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Wie alte Menschen auf die Entwicklung ihrer sexuellen Identität zurückblicken

Wie alte Menschen auf die Entwicklung ihrer sexuellen Identität zurückblicken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Peter Eckstein
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 166 Seiten
  • Dateigröße: 701,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7078-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7078-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7078-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eckstein, Peter Juli 2002: Wie alte Menschen auf die Entwicklung ihrer sexuellen Identität zurückblicken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Alterssexualität, Autobiographisches Gedächtnis, Sexuelle Orientierung, Qualitative Daten

Diplomarbeit von Peter Eckstein

Einleitung:

Fragt man eine Frau oder einen Mann, woher sie wissen, Mann oder Frau zu sein, löst der Fragende möglicherweise Erstaunen oder Verwunderung aus. Denn: Als Mädchen oder Junge ist der oder die Befragte zur Welt gekommen. So könnte lapidar die Antwort sein. Nach den äußeren Geschlechtsmerkmalen wird das neugeborene Wesen Mensch in weiblich oder männlich eingestuft. In sehr seltenen Fällen kommt laut Birbaumer und Schmidt (1999) das echte Zwittertum (Hermaphroditismus verus) vor, bei dem männliche und weibliche Keimdrüsen in einem Individuum vorzufinden sind.

Oder: Der Vorname wird genannt, zum Beispiel Anna, Karen oder Melanie o. a. Wenn ich so heiße, werde ich als Mädchen bzw. Frau angesehen und behandelt. Als Junge bzw. Mann sieht meine Umwelt mich, falls ich einen für dieses Geschlecht üblichen Vornamen trage. Weiter erhält man vielleicht zur Antwort, man hatte für Jungen oder Mädchen typisches Spielzeug, trug blaue oder rosa Kleidung als Säugling.

Bei Bancroft (1985) findet man zum Geschlecht acht verschiedene Ebenen, auf denen sich dieses manifestieren kann. Unterschieden wird die chromosomale Ebene, die Keimdrüsen, das Endokrinsystem, die inneren und äußeren Geschlechtsorgane, die sekundären Geschlechtsmerkmale, die geschlechtstypische Differenzierung des Gehirns und das Zuweisungsgeschlecht bei der Geburt.

Was aber bedeutet es, eine Frau zu sein oder ein Mann? Bei anfänglichen Überlegungen kommt eine befragte Person auf den Verhaltensaspekt. Frauen und Männer handeln und verhalten sich unterschiedlich. Warum? Sie wurden unterschiedlich erzogen, lautet eine mögliche Antwort. Und weil sie als Kinder Erwachsene beobachtet haben. Ihre Eltern und andere weibliche und männliche Wesen haben ihnen vorgelebt, welche Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Bandura (1976) nannte diese Art des Aneignens von Handlungs- und Verhaltensweisen Soziales Lernen.

Neben der Theorie des sozialen Lernens nach Bandura bestehen noch einige andere Ansätze, die die Entwicklung der Geschlechtsidentität erklären wollen. Unterschieden werden biologische Ansätze, die chromosomale, hormonelle und neuronale Grundlagen zur Entwicklung der Geschlechtsidentität annehmen. Hierher gehört ebenfalls die Betrachtung evolutionärer Aspekte. Weiter gibt es einen sozialisationstheoretischen Ansatz, der von der Annahme ausgeht, dass geschlechtstypische Eigenschaften erlernt werden. Dieser Ansatz untergliedert sich in die Bekräftigungs- und Imitationstheorie. Schließlich sollen die kognitiven Ansätze – und hier insbesondere die Theorie Kohlbergs – skizziert werden.

Kennzeichnend für die kognitiven Ansätze ist das Verständnis des Individuums für kognitive Konstanz und besonders für die Konstanz der Geschlechtszugehörigkeit bei sich selbst. Dabei finden Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse statt. Mit anderen Worten: Das Individuum erkennt die für das eigene Geschlecht typischen Merkmale in seiner sozialen Umwelt und übernimmt diese, bewertet diese positiv. Die eingehenden Informationen werden organisiert und dienen der Entwicklung des Individuums hinsichtlich seines geschlechtstypischen Handelns und Verhaltens. Die erwähnten Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse setzen ein bereits bestehendes Niveau der kognitiven Entwicklung voraus.

Gang der Untersuchung:

Kapitel 1 besteht aus der Einleitung, die mit den Grundbegriffen, die hier verwendet werden vertraut machen soll und zum Überblick dient.

Im Kapitel 2 wird zusammenfassend die Befundlage innerhalb der Literatur zur sexuellen Orientierung etwa der letzten zwanzig Jahre dargestellt, was notwendigerweise nach einer Definition dieses Begriffes verlangt und dort ebenfalls erfolgt.

In Kapitel 3 beginnt der methodische Teil. Dort soll begründet werden, weshalb das Leitfaden-Interview zu diesem Thema das angemessene Erhebungsverfahren ist, oder welche anderen Vorgehensweisen der Erhebung noch möglich gewesen wären. Der Erhebung und Aufbereitung der Daten folgt die Auswertung: qualitative oder quantitative Auswertung? Eine vergleichende Betrachtung.

Außerdem soll noch gezeigt werden, welche Probleme bei der Interviewmethode auftreten können und aufgetreten sind. Im Kapitel 4 schließlich kommen die Ergebnisse und deren Diskussion zur Sprache. Kapitel 5 ist der Zusammenfassung vorbehalten. Die Begriffe Probandin und Befragte werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Gliederung der Arbeit 1
1.1 Einleitung 2
1.2 Sexuelle Orientierung 5
1.2.1 Sexualität im Alter 8
1.3 Gedächtnis-Modelle 11
1.3.1 Autobiographische Erinnerung 14
2. Theoretische Basis 17
2.1 Erklärungsansätze zur sexuellen Orientierung 17
2.1.1 Psychoanalytische Perspektive 17
2.1.2 Soziale Lerntheorie zur Entwicklung der sexuellen Orientierung 21
2.1.3 Sozialpsychologischer Ansatz oder Sexualität als soziales Konstrukt 22
2.1.4 Biologischer Erklärungsansatz 25
3. Methodisches Vorgehen und Ergebnisse 30
3.1 Vorüberlegungen und Vorerfahrungen 30
3.2 Grundlagen qualitativer Verfahren 32
3.2.1 Vergleich quantitativer und qualitativer (verbaler) Daten 33
3.3 Begründung des methodischen Vorgehens 36
3.3.1 Erhebungsverfahren 37
3.3.1.1 Aufbau des verwendeten Leitfadens 38
3.4 Gesprächsverlauf und –atmosphäre 42
3.5 Untersuchungspersonen 43
3.6 Durchführung der Interviews 45
3.7 Datenaufbereitung 46
3.8 Datenauswertung 46
3.9 Zu den einzelnen Interviewpartnerinnen 50
3.9.1 Das Kategoriensystem 105
4. Diskussion 126
5. Zusammenfassung 155
6. Literaturverzeichnis 156

Automatisiert erstellter Textauszug:

kann.“ „Ich verurteile das nicht. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Aber ich, äh, habe da nix, bin das nich´, finde das nich´ so schön.“ „Es is´ mir egal, was andere machen. Ich sage ja: Jeder kann machen, was er will. Aber ich finde das nich´ normal, ne. Obgleich man es heute als normal hinstellt.“ Die Schule erteilte keinen Aufklärungsunterricht, aber die Ausbildung zur Säuglingsschwester schloß diesen mit ein. • „Ja, ich hab´s ja in Göttingen gelernt. War ja Säuglingsschwester.“ „Und da hab´ ich immer zu unserer Mutter gesagt: Du mußt die nun ´mal langsam aufklären, wenn sie heiratet.“ „Als meine Schwester heiratete, mußte ich sie aufklären. Unsere Mutter machte das nicht.“ Bei der Befragten besteht gegenwärtig das Bedürfnis nach einer Partnerschaft nicht. Die Frage dazu wird ihrerseits so beantwortet, daß angenommen werden darf, ihr verstorbener Mann steht nach wie vor im Mittelpunkt ihrer Wünsche. • „Wenn er da wäre, wär´s das Beste, ne.“ [...]

eigentlich könn´ wir doch die beiden zusammentun.“ „ ... zuerst war mir das nich´ so interessant, aber als er nach 14 Tagen bei mir anrief und Besuch machen wollte, da wurde mir die Sache brenzlig.“ „ ... er kam denn öfter nach Braunschweig.“ „Und da hab´n wir uns kennen gelernt und nach´m halben Jahr geheiratet.“ „Die ganze Ehe mit meinem Mann, die wunderbar war.“ „Ich hätte nicht gedacht, daß man, eh, wenn man so spät heiratet, noch so´ ne harmonische Ehe führen kann.“ Die Befragte schwärmte während der Schulzeit für ihre Sportlehrerin und für die Mutter einer Freundin. Ob dies zeitlich parallel geschah, wurde nicht ermittelt. • „Ja, für meine Sportlehrerin. Ach, der hab´ ich ja nach der Schule [...]

Die sechste Interviewpartnerin ist zum Zeitpunkt des Interviews 80 Jahre alt. Sie bewohnt allein ein Appartement in einem Wohnstift und führt ihren Haushalt selbständig. Nach der Mittleren Reife, die sie am Lyzeum absolvierte, erhielt sie eine Ausbildung zur Säuglingsschwester. Diesen Beruf übte sie zunächst auch aus. Später wechselte sie als Sachbearbeiterin an eine Behörde, wo sie bis zur Pensionierung arbeitete. Mit 52 Jahren heiratete sie. Ihr Mann starb 1998. (Die Kinder, die die Befragte im Interview erwähnte, sind die Kinder ihres Mannes aus dessen erster Ehe). Ihre Mutter erlebte die Befragte als verständnisvoll, den Vater als streng. Die Befragte ist die Zweite von drei Schwestern. Die ältere Schwester starb 1926 im Alter von 7 Jahren. Zuwendung und Körperkontakt bekam die Befragte als Kleinkind durch die Mutter und durch die Schwester der Mutter. Die Geschlechtsidentität wurde vor der Einschulung erworben. • „Ach, ich habe den, den Unterschied (zwischen Mädchen und Junge; Anm. d. Verf.) eigentlich, äh, damals es erste Mal erlebt, wie, äh, ein Vetter von uns aus Hannover bei uns zu Besuch war. Und wir zusammen in die Badewanne gesteckt wurden.“ „ ... war´n beide noch gar nich´ in der Schule.“ Ihren Ehemann lernt die Befragte bei Bekannten kennen, die einen Personenkreis eingeladen hatten. Später erfuhr die Befragte, daß diese die Absicht gehabt hatten, diese Partnerschaft zu initiieren. Die Ehe wird als glücklich erlebt. [...]

Arbeit zitieren:
Eckstein, Peter Juli 2002: Wie alte Menschen auf die Entwicklung ihrer sexuellen Identität zurückblicken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Alterssexualität, Autobiographisches Gedächtnis, Sexuelle Orientierung, Qualitative Daten

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