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Zukunfts(t)räume? Wege zur barrierefreien Mobilität

Anwendung eines dynamischen WebGIS am Beispiel Berlin/Treptow-Köpenick

Zukunfts(t)räume? Wege zur barrierefreien Mobilität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katja Friebel
  • Abgabedatum: April 2007
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 3,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 95
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1053-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Friebel, Katja April 2007: Zukunfts(t)räume? Wege zur barrierefreien Mobilität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Barrierefreiheit, Mobilität, Behinderung, UMN Mapserver, WebGIS

Diplomarbeit von Katja Friebel

Einleitung:

Seit mehr als drei Jahrzehnten engagieren sich behinderte Menschen und ihre Interessensvertreter, um die Diskrepanz zwischen dem Selbstverständnis sowie den Bedürfnissen behinderter Menschen und dem gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung aufzuzeigen. Bis Anfang der 1980er Jahre dominierte die Auffassung, Behinderung sei -äquivalent zu Krankheit und Gesundheit - als Antagonismus der Normalität zu begreifen. Das eingangs angeführte Gedicht soll in diesem Zusammenhang jedoch verdeutlichen, dass sowohl Behinderung, als auch Normalität eine Frage der Perspektive und der Definition sind. Problematisch ist, dass sich das Normalitätskonzept über einen langen Zeitraum in der sozialen und physischen Umwelt manifestieren konnte. Nach dem aktuellen Verständnis von Behinderung werden daher die Begriffe „Beeinträchtigung“ und „Behinderung“ unterschieden, wobei Menschen mit seelischen, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen erst durch gesellschaftliche Umstände zu „behinderten Menschen“ werden.

Eine der größten gesellschaftlich produzierten Barrieren stellt für funktional eingeschränkte Menschen die bauliche und verkehrliche Struktur dar, da diese ihre Mobilität bzw. ihren individuellen „Möglichkeitsraum“ einschränkt. Mobilität ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben und wird als eine der konstitutiven Faktoren unserer Gesellschaft rezipiert. Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und –bedingungen sowie sozialer Lebensverhältnisse, die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, ein wachsendes Freizeitbudget sowie die Verteilung der Grunddaseinsfunktionen auf räumlich getrennte Bereiche haben zu einer enormen Steigerung der gewünschten oder erzwungenen räumlichen Mobilität geführt. Es ist beispielsweise kaum mehr vorstellbar, die täglichen Wege mit den Transportmitteln von 1900 erledigen zu müssen. Dafür ist es notwendig, dass sich jeder Mensch weitestgehend unabhängig und ohne besondere Erschwernis in der gebauten Umwelt fortbewegen und orientieren kann.

Diese Forderung spiegelt sich in einem Ansatz wider, der in den letzten Jahren verstärkt auch in Europa verfolgt wird und u.a. darauf zielt, die Zugänglichkeit (engl. accessibility) der Städte zu verbessern. Dieser Ansatz löst die Sonderbereiche „Stadtplanung für behinderte Menschen“ bzw. das „alten- und behindertengerechte Bauen“ ab, die – wenn überhaupt – meist erst verspätet in der Planung berücksichtigt wurden. Um zum einen der Diskriminierung auf der sprachlichen Ebene zu begegnen und zum anderen die universelle Zielsetzung zum Ausdruck zu bringen wurde der Begriff der „Barrierefreiheit“ gewählt. Mit der Prämisse, die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft zu ermöglichen und gleichzeitig die allgemeine Lebensqualität zu erhöhen stellt das Konzept einen wichtigen Baustein der nachhaltigen Zukunftsplanung dar. Dabei erweist sich der Aspekt der barrierefreien Mobilität aufgrund der zunehmenden Mobilitätsanforderungen und –bedürfnisse sowie des steigenden Anteils älterer Menschen und damit der Zahl funktional eingeschränkter Personen als Schlüsselaufgabe.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Instrumente, die zur Durchsetzung der barrierefreien Mobilität geschaffen wurden, aufzuzeigen sowie hinsichtlich ihrer Wirksamkeit abzugrenzen und zu hinterfragen. Dazu zählen in erster Linie die gesetzlichen und politischen Steuerungsinstrumente der lokalen, nationalen, europäischen und internationalen Ebene, die eng miteinander verflochten sind. Als lokales Beispiel wurde die Stadt Berlin gewählt, welche den Prognosen zufolge und äquivalent zum Bundesdurchschnitt mit einem steigenden Anteil älterer Menschen rechnen muss. Bereits jetzt zeichnet sich die Stadt durch einen überdurchschnittlichen Anteil behinderter Menschen aus und stellt daher einen geeigneten räumlichen Schwerpunkt der Arbeit dar. Neben den langfristig wirksamen Maßnahmen spielen Instrumente wie Zugänglichkeitspläne, städtebauliche Wettbewerbe (z.B. der „Nordische Zugänglichkeitspreis“) oder spezielle Fördermöglichkeiten eine wichtige Rolle. Beispielhaft soll an dieser Stelle lediglich die empirische Erhebung von Mobilitätsbarrieren betrachtet werden, um das Potenzial des geplanten WebGIS abschätzen und die Umsetzung einordnen zu können. Zu diesem Zweck wird ein besonderes Augenmerk auf das Ziel und die Vorteile der webbasierten Informationsbereitstellung für mobilitätsbehinderte Menschen gelegt.

Darauf aufbauend verfolgt der praktische Teil der Arbeit das Ziel, ein webbasiertes Geographisches Informationssystem (WebGIS) umzusetzen, das die Zugänglichkeit von Einrichtungen im Bezirk Treptow- Köpenick auf Basis der Datenbank MOBIDAT des Albatros e.V. dynamisch und interaktiv visualisiert. Diese Informationen sind bereits im WWW verfügbar, liegen jedoch bisher nur mit indirektem Raumbezug vor, so dass Ortunkundige zur Orientierung auf zusätzliche Hilfsmittel (z.B. Stadtplan, Fahrplan) angewiesen sind. An dieser Stelle bietet sich mit der Umsetzung eines WebGIS eine viel versprechende Methode, um mobilitätsbehinderten Menschen die räumliche Orientierung zu erleichtern und Einschätzungen, die die Erreichbarkeit oder Umgebung des gewünschten Ziels betreffen (nächstes behindertengerechtes Café, Einkaufszentrum etc.), zu ermöglichen. Im Gegensatz zu einer (analogen oder digitalen, statischen) Karte bietet das WebGIS den Vorteil, dass der Anwender die kartographische Darstellung und den Informationsgehalt verändern und somit an seine Bedürfnisse anpassen kann.

Mit der Konzeption und Realisierung des WebGIS soll die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten, das im Rahmen des Projektes MOBIDAT realisierte Internetportal für Berlin zu ergänzen und damit den Alltag mobilitätsbehinderter Menschen sowie die Identifikation bestehender Probleme zu erleichtern.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen (Kapitel 2 und 3) und einen praktischen Teil (Kapitel 4) und schließt mit einer zusammenfassenden Darstellung und Bewertung der aufgezeigten Thematik und der Umsetzung des WebGIS (Kapitel 5).

Das 2. Kapitel beinhaltet den theoretischen Bezugsrahmen der Arbeit. Das gewandelte Verständnis von Behinderung wird unter Bezug auf den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext nachvollzogen und damit der Ansatzpunkt für das Konzept der Barrierefreiheit herausgestellt. Die Diskussion verfügbarer statistischer Daten über behinderte bzw. mobilitätsbehinderte Menschen zeigt die Schwierigkeit auf, diesen Personenkreis abzugrenzen und belegt den Handlungsbedarf. Nach der Skizzierung der Barrieren, die im Zusammenhang mit der räumlichen Mobilität und in Abhängigkeit von der Art der Beeinträchtigung identifiziert werden können, folgt die Vorstellung des Konzeptes der Barrierefreiheit. Die Synthese definiert auf der Basis der vorangegangenen Abschnitte die Anforderungen an eine barrierefreie Mobilität, beurteilt deren Zielsetzung und Umsetzbarkeit und leitet auf diese Weise auf das nachfolgende Kapitel über.

Im 3. Kapitel werden die wichtigsten politischen und gesetzlichen Instrumente auf der lokalen, nationalen und internationalen Ebene beschrieben, die bis zum aktuellen Zeitpunkt geschaffen wurden und den Rahmen für die Durchsetzung der barrierefreien Mobilität liefern. Die Darstellung verdeutlicht die Notwendigkeit von Instrumenten mit kurzfristiger Zielwirkung und greift die lokale Erhebung von Mobilitätsbarrieren beispielhaft auf. Sie wird zudem hinsichtlich ihrer Bedeutung für mobilitätsbehinderte Menschen in den Kontext des Potentials, das das World Wide Web (WWW) bietet, eingeordnet.

Das 4. Kapitel beschreibt die Konzeption und Realisierung des WebGIS anhand des Beispielgebietes Treptow- Köpenick. Die Formulierung des Ziels der Anwendung und die Identifikation der Zielgruppe bestimmen die Anforderungen an Inhalt und Funktion des Systems und bilden somit die Basis für die Auswahl der Webtechnologie. Daran anschließend werden die für das WebGIS gewählte Software dargestellt und die Komponenten in ihrer Funktionsweise erläutert. Die Beschreibung der Umsetzung des WebGIS mit dem UMN MapServer ist gegliedert in die Abschnitte Datengrundlage, erforderliche Konfigurationen für das Kartenfeld und die Vorstellung des grundlegenden Designs der Webseite.

Kapitel 5 fasst die wichtigsten Aussagen der Arbeit zusammen und bewertet die Umsetzung des WebGIS unter Berücksichtigung der Zielstellung.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS IV
VERZEICHNIS DER CODE-BEISPIELE V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
1.1 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA 1
1.2 ZIELSETZUNG DER ARBEIT 2
1.3 AUFBAU DER ARBEIT 3
2. BARRIEREN IM RAUM - GRENZEN DER MOBILITÄT 5
2.1 BEHINDERUNG 5
2.1.1 Zur Problematik des Behinderungsbegriffs 5
2.1.2 Zahl behinderter Menschen 10
2.2 MOBILITÄT 15
2.2.1 Begriffsdefinition 15
2.2.2 Mobilitätsbehinderte Menschen 17
2.2.3 Mobilitätsbarrieren 20
2.3 BARRIEREFREIHEIT, ZUGÄNGLICHKEIT UND UNIVERSELLES DESIGN 21
2.4 SYNTHESE: BARRIEREFREIE MOBILITÄT 23
3. WEGE ZUR BARRIEREFREIEN MOBILITÄT 26
3.1 GESETZE UND NORMEN 26
3.1.1 Bürgerrecht: Diskriminierungsverbot und Gleichstellungsgebot 26
3.1.2 Baurecht und relevante DIN-Normen 30
3.1.3 Internationale Entwicklung 32
3.2 SOZIALPOLITISCHE MAßNAHMEN UND INITIATIVEN 33
3.2.1 Konzepte für Berlin 33
3.2.2 Ansätze auf der Ebene der EU 37
3.2.3 Internationale Entwicklung 39
3.3 ERFASSUNG UND DARSTELLUNG VON MOBILITÄTSBARRIEREN 41
3.3.1 Ziel der Erfassung von Mobilitätsbarrieren 41
3.3.2 Wachsende Bedeutung des WWW 43
3.3.3 Bestehende Ansätze im Internet 45
3.4 ZWISCHENFAZIT 51
4. KONZEPTION UND REALISIERUNG DES WEBGIS 53
4.1 ZIEL DER ANWENDUNG 53
4.2 ZIELGRUPPE 54
4.3 AUSWAHL DES MAPSERVERS/DER WEBTECHNOLOGIE 54
4.3.1 ArcIMS 55
4.3.2 Google Maps 56
4.3.3 UMN Mapserver 57
4.3.4 Schlussfolgerungen und Auswahl 58
4.4 AUFBAU UND FUNKTIONSWEISE DES WEBGIS 60
4.4.1 Definition WebGIS 60
4.4.2 Cient 62
4.4.3 Webserver/Apache 63
4.4.4 Mapserver/UMN MapServer 64
4.4.5 Data Server/MySQL 68
4.4.6 Architektur 69
4.5 UMSETZUNG MIT PHP/MAPSCRIPT 71
4.5.1 Datengrundlage 71
4.5.2 Konfiguration des Mapfiles 72
4.5.3 Aufbau und Design der Webseite 78
5. ZUSAMMENFASSUNG UND BEWERTUNG 81
5.1 UMSETZUNG DER BARRIEREFREIEN MOBILITÄT 81
5.2 BEWERTUNG DER UMSETZUNG DES WEBGIS 83
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 85

Textprobe:

Kapitel 3.3, Erfassung und Darstellung von Mobilitätsbarrieren:

Die vorgestellten politischen und gesetzlichen Instrumente liefern eine wichtige Basis zur Sicherung der Teilhabe behinderter Menschen. Die größte Herausforderung zur Verwirklichung barrierefreier Lebensräume jedoch stellt die existente Bebauungs- und Verkehrsstruktur dar. Daher nimmt die Erfassung von Mobilitätsbarrieren eine wichtige Rolle ein (Kap. 3.3.1.). Bei der Bereitstellung von Informationen zur Zugänglichkeit stellt das World Wide Web (WWW) ein innovatives Medium dar, das als Informationsplattform zunehmend an Bedeutung gewinnt (Kap. 3.3.2.). Anhand von Beispielen zeigt das Kapitel 3.3.3. die Möglichkeiten, die sich durch das WWW bieten, auf.

Ziel der Erfassung von Mobilitätsbarrieren:

Obwohl die DIN-Normen detaillierte Anforderungen an Tür- oder Wegbreiten, zur Beschaffenheit von Treppen und Rampen, zu Orientierungshilfen, Bewegungsflächen oder Bodenbelägen liefern und Rechtsverbindlichkeit erlangen, wenn sie wie in Berlin als technische Baubestimmungen eingeführt werden (vgl. Kap. 3.1.3), sind sie nicht immer in vollem Maße umsetzbar. Daher müssen (Mobilitäts-) Barrieren immer in Abhängigkeit von der räumlichen Situation identifiziert werden, um spezifische Lösungen finden zu können. Die lokale Bestandsaufnahme dient zwei wesentlichen Zielen: Zum einen sind mobilitätsbehinderte Menschen stärker als Menschen ohne Beeinträchtigung darauf angewiesen, ihre Wege im Vorfeld zu planen. Der folgende Erfahrungsbericht einer Rollstuhlfahrerin illustriert, mit welchen Problemen eine Vielzahl von Menschen auf ihren Wegen alltäglich konfrontiert werden: „Wie ich also so auf dem Bahnsteig Zehlendorf warte und nach meinem Zug Ausschau halte, sehe ich die Anzeige: „Yorckstraße, Bitte Ansage beachten!“ Gleich schwant mir nichts Gutes, denn das bedeutet: Schienenersatzverkehr! Und ich bereue, dass ich an diesem Abend – wie jeder Bürger/jede Bürgerin – spontan und „normal“ nach Hause kommen wollte, so wie ich auch problemlos hinkam, ohne mich vorher wieder nach Bauarbeiten bei der S-Bahn zu erkundigen. Eine Woche zuvor zumindest fuhren die Züge durch. Müde und körperlich kaputt bedeutete dies wieder doppelt so viel an Wegezeit gegenüber den sonst notwendigen 45 Minuten, da ich den S-Bahnring bis Gesundbrunnen nutzte, um nicht zwischen Westkreuz und Zoo erneut Probleme zu bekommen, wie ich das neulich erlebte. […] Von Gesundbrunnen hätte ich bis Oranienburger Straße fahren müssen, aber in Nordbahnhof hieß es abermals: „Dieser Zug endet hier. Weiterfahren auf dem anderen Bahnsteig.“ Da ein behinderter Mensch den Anschlusszug meist nicht bekommt, weil es eben mit den Aufzügen immer länger dauert und ich keinen Bock auf eventuell noch weitere defekte Aufzüge hatte – entschied ich mich „freiwillig“ – einmal auf Straßenebene angekommen – für einen halbstündigen Rollimarsch nach Hause…“.

Das Beispiel verdeutlicht, dass gute Ortskenntnisse oder zuverlässige Informationen für mobilitätsbehinderte Menschen zur Realisierung von Aktivitäten unabdingbar sind. Neben temporären Hindernissen wie defekte Aufzüge, Baustellen oder Werbetafeln auf dem Gehweg, wetter- oder tageszeitbedingte Schwierigkeiten auf Wegen kommt hinzu, dass sich in Abhängigkeit von der körperlichen Konstitution die zu Fuß überwindbaren Distanzen reduzieren. Daher sind sie in besonderem Maße auf den öffentlichen Nahverkehr, spezielle Fahrdienste oder das Auto angewiesen. Die Qualität der Wege und dessen Bodenbelag, die Überquerbarkeit einer Strasse, die Dauer von Ampelphasen, die Verfügbarkeit eines für alle nutzbaren Haupteingangs zu Gebäuden etc. entscheiden über den Zeitaufwand oder sogar die generelle Erreichbarkeit eines gewünschten Ziels. Die Bereitstellung von Informationen dieser Bandbreite kann die Mobilität des Einzelnen erleichtern, enthebt jedoch nicht von der gesetzlichen Selbstverpflichtung, langfristig die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum herzustellen, um die Unabhängigkeit mobilitätsbehinderter Menschen zu gewährleisten.

Zum anderen dient die Erfassung von Mobilitätsbarrieren daher dazu, den Handlungsbedarf auf lokaler Ebene zu identifizieren. Sie stellt vor allem für die Interessenvertreter behinderter oder älterer Menschen (Vereine, Behindertenbeauftragte des Bezirks u.a.) eine wichtige Grundlage dar, um deren Belange zu veranschaulichen und durchzusetzen. Bislang einmalig in Berlin ist der 1994 für den Bezirk Friedrichshain beschlossene Rahmenplan, für den Einrichtungen und der Verkehr aus der Sicht behinderter Menschen bewertet wurden. Das Ergebnis der Erhebung, die im Rahmen eines Projektseminars am Geographischen Institut der Humboldt Universität durchgeführt wurde, zeigte u.a. auf, dass 80% der untersuchten Einrichtungen für behinderte Menschen nicht nutzbar sind, dass mehr als 50% aller Bordsteinkanten nicht abgesenkt sind und Behindertenparkplätze in großer Zahl fehlen. Diese systematische Analyse konnte von der Behindertenbeauftragten des Bezirks aufgegriffen werden, um die Notwendigkeit von Maßnahmen in den verschiedenen Ressorts der Bezirksverwaltung geltend zu machen. Eine zweite Erhebung durch Studenten des Geographischen Instituts im Jahr 2005 in Friedrichshain-Kreuzberg kommt zu dem Ergebnis, dass der Bezirk noch immer nicht als behindertengerecht eingestuft werden kann. Im Gegensatz zur Situation von 1993 allerdings, als die kommunalen und öffentlichen Einrichtungen die schlechteste Zugänglichkeit aufweisen, sind die kommunalen Einrichtungen 2005 im Vergleich zu anderen Objekten am besten für behinderte Menschen zugänglich. Die Erfassung von Mobilitätsbarrieren kann demzufolge im Rahmen städtebaulicher Planungen den Handlungsbedarf aufdecken, der Erstellung eines Maßnahmenkataloges oder einer Prioritätenliste dienen sowie gleichermaßen ein Kontrollinstrument darstellen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Erfassung von Mobilitätsbarrieren die räumliche Orientierung beeinträchtigter Menschen erleichtert und gleichzeitig die langfristige Herstellung barrierefreier Räume unterstützt. Der folgende Abschnitt stellt die zunehmende Bedeutung des Internets heraus und legt dar, welche Chancen sich dadurch hinsichtlich der Bereitstellung von Informationen zur Zugänglichkeit öffentlicher Räume ergeben.

Wachsende Bedeutung des WWW:

Das World Wide Web (WWW) basiert auf einem Projekt des CERN in Genf (Schweiz), im Rahmen dessen 1991 die erste Webseite für die physikalische Forschung entstand. Seit Mitte der 1990er Jahre etablierte es sich zunehmend als journalistische, wissenschaftliche, aber vor allem öffentlichkeitswirksame Informationsplattform. „Die rasante Verbreitung bzw. Durchdringung von IKT, besonders netzbasierten Diensten wie dem World Wide Web, in allen Bereichen der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik kommt in ihrer Wirkung der Erfindung des Buchdrucks gleich. Innerhalb von 10 Jahren wuchsen die Webseiten von 100 000 (1995) auf heute rund 10 Milliarden.“ Das Statistische Bundesamt, das sich 2005 zum vierten Mal an europäischen Pilotstudien zur Informationstechnologie in Unternehmen und Haushalten beteiligte, beziffert den Anteil der Personen im Alter von 16 bis 74 Jahre, die mindestens einmal pro Woche das Internet nutzen, für Deutschland auf 54%. Damit liegt Deutschland hinter Ländern wie Schweden und Finnland, aber über dem europäischen Durchschnitt (EU 15) von 46%. Die Ausstattung privater Haushalte mit Internetzugang stieg in Deutschland im Vergleich zu 2002 um 16% auf 62% im Jahr 2005 und ist abhängig von sozio-ökonomischen Merkmalen wie Geschlecht, Alter und Einkommen. Frauen nutzen das Internet im Durchschnitt seltener als Männer und Personen in der Altersgruppe ab 55 Jahre sowie einkommensschwächere Haushalte verfügen in wesentlich geringerer Zahl über einen Internetzugang. Die eigentliche Hürde stellt dabei die Anschaffung und Nutzung eines PC’s dar, denn 2005 nahmen bereits 87% aller PC-Nutzer in privaten Haushalten auch das Internet in Anspruch. Ziel der Internetnetzung privater Haushalte ist in erster Linie die Suche nach Informationen (52%), gefolgt vom Senden oder Empfangen von e-mails (51%), von Einkäufen (29%) und der Nachfrage von Finanzdienstleistungen (26%).

„Das Internet […] kann daher als ein innovatives Technologieumfeld für die Kommunikation und Verteilung von Informationen aller Art angesehen werden.“ Der entscheidende Vorteil des Internets liegt in der plattformunabhängigen, zeitlich unbeschränkten Zugangsmöglichkeit und dem interaktiven, multimedialen Inhalt des WWW. Mit der zunehmenden Verbreitung von DSL in Haushalten durch (gegenüber früher) vergleichsweise günstige Tarife wurden zudem neue Anwendungen für Privatnutzer erschlossen, insbesondere auch solche, die auf geographischen Informationen basieren wie Routenplaner, Google Maps, Google Earth etc. In den USA ist die Nutzung derartiger Anwendungen bereits weit verbreitet und dieser Trend ist auch in Deutschland absehbar. Hinsichtlich der Informationsbereitstellung für mobilitätsbehinderte Menschen über das Internet treten jedoch bisher zwei Restriktionen auf:

Wie bereits erwähnt ist die Internetnutzung sehr stark vom Alter abhängig. Während 2004 86% der 10- bis 24-Jährigen Gebrauch vom Internet machten, waren es bei den über 64-Jährigen nur 11%. Allerdings meldete das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung vom April 2005, dass die Zahl älterer Menschen (55 Jahre und älter), die den Zugang zum Internet finden, im Vergleich zu dem Zuwachs in der Bevölkerung ab 10 Jahren überdurchschnittlich zunimmt. Innerhalb der Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen, die bereits mit dem PC aufgewachsen sind oder aus beruflichen Gründen den PC nutzen, liegt der Anteil der Internetnutzer 2004 bereits bei 73%. Daher wird das Alter zukünftig immer weniger eine Rolle spielen.

Des Weiteren hängt für blinde und sehgeschädigte Menschen die Nutzbarkeit von Webangeboten davon ab, ob und wie die Seiten durch die für sie entwickelte Software (den so genannten „Screen Readern“) lesbar ist. Mit Inkrafttreten des BGG im Jahr 2002 müssen daher alle aus öffentlicher Hand finanzierten Internetauftritte seit dem 31.12.2005 barrierefrei gestaltet werden. Mittlerweile hat sich jedoch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die barrierefreie Webseitengestaltung ebenso die Seitenerstellung und –pflege vereinfacht, da sie im Grundprinzip auf der konsequenten Trennung von Struktur, Design, Inhalt und Funktion beruht. Die „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“ (BITV) enthält die konkreten Anforderungen an barrierefreie Webseiten. Auch das World Wide Web Consortium (W3C) veröffentlichte 1999 „Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte“, die im Wesentlichen dem BITV entsprechen und die behindertengerechte Websitegestaltung erläutern.

Der folgende Abschnitt zeigt anhand von Beispielen auf, in welcher Form Informationen über Mobilitätsbarrieren im WWW aufbereitet und angeboten werden.

Arbeit zitieren:
Friebel, Katja April 2007: Zukunfts(t)räume? Wege zur barrierefreien Mobilität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Barrierefreiheit, Mobilität, Behinderung, UMN Mapserver, WebGIS

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