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Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Gewalthandlungen bei Kindern

Perspektiven für die pädagogische Arbeit

Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Gewalthandlungen bei Kindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Manuela Altendorf
  • Abgabedatum: Juli 2006
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 731,9 KB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • Bibliografie: ca. 129
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9999-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9999-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9999-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Altendorf, Manuela Juli 2006: Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Gewalthandlungen bei Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medien, Pädagogik, Gewalt, Aggression, Computerspiele

Diplomarbeit von Manuela Altendorf

Einleitung:

Im Mittelpunkt der vorliegenden Diplomarbeit steht die Frage nach den Zusammenhängen zwischen medial erlebter Gewalt und aggressivem Verhalten von Kindern. Die Diskussion um Medienwirkungen ist dabei so alt wie die Medien selbst: Bereits seit der Antike wird über den Einfluss rezipierter Gewalt auf das tatsächliche Gewaltverhalten der Zuschauer nachgedacht (vgl. Merten 1999, 9). Die Thematik ist folglich weder neu, noch hat sie bisher an Brisanz verloren, denn das Interesse der Öffentlichkeit, Politiker und Pädagogen richtet sich noch immer auf mögliche negative Auswirkungen dargestellter Gewalt.

In den Blick geraten vor allem Massenmedien wie Film und Fernsehen und inzwischen auch Computerspiele, die sowohl für die allgemeine Kriminalitätsentwicklung, als auch für spektakuläre Einzeltaten zur Verantwortung gezogen werden, wie der jüngste Fall um den Amoklauf des Robert Steinhäuser zeigte.

Allgemein wird befürchtet, dass das häufige Ansehen von Gewaltszenen zu aggressiven Verhaltensweisen führt. Diese Besorgnis richtet sich hauptsächlich auf Kinder und Jugendliche, denn sie gelten in allen Gesellschaften als Ausdruck sozialer Hoffnung; ihr Werte- und Normensystem wird als leicht beeinflussbar betrachtet (vgl. Merten 1999, 212). Jede Bedrohung oder Gefahr des kindlichen Wohlergehens gilt gewissermaßen als Bedrohung oder Gefahr für die Gesellschaft selbst. Die Ängste der Bevölkerung sind deshalb besonders stark ausgeprägt.

Trotz der lang währenden Diskussion und inzwischen über 5.000 erschienener Untersuchungen, sind die Wirkungsweisen von Gewaltdarstellungen bislang nicht eindeutig geklärt (Kunczik/Zipfel 2002, 110). Dessen ungeachtet betrachtet der öffentliche Diskurs die schädigenden Effekte der Medien bereits als erwiesen und geht von vermeintlich einfachen Verursachungszusammenhängen zwischen medialer und realer Gewalt aus. Ein Grund hierfür ist vermutlich darin zu sehen, dass nahezu jeder täglichen Umgang mit Medien hat und so über eine eigene Beurteilungsgrundlage zu verfügen meint.

Die öffentliche Diskussion wird weniger von den Ergebnissen der wissenschaftlichen Gewaltforschung geprägt als vielmehr von populärwissenschaftlichen Publikationen mit unbewiesenen Behauptungen. So gelangt der wissenschaftlich bereits widerlegte monokausale Zusammenhang zwischen medialer und realer Gewalt immer wieder neu in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung und seriöser wissenschaftlicher Forschung ist ein Thema, dass in Kapitel 5 behandelt wird.

Zunächst jedoch soll sich im ersten Kapitel mit dem Gewaltbegriff auseinandergesetzt und gezeigt werden, weshalb eine präzise Definition bei der Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen medialer und realer Gewalt unerlässlich ist. Zudem wird versucht, ein umfassendes Gewaltverständnis zu entwickeln, das reale und mediale Gewaltphänomene einschließt und ihr Verhältnis zueinander beleuchtet.

Da die Diskussion über mediale Wirkungen wenig Sinn ergibt, wenn unklar bleibt, wie Kinder Medien und darin enthaltene Gewaltdarstellungen im Laufe ihrer Entwicklung wahrnehmen, soll dieser Aspekt Gegenstand des zweiten Kapitels sein. In Anlehnung an die gesetzliche Wortverwendung gilt im Folgenden als Kind, wer das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat (vgl. Sozialgesetzbuch Achtes Buch, § 7 Abs. 1).

In den weiteren Ausführungen stehen die audiovisuellen Medien Fernsehen und Bildschirmspiel im Mittelpunkt, die häufig mit medialen Gewaltinhalten in Verbindung gebracht werden. Kapitel 3 und 4 fragen zunächst nach den Nutzungszahlen dieser Medien. Die im Folgenden referierten statistischen Angaben beziehen sich dabei ausschließlich auf Deutschland. Die Betrachtung internationaler Zahlen wäre zwar höchst interessant, würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf das relativ neue Medium Bildschirmspiel gelegt, das eine große Faszinationskraft auf Kinder ausübt und in Kapitel 3 behandelt wird. Hier soll u.a. geklärt werden, welche Spiele und Spielgenres als gewalthaltig zu klassifizieren sind und wie hoch ihre Verbreitung auf dem Spielemarkt ist. Zur besseren Veranschaulichung der beschriebenen Spiele liegt dieser Arbeit eine CD bei, die verschiedene Spielausschnitte beinhaltet.

Das vierte Kapitel bezieht sich ausschließlich auf das Medium Fernsehen. Neben den Nutzungs- und Sehgewohnheiten von Kindern erfolgt eine Darstellung inhaltsanalytischer Studien, aus denen sich ableiten lässt, wie viel und welche Arten von Gewalt im deutschen Fernsehprogramm gesendet werden. Die Gewaltdarstellungen im Fernsehen werden im Folgenden verkürzt als Fernsehgewalt bezeichnet.

Das fünfte Kapitel gibt schließlich einen Überblick über die Medienwirkungsforschung, beginnend mit der Veranschaulichung verschiedener theoretischer Ansätze zur Wirkung von Gewaltbildern. Es folgen u.a. die Darstellung wichtiger Wirkungsmodelle und die Erläuterung von Problemen bei der Wirkungsmessung, wie auch bei der Aufstellung von Verursachungszusammenhängen. Zum Ende des Kapitels wird dann, auf der Grundlage aktueller empirischer Studien, endgültig die Frage beantwortet, in welchem Zusammenhang medial erlebte Gewalt und aggressives Verhalten von Kindern stehen. Dabei zeigt sich, dass das Zusammentreffen mehrerer Faktoren erforderlich ist, um eine Umsetzung rezipierter Gewalt zu bewirken.

In Kapitel 6 soll ein weiterer Aspekt des Titels dieser Diplomarbeit aufgegriffen und die sich aus den Erkenntnissen der Gewaltwirkungsforschung ergebenden pädagogischen Interventionsmöglichkeiten skizziert werden. Neben dem Begriff der Medienkompetenz steht die Erläuterung konkreter medienpädagogischer Maßnahmen im Mittelpunkt.

Aufgrund der Komplexität des Themas dieser Diplomarbeit ergibt sich leicht die Gefahr, in der Menge der einzelnen Informationen, den Kern der Problematik aus den Augen zu verlieren. Diesem Dilemma soll durch kurze, pointierte Zusammenfassungen am Ende besonders umfangreicher Kapitel begegnet werden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden die männliche Form verwendet, welche beide Geschlechter gleichermaßen einschließt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Der Gewaltbegriff 6
1.1 Die Problematik des Gewaltbegriffs 6
1.2 Ein umfassendes Gewaltverständnis 9
1.2.1 Mediale Gewalt 12
1.3 Zusammenfassung 16
2. Medienumgang und kindliche Entwicklung 18
2.1 Medienbezogene Fähigkeiten im Entwicklungsverlauf 19
2.2 Das kindliche Gewaltverständnis 27
3. Bildschirmspiele 31
3.1 Definition und Merkmale 32
3.2 Mediennutzung und Spielpräferenzen 34
3.2.1 Geschlechtsspezifisches Medienverhalten 38
3.2.2 Spielpräferenzen 40
3.2.3 Zusammenfassung 45
3.3 Faszinationskraft Bildschirmspiel 46
3.4 Gewalthaltige Bildschirmspiele 50
3.4.1 Klassifizierung von Bildschirmspielen 51
3.4.2 Verbreitung gewalthaltiger Bildschirmspiele 63
3.4.2.1 Alterseinstufungen von Bildschirmspielen 65
4. Fernsehen 68
4.1 Nutzungs- und Sehgewohnheiten 68
4.1.1 Zusammenfassung 76
4.2 Das Gewaltprofil des Fernsehens 77
5. Wirkungen von Gewaltdarstellungen 81
5.1 Theoretische Ansätze 83
5.1.1 Kultivierungsthese 84
5.1.2 Katharsisthese 84
5.1.3 Inhibitionsthese 86
5.1.4 Habitualisierungsthese 86
5.1.5 Suggestionsthese 88
5.1.6 Lerntheorie 90
5.1.7 Arousal-Theorien 92
5.1.8 Stimulationsthese 93
5.2 Wirkungen von Gewalt in Bildschirmspielen 94
5.3 Wirkungsmodelle 95
5.4 Einflussfaktoren 98
5.4.1 Mediale Faktoren 99
5.4.2 Personenvariablen 102 5.4.3 Soziales Umfeld 103
5.5 Gewalt durch Gewalt in den Medien? 105
6. Medienpädagogische Interventionsstrategien 109
6.1 Medienkompetenz 109
6.2 Medienpädagogische Maßnahmen 114
6.2.1 Elterliche Interventionsstrategien 114
6.2.2 Der Hardliner-Ansatz 116
Schlussbetrachtung 120
Literaturverzeichnis 123

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Der Gewaltbegriff 6
1.1 Die Problematik des Gewaltbegriffs 6
1.2 Ein umfassendes Gewaltverständnis 9
1.2.1 Mediale Gewalt 12
1.3 Zusammenfassung 16
2. Medienumgang und kindliche Entwicklung 18
2.1 Medienbezogene Fähigkeiten im Entwicklungsverlauf 19
2.2 Das kindliche Gewaltverständnis 27
3. Bildschirmspiele 31
3.1 Definition und Merkmale 32
3.2 Mediennutzung und Spielpräferenzen 34
3.2.1 Geschlechtsspezifisches Medienverhalten 38
3.2.2 Spielpräferenzen 40
3.2.3 Zusammenfassung 45
3.3 Faszinationskraft Bildschirmspiel 46
3.4 Gewalthaltige Bildschirmspiele 50
3.4.1 Klassifizierung von Bildschirmspielen 51
3.4.2 Verbreitung gewalthaltiger Bildschirmspiele 63
3.4.2.1 Alterseinstufungen von Bildschirmspielen 65
4. Fernsehen 68
4.1 Nutzungs- und Sehgewohnheiten 68
4.1.1 Zusammenfassung 76
4.2 Das Gewaltprofil des Fernsehens 77
5. Wirkungen von Gewaltdarstellungen 81
5.1 Theoretische Ansätze 83
5.1.1 Kultivierungsthese 84
5.1.2 Katharsisthese 84
5.1.3 Inhibitionsthese 86
5.1.4 Habitualisierungsthese 86
5.1.5 Suggestionsthese 88
5.1.6 Lerntheorie 90
5.1.7 Arousal-Theorien 92
5.1.8 Stimulationsthese 93
5.2 Wirkungen von Gewalt in Bildschirmspielen 94
5.3 Wirkungsmodelle 95
5.4 Einflussfaktoren 98
5.4.1 Mediale Faktoren 99
5.4.2 Personenvariablen 102 5.4.3 Soziales Umfeld 103
5.5 Gewalt durch Gewalt in den Medien? 105
6. Medienpädagogische Interventionsstrategien 109
6.1 Medienkompetenz 109
6.2 Medienpädagogische Maßnahmen 114
6.2.1 Elterliche Interventionsstrategien 114
6.2.2 Der Hardliner-Ansatz 116
Schlussbetrachtung 120
Literaturverzeichnis 123

Textprobe:

Kapitel 4.2: Das Gewaltprofil des Fernsehens Mediale Gewaltdarstellungen erscheinen aus der Sicht der Programmanbieter als ein geeignetes Mittel im Kampf um Zuschauerzahlen und Marktanteile. Sie „erfüllen diemedienspezifischen Voraussetzungen des Besonderen, der Action, der ‚starken’ Bilder“ und gehen mit einer erhöhten physiologischen Erregung beim Rezipienten einher (Groebel/Gleich 1993, 11). Bereits Kinder geben als Motiv für die Fernsehnutzung an, etwas Spannendes erleben zu wollen (vgl. MPFS 2006, 52).

Von daher interessieren im Folgenden die Ergebnisse quantitativer Inhaltsanalysen zum Gewaltanteil des Fernsehprogramms. Dabei soll vor allem das Gewaltausmaß der Genres referiert werden, denen sich Kinder hauptsächlich zuwenden. Die Interpretation von Inhaltsanalysebefunden ist nicht unproblematisch, was vor allem an der dargestellten Vielschichtigkeit des Gewaltbegriffs liegt (siehe Kapitel 1).

Den verschiedenen Studien liegen unterschiedliche Gewaltdefinitionen zugrunde, sodass es kaum möglich ist, ihre Ergebnisse miteinander zu vergleichen (vgl. Merten 1999, 83). Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Analyseeinheit festzulegen, also zu bestimmen, was als Gewalthandlung gelten soll. So macht es beispielsweise einen großen Unterschied, ob bei einer Saloon-Schlägerei in einem Westernfilm die gesamte Schlägerei als eine Gewaltszene betrachtet wird oder jeder einzelne Fausthieb in die Zählung eingeht (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [BMFSFJ] 2004, 18). Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Resultate quantitativer Inhaltsanalysen oft beachtlich voneinander abweichen.

Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten lassen sich gewisse Allgemeinaussagen zum Gewaltgehalt des Programmangebots treffen. Die nun folgenden Angaben beziehen sich auf zwei Inhaltsanalysen, die Anfang der 1990er Jahre durchgeführt wurden. Obwohl diese Studien55 älter sind, werden sie noch immer zitiert (vgl. Bonfadelli 2004, 256ff; Kleber 2003, 82f).

Die Untersuchungen belegen übereinstimmend, dass Fernsehgewalt auf allen Sendern zu finden sind und dies mit einem zeitlichen Gewaltanteil am Gesamtprogramm von etwa 3 Prozent (vgl. Merten 1999, 105). Zwar variiert der Umfang der Mediengewalt mit Programm, Tageszeit und Sender, doch sind nahezu alle Genres davon betroffen.

Automatisiert erstellter Textauszug:

Böttger (1998, 13f u. 363) gelangte auf Basis seiner Studie, in der 100 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren aus Hamburg und Niedersachsen u.a. zu ihrem Elternhaus (Erziehungsstil, eventuelle Gewalthandlungen), Medienkonsum und der in Schulen ausgeübten Gewalt befragt wurden, zu folgender Feststellung: „Entsteht […] in der Erziehung eine grundsätzliche Gewaltakzeptanz bei Kindern, so kann diese sowohl zu eigenen Gewalthandlungen als auch zum Konsum der in den Medien dargebotenen Gewalt führen – […] unter Umständen mit der Folge, daß die Rezeption der Gewaltdarstellungen die eigene Gewalt der Kinder und Jugendlichen steuert, indem diese die beobachteten Handlungen in die Orientierungsgrundlage ihres eigenen Handelns übernehmen und schließlich imitieren.“ In der qualitativen Analyse stellte Böttger (1998, 387) „vor allem die Bedingungen im Elternhaus bzw. in der Erziehung der Jugendlichen als sehr wesentliche Faktoren für ihre Gewaltentwicklung heraus.“ Dem Medienkonsum konstatiert der Forscher demgegenüber „[k]aum einen Einfluß auf die Entstehung einer Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen“ (ebd., 388). Hopf (2001, 164) gelangte auf der Basis qualitativer Analysen zu einem ähnlichen Schluss: „Es ist unwahrscheinlich, daß Gewaltbereitschaft im Kindesalter eine Folge medialer Einflüsse ist. Naheliegender ist die Annahme, daß die früh entwickelte Tendenz zu Aggressivität und körperlichen Auseinandersetzungen eine Folge von Beziehungserfahrungen im Nahbereich ist.“ Auch Selg (1997, 81) bemerkt: „Fernsehen allein macht […] niemanden gewalttätig; es bedarf einer ‚doppelten Dosis’ in dem Sinn, daß die Wirkung von medialer Gewalterfahrung auf einer familialen aufbaut.“ Die Peer-Groups erwiesen sich in Böttgers (1998, 390) Studie „insgesamt als sehr bedeutsamer Einfluß auf die Gewalttätigkeit Jugendlicher“ und zwar umso mehr, „je weniger Anerkennung und Bestätigung die Kinder und Jugendlichen in ihrer Erziehungsumgebung erhielten.“ Dabei würde vor allem ein autoritärer oder vernachlässigender Erziehungsstil dazu führen, dass sich die Kinder bzw. Jugendlichen von ihren Eltern abwenden und „Konfliktlösungsund [...]

Auswirkungen beim Rezipienten durch verschiedene Einflussfaktoren moderiert wird, die den Medieninhalt, die Person des Beobachters und dessen soziales Umfeld betreffen. Bonfadelli (2004, 273) äußert sich ähnlich: „In den meisten empirischen Studien wird betont, dass das Fernsehen bzw. das Ausmaß der im Fernsehen gezeigten Gewalt nicht der alleinige Verursacher von aggressivem Verhalten sei, d.h. ein direktes Stimulus-Response-Modell zu kurz greife.“ Aus der Kritik am klassischen Stimulus-Response-Modell entwarf Merten (2003, 158) ein trimodales Wirkungsmodell, das die verschiedenen Kontextfaktoren mit berücksichtigt. Nach diesem Konzept sind Medienwirkungen nicht mehr allein vom Inhalt (Stimulus) abhängig, sondern auch von Wissen, Einstellungen und der Person des Rezipienten (interner Kontext) sowie von der sozialen Situation (externer Kontext), in der die Rezeption stattfindet. Die nachfolgende Abbildung [...]

beeinflussen. Dazu gehören: Mediale Darstellungsform: Reales Verhalten wird eher imitiert als fiktives. Zudem sind Imitationseffekte wahrscheinlicher, je positiver und heldenhafter die Konsequenzen dargestellt werden. Eigenschaften der Rezipienten: Jüngere Altersgruppen sind eher gefährdet Gewalttaten nach medialem Vorbild zu begehen als ältere. Dabei lassen sich jedoch keine Geschlechterunterschiede feststellen. Eigenschaften des Modells: Berühmte positive Modelle werden eher nachgeahmt als berühmte negative Modelle (z.B. Verbrecher). Zudem ist eine Nachahmung umso wahrscheinlicher, je ähnlicher sich Modell und Rezipient sind. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass die Medien nur den Auslöser für einen schon länger beabsichtigten Selbstmord darstellen und es vermutlich bedeutendere Ursachen gibt. „In jedem Fall müssen diverse mit dem jeweiligen Medieninhalt und der Person des Rezipienten zusammenhängende Faktoren [...]

Arbeit zitieren:
Altendorf, Manuela Juli 2006: Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Gewalthandlungen bei Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medien, Pädagogik, Gewalt, Aggression, Computerspiele

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