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Die aktuelle Nahrungsmittelkrise im Lichte des Ricardo-Viner-Modells

Die aktuelle Nahrungsmittelkrise im Lichte des Ricardo-Viner-Modells
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sebastian Brüntges
  • Abgabedatum: September 2008
  • Umfang: 35 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Duisburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 11
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3606-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brüntges, Sebastian September 2008: Die aktuelle Nahrungsmittelkrise im Lichte des Ricardo-Viner-Modells, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Außenwirtschaft, Mikroökonomik, Preis, Kapital, Grenzproduktivität

Bachelorarbeit von Sebastian Brüntges

Einleitung:

Zurzeit herrscht weltweit eine kontroverse Debatte über den Einsatz von Bioenergie und Biokraftstoffen im Zusammenhang mit steigenden Lebensmittelpreisen. Die Produktion von Biokraftstoffen nahm im letzten Jahrzehnt kontinuierlich zu, da man sich hierdurch eine Lösung oder zumindest eine Entschärfung von drängenden globalen Problemen versprach. Dies sind zum einen das Problem der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Energie und Öl und zum anderen das Problem des drohenden Klimawandels durch die von Menschen verursachten CO2-Emissionen. Biokraftstoffe sollten demnach als Ersatz für fossile Energieträger dienen und die Nachfrage nach diesen auffangen. Weiterhin sollten sie einen Beitrag zur Reduzierung des Ausstoßes an CO2 leisten. Die Situation, gleich zwei große Probleme unserer Zeit mit einem Mittel bekämpfen zu können, trieb die Regierungen der Welt an, den Anbau von Pflanzen zur Biokraftstoffproduktion zu fördern. Die Weltwirtschaft trieb vor allem die immer teurer werdenden fossilen Brennstoffe und der damit verbundene Kostendruck an, ebenfalls auf die neue ‘Wunderwaffe’ zu setzen. Der Ausbau der Biokraftstoffproduktion brachte aber, nach Meinung vieler, auch neue Probleme mit sich. Diese reichen von Umweltschädigungen bis zu Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und sogar zu vermehrtem CO2-Ausstoß. Im weiteren Verlauf wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise und dem Anstieg der Produktion von Biokraftstoffen besteht.

Um die Situation wissenschaftlich zu analysieren, wird sie in der Folge mit einem Standartmodell der Wirtschaftswissenschaften betrachtet. Es wird eine Darstellung der Situation mit Hilfe des Ricardo-Viner-Modells gewählt. Der Einsatz des Ricardo-Viner-Modells ist zuerst einmal deshalb günstig, da es sich um ein globales Problem handelt und die Situation eines autarken Landes faktisch dieselbe ist, wie die einer weltweiten Freihandelszone aller Länder. Die Situation lässt sich also grundsätzlich gut mit dem Modell abbilden. Zuerst wird hierzu das der Situation angepasste Ricardo-Viner-Standardmodell betrachtet und es werden die Auswirkungen von Schocks untersucht. Zur Verdeutlichung der Situation vor und nach einem Schock werden die Effekte sowohl analytisch und grafisch betrachtet und die Ergebnisse verbal erläutert. Schließlich wird ein Zahlenbeispiel konstruiert, das die Richtigkeit der vorherigen Analyse abschließend beweist. Das Standardmodell dient dazu die Realität abzubilden, wie sie vor einem Ausbau der Biokraftstoffproduktion vorzufinden ist. Im nächsten Schritt wird das Modell erweitert, so dass eine Situation entsteht, in der eine Ausweitung der Biokraftstoffproduktion möglich wird. Hiernach werden die Effekte derselben Schocks betrachtet und untersucht, wie sich der Markt entwickeln wird. Interessant wird dabei vor allem sein, ob und welche Schocks zu einer Ausweitung der Biokraftstoffproduktion auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion führen werden. Schließlich werden die Effekte im Standardmodell mit denen der Erweiterung verglichen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Die Nahrungskrise 5
3. Das Ricardo-Viner-Modell 9
3.1 Modellvorstellung 9
3.2 Effekte von Schocks 12
3.2.1 Änderung der relativen Preise 12
3.2.2 Erhöhung des Bestandes an Boden in Sektor E 15
3.2.3 Erhöhung des Bestandes an Boden in Sektor F 17
3.2.4 Erhöhung des Bestandes an Arbeit 20
3.2.5 Erhöhung des Bestandes an Kapital 21
3.3 Zahlenbeispiel 23
3.4 Würdigung der Ergebnisse 25
4. Die Modellerweiterung 27
4.1 Vorstellung der Modellerweiterung 27
4.2 Anstieg der Energiepreise 28
5. Fazit 32
Literaturverzeichnis 35

Textprobe:

Auszug aus Kapitel 2, Die Nahrungskrise:

Der Schweizer Soziologe, Politiker und Bestsellerautor Jean Ziegler bezeichnet die derzeitige Situation als Tragödie und spricht von einem ‘tägliche Massaker des Hungers’. Bereits ohne steigende Agrarpreise ist im letzten Jahr alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren verhungert und es starben hunderttausend Menschen pro Tag an Hunger oder seinen Folgen. Nach einer Weltbankstatistik leben 2,2 Milliarden Menschen unter dem Existenzminimum und durch die explodierenden Agrarpreise wird sich die Situation noch einmal verschlimmern. Während eine Tonne Reis im Juni 2007 noch 480 Dollar kostete, steht ihr Preis jetzt bei über tausend Dollar. Mittlerweile werden neue urbane Schichten, die bislang ganz knapp durchgekommen sind, von der Krise erfasst. Ziegler sieht darin ein systembedingtes Problem. Westliche Länder schotten ihre Märkte durch hohe Zölle und ebenso hohe Subventionszahlungen an die heimischen Bauern ab. Arme Länder können so keine Nahrung in diese Länder exportieren. Da die armen Länder aber dringend Devisen benötigen, um bspw. Schulden abzubezahlen, setzen diese auf Güter, die exportierbar sind. Hierbei gibt Ziegler vor allem der Weltbank eine erhebliche Mitschuld. So hat Mali, ein altes Agrarland, im letztes Jahr 380.000 Tonnen Baumwolle exportiert und gleichzeitig einen Großteil seiner Nahrung, vor allem Reis, importiert, vorwiegend aus Vietnam und Thailand. Das Beispiel zeigt, dass Boden vorhanden ist auf dem auch Nahrung angebaut werden könnte, zu Preisen, die auf dem Weltmarkt mit Sicherheit absolut wettbewerbsfähig wären. Die Handelspolitik der westlichen Länder verhindert dies. Der von Ziegler ‘beschuldigte’ Robert Zoellick, Präsident der Weltbank glaubt, die weltweite Nahrungskrise erhöhe so den Druck die Liberalisierung der Agrarmärkte weiter voran zu bringen. Er sieht die Zeit gekommen die wettbewerbsverzerrenden Subventionen abzuschaffen und die Märkte zu öffnen. Allerdings gehen Staaten, die besonders betroffen sind genau in die andere Richtung. Länder wie Ägypten und Indien stoppen den Export landwirtschaftlicher Produkte, andere wie Russland erhöhen ihre Ausfuhrzölle. Das soll die Preisspirale zu Hause stoppen, beschleunigt sie aber auf dem Weltmarkt.

Weitere Stimmen werden laut, die die Ursachen für die Nahrungsmittelkrise an anderer Stelle sehen. Der Trend zu Biotreibstoffen ist demnach eine langfristige Entwicklung, die nicht erklärt, weshalb die Preise in kurzer Zeit regelrecht explodiert sind. Hauptursache seien vielmehr Hedge Funds, Anlagefonds, Banken sowie Privatanleger, die Agrarrohstoffe als Anlageobjekt entdeckt haben. Es wird geschätzt, dass in den letzten Jahren 200 Milliarden Dollar in Zertifikate, Optionen und andere Finanzprodukte investiert wurden. Die US-Aufsichtsbehörde für den Terminhandel hält dagegen und kommt ihrerseits zu dem Schluss, dass nichts darauf hindeute, dass eine übermäßige Spekulation vorliegt, die die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treibt. Konkrete Daten oder Studien, die dies belegen würden, wurden allerdings nicht vorgelegt.

Auch unter Wirtschaftswissenschaftlern ist das Thema umstritten. Der ‘Starökonom’ und Kolumnist der New York Times Paul Krugman sieht die Nutzung von Ackerland, das bisher zur Nahrungsmittelproduktion diente, zu Gunsten des Anbaus von Biokraftstoffpflanzen als einen der Hauptgründe für die weltweite Nahrungsmittelknappheit. Der Finanzberater Kel Kelly, der sich auf Globalisierungsforschung und -analyse spezialisiert hat, ist anderer Meinung. Kelly argumentiert, dass sich der Anbau von Nahrung bei steigenden Preisen für die Bauern wieder lohnen und so der freie Markt das Problem lösen wird. Aber auch Kelly sieht Gefahren, falls eine natürliche Regulierung des Marktes aufgrund von staatlichen Eingriffen ausbleiben würde.

Arbeit zitieren:
Brüntges, Sebastian September 2008: Die aktuelle Nahrungsmittelkrise im Lichte des Ricardo-Viner-Modells, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Außenwirtschaft, Mikroökonomik, Preis, Kapital, Grenzproduktivität

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