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Zukunftsmarkt China

Internationalisierungsstrategien der Textil- und Bekleidungsindustrie

Zukunftsmarkt China
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Strohm
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 140 Seiten
  • Dateigröße: 788,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • Bibliografie: ca. 182
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0205-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0205-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0205-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Strohm, Christian November 2005: Zukunftsmarkt China, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Bekleidungsindustrie, Internationalisierung, Sonderwirtschaftszone, Markenbewusstsein

Diplomarbeit von Christian Strohm

Einleitung:

Die Volksrepublik China (VR China) gilt als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte weltweit. Seit der Öffnung im Jahre 1978 wächst die Wirtschaft in einem enormen Tempo, mit konstanten Wachstumsraten zwischen 7% und 9,5%. Mit Einführung der „sozialistischen Marktwirtschaft“ hat sich viel verändert im Reich der Mitte. Mittlerweile ist die VR China der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten und öffnet sich im Zuge dessen weiter dem Ausland. Dies bietet große Möglichkeiten für ausländische Unternehmen. Neben dem stetigen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP), lassen auch das weltweit größte Absatzpotential mit 1,3 Mrd. Menschen und die günstigen Produktionsmöglichkeiten die Herzen der westlichen Manager höher schlagen. Bei vielen Unternehmen besteht „eine gewisse Chinabesoffenheit“, so wie es der frühere Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ausgedrückt hat.

Den wirtschaftlichen Chancen stehen allerdings auch Hemmnisse gegenüber, da bedacht werden muss, dass China vor 1978 ein System der Planwirtschaft hatte und immer noch planwirtschaftliche Elemente in der Wirtschaft verankert sind. So greift die chinesische Regierung mit radikalen Maßnahmen in die Wirtschaft ein (z.B. Verbot der Kreditvergabe an bestimmte Branchen), um die drohende wirtschaftliche Überhitzung abzukühlen. Eines der größten Probleme ist aber nach wie vor die Durchsetzung von Rechtsansprüchen, trotz der gesetzlichen Verbesserungen im Zuge des WTO-Beitritts im Jahre 2001. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft stark zunimmt. Weitere Problemfelder können die ausgeprägte Produktpiraterie sein, sowie die Unterschiede in Sprache und Kultur, die sich bspw. in den unterschiedlichen Verhandlungsgepflogenheiten äußern. Diese kurzen Ausführungen lassen die möglichen Gefahren eines China-Engagements erahnen.

Deutschland ist, hinter den USA, das zweitgrößte Importland auf dem Welttextilmarkt und Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Auch China hat sich mittlerweile für Deutschland zum bedeutendsten Handelspartner in Asien entwickelt. Die VR China ist einerseits, als weltgrößter Produzent und Exporteur von Textilien und Bekleidung, ein attraktives Produktions- und Beschaffungsland, andererseits bietet China auch große Chancen als Handels- bzw. Absatzstandort. Mit dem konstant schnellen Anstieg des Einkommens der Bevölkerung, steigt auch das Kundenpotential rasant an.

Beide Sichtweisen sollen in der Arbeit beleuchtet werden. Zum einen, aus der Sicht eines Herstellerbetriebs, für den die Produktion in China im Vordergrund steht, aber genauso für Bekleidungshändler, für die China ein Beschaffungsland darstellt. Zum anderen, aus der Sicht des Handels, für den die Erschließung des chinesischen Absatzmarkts vorrangig ist.

Die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche steht aufgrund der hohen inländischen Arbeitskosten, aber auch wegen einer weitgehenden Marktsättigung, in Verbindung mit einem schwachen Konsum in Deutschland, stark unter Druck.

Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, nutzen die Unternehmen das Prinzip der internationalen Arbeitsteilung, bei der die arbeits- und lohnintensiven Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Durch Internationalisierung des Handels bzw. Absatzes, kann sich die Textil- und Bekleidungsbranche ein weiteres Standbein aufbauen und damit eine Risikodiversifikation und stärkere Unabhängigkeit vom deutschen Markt erreichen. Chinas Anziehungskraft auf Unternehmen liegt darin begründet, dass es sowohl einen attraktiven Produktions- als auch Absatzstandort darstellt.

Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Internationalisierungsstrategien der Textil- und Bekleidungsbranche am Beispiel der VR China darzustellen. Dabei sollen die unterschiedlichen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für einen Markteintritt in China analysiert werden. Die Arbeit soll Unternehmen, die sich in China engagieren möchten, einen ersten Eindruck von den wirtschaftlichen Begebenheiten vermitteln und verdeutlichen, welche chinesischen Besonderheiten bei einem Markteintritt zu beachten sind.

Anzumerken ist, dass diese Arbeit, aufgrund der rasanten Entwicklungen und Veränderungen in China, keinen Anspruch auf letzte Aktualität erheben kann.

Gang der Untersuchung:

Nach einer begrifflichen Abgrenzung der Textilindustrie und der Bekleidungsindustrie, wird unter dem zweiten Gliederungspunkt der Arbeit der Wirtschaftsstandort China beleuchtet. In diesem werden zunächst die Reformen des Wirtschaftssystems und die damit einhergehende wirtschaftliche Entwicklung seit der Öffnung 1978 beleuchtet. Daran anschließend erfolgt eine Darstellung der Einkommensentwicklung der Bevölkerung unter Berücksichtigung des für China charakteristischen Ost-West- bzw. Stadt-Land-Gefälles. Dieser Abschnitt schließt mit der Beschreibung der chinesischen Sonderwirtschaftsgebiete und deren Bedeutung für die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft ab.

Der dritte Teil der Arbeit stellt den Beitritt Chinas zur WTO dar. Beschreibt Veränderungen und Erleichterungen, die sich mit dem chinesischen Beitritt ergeben haben. Dazu wird auf das Auslaufen des für den weltweiten Textil- und Bekleidungshandel so wichtigen Agreement on Textiles and Clothing (ATC) eingegangen.

Im vierten Abschnitt sollen die bedeutendsten Motive analysiert werden, die Unternehmen dazu veranlassen, sich in der VR China zu engagieren.

Unter dem fünften Gliederungspunkt wird der Investitionsstandort China beleuchtet. Zuerst aus der Sicht eines Bekleidungsunternehmens, für welches der chinesische Absatz- und Handelsstandort Investitionsziel ist. Es werden Erfolgsfaktoren aufgezeigt, die bei der Erschließung des chinesischen Absatzmarkts zu beachten sind. Darüber hinaus wird ein Bild der unterschiedlichen chinesischen Konsumentengruppen und ihren Konsumgewohnheiten gezeichnet.

Der Investitionsstandort China unter dem Aspekt der Beschaffung und Produktion von Textilien und Bekleidung schließt sich an. Die Strategie des Global Sourcing wird erläutert und China als Beschaffungsland beschrieben, indem auf die Beschaffungsregionen und die Produktionskosten eingegangen wird. In China stellen sich besondere Herausforderungen bei der Beschaffung bezüglich Lieferantenidentifikation und –bewertung, die im Folgenden, neben den damit zusammenhängenden Erfolgsfaktoren, aufgezeigt werden sollen. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt mit den Vorzügen und den Problemen des chinesischen Beschaffungsstandortes.

Der sechste Teil der Arbeit stellt die unterschiedlichen Formen der Internationalisierungsstrategien in China vor. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den Kooperationen mit und ohne Kapitalbeteiligungen, wobei sowohl Strategien zur Internationalisierung der Produktion als auch des Handels beschrieben werden. Beschränkt wird sich bei den Ausführungen auf Strategien, die für die Textil- und Bekleidungsindustrie von Bedeutung sind. Die verschiedenen Formen werden aufsteigend nach ihrer Ressourcenbindung bearbeitet.

Der siebte Abschnitt behandelt die Phasen des Markteintritts, nachdem ein Unternehmen sich für eine der Internationalisierungsstrategien entschieden hat. Dabei wird auf die einzelnen Schritte der Vorbereitungs- und Anlaufphase des China-Engagements eingegangen. Die Partnerwahl steht am Ende dieser Phase, wobei die Vertragsverhandlungen mit Chinesen, aufgrund der hohen Bedeutung, nochmals explizit dargestellt werden. Anschließend folgt die Genehmigungs- und Registrierungsphase. In dieser Phase werden die chinesischen Zulassungsanforderungen an ausgewählte Internationalisierungsstrategien deutlich gemacht.

Der achte Teil der Arbeit behandelt praktische Erfahrungen und Einschätzungen des China-Geschäfts in der Textil- und Bekleidungsbranche. Hierzu wurden Modeunternehmen schriftlich und mündlich befragt.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Darstellungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Definition und Abgrenzung 3
2. Wirtschaftsstandort VR China 6
2.1 Die Wirtschaftsentwicklung seit 1978 (Reform- und Öffnungspolitik) 6
2.2 Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit 1978 8
2.3 Einkommensentwicklung und -verteilung 9
2.4 Sonderwirtschaftsgebiete 11
3. Chinas WTO-Beitritt und das Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC) 14
4. Motive für Investitionen in der VR China 18
4.1 Absatz- und marktorientierte Motive für Investitionen 19
4.2 Kostenorientierte Investitionsmotive 22
5. Investitionsstandort VR China 24
5.1 China als Absatz- und Handelsstandort für Bekleidung 24
5.1.1 Chinas Einzelhandel und der Absatzmarkt für Bekleidung 24
5.1.2 Erfolgsfaktoren im Absatzmarkt für Bekleidung 27
5.1.3 Chinas Konsumenten 33
5.1.3.1 Die kleinen Kaiser 34
5.1.3.2 Die jungen Aufsteiger 35
5.1.3.3 Die Altgedienten 36
5.2 China als Produktions- und Beschaffungsstandort 37
5.2.1 Die Beschaffungsstrategie des Global Sourcing 37
5.2.2 Die VR China als Beschaffungsland 39
5.2.2.1 Wichtige Beschaffungsregionen 41
5.2.2.2 Produktionskosten im internationalen Vergleich 43
5.2.3 Herausforderungen bei der Beschaffung 45
5.2.3.1 Bestandsaufnahme der chinesischen Textil- und Bekleidungs- industrie 45
5.2.3.2 Vorzüge des chinesischen Beschaffungs- und Produktionsstandortes 46
5.2.3.3 Lieferantenidentifikation 47
5.2.3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl 49
5.2.3.5 Erfolgsfaktoren für die Beschaffung in China 50
5.2.3.6 Probleme bei der Beschaffung 51
6. Formen und Strategien der Internationalisierung 53
6.1 Außenhandel 55
6.2 Kooperationen ohne Kapitalbeteilung 56
6.2.1 Internationale Lizenzvergabe 56
6.2.2 Lohnfertigung 59
6.2.3 Franchise 61
6.2.4 Das Contractual Joint Venture 64
6.3 Kooperationen mit Kapitalbeteiligung (Direktinvestitionen) 65
6.3.1 Das Equity Joint Venture 65
6.3.2 Wholly Foreign Owned Enterprise 68
7. Markteintrittsphasen 71
7.1 Vorbereitungs- und Verhandlungsphase 71
7.1.1 Vorbereitungen 71
7.1.2 Informationsbeschaffung 73
7.1.3 Partnersuche 75
7.1.4 Partnerwahl 75
7.1.5 Vertragsverhandlungen 78
7.2 Genehmigungs- und Registrierungsphase 80
7.2.1 Lizenzgeschäfte 80
7.2.2 Joint Ventures und Wholly Foreign Owned Enterprises 81
7.2.2.1 Letter of Intent 81
7.2.2.2 Project Proposal 82
7.2.2.3 Feasibility Study 83
7.2.2.4 Kooperationsvertrag 85
8. Praktische Erfahrungen und Einschätzungen im China-Geschäft 87
8.1 Die Tom Tailor AG 87
8.2 s.Oliver Bernd Freier GmbH & Co. KG 91
8.3 Hugo Boss AG 93
9. Zusammenfassung und Ausblick 96
Anlagenverzeichnis 100
Literaturverzeichnis 115

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Darstellungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Definition und Abgrenzung 3
2. Wirtschaftsstandort VR China 6
2.1 Die Wirtschaftsentwicklung seit 1978 (Reform- und Öffnungspolitik) 6
2.2 Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit 1978 8
2.3 Einkommensentwicklung und -verteilung 9
2.4 Sonderwirtschaftsgebiete 11
3. Chinas WTO-Beitritt und das Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC) 14
4. Motive für Investitionen in der VR China 18
4.1 Absatz- und marktorientierte Motive für Investitionen 19
4.2 Kostenorientierte Investitionsmotive 22
5. Investitionsstandort VR China 24
5.1 China als Absatz- und Handelsstandort für Bekleidung 24
5.1.1 Chinas Einzelhandel und der Absatzmarkt für Bekleidung 24
5.1.2 Erfolgsfaktoren im Absatzmarkt für Bekleidung 27
5.1.3 Chinas Konsumenten 33
5.1.3.1 Die kleinen Kaiser 34
5.1.3.2 Die jungen Aufsteiger 35
5.1.3.3 Die Altgedienten 36
5.2 China als Produktions- und Beschaffungsstandort 37
5.2.1 Die Beschaffungsstrategie des Global Sourcing 37
5.2.2 Die VR China als Beschaffungsland 39
5.2.2.1 Wichtige Beschaffungsregionen 41
5.2.2.2 Produktionskosten im internationalen Vergleich 43
5.2.3 Herausforderungen bei der Beschaffung 45
5.2.3.1 Bestandsaufnahme der chinesischen Textil- und Bekleidungs- industrie 45
5.2.3.2 Vorzüge des chinesischen Beschaffungs- und Produktionsstandortes 46
5.2.3.3 Lieferantenidentifikation 47
5.2.3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl 49
5.2.3.5 Erfolgsfaktoren für die Beschaffung in China 50
5.2.3.6 Probleme bei der Beschaffung 51
6. Formen und Strategien der Internationalisierung 53
6.1 Außenhandel 55
6.2 Kooperationen ohne Kapitalbeteilung 56
6.2.1 Internationale Lizenzvergabe 56
6.2.2 Lohnfertigung 59
6.2.3 Franchise 61
6.2.4 Das Contractual Joint Venture 64
6.3 Kooperationen mit Kapitalbeteiligung (Direktinvestitionen) 65
6.3.1 Das Equity Joint Venture 65
6.3.2 Wholly Foreign Owned Enterprise 68
7. Markteintrittsphasen 71
7.1 Vorbereitungs- und Verhandlungsphase 71
7.1.1 Vorbereitungen 71
7.1.2 Informationsbeschaffung 73
7.1.3 Partnersuche 75
7.1.4 Partnerwahl 75
7.1.5 Vertragsverhandlungen 78
7.2 Genehmigungs- und Registrierungsphase 80
7.2.1 Lizenzgeschäfte 80
7.2.2 Joint Ventures und Wholly Foreign Owned Enterprises 81
7.2.2.1 Letter of Intent 81
7.2.2.2 Project Proposal 82
7.2.2.3 Feasibility Study 83
7.2.2.4 Kooperationsvertrag 85
8. Praktische Erfahrungen und Einschätzungen im China-Geschäft 87
8.1 Die Tom Tailor AG 87
8.2 s.Oliver Bernd Freier GmbH & Co. KG 91
8.3 Hugo Boss AG 93
9. Zusammenfassung und Ausblick 96
Anlagenverzeichnis 100
Literaturverzeichnis 115

Textprobe:

Kapitel 3., Chinas WTO-Beitritt und das Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC): Die WTO ist wohl die bedeutendste Organisation für den weltweiten Handel (146 Staaten). Sie wurde am 01.Jan.1995 mit Sitz in Genf gegründet und verfolgt die Idee der Liberalisierung des Handels und des Abbaus von tarifären (z.B. Zölle) und nichttarifären Handelshemmnissen (z.B. Importlizenzen, Industrie- und Sicherheitsstandards, Verpackung). Die WTO entstand, nachdem in der Uruguay-Runde (1986-94) die Mitglieder der GATT-Abkommen (General Agreement on Tariffs and Trade) sich auf deren Errichtung geeinigt hatten. Sie stellt gewissermaßen die Institutionalisierung der GATT-Abkommen dar.

Mit dem Beitritt Chinas zur WTO am 11.Dez.2001 und dem Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC, Welttextilabkommen) am 31.Dez.2004, unterliegt der internationale Textil- und Bekleidungshandel nun weitgehend den allgemeinen Regeln der WTO (Handelsliberalisierung, Meistbegünstigung und Reziprozität). Zuvor regulierten Importquoten den Handel, die anhand bilateraler Abkommen für die unterschiedlichen Produktkategorien festgelegt wurden. 1995 ging das ATC letztendlich aus dem mehrmals verlängerten Multi Fibre Agreement (MFA, Multifaserabkommen) von 1974 hervor.

In diesem wurden die Quoten und Zölle auf mehrere verschiedene textile Produktkategorien ausgedehnt, nachdem bis dahin nur eine Reglementierung von Baumwollprodukten vorgenommen wurde (Long Term Agreement on Cotton Textiles von 1962). Das primäre Ziel dieser Ausnahmeregelungen war der Schutz des heimischen Textil- und Bekleidungsgewerbes der Industrieländer vor Billigimporten aus dem Ausland.

Das ATC legte erstmals einen Plan für eine schrittweise Liberalisierung des internationalen Handels fest, welche in vier Stufen (1995, 1998, 2002 und 2005) vorgenommen werden sollte. Die größte Liberalisierungsstufe trat am 01.Jan.2005 ein, weil die Abnehmerländer bis zu diesem Zeitpunkt nur Produkte in den freien Handel gebracht hatten, die kaum von Quotenregelungen betroffen waren. In sensiblen Produktgruppen wie Hemden, Hosen, T-Shirts und Unterwäsche hielten die Länder die Quoten bis zum Ende des ATC aufrecht. So waren Ende 2004 noch 167 der 218 EU-Importquoten für elf WTO-Mitgliedsstaaten (darunter auch China) gültig.

Dies war ein Grund, warum der Aufschrei mancher Länder groß war, als die Quoten am 01.Jan.2005 fielen und China innerhalb kürzester Zeit den europäischen Markt mit importierten Textilien überschwemmte.

Auf Intervention von z.B. Italien, Frankreich, Portugal und Griechenland wurde zwischen China und der EU beschlossen, die Quotenregeln erst 2008 auszusetzen. Vor allem in Südeuropa (z.B. Italien) wurde versäumt, auf größere Produktionseinheiten zu setzen und dies obwohl die Textil- und Bekleidungsindustrien sich 10 Jahre auf den Quotenfall vorbereiten konnten. Deutschland steht im internationalen Vergleich besser da, weil die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie schon Anfang der Siebziger begonnen hat, ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlegen. Mittlerweile werden 90% im Ausland produziert. In Deutschland verbleibt nur noch die Musterfertigung, Design, Vertrieb und Verwaltung. Der technologie- und kapitalintensive Teil der Textilindustrie konzentriert sich auf qualitativ hochwertige Nischenprodukte. Zeichen dafür ist, dass sie mittlerweile 40% ihres Umsatzes mit technischen Textilien macht.

Die Einführung des sog. Quotenregimes beschleunigte die Globalisierung der Textil- und Bekleidungsproduktion, denn aufgrund der hohen Arbeitskosten in Deutschland und der Importbeschränkungen mussten die Unternehmen ihren Einkauf internationalisieren und zunehmend ihre Produktion ins billigere Ausland verlegen. Damit wurde das Ziel der Quoten, die heimischen Arbeitsplätze in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu sichern, weitgehend verfehlt. Die Umstrukturierung wurde einfach nur hinausgezögert.

Als weitere Folge der Quoten haben sich andere Entwicklungsländer wie Bangladesch, Vietnam oder Burma, durch ihre künstlich verbesserte Wettbewerbsposition als Standorte für die Bekleidungsproduktion hervorgetan. In diesen Ländern gab es zwar meist keine Quoten, wenn doch, waren sie selten ausgeschöpft. Die Hersteller waren jedoch oft auf Importe von Vorleistungen (z.B. Stoffe oder Zutaten wie Knöpfe) angewiesen. Das beinhaltet ein zusätzliches Währungsrisiko für die Unternehmen. Die Importquoten hatten damit eine ineffiziente Allokation von Ressourcen zur Folge. Daraus resultierten Wohlfahrtsverluste sowohl für die Entwicklungsländer als auch für die Konsumenten der Industrieländer. Nach Schätzungen des International Monetary Fund und der Weltbank lagen die Einbußen für die Entwicklungsländer bei jährlich über 20 Mrd. US$. Für die Konsumenten in den Abnehmerländern führten die Zölle und Quoten zu bis zu 20% erhöhten Verkaufspreisen. Grund dafür war, dass die Quoten in manchen beliebten Produktgruppen (z.B. T-Shirts, Hemden, Hosen, BH`s) versteigert wurden und diese Kosten oft höher als die Herstellungskosten des Produktes waren. Für Hosen bspw. waren die Quotakosten mitunter doppelt so hoch wie die Kosten der Herstellung. Kurz nach dem Fall der Quoten im Januar 2005 kosteten die Hosen in der Herstellung nur noch 61 Cent, ein Jahr zuvor waren es noch 2,70 Euro. Für Strick-Artikel sanken die Preise von 6,80 Euro auf 4,03 Euro.

Damit gehören nach dem Wegfall der Quoten, neben den Verbrauchern in Deutschland und Europa, die Chinesen (auch Indien) selbst zu den Gewinnern, da sie aus dem Stand ihre Produktion und damit die Exporte erheblich erhöhen konnten.

Andere Entwicklungsländer die durch die Quoten einen Standortvorteil gegenüber China hatten, gehören hingegen zu den Verlierern. Ihre Wirtschaft ist zumeist stark von den Bekleidungsexporten, die in nur wenige Abnehmerländer bzw. -regionen (meist USA und die EU) gehen und von Zulieferungen textiler Vorprodukte, abhängig. So machen bspw. die Bekleidungsausfuhren in Bangladesch etwa drei Viertel der Exporte aus. Nach Schätzungen des Washingtoner National Council of Textile Organizations werden 30 Mio. Textilarbeiter außerhalb Chinas ihre Jobs verlieren.

Arbeit zitieren:
Strohm, Christian November 2005: Zukunftsmarkt China, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Bekleidungsindustrie, Internationalisierung, Sonderwirtschaftszone, Markenbewusstsein

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