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Die Zukunft des Kinos

Filmkultur im Zeitalter der Digitalisierung

Die Zukunft des Kinos
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Viktor Witte
  • Abgabedatum: Februar 2010
  • Umfang: 34 Seiten
  • Dateigröße: 386,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 34
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4604-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Witte, Viktor Februar 2010: Die Zukunft des Kinos, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medien, Filmästhetik, Kino, Fernsehen, Technologie

Bachelorarbeit von Viktor Witte

Einleitung:

Wie der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth Anfang des Jahres 2009 in einem Essay so treffend formulierte, wird der Untergang des „guten alten Kratz-, Ruckel- und Ratterkinos durch digitale Magie“ bereits seit Mitte der neunziger Jahre prognostiziert. Nun, immerhin anderthalb Jahrzehnte später, sollte man davon ausgehen können, dass die Visionen der digitalen Revolution längst Wirklichkeit geworden sind. Doch weit gefehlt: Die Phase des Übergangs vom analogen ins digitale Zeitalter des Films scheint beileibe nicht abgeschlossen zu sein, sondern vielmehr zu einem Dauerzustand zu werden, mit dem man sich arrangieren kann. Bemerkenswert in der Technologiegeschichte des Kinos ist der Umstand, dass sich technologische Innovationen scheinbar nur mit einer gewissen Verzögerung durchzusetzen vermögen.

Während der tatsächlichen Erfindung des Kinos – den beiden Jahrzehnten vor 1900 – entstanden bereits Tonfilme, Farbfilme, Breitwandfilme (und sogar 3D-Filme). Doch bekanntlich war der Ton erst in den späten 20er Jahren hinreichend ausgereift, um allgemein eingesetzt zu werden, und erst in den 50er Jahren wurde das Breitwandformat zum Standard erhoben. Obwohl man fast kontinuierlich mit der Farbe experimentiert hatte und obwohl Technicolor Mitte der 30er Jahre ziemlich erfolgreich eingeführt wurde, sah Hollywood sich erst 1965, als sich ein sekundärer Markt für Farbfilme in Gestalt des Fernsehens eröffnete, genötigt, hauptsächlich in Farbe zu produzieren.

Dieses Phänomen der Verzögerung bei der Weiterentwicklung der filmischen Apparatur scheint sich in der momentanen Ära der digitalen Revolution zu bestätigen. Dies mag auch der Grund sein, warum die Debatte um die Zukunft des Kinos im Zeitalter der Digitalisierung auch nach beinahe zwei Jahrzehnten keineswegs als beendet gelten kann.

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in ebenjene Debatte geben. Dabei sollen im Zentrum der Betrachtung weniger die technischen Details der Digitalisierung als vielmehr der Wandel der filmischen Rezeption und die Veränderungen der filmischen Ästhetik stehen, die sich im Zuge der digitalen Revolution in der Kinokultur abzeichnen. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die technologischen Veränderungen, denen das Kino in seiner Geschichte unterlag, wird die Debatte um die Auswirkungen der Digitalisierung anhand der Standpunkte namhafter Kritiker nachgezeichnet. Dabei reichen diese Standpunkte von der Erwartung, dass ein Niedergang des Kinos stattfindet, über das neutrale Konstatieren einer weiteren Wandlung des Mediums, bis hin zu einer enthusiastischen Begrüßung der Veränderungen. Stellvertretend für diejenigen, die der Filmkultur im Zeitalter der Digitalisierung eine düstere Zukunft prognostizieren, stehen hier die amerikanischen Schriftsteller Godfrey Cheshire und Susan Sontag. Für diejenigen, die die Auswirkungen der Digitalisierung weder als besonders positiv noch als besonders negativ betrachten, sondern eher neutral als Veränderung ansehen, steht ein Text der Kultur- und Gesellschaftsjournalistin Susanne Weingarten. Sie sieht die nachweisbaren Einflüsse der Digitalisierung auf die ästhetische Entwicklung des Kinos nicht als Bedeutungsverlust der Filmkultur, sondern als ein Zeichen der Anpassungsfähigkeit an eine moderne, digitale Kultur. Den radikalen Befürwortern der digitalen Revolution wird abschließend mit Peter Greenaway eine Stimme gegeben. Er ruft zu einem fundamentalen Bruch mit dem klassischen Medium Film und zur Schaffung eines neuen Kinos auf.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Chronologie der drei Krisen des Kinos 3
3. Der Untergang des Kinos 6
3.1 Das Kino ist tot – es lebe das Fernsehen 7
3.1.1 Die digitale Projektion als Unheilsbringer 8
3.1.2 Die Digitalisierung – eine langsame Revolution 9
3.1.3 Das Fernsehen erobert die Filmtheater 10
3.2 Der Untergang der Filmkultur 12
3.2.1 Ein Abgesang auf die Cinephilie 13
3.2.2 Kino existiert auch außerhalb der Filmtheater 14
4. Die digitale Revolution als Chance 15
4.1 Eine neue Filmästhetik – Kino als bildende Kunst 16
4.2 Digitale Technologie als Instrument zur Schaffung eines neuen Kinos 20
5. Fazit 25
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 27

Textprobe:

Kapitel 3.2, Der Untergang der Filmkultur:

Einen ähnlichen Ansatz wie Cheshire liefert Susan Sontag mit ihrem 1996 in der New York Times erschienenen Essay The Decay of Cinema. Auch sie sagt dem Kino und der Filmkultur eine apokalyptische Zukunft voraus: „Cinema´s 100 years seem to have the shape of a life cycle: an inevitable birth, the steady accumulation of glories and the onset in the last decade of an ignominious, irreversible decline.“ Obwohl Sontag The Decay of Cinema zweifelsohne im Kontext der Digitalisierung schrieb, prangert sie weniger die Einflüsse digitaler Technologien auf das Kino als vielmehr einen allgemeineren Bedeutungsverlust der Filmkultur an.

Ein Abgesang auf die Cinephilie:

Als ursächlich für diesen stetig voranschreitenden Bedeutungsverlust der Institution Kino bezeichnet sie deren schwindenden Stellenwert in der Gesellschaft und den Untergang der Cinephilie, dieses traditionelle und transatlantische Phänomen der bedingungslosen Liebe zu bewegten Bildern mit seinen dogmatischen Auffassungen bezüglich einer idealen und vollkommenen Filmrezeption.

Perhaps it is not cinema that has ended but only cinephilia – the name of the very specific kind of love that cinema inspired. Each art breeds its fanatics. The love that cinema inspired, however, was special. It was born of the conviction that cinema was an art unlike any other: quintessentially modern; distinctively accessible; poetic and mysterious and erotic and moral – all at the same time. Cinema had apostles. (It was like religion) Cinema was a crusade. For cinephiles, the movies encapsulated everything. Cinema was both the book of art and the book of life.

Als kulturelle Bewegung im Paris der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren entstanden, verbreitete sich die Cinephilie rasch in den Metropolen Europas, der Vereinigten Staaten und Lateinamerikas und fand in den 1960er Jahren ihren Höhepunkt: „The 1960´s and early 1970´s was the feverish age of movie-going, with the full-time cinephile always hoping to find a seat as close as possible to the big screen, ideally the third row center“.

Doch Sontag bezeichnet den Zenit der Filmkultur schon mit dem in den 1970er Jahren in Hollywood aufkommenden Trend, Methoden der Narration und der Montage erfolgreicher europäischer Filme zu kopieren, als überschritten. Mit dem drastischen Anstieg der Produktionskosten in den 1980er Jahren verdrängten zudem teure Blockbuster zunehmend Low-Budget Produktionen aus den Kinos und die Grenzen zwischen Kino als Kunst und Kino als Industrie verschwammen zusehends: es war nunmehr der Erfolg an der Kinokasse und weniger die Qualität der Filme, der zählte:

The theatrical release time of movies became shorter and shorter (like the shelf life of books in bookstores); many movies were designed to go directly into video. Movie theaters continued to close – many towns no longer have even one – as movies became, mainly, one of a variety of habit-forming home entertainments.

Dass Kinofilme jedoch ihrer angestammten Institution, dem Kino, entrissen werden und dank digitaler Technologien zum bloßen Bestandteil einer Home-Entertainment Kultur mutieren, kann zweifelsohne als Symptom für den schleichenden Verfall des gesellschaftlichen Stellenwertes der Kinokultur gedeutet werden.

You wanted to be kidnapped by the movie – and to be kidnapped was to be overwhelmed by the physical presence of the image. The experience of „going to the movies“ was part of it. To see a great film only on television isn´t to have really seen that film.

Die für eine vollkommene Filmrezeption so unabdingbare Identifikation und Empathie des Zuschauers mit der Narration und den Figuren des Films wird bei der Rezeption auf dem heimischen Fernsehgerät beinahe unmöglich; nicht nur, weil das für eine aufmerksame Wahrnehmung so wichtige „larger-than-you-image“ nicht gegeben ist, sondern auch, weil hierbei das soziale Ereignis eines Kinobesuchs, das völlige Eintauchen in einen Film in der Dunkelheit des Kinosaals zwischen anonymen Fremden, verloren geht.

Arbeit zitieren:
Witte, Viktor Februar 2010: Die Zukunft des Kinos, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medien, Filmästhetik, Kino, Fernsehen, Technologie

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