Die ägyptische Frau in den Werken von TAhA Husayn und IHsAn cAbd al-QuddUs
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Usama Maher
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 205 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2753-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2753-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2753-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Maher, Usama November 2004: Die ägyptische Frau in den Werken von TAhA Husayn und IHsAn cAbd al-QuddUs, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arabisch, Literatur, Kino, Dichtung, Rolle
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Diplomarbeit von Usama Maher
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei bedeutenden ägyptischen Schriftstellern, die vom Anfang bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts auf die arabische und speziell ägyptische Literatur einen großen Einfluss ausgeübt haben. Als ich entdeckte, dass bisher kein Araber eine Diplomarbeit, Dissertation oder Habilitation im deutschsprachigen Raum über sie geschrieben hat, beschloss ich als geborener Ägypter mehr Licht auf das Werk der beiden Schriftsteller zu werfen. In meiner Studienzeit an der Universität Kairo, Fakultät für Literaturwissenschaften, Fachrichtung Orientalische Sprachen, Islamische Abteilung (1975 – 1979) habe ich viel über sie gelesen und gehört, und musste feststellen, dass sie hier in Österreich zu wenig Beachtung erfahren. Die Sprache, die Wörter haben für mich als Araber einen anderen Sinn als für einen Deutschen oder den Sprecher einer anderen Muttersprache. Im Laufe der Diplomarbeit werden sich der Leser und die Leserin über meine Erklärungen wundern, weil die Wörter vielleicht etwas anderes bedeuten als für einen Menschen, dessen Muttersprache nicht Arabisch ist.
Der erste Schriftsteller, über den ich schreiben will, ist der Doyen der gesamten modernen arabischen Literatur TAhA Husayn (1889 – 1973). Er ist auch der ältere der beiden hier behandelten Autoren. Er war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Gelehrter, Künstler und Kritiker in der Zeit, in der Ägypten unter dem britischen Kolonialismus litt. Obwohl er von seiner Kindheit an blind war, war er der erste Ägypter, der den Doktortitel von der Nationalen Universität am 15. Mai 1914 erhalten hat. An der berühmten französischen Universität Sorbonne hat er 1918 sein zweites Doktorat erworben.
Der zweite Schriftsteller, IHsAn cAbd alQuddUs (1919 – 1990), ist im deutschsprachigen Raum noch weniger bekannt als TAhA Husayn. IHsAn cAbd alQuddUs war zu seiner Zeit eine „Fackel“ des Journalismus und ein politischer Kritiker, der gleichermaßen berühmt war und angefeindet wurde. Im Laufe seiner Arbeit schrieb er mehr als 60 Romane und Erzählungen.
Da die Frauen in den Werken sowohl von IHsAn cAbd alQuddUs als auch in denen von TAhA Husayn große Bedeutung haben, befasst sich diese Diplomarbeit mit der Frage, wie die ägyptische Frau in den Werken von TAhA Husayn und IHsAn cAbd alQuddUs dargestellt wird und wie die beiden zu diesem Thema in ihren Werken gestanden sind.
Zu diesem Zweck und um einen besseren Einblick in die Thematik zu gewinnen, wird zuerst der Lebenslauf der beiden Schriftsteller kurz dargestellt und anschließend ein Überblick über ihre Werke gegeben. Bei TAhA Husayn wird auf sechs von seinen sieben Romanen besonders eingegangen, weil in ihnen die Frauen, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern und die ägyptische Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Die meisten Werke IHsAn cAbd alQuddUs beschäftigen sich mit Frauen, sein Schwerpunkt liegt auf Liebesromanen, von denen die meisten auch verfilmt wurden.
Am Beispiel von TAhA Husayns Roman DucA’ alKarawAn „Der Ruf des Triels“ wird die Stellung der ägyptischen Frau am Land im Zusammenhang mit den vorherrschenden Traditionen (Blutrache) herausgearbeitet. Bei IHsAn cAbd alQuddUs wird die Problematik der in der Stadt aufgewachsenen Frau am Beispiel der Romane LA ’anAm „Ich schlafe nicht!“ und ATTarIQ alMasdUd „Der versperrte Weg“ im Zusammenhang mit der Gesellschaft, ihren Schichten und Problemen (insbesondere der Ehescheidung) näher beleuchtet. Es soll ein umfassendes Bild der ägyptischen Frau im Zusammenleben mit der Gesellschaft, ihrer Beziehung zu Männern und Frauen sowohl der eigenen als auch der älteren Generation und im Zusammenhang mit Tradition, Recht und Sitten sowie Bildung und Arbeit entstehen.
In der Interpretation der dargestellten Werke soll die Rolle der Frau im Sinnzusammenhang des Romans offensichtlich werden. Dazu erscheint es notwendig, Aussagen von Autoren der Sekundärliteratur und von Kritikern einander gegenüberzustellen, zu vergleichen und kritisch zusammenzufassen. Bei der Darstellung und Interpretation der Werke geht es aber auch um das Verständnis der Feinheiten der arabischen Sprache.
Im nächsten Kapitel werden die unterschiedlichen Perspektiven der beiden Schriftsteller, deren Entwicklung zum Großteil aus ihrer Lebensgeschichte verständlich wird, in Bezug auf die Frau beleuchtet und analysiert.
Eine der Schwierigkeiten meiner Arbeit besteht darin, dass über dieses Thema (Die ägyptische Frau in den Werken von TAhA Husayn und IHsAn cAbd alQuddUs) noch nicht wissenschaftlich gearbeitet wurde. Bei der Literaturrecherche konnte ich kaum Werke der beiden Schriftsteller, die das Thema „Frauen“ behandeln, im deutschsprachigen Raum finden. So sind z.B. von IHsAn cAbd alQuddUs lediglich zwei Werke ins Deutsche übersetzt worden, aä-ÄA’ir „Der Revolutionär“ und IDrAb aj-JaHHatIn „Streik der Bettler“, von TAhA Husayn nur ein einziges, nämlich alAyyAm „Die Tage“. Da IHsAn cAbd alQuddUs in seinen Werken häufig den Kairiner Dialekt statt der Hochsprache verwendet, ist das auch nicht besonders verwunderlich.
Über die beiden hier behandelten Schriftsteller findet sich im deutschen Sprachraum kein wesentliches Werk. Die Heranziehung englischer und französischer Sekundärliteratur ist daher unabdingbar.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung in deutscher und in arabischer Sprache | 3 |
| 2. | TAhA Husayn, der Doyen der modernen arabischen Literatur | 9 |
| 2.1 | Lebenslauf (1889-1973) | 9 |
| 2.2 | Überblick über seine Werke | 13 |
| 2.2.1 | Drei besonders bedeutsame Werke | 18 |
| 2.2.2 | TAhA Husayns Romane und ihre Bedeutung für die arabische Literatur | 30 |
| 2.3 | Zusammenfassung | 56 |
| 3. | IHsAn cAbd al-QuddUs, der Schriftsteller und Journalist | 59 |
| 3.1 | Lebenslauf (1919-1990) | 59 |
| 3.2 | Überblick über seine Werke | 62 |
| 3.2.1 | IHsAn cAbd al-QuddUs Liebesromane und ihre Adaptierung durch den Film | 96 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 111 |
| 4. | Der Roman DucA’ alKarawAn „Der Ruf des Triels“ von TAhA Husayn | 113 |
| 4.1 | Darstellung des Inhalts | 113 |
| 4.2 | Interpretation | 118 |
| 5. | Die Romane LA ’anAm „Ich kann nicht schlafen“ undaTTarIq alMasdUd „Der versperrte Weg“ von IHsAn cAbd al-QuddUs | 124 |
| 5.1 | Darstellung des Inhalts | 124 |
| 5.1.1 | Inhalt von LA ’anAm „Ich kann nicht schlafen“ (1956) | 124 |
| 5.1.2 | Inhalt von aTTarIQ alMasdUd „Der versperrte Weg“ (1955) | 134 |
| 5.2 | Interpretation von LA ’anAm und aTTarIq alMasdUd | 142 |
| 5.2.1 | LA ’anAm „Ich kann nicht schlafen“ | 143 |
| 5.2.2 | aTTarIQ alMasdUd „Der versperrte Weg“ | 151 |
| 6. | Die ägyptische Frau als verbindendes Thema für TAhA Husayn und IHsAn cAbd al-QuddUs | 155 |
| 6.1 | Zur Situation der ägyptischen Frau seit dem Ende des 19. Jahrhunderts | 155 |
| 6.2 | Das Bild der Frau bei TAhA Husayn | 157 |
| 6.3 | Das Bild der ägyptischen sowie der westlichen Fraubei IHsAn cAbd al-QuddUs | 162 |
| 7 | Zusammenfassung in deutscher und arabischer Sprache | 172 |
| 8 | Literaturverzeichnis | 180 |
| 8.1 | Verwendete Werke von TAhA Husayn | 180 |
| 8.2 | Verwendete Werke von IHsAn cAbd alQuddUs | 181 |
| 8.3 | Verwendete arabische Literatur | 182 |
| 8.4 | Verwendete deutsche, englische und französische Literatur | 187 |
| Lebenslauf |
auf ihren betrügerischen Mann und ihre Freundin. Sie verteidigt nicht ihre Liebe, sondern versucht sich umzubringen, nachdem es ihr misslungen war, ihren Mann zur Vernunft zu bringen. Sie liebt ihn, aber seine Taten kann sie nicht mehr ertragen. Hier gibt es nur wenige Hauptfiguren; die anderen Personen spielen keine große Rolle wie z.B. Madeleines Familie, Maxim, Laurence, Pierre und Philippe. Von der Festigkeit der Liebe zwischen Madeleine und Maxim kann sich der Leser kaum überzeugen, da über sie nur wenige Zeilen zu finden sind. Die Rolle der Figuren ist blass in dieser Erzählung. Was den Stil betrifft, kann man eine Wiederholung der Fragesätze feststellen, die TAhA Husayn in den meisten seiner Werke verwendet. Es gelingt dem Schriftsteller, die Wiederholung des Satzes „Du, mein liebes Heft” treffend einzusetzen. – In diesem Roman zeigt sich auch, welche Vorstellungen TAhA Husayn mit den Franzosen verknüpft. Die Franzosen waren nicht nur für TAhA Husayn, sondern auch für andere Verfasser arabischer Schriften die Europäer und die führende Kulturnation schlechthin. In ihrem Charakterbild dominieren die Züge der aufgeklärten Wissenschaftlichkeit und der Vergnügungssucht. Erweitert wurde diese Vorstellung dahingehend, dass die Franzosen auch in den schönen Künsten (Musik, Theater, bildende Kunst) Hervorragendes leisten.111 Dieses Charakterbild [...]
Zufälligerweise hat das Kind die Beziehung seines Vaters zu Laurence entdeckt. Am Anfang ist Madeleine mit der Liebe und Freundschaft Laurences zu ihrem Mann zufrieden. Aber Laurence kann das nicht ertragen, deshalb verreist und flüchtet sie. Kurz nachdem sie ihr glückliches Leben mit ihrem entfremdeten Ehemann wieder aufgenommen hat, erfährt Madeleine von einem Freund Maxims, der heimlich in sie verliebt ist, dass Laurence von ihrer Reise in den Orient nach Frankreich zurückgekehrt ist, weil sie ihre starken Gefühle für Maxim nicht länger unterdrücken kann. Der Freund erzählt ihr außerdem, dass Laurence nun in einer nicht weit entfernten Stadt lebt und regelmäßig von Maxim besucht wird. Madeleine schreibt Laurence einen Brief, dass sie alles über ihre Beziehung zu Maxim weiß und appelliert an ihre Freundschaft. In das Tagebuch schreibt Madeleine: „Du, mein liebes Heft, ich war nicht ehrlich, als ich behauptet habe, dass ich mich nicht über Laurence empört habe. Warum habe ich denn diesen Brief an sie geschrieben und warum habe ich ihn ihr überhaupt ohne Zögern geschickt?“107 Auf der gleichen Seite [...]
Kann meiner Meinung nach als Kernstück des Romans angesehen werden TAhA Husayn zeigt uns, wie Armut, Elend und Qual der Menschen durch vorbildliche Herrscher bekämpft, besiegt und beendet werden. Die Handlung spielt im Jahr 18 nach der Hiöra (bekannt unter cAm ar-RamAda), als der Regen auf der Arabischen Halbinsel ausblieb und die Muslimen in der Folge nicht genug Getreide und Nahrung fanden. Der Verfasser erzählt vom Kalifen cUmar b· XattAb und den Maßnahmen, die er gegen diese Katastrophe unternommen hat. TAhA Husayn schreibt, dass Kalifen cUmar b· XattAb weder Mehl noch Öl noch Brot aß, weil auch die Muslime kein Mehl und kein Öl mehr hatten. Kalifen cUmar b· XattAb bat alle seine Untertanen in verschiedenen Ländern und Hauptstädten, dass sie das gesamte verfügbare Geld an das Not leidende Volk austeilen mögen. Er schrieb auch einen Brief an cAmr b· al-cASS (Gouverneur von Ägypten) und bat ihn um Hilfe. cAmr b· al−cASS sandte Kalifen cUmar b· XattAb das gesamte Geld, das sich in den ägyptischen Tresoren befand. Auch in den anderen Kapiteln des Romans kämpft TAhA Husayn gegen die drückende Armut, die die Menschen zum Untergang verurteilt, gegen den Hochmut und die Habgier der Reichen.98 [...]
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