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Die argentinische Diktatur im Spiegel der ost- und westdeutschen Presse

Das Beispiel Berichterstattung über die Fußballweltmeisterschaft 1978

Die argentinische Diktatur im Spiegel der ost- und westdeutschen Presse
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Antje Krüger
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5974-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5974-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5974-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krüger, Antje August 2001: Die argentinische Diktatur im Spiegel der ost- und westdeutschen Presse, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lateinamerika, Pressevergleich, Auslandsberichterstattung

Diplomarbeit von Antje Krüger

Einleitung:

Große Ereignisse wie Katastrophen und Kriege, wichtige politische Gipfeltreffen und Konferenzen oder aber Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften ziehen immer ganze Trosse von Journalisten in Länder, die sonst eher in den Randnotizen von Funk, Fernsehen und Presse zu finden sind. In der Zeit, in der sich die Katastrophe, der Gipfel oder die Olympischen Spiele verkaufen lassen, fällt der Blick der Medien oft auch auf die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität des betroffenen Landes und wird als „Hintergrundwissen“ mit vermittelt. So auch im Sommer 1978. Seit zwei Jahren, seit 1976, herrscht in Argentinien eine der grausamsten Militärdiktaturen in Lateinamerika. Obwohl Fakten zu diesem Umstand spätestens seit Ende 1976 hinlänglich bekannt sind, brachte doch lediglich der Putsch selber Argentinien einige zentrale Schlagzeilen in der deutschen Presse in Ost und West ein. Erst im Sommer 1978 sollte Argentinien wieder verstärkte Beachtung in Medien und Öffentlichkeit zukommen. Die ganze Welt schaute auf das südamerikanische Land, als am 01.06. General Jorge Rafael Videla die X. Fußballweltmeisterschaft im River-Plate-Stadion in Buenos Aires eröffnete. Das Sportereignis katapultierte Argentinien in die besten Sendezeiten und auf die vordersten Seiten der Presse.

Spätestens seit Ende 1976 klagten in- und ausländische Menschenrechtsorganisationen die argentinische Regierung der Willkür, der Folter, des Verschwindenlassens und des Mordes an Unschuldigen an. Die WM sollte darüber hinweg täuschen. Im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit versuchten die argentinischen Machthaber, ihre Version des Putsches publik zu machen. Als „Prozess der nationalen Reorganisation“ (Proceso de Reorganización Nacional) deklariert, sollte die Diktatur nach eigenen Angaben Argentiniens „Schmutzigen Krieg“ beenden und den Frieden wiederherstellen. Alle Welt sollte erfahren, dass es gelungen war, „Subversion und Linksextremismus“ zu bannen, wofür der Zweck angeblich die Mittel heiligte.

Beide Versionen der argentinischen Wirklichkeit drangen bis ins geteilte Deutschland, das in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen soll. Doch wurden beide Versionen ganz unterschiedlich aufgenommen und widergespiegelt, woran die Medienberichterstattung maßgeblich beteiligt war. Unabhängig davon wie berichtet wurde, steht fest, dass die WM eben jenen Effekt hatte, die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit unterschiedslos in Ost und West auf sich zu ziehen. Sie rückte somit auch die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Argentinien in den Fokus der Reporter. Aus diesem Grund wurde die Fußball-WM als Analyseobjekt für die folgende Arbeit gewählt. Sie soll als herausragendes Ereignis innerhalb der argentinischen Militärdiktatur von 1976-1983 genutzt werden, um zu untersuchen, wie die deutsche Presse in Ost und West mit den politischen Gegebenheiten in Argentinien umging.

Aus beiden Teilen Deutschlands wurden jeweils zwei Tageszeitungen zur Analyse der Berichterstattung ausgewählt. Die Gesamtanalyse besteht aus drei Schritten: einer statistischen Analyse, einer kategorialen Untersuchung und einer Textauswertung einzelner Korrespondentenberichte. Die ersten beiden Schritte werden nach der Methodik der Inhaltsanalyse durchgeführt. Beim dritten Schritt wird auf Ansätze der Diskursanalyse und der semantischen Textanalyse zurückgegriffen. Hierbei wird geschaut, ob die WM’78 von den Redakteuren genutzt wurde, ein differenziertes Bild der politischen und gesellschaftlichen Situation Argentiniens zu zeichnen? Sind ost- und westdeutsche Medien dabei in gleicher Weise auf die Realität hinter den Stadionmauern eingegangen oder lassen sich eklatante Unterschiede finden? Soweit dies möglich ist, werden die Ursachen für die jeweilige Berichterstattung aufgedeckt und abschließend weitere Forschungsansätze, wie z.B. die Untersuchung der Wirkung der Berichterstattung auf den Rezipienten diskutiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
2. KURZE EINFÜHRUNG IN DEN RAHMEN DER ANALYSE 8
2.1 Die Diktatur in Argentinien 8
2.2 Die deutsch-argentinischen Beziehungen 11
2.2.1 Die Beziehungen der BRD zu Argentinien 12
2.2.2 Die Beziehungen der DDR zu Argentinien 14
3. DIE FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT 1978 IM SPIEGEL DER DEUTSCHEN PRESSE 17
3.1 Die Situation der Presse in der BRD und der DDR 17
3.1.1 Die Presse in der BRD 17
3.1.2 Die Presse in der DDR 19
3.2 Auswahl und Einordnung der Periodika 20
3.3 Die Analyse der Berichterstattung 24
Die Inhaltsanalyse 24
Die statistische Analyse 25
Die kategoriale Analyse 26
Die semantische und diskursanalytische Textauswertung 30
Diskursanalyse 31
Semantische Analyse 32
3.3.1 Die statistische Analyse der Periodika 33
3.3.2 Die kategoriale Analyse der Periodika 39
3.3.3 Die semantische und diskursanalytische Textauswertung der Periodika 48
Text: Manfred Neuber: „Argentinische Meßlatte” 49
Text: Manfred von Conta: „Spiele auf doppeltem Boden“ 52
Texte: Werner Thomas: „Um mich herum geschieht kein Blutbad“;„Die Spur vieler Verschwundener verliert sich im Nichts“; „Buenos Aires gleicht nicht einer belagerten Festung“ 58
Text: Manfred von Conta: „Flüchtlinge – eingeholt von Angst“ 64
Text: Horizont: „Argentinien '78“
4. FAZIT 73
Literaturverzeichnis 81

Automatisiert erstellter Textauszug:

Das Bild von zwei Seiten einer Medaille, das in der Doppelbödigkeit schon impliziert ist, wird hier direkt angesprochen. Das Wort „bizarr“ verdeutlicht das Seltsame, Ungreifbare und schwer Verständliche dieses WM-Geschehens, das teilweise irreal wirkt und wenig mit dem Eigentlichen, dem Fußball, zu tun hat. Die andere Seite der Medaille ist die, die gezeigt werden soll. So sollen die Medien das „Sportereignis in den hellsten Farben“ (Z.31) zeichnen und „das Bild von den Spielen“ liefern (Z.143). Von Conta verwendet hier den bestimmten Artikel „das“ statt den unbestimmten „ein“, um zu verdeutlichen, dass ein ganz bestimmtes Bild von der WM vermittelt werden soll. Diese Metaphern zur Beschreibung der WM stützen die Behauptung, Sport und Politik ließen sich in Argentinien nicht trennen. Im Text wird diese Behauptung an verschiedenen Stellen aufgenommen. Die Argumentation, die von Conta durch diesen „roten Faden“ verfolgt, wird im folgenden analysiert. • „Das Bewusstsein, dass nun dreieinhalb Wochen lang soviel geballte Aufmerksamkeit auf Argentinien gerichtet sein wird, hat die herrschende Militärjunta den Grundsatz, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, in den Wind schlagen lassen.“ (Z.6-11) Die drei grundlegenden Bestandteile dieses Satzes sind die Wörter „Bewusstsein“, „Grundsatz“ und „in den Wind schlagen lassen“. Durch die Verwendung der Verben „hat schlagen lassen“ erhält der Satz eine aktive Konnotation. Der Ausgangspunkt dieser Aktivität ist das „Bewusstsein“. Bewusstsein erlangt man erst durch einen Bewusstwerdungsprozess. Die Verwendung des Wortes „Bewusstsein“ impliziert also, dass die Junta die WM nicht von Anfang an als politisch relevantes Ereignis suchte, um sich in Szene zu setzen. Sie tat dies erst, als ihr „bewusst“ wurde, dass „dreieinhalb Wochen lang ... geballte Aufmerksamkeit auf Argentinien gerichtet sein wird“. Das Wort „Bewusstsein“ sowie die Nutzung der aktiven Verbform heben hervor, dass die Handelnden, in diesem Fall die „herrschende Militärjunta“, ihr Tun verantworten. Von Conta bezeichnet zudem die Trennung von Sport und Politik als einen „Grundsatz“, d.h. nicht als Gegebenheit per se, sondern als etwas, das nur dann Bestand hat, wenn man sich daran hält. Sowohl durch das Wort „Grundsatz“ als auch durch die Nutzung der aktiven Verbform unterstreicht der Autor also, dass in Argentinien die Trennung von Sport und Politik gezielt aufgehoben wurde. Der Autor nimmt sich aus dieser Aussage zunächst heraus. Er lässt diese Behauptung als eine Beschreibung der Handlung der Junta für sich stehen, zu der er selbst (vorerst) keine Stellung bezieht. • „Niemand käme auf den Gedanken, ein derartiges Aufgebot an Staatssicherheit zu rügen, nur fällt es dabei schwer, Fußball und Politik auseinander zu halten, wie man es eigentlich tun müsste, damit die Wünsche von Veranstaltern und Gastgebern in Erfüllung gehen.“ (Z.74-79) [...]

Manipulation der Medien ein. Seine Argumentationsführung wird in der Makrostruktur des Textes deutlich: 1. Z.1-14 Einleitung, die die Öffentlichkeitskomponente der WM und deren Bedeutung für die Junta deutlich macht erster Beweis: Werbekampagne der Firma Burson Marsteller (Z.6-14) 2. Z.14-60 2.1. Z.14-28 2.2. Z.29-37 2.3. Z.37-60 Beweisführung durch Beschreibung der Manipulation der Medien Erpressung der ausländischen Nachrichtenagenturen Befehle an einheimische Medien Beschreibung der Methoden der Manipulation: • perfektes Kommunikationssystem als „Gegenleistung“ (Z.37-41) • Fehlinformationen der Journalisten (Z.41-46) • keine Informationen „substanziellen Gehaltes“ (Z.46-60) 3. Z. 61-114 3.1. Z.61-79 3.2. Z.80-105 Beweisführung durch Darstellung der „Doppelbödigkeit“ der WM Beschreibung des Sicherheitsaufgebots Anweisungen/ Befehle über Verhalten während der WM • an Nationalmannschaft (Z.80-86) • an alle, die Kontakte zu Fremden/Besuchern der WM haben (Z.87-96) • an Autobesitzer (Z.97-105) 3.3. Z.105-114 Verheimlichendes Verhalten der deutschen Botschaft 4. Z.115-150 Probleme der Berichterstattung • keine genaue Veröffentlichung von Besucherzahlen (Z.115-125) • Probleme des „Stillens von Informationshunger“ (Z. 125-143) • Übertragungsrechte nur für argentinische Kamerateams (Z.143-150) 5. Z.151-174 6. Z.175-224 Beweisführung über Beschreibung des FIFA-Kongresses in Buenos Aires Beweisführung über Beschreibung der Bedeutung der WM für die Junta • am Beispiel des Verhältnisses zur USA (Z.175-203) • am Beispiel der Machtkämpfe in der Armee (204-224) 7. Z.225-234 Abschlussbemerkung mit Begründung der Unmöglichkeit einer Trennung von Sport und Politik Zur Beschreibung der WM nutzt von Conta Metaphern, welche die Zweischneidigkeit der Spiele offenbaren sollen. Auf die „Doppelbödigkeit“, die schon im Titel genannt wird, kommt er im Text immer wieder zurück. So schreibt er von „Weltmeisterschaftsspielen auf politisch schwierigem und keinesfalls gefahrlosem Boden“ (Z.61-63) und nennt die WM ein „bizarres, doppelbödiges Fest. Die dunkle, unsichtbare Seite der Medaille ist stets präsent“ (Z.96-98). [...]

dieser beiden Institutionen wird zudem durch die indirekte Rede deutlich („werde missbraucht“), mit der Neuber diese Aussagen zusätzlich in Zweifel zieht. • „Die Sorge von Kritikern des argentinischen Militärregimes etwa um die Beine von Berti Vogts entlarvt sich freilich als Zynismus, wenn gleichzeitig die Sicherheitsvorkehrungen als ‚Fußball hinter dem Stacheldraht und unter Maschinenpistolen’ geschmäht werden.“ (Z.31-38) Auch hier wird wieder der abfällige Ton den politischen Gegnern gegenüber deutlich: sie sorgen sich „um die Beine von Berti Vogts“. Mit dieser Aussage wird unterstellt, dass sich die Kritiker lediglich um die Prestigeobjekte Prominenter „sorgen“, nicht aber um deren Leben und das der anderen Argentinienbesucher. Die „Sorge“ wird somit als falsch beschrieben, ja sie „entlarvt“ sich nach Worten Neubers selbst „als Zynismus“. Das Argument, mit dem Neuber diesen Zynismus belegt, ist aus seinem eigentlichen Kontext herausgerissen worden. Die „Schmähung“ der WM als „Fußball hinter Stacheldraht und unter Maschinenpistolen“ wurde von Menschen- und Bürgerrechtsinitiativen nicht im Zusammenhang mit der Sicherheit der Spieler verwendet, sondern als Sinnbild für Gefangenschaft, Folter und Mord156 in Argentinien. Neuber legt also ein Argument der WM-Kritiker für seine eigene Argumentation so aus, dass die Leser falsch informiert werden. • „Vieles ist nicht zu rechtfertigen, aber eins muss in Betracht gezogen werden: In Argentinien wollen bewaffnete Terroristen den Staat zerstören; sie werden ebenso hart bekämpft. In Osteuropa fordern friedliche Bürger die Menschenrechte; sie werden deswegen brutal verfolgt.“ (Z.39-46) Hier geht Neuber einen Schritt auf die Argumentation der Kritiker zu: „Vieles ist nicht zu rechtfertigen“. Er schränkt diesen jedoch gleich wieder ein, indem er indirekt erneut Einseitigkeit vorwirft: „aber dies muss in Betracht gezogen werden“ (impliziert, dass die Kritiker etwas, „dies“, außer Acht gelassen haben). In seinem (halben) Eingeständnis an die Kritiker bleibt er jedoch in höchstem Maße ungenau. Es wird nicht geklärt, was mit „Vieles“ gemeint ist. Der Vorwurf der Einseitigkeit resultiert aus einem Vergleich mit den Verhältnissen in Osteuropa. Dies dient indirekt auch der Rechtfertigung der Methoden der argentinischen Militärs, denn die „Terroristen“ werden ebenso „hart“ bekämpft, wie sie selber vorgehen (impliziert, dass sie es nicht anders verdient haben, dem Militär keine andere Möglichkeit bleibt und diese Härte keine Unschuldigen trifft). In Osteuropa dagegen werden die gleichen Methoden gegen „friedliche Bürger“ verwendet, was dementsprechend ungerechtfertigt und schlimmer ist. Dabei fällt auf, dass Neuber hier das Präsenz verwendet [...]

Arbeit zitieren:
Krüger, Antje August 2001: Die argentinische Diktatur im Spiegel der ost- und westdeutschen Presse, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lateinamerika, Pressevergleich, Auslandsberichterstattung

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