Der Zusammenhang zwischen den Kulturunterschieden der Partner und der Verteilung von Erfolg in grenzüberschreitenden Kooperationen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Rosemarie Huber
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 201 Seiten
- Dateigröße: 843,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: MCI - Management Center Innsbruck GmbH Österreich
- Bibliografie: ca. 130
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2221-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Huber, Rosemarie Juli 2008: Der Zusammenhang zwischen den Kulturunterschieden der Partner und der Verteilung von Erfolg in grenzüberschreitenden Kooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kultur, Grenze, Kooperation, Interkulturelle Kompetenz, Erfolg
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Magisterarbeit von Rosemarie Huber
Einleitung:
Zahlreiche Wirtschaftsbereiche werden von Globalisierung und Internationalisierung nachhaltig geprägt. Im Zuge der Globalisierung stehen Unternehmen vielen entscheidenden Veränderungen gegenüber. Während die Liberalisierung des Welthandels und schnellere, sowie immer billiger werdende Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten die Wirtschaft ankurbeln, wird gleichzeitig auch der Wettbewerbsdruck zwischen in Konkurrenz stehenden Unternehmen vorangetrieben. Um weiterhin am Markt bestehen zu können, verlangt der verstärkte Verdrängungswettbewerb nach besonderen Alleinstellungsmerkmalen bzw. innovativen unternehmerischen Handlungsalternativen.
Vor diesem Hintergrund nimmt bereits seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Bedeutung von zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit drastisch zu. Kooperationen werden als Option zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und somit als aussichtsreiche Alternative zum Alleingang am Markt betrachtet. Einerseits kann die verstärkte Bedeutung kooperativer Arrangements auf den reduzierten Wettbewerb zwischen den beteiligten Partnern zurückgeführt werden. Andererseits eröffnet sich für Unternehmen die Möglichkeit, Zeit- und Kostenvorteile auszuschöpfen, sowie durch Ressourcenteilung und die Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern realisieren zu können, womit der drohenden Austauschbarkeit effektiv entgegnet werden kann.
Kooperative Zusammenarbeit spielt nicht mehr ausschließlich auf nationaler Ebene eine zentrale Rolle, sondern gewinnt seit Jahren auch über Landesgrenzen hinweg entscheidend an Bedeutung. Als aktive Einflussnahme auf den voranschreitenden Globalisierungsprozess streben Unternehmen zunehmend nach einer internationalen Ausdehnung ihrer Geschäftsaktivitäten. Mit Hilfe von multilateralen Partnerschaften bzw. grenzüberschreitenden Kooperationen gelingt es ihnen, einfacher in neue Märkte vorzudringen und dort eine bessere Ausgangsposition zur Marktbearbeitung einzunehmen.
Mit der grenzüberschreitenden Erweiterung der Unternehmenstätigkeit und dem Vordringen auf bislang unbekanntes Terrain entstehen für die Kooperationspartner jedoch auch zahlreiche Zusatzherausforderungen. Mit der geografischen Distanz der Partner gewinnen zum einen neue rechtliche und wirtschaftliche Parameter an Bedeutung, welche für erfolgreiche Zusammenarbeit bedacht werden müssen. Zum anderen tritt gleichzeitig der Faktor Kultur in den Vordergrund. In Zusammenhang mit den neu entstehenden Einflüssen verweisen zahlreiche Statistiken auf hohe Misserfolgsraten. Neben einer bescheidenen Anzahl erfolgreicher grenzüberschreitender Partnerschaften, sind viele internationale Kooperationen von schwerwiegenden Problemen gezeichnet, welche das Arbeitsumfeld, sowie den Erfolg der Zusammenarbeit nachhaltig beeinflussen.
Grenzüberschreitende Kooperationen sind gegenwärtig auch in der Tourismusindustrie präsent. ‘As the tourism industry becomes increasingly global, it has become necessary for individual firms, as well as destinations, to establish strategic alliances.’. Diesem Muster folgen beispielsweise die Tourismusorganisationen von Hong Kong, Macao und der südchinesischen Provinz Guangdong, welche seit beinahe 15 Jahren versuchen, mittels kooperativer Marketingaktivitäten mehr Touristen in die Region zu locken. Dennoch hat sich über die Jahre abgezeichnet, dass sich der Erfolg dieser interkulturellen Kooperation recht ungleichmäßig – vor allem zu Gunsten von Hong Kong – eingestellt hat.
Vor dem Hintergrund hoher Misserfolgsraten von grenzüberschreitenden Kooperationen und den als Beispiel angeführten Entwicklungen aus dem südasiatischen Raum, stellt sich nun die Frage, inwiefern der Aspekt Kultur die Zusammenarbeit in grenzüberschreitenden Kooperationen im Allgemeinen und die Verteilung des Kooperationserfolgs im Besonderen beeinflusst.
Durch das Beispiel wurde der Autor inspiriert, die Thematik im Rahmen der vorliegenden Arbeit aus branchenneutraler Sicht wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Vor diesem Hintergrund ist es Ziel dieser Diplomarbeit, den Zusammenhang zwischen Kulturunterschieden von Kooperationspartnern und der Verteilung des Erfolgs in grenzüberschreitenden Partnerschaften zu beschreiben. Um diese Zielsetzung zu erreichen, gilt es anhand von Theorie und Empirie aus branchenneutraler Sicht auf das Phänomen Kooperation näher einzugehen und kulturelle Aspekte im Zusammenspiel mit Kooperationen auf internationalem Niveau zu beleuchten.
Eingangs soll untersucht werden, welche grundsätzliche Rolle Kulturunterschiede in grenzüberschreitenden Kooperationen einnehmen (Hypothese 1). Ein weiteres Augenmerk soll auf den Einfluss von Kultur auf das Arbeitsumfeld in kooperativen Verbindungen gelegt werden. In diesem Zusammenhang wird der Frage auf den Grund gegangen, inwiefern das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Kulturen im Rahmen kooperativer Tätigkeiten zu Problemfeldern führen kann (Hypothese 2).
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen gilt es im nächsten Schritt zu untersuchen, wie das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen den jeweiligen Erfolg der Partner beeinflussen kann. Damit verbunden gilt es genauer zu erkunden, inwiefern Kulturunterschiede ein Machtungleichgewicht in grenzüberschreitenden Kooperationen begründen (Hypothese 3).
Abschließend wird nach Qualifikationen gesucht, mit Hilfe welcher die Beteiligten die in grenzüberschreitenden Kooperationen entstehenden kulturellen Überschneidungssituationen besser bewältigen können und gleichzeitig analysiert, ob Interkulturelle Kompetenz der ‘Schlüssel zum Erfolg’ sein kann (Hypothese 4).
Durch die kritische Reflexion der Materie sollen abschließend Handlungsempfehlungen ausgearbeitet werden, mit Hilfe welcher ein konstruktives Arbeitsumfeld in grenzüberschreitenden Kooperationen begünstigt werden kann.
Gang der Untersuchung:
Um die gesetzten Ziele der Arbeit zu erreichen, wird der Weg zur Problemlösung in einzelne Kapitel trichterförmig heruntergebrochen (vgl. Abbildung 1). Theoretische Grundlagen werden in vier Kapiteln diskutiert und abschließend um die Expertise von Wissenschaftlern und Praktikern ergänzt.
Der vorliegende Teil der Arbeit gibt einen einleitenden Überblick über die Ausgangslage und erklärt den Aufbau der Arbeit. Der darauf folgende Teil führt den Leser in die theoretischen Grundlagen des Themas ein.
Das Kapitel ‘Unternehmenskooperationen’ klärt grundsätzliche Fragen hinsichtlich des Kooperationskonstrukts. Neben Gründen, Motiven und Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss werden Möglichkeiten und Risiken diskutiert, welche im Rahmen kooperativer Verbindungen entstehen können. Als schlüssige Überleitung zum Folgekapitel wird schließlich auf wichtige Aspekte der Kooperationspartnerwahl eingegangen.
Das Kapitel ‘Kultur’ setzt sich eingangs mit den Merkmalen der Kultur auseinander und stellt eine Verbindung zur Bedeutung für Unternehmen her. Anhand von drei kulturvergleichenden Modellen werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Kulturen voneinander abgegrenzt werden können.
Im darauf folgenden Kapitel wird die Kooperationsdiskussion um eine internationale Ebene erweitert. In einer detaillierten Betrachtung wird auf Chancen sowie potentielle Konfliktfelder des Zusammenspiels von Interkulturalität und grenzüberschreitenden Kooperationen hingewiesen.
Den Abschluss der theoretischen Aufarbeitung bildet eine Diskussion Interkultureller Kompetenz.
Im dritten Teil der Arbeit wird die Thematik mittels Primärforschung empirisch aufgearbeitet. Die aus der Theorie gewonnen Erkenntnisse werden um Expertenfachwissen erweitert und anschließend zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen herangezogen.
Im vierten und abschließenden Teil der Arbeit werden auf Basis der wichtigsten Erkenntnisse Handlungsempfehlungen abgeleitet und die zentralen Schlüsselergebnisse zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | Ausgangslage und Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung | 3 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | UNTERNEHMENSKOOPERATIONEN | 6 |
| 2.1 | Grundlagen zwischenbetrieblicher Kooperationen | 6 |
| 2.2 | Begriffsabgrenzung Kooperation | 7 |
| 2.3 | Determinanten kooperativer Zusammenarbeit | 9 |
| 2.3.1 | Exogene Einflussfaktoren | 10 |
| 2.3.1.1 | Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen | 11 |
| 2.3.1.2 | Ökonomische Rahmenbedingungen | 11 |
| 2.3.1.3 | Technologische Rahmenbedingungen | 12 |
| 2.3.1.4 | Branchenspezifische Umfelddeterminanten | 13 |
| 2.3.2 | Theorieansätze | 14 |
| 2.3.2.1 | Die Transaktionskostentheorie | 15 |
| 2.3.2.2 | Der Ressourcen-Ansatz | 16 |
| 2.3.2.3 | Die Wertkette nach Porter | 16 |
| 2.4 | Faktoren des Kooperationserfolgs | 18 |
| 2.4.1 | Begriffsabgrenzung Kooperationserfolg | 18 |
| 2.4.2 | Voraussetzungen für Kooperationserfolg | 19 |
| 2.4.2.1 | Vertrauen | 19 |
| 2.4.2.2 | Ziele | 20 |
| 2.4.2.3 | Motive | 21 |
| 2.5 | Vor- und Nachteile zwischenbetrieblicher Kooperationen | 23 |
| 2.5.1 | Vorteile und Chancen | 23 |
| 2.5.2 | Nachteile und Risiken | 24 |
| 2.5.2.1 | Gegenüberstellung potentieller Nachteile und Risiken | 25 |
| 2.5.2.2 | Konflikte | 25 |
| 2.6 | Klassifizierung von Kooperationen | 27 |
| 2.6.1 | Kooperationsformen | 27 |
| 2.6.2 | Kooperationsbereiche | 28 |
| 2.6.3 | Kooperationstypen | 29 |
| 2.7 | Kooperationspartnerwahl | 30 |
| 2.7.1 | Strategischer Fit | 32 |
| 2.7.2 | Fundamentaler Fit | 32 |
| 2.7.3 | Kultureller Fit | 33 |
| 3. | KULTUR | 35 |
| 3.1 | Begriffsabgrenzung und Merkmale von Kultur | 35 |
| 3.2 | Bedeutung von Kultur für die Unternehmung | 40 |
| 3.2.1 | Kultureller Einfluss auf die Organisation | 40 |
| 3.2.2 | Kultureller Einfluss auf das Führungsverhalten | 41 |
| 3.3 | Kulturunterschiede | 42 |
| 3.4 | Kulturmodelle im Vergleich | 44 |
| 3.4.1 | Das 5 Dimensionen Modell nach HOFSTEDE | 45 |
| 3.4.2 | Das 7 Dimensionen Modell nach TROMPENAARS | 48 |
| 3.4.3 | Das Kulturmodell nach BENNETT | 50 |
| 3.4.4 | Kritische Würdigung | 52 |
| 4. | INTERKULTURALITÄT UND GRENZÜBERSCHREITENDE KOOPERATIONEN | 54 |
| 4.1 | Begriffsabgrenzung grenzüberschreitende Kooperation | 54 |
| 4.2 | Besonderheiten grenzüberschreitender Kooperationen | 55 |
| 4.2.1 | Internationalisierung der Unternehmenstätigkeiten | 55 |
| 4.2.2 | Interkulturelle Kontaktpunkte | 56 |
| 4.3 | Interkulturalität und kulturelle Überschneidungssituationen | 57 |
| 4.3.1 | Interkulturalität | 57 |
| 4.3.2 | Kulturelle Überschneidungssituationen | 57 |
| 4.4 | Interkulturalität und ihre Implikationen für grenzüberschreitende Kooperationen | 59 |
| 4.4.1 | Interkulturalität als Quelle für Wettbewerbsvorteile | 60 |
| 4.4.2 | Interkulturalität als Auslöser von Konflikten | 61 |
| 4.4.2.1 | Missverständnisse | 62 |
| 4.4.2.2 | Kulturbedingte Quellen für Ineffizienz | 63 |
| 4.4.2.3 | Der Faktor Macht | 65 |
| 4.4.3 | Alternativen der Handhabung von Interkulturalität | 67 |
| 4.5 | Zwischenfazit | 69 |
| 5. | INTERKULTURELLE KOMPETENZ | 70 |
| 5.1 | Begriffsabgrenzung Interkulturelle Kompetenz | 70 |
| 5.2 | Perspektiven der Interkulturellen Kompetenz | 71 |
| 5.2.1 | Wirtschaftswissenschaftliche Perspektive | 71 |
| 5.2.2 | Pädagogische und Psychologische Perspektive | 73 |
| 5.2.3 | Zusammenfassende Gegenüberstellung der Perspektiven | 74 |
| 5.3 | Grundlagen der Interkulturellen Kompetenz | 74 |
| 5.3.1 | Interkulturelles Wissen | 76 |
| 5.3.2 | Interkulturelle Sensibilität | 77 |
| 5.3.3 | Interkulturelle Handlungskompetenz | 77 |
| 5.4 | Entwicklung Interkultureller Kompetenz | 78 |
| 5.5 | Zwischenfazit | 80 |
| 6. | EMPIRISCHE BETRACHTUNG | 81 |
| 6.1 | Methodik | 81 |
| 6.1.1 | Leitende Forschungsfrage und Hypothesen | 81 |
| 6.1.2 | Forschungsdesign | 82 |
| 6.1.2.1 | Erhebungsform | 82 |
| 6.1.2.2 | Interviewleitfaden | 83 |
| 6.1.2.3 | Auswahl der Stichprobe | 84 |
| 6.1.2.4 | Interviewsituation | 85 |
| 6.2 | Auswertung der Daten | 85 |
| 6.2.1 | Methode | 85 |
| 6.2.2 | Untersuchungsergebnisse | 86 |
| 6.3 | Überprüfung der Hypothesen | 92 |
| 7. | HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN | 95 |
| 8. | FAZIT | 99 |
| 9. | LITERATURVERZEICHNIS | 104 |
| 10. | ANHANG | 120 |
Textprobe:
Kapitel 5., Interkulturelle Kompetenz:
Nachdem nun die Problematik von aufeinandertreffenden Kulturen bei internationaler Zusammenarbeit ausführlich dargestellt worden ist, soll in diesem Kapitel mit Interkultureller Kompetenz eine Qualifikation vorgestellt werden, welche sich zur Vorbeugung von Missverständnissen und aufkeimenden Konfliktfeldern in grenzüberschreitenden Kooperationen besonders eignen kann.
Um den veränderten Rahmenbedingungen der globalen Gesellschaft gerecht werden zu können, werden von Führungskräften sowie Mitarbeitern neben fachlicher, Methoden- und sozialer Kompetenz eine Reihe von überfachlichen Fähigkeiten verlangt. Derartige Zusatzqualifikationen werden selten in Schule oder Beruf gelehrt. Sie bedingen vielmehr eine intensive Auseinandersetzung mit Kultur. Im Rahmen dieser Erkenntnisse rückt die Wichtigkeit von Interkultureller Kompetenz und das Erlernen dieser Schlüsselqualifikation immer mehr in den Vordergrund. Herbrand sowie auch Thomas argumentieren, dass mit Hilfe des ‘weichen Faktors’ Interkulturelle Kompetenz mögliche Missverständnisse reduziert und die Erfolgsaussichten zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit auf internationalem Niveau verbessert werden können.
Auf den folgenden Seiten gilt es nun, diesen weichen Faktor näher zu beschreiben. Ferner wird der Frage auf den Grund gegangen, welches Potential sich mit dieser Fähigkeit für internationale Geschäftstätigkeit in Verbindung bringen lässt. Doch zunächst soll auch diese Abhandlung mit der Abgrenzung eines vielfach zitierten Begriffes beginnen.
Begriffsabgrenzung Interkulturelle Kompetenz:
Obwohl sich die Wissenschaft seit längerem ausgiebig mit dem Thema der Interkulturellen Kompetenz befasst, ist dennoch festzustellen, dass relativ wenig Einigkeit über den genauen Inhalt dieser immer wichtiger werdenden Qualifikation herrscht. Bevor unterschiedliche Perspektiven der Interkulturellen Kompetenz gegenübergestellt werden, sollen einleitend wesentliche Begriffe abgegrenzt werden.
Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildet das Konstrukt ‘Kompetenz’, welches Weinberg als ‘alle Fähigkeiten, Wissensbestände und Denkmethoden, die ein Mensch in seinem Leben erwirbt und betätigt’ beschreibt. Dabei kann allgemein zwischen Fach-, Methoden- sowie Sozialkompetenz unterschieden werden. ‘Interkulturell’ wiederum beschreibt die Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehreren Kulturen (siehe dazu auch Punkt 4.3.1). Ziel im Zuge dieser Wechselbeziehung ist es, ‘interkulturelle Aspekte einer Aufgabe zu erkennen, zu würdigen und angemessen zu bewältigen’.
Interkulturelle Kompetenz kann somit im weitesten Sinne mit wenigen Worten als ‘the ability of individuals to function effectively in another culture’ bzw. ‘the ability (…) to relate appropriately in a variety of cultural contexts’ auf den Punkt gebracht werden.
Perspektiven der Interkulturellen Kompetenz:
Interkulturelle Kompetenz stellt heute einen zentralen Forschungsgegenstand dar. Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Disziplinen befassen sich seit geraumer Zeit mit Modellen und Erklärungsansätzen zur Beschreibung und Entwicklung Interkultureller Kompetenz. Je nach Zielsetzung und Anwendungsgebiet ergeben sich dabei unterschiedliche Perspektiven. Auf den folgenden Seiten sollen zwei dieser Richtungen aufgegriffen und skizziert werden.
Wirtschaftswissenschaftliche Perspektive:
Im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften nimmt Interkulturelle Kompetenz die Stellung eines Erfolgsinstruments ein und zielt vordergründig neben dem Gelingen auf die Produktivität interkultureller Interaktionen ab. Interkulturelle Kompetenz wird in diesem Kontext meist als Sammelbegriff für eine Fülle zu erwerbender Fähigkeiten verstanden, welche Manager und Mitarbeiter besitzen müssen, um in internationalen Geschäftsaktivitäten wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Adler und Bartholomew schlagen in diesem Zusammenhang vor, dass ein kompetenter, leistungsfähiger, international tätiger Manager über ‘spezifisches Fachwissen, Qualifikationen, Fähigkeiten und Einstellungen’ verfügen muss: nicht nur vertiefendes Wissen über fremde Kulturen, Perspektiven, Denkansätze sowie Führungsverhalten, sondern auch Geschick und die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen effizient zusammenarbeiten und sich an Lebensgewohnheiten anderer Kulturen anpassen zu können, spielen hier eine Rolle.
Der Auffassung von Rothlauf zufolge müssen Manager und Mitarbeiter über ein hohes Maß an Fach-, Methoden und Sozialkompetenz verfügen, um interkulturelle Überschneidungssituationen effizient bewältigen zu können. Fachkompetenz wird in erster Linie benötigt, um Sachaufgaben korrekt zu erledigen und resultiert aus dem Beherrschen der jeweiligen Fremdsprache, aus spezifischem Wissen über das konkrete Land sowie aus Marktkenntnissen. Methodenkompetenz basiert auf grundlegenden Kenntnissen über das Wertesystem der Fremdkultur und kommt im fachgemäßen und dem jeweiligen kulturellen Umfeld angepassten Einsatz diverser Managementinstrumente und -techniken zum Ausdruck. Die größte interkulturelle Anforderung an Führungskräfte besteht in der Sozialkompetenz, d.h. jener Fähigkeit, Aufgaben gemeinsam im Team bewältigen zu können. Dies verlangt nach Selbstdisziplin, Toleranz und Akzeptanz von fremdem Verhalten und einer Verhaltensanpassung an das fremdkulturelle Umfeld. Im Vordergrund steht somit die Vorbereitung aller mit interkulturellen Überschneidungssituationen konfrontierten Personen, Charakteristika der Fremdkultur zu identifizieren und in das eigene Handlungsschema zu integrieren.
Der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive nach lässt sich Interkulturelle Kompetenz also zusammenfassend als ‘set of congruent behaviors, attitudes, and policies that come together in a system, agency, or among professionals and enables that system, agency, or those professionals to work effectively in cross-cultural situations’ beschreiben.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836622219
Arbeit zitieren:
Huber, Rosemarie Juli 2008: Der Zusammenhang zwischen den Kulturunterschieden der Partner und der Verteilung von Erfolg in grenzüberschreitenden Kooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kultur, Grenze, Kooperation, Interkulturelle Kompetenz, Erfolg



