Zukunftspotentiale und Risiken von Consumer-Applikationen im M-Commerce
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sanjay Oberoi
- Abgabedatum: Juni 2001
- Umfang: 104 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6130-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6130-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6130-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Oberoi, Sanjay Juni 2001: Zukunftspotentiale und Risiken von Consumer-Applikationen im M-Commerce, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mobile Commerce, Mobilfunk, UMTS, GPRS, Electronic Commerce
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Diplomarbeit von Sanjay Oberoi
Einleitung:
Kaum eine Entwicklung hat in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in allen Unternehmensbereichen so umfassend verändert wie die des Internet-basierten Electronic Commerce. Wurde das Internet in seinen Anfängen von Unternehmen überwiegend aus Image-Gründen eingesetzt, vollzieht sich mit Entstehung des Informations- und Kommunikationszeitalters ein Wandel, der diese Entwicklung immer weiter in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen rückt. Dies führt zu elektronischer Integration und Verzahnung unterschiedlicher Wertschöpfungsketten, verändert geschäftliche Transaktionen, etabliert neue Vertriebskanäle und läutet neue Kosten- und Wettbewerbsstrukturen ein. Einige Unternehmen haben jedoch noch gewisse Bedenken bzgl. Einer Implementierung von E-Commerce Systemen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sehen dabei nicht nur die Vorteile des Internet. Es ist daher anzunehmen, dass diverse Unternehmen vielmehr aus einer rechtzeitigen Marktpositionierung und der Erfahrungssammlung heraus ihre Teilnahme an diesen Märkten vorantreiben. Dennoch werden dem EC in seinen wichtigsten Segmenten vielversprechende Erfolgsaussichten im zweistelligen Prozentbereich des Gesamtmarktes prognostiziert.
Eine Spezialform des Electronic Commerce stellt der Mobile Commerce dar, der sich in Technologien, Zielgruppen und Produktangeboten von ersterem unterscheidet. Durch Einführung neuer Mobilfunktechnologien und Verknüpfung des Mobilfunks mit dem Internet wachsen jedoch beide Bereiche zusammen und schaffen eine gemeinsame Basis für neue Produkte und Wertschöpfungsmöglichkeiten.
„Anytime, anywhere“ scheint dabei die Devise für den mobilen Zugriff zu sein. Die meisten Mobil-Aktivitäten der Anbieter von Internet-Inhalten und Internet-Handel liegen in der Markenbekanntheit und Marktdurchdringung begründet sowie in der Möglichkeit, den Kunden an jedem Ort erreichen zu können. Aspekte wie Mehrwert, Lokalisierbarkeit und Personalisierung der Systeme werden gerade in bezug auf das Anwenderverhalten eine bedeutende Rolle spielen. „The right thing, at the right time, at the right place“ entscheidet über Erfolg oder Misserfolg zukünftiger Applikationen.
In einigen Ländern wie Schweden oder Finnland übersteigt die Zahl der Mobilfunk-Anschlüsse bereits die der stationären Geräte. Die hohe Durchdringungsrate des Mobiltelefonierens ist ein gutes Vorzeichen für die Annahme weiterer mobiler Dienste. Mit einer immer schneller wachsenden Gemeinde von M-Commerce Nutzern wird auf längere Sicht der „klassische PC“ durch mobile Endgeräte ergänzt und in einigen Aufgabenfeldern durchaus ersetzt werden. Mobile Endgeräte werden sich zum bevorzugten Kommunikationsmittel für Sprache, Daten, Internet und Unterhaltung entwickeln. Jedoch zeigt sich – so erfolgreich Standardisierungsbestrebungen und Technologieentwicklungen auch sein mögen – eine starke „Technology-Push“ Orientierung. Die genauen Anwendungsfelder und Applikationen sind bisher vorwiegend aus Sicht der technischen Machbarkeit herausgearbeitet worden; Kundennutzen und insbesondere zukünftige Erwartungen spielen in der derzeitigen Phase lediglich eine untergeordnete Rolle.
Eine neue Technologie wird sich nur dann durchsetzen können, wenn sie einen signifikanten Mehrwert für den Kunden bringt und schnell eine große Nutzergemeinde gewinnt. Dem MC fehlt derzeit die Akzeptanz, bedingt u. a. durch fehlenden Kundennutzen und einer benutzerunfreundlichen Kostenstruktur. Bei diesen Vorhersagen ist jedoch zu beachten, dass neue Technologien am Anfang ihrer Entwicklung durch ihre geringere Leistungsfähigkeit nicht wettbewerbsfähig zu sein scheinen und der Wert einer Technologie für den Kunden oftmals nicht vorausgesagt werden kann. MC wird sich zu einem neuen Vertriebskanal entwickeln, der in den wenigsten Fällen alleinstehend eingesetzt werden sondern vielmehr eine Ergänzung zu den klassischen Vertriebskanälen darstellen wird.
Ziel dieser Arbeit ist es, vor dem Hintergrund eines immer schneller wachsenden Mobilfunkmarktes, die Einbindung des Internet in die Mobilfunkwelt und die Einführung mobiler Technologien sowie die daraus abzuleitenden Entwicklungsperspektiven für den MC zu untersuchen. Dabei steht der europäische Mobile Commerce Markt im Blickpunkt der Untersuchung.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit besteht insgesamt aus acht Kapiteln. Kapitel 2 definiert die grundlegenden Begriffe. Die Kapitel 3 und 4 beschreiben die für die mobile Kommunikation wichtigen Technologien und Standards und vermitteln dem Leser Grundlagen, auf die im Schwerpunkt der Arbeit aufgebaut wird. Kapitel 5 analysiert den Status Quo von MC Applikationen. Die dortigen Entwicklungen werden primär aus der Sichtweise des technisch Machbaren analysiert („Technology-Push“). Ein Exkurs nach Japan rundet die Analyse des Ist-Zustands ab. Das Kapitel 6 gibt einen generellen Überblick über die Markttreiber des M-Commerce.
Dabei werden die Schlüsseltechnologien erläutert, die MC überhaupt möglich machen. Es wird untersucht, welche Entwicklungsmöglichkeiten grundsätzlich im MC stecken, welchen Stellenwert er einnehmen wird und welche Grundvoraussetzungen vorhanden sein müssen, damit MC erfolgreich wird. Der Fokus dieser Untersuchung liegt auf Deutschland. Es werden Hypothesen über die Bedürfnisse der Endkonsumenten in bezug auf mobile Anwendungen aufgestellt, die dann durch Marktforschungsergebnisse bekräftigt werden. Kapitel 7 zeigt Fallbeispiele von MC-Applikationen auf, die zuvor diskutiert worden sind. Die Entwicklung von Zukunftsszenarien für diese Applikationen bildet hier den Schwerpunkt. Zukünftige Entwicklungen werden primär aus der Sichtweise der Nutzer analysiert („Demand-Pull“). Kapitel 8 gibt abschließend einen zusammenfassenden Ausblick über das Thema Mobile Commerce.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Einführung und Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Vorgehensweise | 3 |
| 2. | Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Electronic Commerce | 4 |
| 2.1.1 | EDI-basierter Electronic Commerce | 5 |
| 2.1.2 | Internet-basierter Electronic Commerce | 6 |
| 2.2 | Mobile Commerce | 7 |
| 2.3 | Business-to-Consumer Applikationen | 8 |
| 3. | Mobile Kommunikationstechnologien | 8 |
| 3.1 | Einführung | 8 |
| 3.2 | Netzwerk-Technologien | 9 |
| 3.2.1 | Circuit Switched Network | 9 |
| 3.2.2 | Packet Switched Network | 9 |
| 3.3 | Mobilfunkgenerationen | 10 |
| 3.3.1 | Überblick | 10 |
| 3.3.2 | Global System for Mobile Communication | 11 |
| 3.3.3 | High Speed Circuit Switched Data | 15 |
| 3.3.4 | General Packet Radio Service | 16 |
| 3.3.5 | Enhanced Data Rates for GSM Evolution | 17 |
| 3.3.6 | Universal Mobile Telephone System | 18 |
| 3.4 | Zusammenfassender Überblick | 20 |
| 4. | Mobile Enabler | 21 |
| 4.1 | Einführung | 21 |
| 4.2 | Lokale Datenübertragungsterminals | 21 |
| 4.3 | Location-Based-Services | 23 |
| 4.4 | Mobile Payment | 24 |
| 5. | Status Quo im M-Commerce | 26 |
| 5.1 | Einführung | 26 |
| 5.2 | Short Message Service | 26 |
| 5.2.1 | Überblick | 26 |
| 5.2.2 | Applikationen | 28 |
| 5.3 | Wireless Application Protocol | 29 |
| 5.3.1 | Überblick | 29 |
| 5.3.2 | Applikationen | 30 |
| 5.4 | i-mode: Japanischer Erfolg im M-Commerce | 32 |
| 5.4.1 | Überblick | 32 |
| 5.4.2 | Applikationen | 33 |
| 5.4.3 | Freedom of Mobile Multimedia Access | 34 |
| 5.4.4 | Vergleich WAP – i-mode | 34 |
| 5.4.5 | Übertragbarkeit des Geschäftsmodells auf Europa | 36 |
| 6. | Marktentwicklung und Erfolgsfaktoren des MC | 37 |
| 6.1 | Einführung | 37 |
| 6.2 | Entwicklungsphasen des Mobilfunkmarkts | 38 |
| 6.3 | Angebotsseite: Entwicklung neuer Applikationen | 39 |
| 6.4 | Nachfrageseite | 41 |
| 6.4.1 | Kundendemographie | 41 |
| 6.4.2 | Konsumentenverhalten | 43 |
| 6.5 | Value-Added-Services | 45 |
| 6.6 | Parallelen zu stationärem Electronic Commerce | 47 |
| 6.7 | Implikationen für Mobile Commerce | 48 |
| 7. | Zukunftsszenarien ausgewählter Branchen | 51 |
| 7.1 | Einführung | 51 |
| 7.2 | Media, Publishing | 52 |
| 7.3 | Shopping | 55 |
| 7.4 | Banking, Brokerage, Insurance | 60 |
| 7.5 | Game, Fun, Entertainment | 65 |
| 7.6 | Communication | 69 |
| 7.7 | Navigation, Reservation | 71 |
| 8. | Schlussfolgerungen und zusammenfassender Ausblick | 79 |
| Anhang | VIII | |
| Literaturverzeichnis | XII | |
| Ehrenwörtliche Versicherung |
Wie auch bei der Entwicklung des Internet ist im MC zu beobachten, dass sich neue Märkte graduell entwickeln. Nicht alle denkbaren Bedürfnisse nach Produkten und Services sind von Anfang an stark ausgeprägt und zu befriedigen. Neue elektronische Märkte starten i. d. R. mit Dienstleistungen wie Informationen, Kurznachrichten und Kommunikation. Das Internet entwickelte sich in seinen Anfängen primär durch diverse E-Mail-Dienste. Nach Ausbau des Internet zum Informationsmedium wurde mit der Einführung von Transaktionen begonnen. So folgten Onlineverkäufe von Büchern, Reisen, Software, CDs, und Eintrittskarten (siehe Abb. 6.6: Käufe im Internet [Deutschland 1999], S. 44). Das Konsumentenverhalten kann zwar nicht direkt vom PC-Konsumenten auf den mobilen Konsumenten übertragen werden, jedoch sind erfolgreiche Konzepte der stationären Internetwelt auch auf die mobile Welt projizierbar. So wird der mobile Kunde als Einstieg in die mobile Welt seine E-Mails abrufen, später einfache Informations- und Unterhaltungsangebote und dann Transaktionen mit genau definierten Produkten durchführen. Erst später in der Entwicklung werden komplexere Informationsangebote, multimediale Unterhaltungsangebote und mehrdimensionale Produkttransaktionen verfügbar sein. E-Commerce unter Verwendung stationärer PCs stellt für den Benutzer relativ hohe Anschaffungskosten dar und setzt eine gewisse Kompetenz im Umgang und der Bedienung voraus. Mobile Endgeräte verfügen im Gegensatz zu PCs standardmäßig über Eigenschaften wie Personalisierbarkeit und Sicherheit, so dass sie [...]
Der Tab. 6.1 liegt eine Systematik zugrunde, die exemplarisch für versch. Applikationen das Attribut „Killerapplikation“ vergibt. Die versch. Applikationen sind anhand der vier Kriterien auf deren jeweilige Erfüllung geprüft worden. So qualifiziert sich die Applikation „Aktieninformationen“ für die Betitelung „Killerapp“, da diese die Kriterien „Zeitkritisch“, „Leichte Transaktion“ und „Personalisiert“ erfüllt. Die Applikation „Videokonferenz“ dagegen erreicht trotz Erfüllung des Kriteriums „Zeitkritisch“ und einer teilweisen Erfüllung von „Leichte Transaktion“ nicht die insgesamt notwendigen Kriterienerfüllung, um als Killerapplikation bezeichnet werden zu können. Neben den wichtigsten Kriterien erfolgreicher MC-Applikationen lassen sich weitere Faktoren identifizieren, die auf die Unterscheidung des künftigen MCommerce vom Internethandel abzielen.125 Mobilität: Im Gegensatz zum PC ist das Handy mobil und kann an jedem Ort genutzt werden. MC ist also an keinen festen Ort gebunden. [...]
Neue MC-Applikationen werden häufig mit dem Begriff Value-Added-Services verknüpft. Erfolgreiche Applikationen, die über mobile Endgeräte genutzt werden, müssen dem Kunden einen Mehrwert ggü. traditionellen Dienstleistungen bieten. Für den Erfolg zukünftiger mobiler Applikationen spielen somit folgende Faktoren eine bedeutende Rolle: Zeitkritisch: Der Kauf von Büchern oder CDs stellt keine Killerapplikation auf mobilen Endgeräten dar, da der Nutzer Bücher oder CDs i. d. R. nicht sofort braucht. Ein „relaxtes Browsen“ an einem stationären Internetzugang scheint da angebrachter zu sein. Auf der anderen Seite müssen Nachrichten – Wetter, Verkehr, Sport, Börsendaten etc. – immer auf dem aktuellsten Stand sein. Ein Abonnent muss jederzeit in der Lage sein, über ein Mobilfunkgerät die letzten Börsenkurse abrufen und bei Bedarf Aktien handeln zu können. Lokalisiert: Mobile Endgeräte haben sich zu ständigen Begleitern des täglichen Lebens entwickelt, so dass zukünftige Anwendungen an die individuelle Umgebung des Nutzers angepasst sein können. Das Abrufen lokaler Informationen ist für bestimmte Anwendungen interessant, so z. B. das Kinoprogramm am Wohnort. Personalisiert: Die Pioniere in Sachen Personalisierung sind Internet-Portale wie Yahoo oder AOL, die auf den Abonnenten zugeschnittene Dienste anbieten. Personalisierte Dienste werden wesentlicher Bestandteil von ValueAdded-Services sein. Leichte Transaktion: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dem Nutzer nicht einfach nur Informationen zu liefern, sondern auch adäquate Instrumente zur Verfügung zu stellen, um auf diese reagieren zu können. Die Information bzgl. einer Unterschreitung eines bestimmten Grenzwerts einer Aktie könnte gleichzeitig mit der Möglichkeit des Kaufs bzw. Verkaufs verbunden werden. Basierend auf diesen vier Faktoren lässt sich eine Tabelle mit möglichen Killerapplikationen erstellen (siehe Tab. 6.1). [...]
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