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Die Zukunft des professionellen Automobilsports - Wie kann der Automobilweltverband FIA den Sport regulieren?

Die Zukunft des professionellen Automobilsports - Wie kann der Automobilweltverband FIA den Sport regulieren?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jens Höing-Schwarz
  • Abgabedatum: Juli 2010
  • Umfang: 153 Seiten
  • Dateigröße: 4,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule für angewandtes Management Campus Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 100
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0866-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Höing-Schwarz, Jens Juli 2010: Die Zukunft des professionellen Automobilsports - Wie kann der Automobilweltverband FIA den Sport regulieren?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sport, Formel 1, Motorsport, Automobilsport, Management

Diplomarbeit von Jens Höing-Schwarz

Einleitung:

Bahrain, der 14. März 2010 – es ist ein legendärer Tag für den Automobilsport. Der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten feiert eines der größten Sport-Comebacks. Als siebenmaliger Formel 1 Weltmeister kehrt Michael Schumacher - der gemeinsam mit Tiger Woods und Roger Federer die Top-3 der weltweit vermögendsten Sportler bildet - 1.239 Tage nach seinem letzten Rennen in die Formel 1 zurück. Allein in Deutschland sehen bei RTL bis zu 11,62 Mio. Zuschauer das Rennen. Dies entsprach einem Marktanteil von 51,8 %. Hinzu kommen über eine Million Zuschauer bei ‘SKY’. Der Pay-TV Sender konnte seine Quote im Vergleich zum Vorjahr um 78% steigern. Insgesamt sehen zwei Drittel der deutschen TV-Zuschauer ‘Schumis’ Comeback.1 Es ist ein positiver Moment für den Automobilsport, der zwar in keiner handfesten Krise steckt, aber dennoch vor großen Aufgaben. Auswirkungen der Wirtschaftskrise und Druck auf die Automobilkonzerne verändern aktuell den Automobilsportmarkt: Gaben die Formel 1 Teams von BMW, Toyota und Honda 2008 zusammen noch über 1 Mrd. Dollar aus2, so gibt es diese drei Marken 2010 nicht mehr in der Formel 1. Während sich die Führung der Teams von BMW bzw. Honda zum Management-Buyout entschloss, um die Teams als Privatteam fortzuführen, wurde der Betrieb des Toyota-Teams stillgelegt. Damit fiel auch die Mehrheit der über 1.000 Arbeitsplätze an der Kölner Formel 1 Fabrik, der ‘Toyota Motorsport GmbH’, weg. Doch welche genaue Rolle spielen die Automobilkonzerne im Automobilsport überhaupt und welche Auswirkungen haben ihre Engagements auf die zahlreichen Privatteams? Neben diesen Fragen wird in dieser Arbeit auch die Aufgabe der Protagonisten, also der Rennfahrer selbst, behandelt. Wie wird man eigentlich Rennfahrer und welche Merkmale machen einen Rennfahrer aus?

Im Vergleich zu anderen Sportarten wird der Automobilsport als sehr intransparent beschreiben, und das trotz enormer wirtschaftlicher Bedeutung: Laut dem Fachmagazin SPONSORS ist der Automobilsport nach dem Fußball die Sportart mit ‘der größten wirtschaftlichen Bedeutung’3. SPONSORS stützt sich u.a. auf den Umsatz. Allein in der Formel 1 werden demnach jährlich über 3 Mrd. EURO umgesetzt. Dies spricht für die Untersuchung des Automobilsports, in der es in dieser wissenschaftlichen Arbeit geht. In der Literatur wird Automobilsport bislang nur mit Betrachtung einzelner Rennserien, z.B. der Formel 1, behandelt. Neben mangelnder Transparenz im Automobilsport nimmt Kritik und Druck hinsichtlich ökologischer Gesichtspunkte zu. Tatsache ist auch, dass Geld keine unwichtige Rolle im Automobilsport spielt. Durch diese Arbeit soll ebenso geklärt werden, ob man sich im Automobilsport Erfolg erkaufen kann und ob es ggf. Wege gibt, dies zu unterbinden. Aus den angerissenen Fakten leitet sich die Problemstellung dieser Arbeit ab, in der es um folgende Ausgangsfrage geht: Ist im Automobilsport eine Reform notwendig?

Diese Arbeit ist in drei Teile aufgeteilt, die aufeinander aufbauen. Teil I ist die Marktanalyse. Es geht darum, Grundlagen darzustellen und den IST-Zustand des Automobilsportmarktes zu ermitteln. Hier werden u.a. die FIA als internationaler Verband sowie die vier Hauptdisziplinen des Automobilsports, nämlich Formelsport, Tourenwagen, Sportwagen und Rallye-Sport, anhand von jeweils einer Grafik dargestellt. Die Grafiken werden Rennserien und Wettbewerbe der vier Disziplinen zeigen. Nur so wird der weitere Teil dieser wissenschaftlichen Arbeit verständlich werden. Teil II ist die Bedarfsanalyse. Ziel dieser ist es, den SOLL-Zustand zu ermitteln, der sich nach den Bedürfnissen der Marktteilnehmer richtet. Um den Bedarf im Automobilsport zu erarbeiten habe ich u.a. Gespräche mit Branchenexperten geführt und einen Fragekatalog eingesetzt, der von Teammanagern etablierter, internationaler Rennteams beantwortet wurde. Auch Erkenntnisse der spezifischen Recherchen für diese Arbeit sowie meiner mehrjährigen Berufserfahrung in der Branche fließen in die Bedarfsanalyse ein. Teil III folgt auf Grundlage der Markt- sowie Bedarfsanalyse, in dem ein Vorschlag für eine Reform im Automobilsport entwickelt wird. Zum inhaltlichen Ende dieser Arbeit werde ich mich in Punkt 7 abschließend der Ausgangsfrage widmen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
1.3 Voraussetzung und Motivation, dieses Thema zu bearbeiten 2
2. Begriffliche Grundlagen und Marktanalyse 3
2.1 Automobilsportmarkt 3
2.1.1 Automobilsportmarkt 3
2.1.2 Die Rolle der Automobilkonzerne 7
2.1.3 Finanzabhängigkeit 10
2.1.4 Ist Motorsport ein Sport? 11
2.2 Die FIA 13
2.2.1 Die FIA als Verband 13
2.2.2 Statuten der FIA 14
2.2.3 Entwicklung der FIA 16
2.2.4 Kritik an der FIA 17
2.3 Rolle und Verantwortung der FIA im Automobilsport 20
2.3.1 Aufgaben der FIA 20
2.3.2 Die Rolle der FIA in der Formel 1 21
2.3.3 Berechtigung des Automobilsports 21
2.3.4 Einfluss der FIA auf den Sport 22
2.4 Rennserien und –klassen 24
2.4.1 Formel 1 und Formelsport 25
2.4.2 Tourenwagen 28
2.4.3 Sportwagen 30
2.4.4 Rallye 33
2.4.5 Weitere Wettbewerbe 34
2.5 Teams im Automobilsport 35
2.6 Rennfahrer
2.7 Eingrenzung dieser Arbeit 39
3. Bedarfsanalyse 40
3.1 Probleme des Automobilsports 40
3.1.1 Finanzabhängigkeit und hohe Kosten 40
3.1.2 Faktor Automobilkonzerne 43
3.1.3 Faktor Transparenz 44
3.1.4 Automobilsport in der Gesellschaft 47
3.1.5 Faktor Umwelt 50
3.1.6 Faktor Sicherheit 57
3.1.7 Faktor Sportlichkeit: Doping und Illegalität 59
3.1.8 Das Problem der schwachen und starken nationalen Verbände 60
3.1.9 Vermarktung im Automobilsport 61
3.2 Auswirkung der Konkurrenzsituation von Rennserien 65
3.2.1 Formelsport 67
3.2.2 Tourenwagen 73
3.2.3 Sportwagen 75
3.2.4 Rallye-Sport 82
4. Regulierung des Marktes 83
4.1 Notwendigkeit der Regulierung 83
4.2 Anforderungen an den Automobilsport in der Zukunft 84
4.3 Zusammenfassung: Ziele der FIA 85
5. Lösungsvorschlag 86
5.1 Grundsätze der Lösungsidee 86
5.1.1 Schaffen einer Struktur 86
5.1.2 Förderung der Spitzensportler 92
5.1.3 Förderung der Privatteams 93
5.1.4 Förderung der Ökologie 94
5.1.5 Förderung des Breitensports 95
5.1.6 Bessere Voraussetzungen bzgl. Vermarktung 96
5.2 Die Umsetzung im Detail 97
5.2.1 Lösung im Formelsport 97
5.2.2 Lösung im Sportwagen 102
5.2.3 Lösung im Tourenwagen 104
5.2.4 Lösung im Rally-Sport 107
5.2.5 Lösung im Breitensport 108
5.3 Richtlinien für nationale Rennserien 111
5.4 Lösung bzgl. Vermarktung 112
5.5 Rechtliche Grenzen 116
5.6 Zeitlicher Fahrplan 117
5.7 Mögliche Probleme 118
6. Langfristige Auswirkungen des Konzeptes 121
6.1 Gewinner und Verlierer der Reform 121
6.2 Auswirkungen des Regulierungskonzeptes 121
6.2.1 Auswirkungen auf den Automobilsportmarkt 124
6.2.2 Wegfall von Rennserien 127
6.3 Das Thema Umwelt 129
7. Fazit der Ausgangsfrage 131
7.1 Bestätigung der Ausgangsfrage 131
8. Anhang 132
8.1 Anhang 1: Großdarstellung der ausgearbeiteten ‘Automobilsport-Struktur’ 132
8.2 Anhang 2: KERS als technisches Beispiel für einen Hybrid-Antrieb 133
8.3 Anhang 3: FIA-Kampagne für mehr Sicherheit im globalen Straßenverkehr 134
8.4 Anhang 4: Fragebogen 135
9. Literaturverzeichnis 137

Textprobe:

Kapitel 2.1.4, Ist Motorsport ein Sport?

Betrachtet man zum einen die Interdependenz von Finanzen und sportlichen Erfolg, kommt die Frage auf, ob Automobilsport überhaupt als Sport gewertet werden darf. Der älteste Formel 1 Teamchef, Sir Frank Williams (Williams F1 Team) sagt: ‚Formula 1 is simply tough business every day, and every second Sunday sport for two hours’.13 Neben der Abhängigkeit von finanziellen Ressourcen, stellt sich auch die Frage nach der Wichtigkeit der rein sportlichen, sprich körperlichen, Leistung. Eigenschaften des Sports sind immer, körperliche oder taktische Anstrengungen zu unternehmen. Zumindest in den obersten Klassen des professionellen Automobilsports geht es aber in erster Linie darum, ein gutes technisches Produkt, nämlich einen Rennwagen, zu konstruieren. Das McLaren Formel 1 Team beschäftigte 2009 nach eigenen Angaben rund 980 Personen, darunter mit den beiden Einsatzfahrern sowie zwei Testfahrern nur vier Sportler.

Nick Heidfeld, 2009 noch BMW-Werksfahrer in der Formel 1, saß im Jahr 2009 gerade einmal 58 Tage für Renn- bzw. Test-Tage im Rennwagen. Ein Rennfahrer verbringt die meiste Zeit seiner Arbeit mit technischer Entwicklungsarbeit, die er mit den Ingenieuren durchführt, oder mit repräsentativen Aufgaben für sein Team bzw. für Sponsoren. Es ist für einen Rennfahrer heute wichtiger viel technisches Verständnis zu besitzen anstatt nur schnell Rennwagen zu fahren. Dr. Helmut Marko, Ex-Rennfahrer und angesehener Motorsport-Berater bei Red-Bull, bewertet die Anforderungen an einen Formel 1 Rennfahrer wie er es sagt mit ‘80-zu-20’, wobei 80% auf das technisches Verständnis und 20% auf die rein fahrerische Fähigkeit fallen.

Auf der anderen Seite kann man argumentieren, dass auch in anderen Sportarten, z.B. im Fußball, Geld eine ganz wichtige Rolle spielt. Trotzdem stellt man nicht den Fußball als Sport in Frage. Weiter wird argumentiert, dass sich Sport generell einfach extrem professionalisiert, eine Abhängigkeit zu Geld ist da nicht zu vermeiden. Man muss bedenken, dass auch ein Verein in der ersten Fußball-Bundesliga wie ein Wirtschaftsunternehmen agiert und entsprechend mit hoch qualifiziertem Personal arbeitet.

Fürsprecher der ‘Sportlichkeit’ argumentieren zudem dass der technische Aufwand, der im Automobilsport betrieben wird um erfolgreich zu sein, nur Mittel zum Zweck ist. Die Öffentlichkeit hat eigentlich gar keinen Einblick, welcher technische Aufwand in den Fabriken der Teams betrieben wird. Im Vordergrund steht immer der sportliche Wettkampf, so wie er in den Medien auch dargestellt wird.

Die Frage, ob Automobilsport bzw. Motorsport generell ein Sport ist, war letztlich auch für Bestimmungen der Politik eine wichtige Entscheidung. Dies betrifft z.B. Regelungen für sportliche Großereignisse, Regelungen für Manager und Sponsoren sowie steuerliche Gesetze. In der Folge vieler Unklarheiten schuf der Bundesfinanzhof in seinem Urteil am 29.Oktober 1997 Klarheit: Demnach ‘erfüllt Motorsport (insbesondere Automobilsport) die Voraussetzungen der Allgemeinnützigkeit und des sportlichen Wettkampfes. Motorsport wird offiziell als Leistungssport in Deutschland anerkannt.’ Während andere Länder wie etwa Frankreich schon weiter gingen und auch den Beruf des Rennfahrers unter bestimmten Leistungsnachweisen anerkannten, ist der Beruf Rennfahrer in Deutschland keine offizielle Berufsbezeichnung. Entgegen individuellen Meinungen hat die Politik damit einen Grundsatz geschaffen, womit Motorsport bzw. Automobilsport de facto ein Sport ist.

Zuletzt bleibt noch die Tatsache zu diskutieren, dass es im Automobilsport keine Vereine gibt, die sich aktiv in Rennserien engagieren, sondern ausschließlich Wirtschaftsunternehmen. Die Frage, wie man dies rechtlich überhaupt werten soll, ist keine Einfache: Grundsätzlich sind Wirtschaftsunternehmen im Sport kritisch zu betrachten. Es gibt für Vereine Vorschriften und Regelungen des Gesetzgebers, die die Berechtigungen des Vereins stärken und den Verein vor allen durch Gemeinden / Kommunen fördern lässt. Ein Verein hat eine besondere positive Stellung in der Gesellschaft und existiert in erster Linie zur Förderung und Interessensvertretung seiner Mitglieder. Besonders für den Breitensport sind Vereine unerlässlich.

Aber auch in anderen Sportarten ist es üblich, dass sich in den obersten Klassen Wirtschaftsunternehmen engagieren, wie etwa im Segelsport, im Radsport und inzwischen auch im internationalen Profifußball. So ist z.B. der Club Real Madrid eine spanische Sport-S.L., also eine Art ‘Sport-GmbH’. Auch deutsche Fußball-Clubs gründen vermehrt kleinere Kapitalgesellschaften, z.B. um die Lizenzspielerabteilung in diese auszugliedern. Wirtschaftsunternehmen sind natürlich auch im Sport bilanzierungspflichtig und haften für Fehlentscheidungen und Verbindlichkeiten. Betrachtet man die Überschuldung mancher Sportvereine ist dies ein wichtiges Argument für die Wirtschaftsunternehmen. Trotz z.T. hoher Verbindlichkeiten wird Vermögen in Vereinen sehr mangelhaft bilanziert. Für den Automobilsport ist es sicher die richtige Form, dass die Teams Wirtschaftsunternehmen sind. Immerhin muss jedes Team zudem, genauso wie Vereine im Fußball, eine Lizenz beim Verband beantragen. Neben den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die Lizenz Grundlage des sportlichen Handelns der Teams. Damit besitzt das Team sportliche Legitimation und erkennt Verbandsbestimmungen an.

Fazit: Engagieren sich zunehmend Wirtschaftsunternehmen in der Sportart als Teams, fördert es Spitzensport. Engagieren sich Non-Profit Vereine, wird eher Breitensport gefördert.

Arbeit zitieren:
Höing-Schwarz, Jens Juli 2010: Die Zukunft des professionellen Automobilsports - Wie kann der Automobilweltverband FIA den Sport regulieren?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sport, Formel 1, Motorsport, Automobilsport, Management

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