriert. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Verhalten der Printmedien im „Schmutzigen Krieg“ bewerten. Die zentrale Fragestellung in diesem Kapitel ist die nach den vom Militär zugewiesenen Funktionen der Printmedien, wobei dem Verständnis des Militärs von Pressefreiheit und Zensur, sowie den Gründen für gezielte Informationsverbreitung und Unterdrückung von Nachrichten ein besonderer Stellenwert zukommt.

Anhand von Beispielen werden in Kapitel 5 die Reaktionen der untersuchten Tageszeitungen veranschaulicht. Das Verhalten der privaten Presse wird besonders auf die Ausnutzung von möglicherweise existierenden Kritikfreiräumen auf der einen und die Unterstützung des Militärs auf der anderen Seite untersucht. Es soll geklärt werden, inwieweit die Printmedien durch ihr Verhalten zu Mittätern des Regimes oder zu Verteidigern der Menschenrechte wurden.

Ein Vergleich der beiden Immigrantenzeitungen Buenos Aires Herald und Argentinisches Tageblatt stellt in Kapitel 6 die möglichen Reaktionen fokussiert dar. Die dabei zu untersuchende These lautet:

- Fremdsprachige Tageszeitungen nahmen eine Sonderstellung gegenüber argentinischen Printerzeugnissen ein, da sie aufgrund ihres geringen Einflusses repressiven Maßnahmen nur beschränkt ausgesetzt waren, gleichzeitig aber durch ihre dem Ausland zugängliche Berichterstattung möglicherweise vom Militär als „positives Aushängeschild“ gegen Kritiker benutzt werden konnten.

Gemäß eines der Sozialforschung nach qualitativen oder qualifizierenden Ansatzes wird die Methode dem Gegenstand angepasst: Da zu dem gestellten Thema nur wenig Literatur zu finden war, basiert diese Untersuchung zum Großteil auf der Auswertung von Zeitungsartikeln und Gesprächen mit Zeitzeugen. Infolge des zeitlichen Abstandes und den persönlich eingefärbten Erzählungen der Gesprächspartner sind diese Interviews mit einer subjektiven Komponente verbunden und sollen die Thesen der Diplomarbeit nur zusätzlich stützen. Wo möglich, werden Aussagen durch Literaturangaben belegt. Hauptbestandteil der wissenschaftlichen Arbeit bildet die qualifizierende Inhaltsanalyse von Artikeln und Kommentaren aus dem Zeitraum März 1976 bis Juni 1982. Der Schwerpunkt liegt auf den größten und daher meinungsgebenden Tageszeitungen Argentiniens: Clarín, La Nación, La Opinión, La Prensa und La Razón. Zur Ergänzung fließen auch Beispiele aus anderen argentinischen Tageszeitungen mit ein. Den Fokus der Betrachtung stellt dabei immer die Bedeutung der Berichterstattung für die Menschenrechtsverletzungen während des „Schmutzigen Krieges“ dar.

Da ein Zugriff auf vollständige Originalausgaben nur beschränkt möglich war und die Zahl der Artikel auf Grund des großen Untersuchungszeitraumes eingeschränkt werden musste, wurde systematisch die Berichterstattung über folgende relevante Ereignisse analysiert: der Staatsstreich 1976, die Fußballweltmeisterschaft 1978, der Besuch einer Menschenrechtskommission 1979 und die Verleihung des Friedensnobelpreises an Adolfo Pérez Esquivel 1980. Des Weiteren wurden Artikel nach folgenden thematischen Kriterien ausgewählt: Guerilla, Terrorismus, „Subversion“, „antisubversiver Krieg“, Menschenrechte, Entführungen, Folter, Zensur.

Das dieser Arbeit zu Grunde liegende Material von insgesamt 263 Zeitungsartikeln wurde während eines Studienaufenthaltes in Buenos Aires zwischen August 2000 und Juli 2001, sowie bei einer erneuten Forschungsreise in die argentinische Hauptstadt von März bis Mai 2002 gesammelt. Die verwendeten Artikel stammen ausschließlich aus den Archiven des Argentinischen Tageblattes, des Buenos Aires Herald und des Clarín. Meist fehlte die Angabe der Seitenzahl, die aus diesem Grund nicht in den bibliographischen Angaben vermerkt werden kann. Es ist aber gewährleistet, dass das jeweils verwendete Material auffindbar ist. Die für diese Arbeit relevanten Dokumente und Zeitungsartikel sind zudem im Anhang zusammengestellt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden Zitate aus Zeitungsartikeln im Text grau unterlegt. Der Original-Wortlaut soll zu Authentizitätszwecken im fortlaufenden Text weitgehend erhalten bleiben. Spanische Texte werden in einer Anmerkung übersetzt.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 1
1. FUNKTIONEN DER MASSENMEDIEN IN POLITISCHEN SYSTEMEN 5
1.1 Funktionen der Massenmedien 5
1.2 Massenmedien in einer Demokratie 8
1.3 Massenmedien in einer Diktatur 10
1.4 Vergleich 11
2. BEDEUTUNG UND EINFLUSS DES MILITÄRS IN LATEINAMERIKA 13
2.1 Rolle des Militärs in Lateinamerika 13
2.1.1 Das Militär als Gründer der hispanoamerikanischen Nationalstaaten 13
2.1.2 Das Militär als politischer Akteur 14
2.1.3 Das Militär als „Modernisierer“ 14
2.1.4 Das Militär als „Retter vor der Subversion“ 15
2.2 Bedeutung und Einfluss des Militärs in Argentinien 1930-1976 16
2.2.1 Prägung des politischen Systems während der Staatsgründung 16
2.2.2 Die Staatsstreiche von 1930 und 1943 16
2.2.3 Militärregierung 1946-1955 unter Juan Domingo Perón 17
2.2.4 Der Staatsstreich von 1955 und Peróns Flucht ins Exil 18
2.2.5 Kurze Phase der Demokratie1958-1962 19
2.2.6 Militärregierungen unter Onganía, Levingston und Lanusse 1966-1973 19
2.2.7 Die Rückkehr Peróns 1973 20
2.3 Zusammenfassung 21
3. DER MILITÄRPUTSCH 1976 UND DER ARGENTINISCHE „PROZESS DER NATIONALEN REORGANISATION“ 22
3.1 Situation in Argentinien vor dem Staatsstreich von 1976 22
3.1.1 Terrorismus: Chaos und Gewalt 22
3.1.2 Staatsterrorismus: Repression 23
3.2 Der Staatsstreich am 24. März 1976 24
3.2.1 Der Militärputschund die Reaktion der Bevölkerung 24
3.2.2 Legitimation und Ziele der Militärjunta 25
3.3 „Guerra Sucia“ - Der „Schmutzige Krieg“ 27
3.3.1 Legitimation und Ziele des „Schmutzigen Krieges“ 27
3.3.2 Auswirkungen des „Schmutzigen Krieges“ 29
3.4 Zusammenfassung 31
4. DIE ARGENTINISCHE PRESSE UNTER DEM EINFLUSS DES MILITÄRS 32
4.1 Die Geschichte der Printmedien in Argentinien 32
4.1.1 Bedeutung der Printmedien im Immigrantenland Argentinien 32
4.1.2 Die Presse als politisches Sprachrohr der Herrschenden 33
4.1.3 Die Tradition der staatlichen Medienkontrolle unter dem Militär 34
4.2 Die private Presse und der Militärputsch vom 24. März 1976 37
4.2.1 Die Struktur der privaten Presse im Jahr 1976 37
4.2.2 Die Reaktion der privaten Presse auf den Putsch 38
4.2.3 Motive für die Reaktion der privaten Presse 40
4.3 Mechanismen der Pressezensur während der Militärdiktatur 41
4.3.1 Formelle Zensur 42
4.3.2 Materielle Zensur 47
4.3.3 Selbstzensurder Presse 50
4.4 Funktionen der privaten Presse im „Prozess“ 52
4.4.1 Propaganda für den „antisubversiven“ Krieg 53
4.4.2 Instrumentalisierung gegen die „antiargentinische Kampagne“ 55
4.4.3 Populismus und Mobilisierung 58
4.4.4 Informationsunterdrückung und manipulierende Verbreitung 59
4.4.5 Umerziehung der Bevölkerung und Schaffung eines Nationalbewusstseins 62
4.4.6 Unterhaltung 64
4.5 Zusammenfassung 65
5. DAS VERHALTEN DER PRIVATEN PRESSE WÄHREND DES „SCHMUTZIGEN KRIEGES“ 67
5.1 Reaktionen der privaten Presse auf den „Schmutzigen Krieg“ 68
5.1.1 Konformität und Kooperation 68
5.1.2 Konfrontation 73
5.1.3 Taktische Berichterstattung 78
5.2 Konsequenzen aus dem Verhalten der privaten Presse 82
5.2.1 Gleichschaltung und vorauseilender Gehorsam: innere Emigration 82
5.2.2 Kompromiss des Exils: Emigration 84
5.2.3 Auflehnung: Wegbereiter der Demokratie 85
5.3 Zusammenfassung 88
6. VERGLEICH DER BEIDEN WICHTIGSTEN FREMDSPRACHIGEN ZEITUNGEN ARGENTINIENS 89
6.1 Der Buenos Aires Herald 89
6.1.1 Geschichte der Zeitung und ihr Verhältnis zum Militär 89
6.1.2 Kritik an den Menschenrechtsverletzungen 91
6.2 Das Argentinische Tageblatt 96
6.2.1 Geschichte der Zeitung und ihr Verhältnis zum Militär 96
6.2.2 Kritiklosigkeit und Propaganda 97
6.3 Zusammenfassung 101
7. FAZIT 103
Anhang 108
1. Funktion der Massenmedien im Vergleich 109
2. Regierungen und Massenmedien in Argentinien 110
3. Chronologie der Ereignisse 1976-1983 113
4. Auszug aus geführten Interviews 114
5. Zeugenaussagen zum „Schmutzigen Krieg“ 123
6. Offener Brief des Journalisten Rodolfo Walsh an die Militärjunta 126
7. „Verschwundene“ Journalisten in Argentinien 127
8. Regierungserklärungen 130
9. Zeitungsartikel 133
10. Fotos 137
11. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 138
Literaturverzeichnis 139
Quellenverzeichnis 144

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Arbeit zitieren:
Rauer de Schapiro, Stephanie März 2003: Die argentische Presse und der Schmutzige Krieg, Hamburg: Diplomica Verlag

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