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Zielgruppenmarketing der Reisebranche in der Gay Community

Zielgruppenmarketing der Reisebranche in der Gay Community
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Steffen Erhardt
  • Abgabedatum: August 2003
  • Umfang: 58 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Private Fachhochschule Göttingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7309-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7309-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7309-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Erhardt, Steffen August 2003: Zielgruppenmarketing der Reisebranche in der Gay Community, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gay Marketing, Zielgruppenmarketing, Reisebranche, Gay, Community

Diplomarbeit von Steffen Erhardt

Einleitung:

Prominente outen sich heutzutage als schwul oder lesbisch. Es gibt in jeder größeren Stadt jährlich Christopher-Street-Day’s, die mehrere Zehntausende von Teilnehmern und ein Vielfaches an Zuschauern anlocken – Schwule und Lesben treten aus ihrem Schatten und leben ihre wahre Identität offener und selbstbewusster aus als früher.

Werte und Normen der Gay Community werden, vielmehr als noch vor Jahren, nach Außen gezeigt. Dieser Stolz der vermehrt nach Außen getragen wird, spiegelt sich auch im Konsumverhalten der Homosexuellen wider. Auch sie wollen als Zielgruppe wahrgenommen werden.

Studien zeigen, dass diese Zielgruppe im Vergleich zu den Heterosexuellen sehr konsumfreudig ist und somit eine zielgruppenspezifische Behandlung logische Konsequenz wäre. Als eigene und gesondert anzusprechende Zielgruppe rücken Homosexuelle damit immer mehr in den Blickpunkt der Wirtschaft, oder genauer gesagt in den der Marketingabteilungen deutscher Unternehmen.

Allerdings sind auf Seiten der werbetreibenden Unternehmen dabei eine Menge Faktoren zu berücksichtigen. Nur wer es schafft sich glaubhaft in der Zielgruppe zu positionieren, kann diese äußerst loyalen Kunden gewinnen.

Gay Marketing, das sich homosexueller Botschaften bedient oder sich an das homosexuelle Klientel wendet, ist in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Nur eine Handvoll Konzerne wenden sich bisher an die homosexuelle Zielgruppe, obwohl diese eine bei weitem ausreichend relevante Größe für Marketing-Aktivitäten darstellt.

Diversity-Marketing ist ein Schlagwort das in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, in Deutschland jedoch noch wenig bekannt ist. Die Vielfalt, Unterschiedlichkeit und Individualität des Menschen intern und extern zu nutzen ist ein Ziel, welches es gerade in Zeiten von Marktsättigung und gesellschaftlicher Individualisierung anzustreben gilt.

Das Streben nach „Dominanz in der Nische“ ist eine Strategie, die erfolgsversprechend erscheint. Sie erschließt zusätzliches Potential und die Unternehmen, die in diesen Teilmarkt eintreten bleiben immer einen Schritt voraus. Kurzfristige Marketingaktivitäten in der Gay-Zielgruppe sind jedoch wenig erfolgsversprechend, denn gerade die homosexuelle Zielgruppe ist nicht über Nacht als Cash-Cow zu instrumentalisieren. Eine langfristig angelegte Partnerschaft hingegen kann zu einer enormen Bindung an die Marke führen, und ist gerade im heutzutage hart umkämpften Markt eine der wichtigsten Faktoren für ein Unternehmen.

Speziell Reisen haben für Homosexuelle einen hohen Stellenwert und daher ist die Tourismusbranche besonders bedeutsam und interessant für Gay Marketing.

Das Reiseaufkommen der Homosexuellen liegt deutlich über dem der Heterosexuellen. Für Heterosexuelle gibt es einen scheinbar unendlich großen Markt von Angeboten, die Homosexuellen hingegen werden so gut wie gar nicht berücksichtigt.

Der Markt in Deutschland ist in diesem Bereich kaum entwickelt und noch nicht aufgeteilt. Das Unternehmen welches als erstes diesen Markt betritt und alle Homo-Belange berücksichtigt, hat somit beste Voraussetzungen sich in der Nische zu etablieren.

Inhaltsverzeichnis:

1. Grundlagen
1.1 Definition Zielgruppenmarketing
1.2 Abgrenzung Gay Marketing
2. Gay Community als Zielgruppe
2.1 Gay Demographie
2.2 Gay Medien
2.2.1 Presse, Radio und TV
2.2.2 Internet
2.3 Repräsentative Gay Studien
2.3.1 Eurogay-Studie März 2001: „Schwules Leben in Deutschland“
2.3.2 Grundlagenstudie Juni 2001: „Der schwule Konsument“
2.3.3 GayVote Befragung April 2003: „Themeninteressen und Markenimage in der Zielgruppe der schwul/lesbischen Verbraucher - im direkten Vergleich zur Gesamtbevölkerung“
3. Gay Marketing
3.1 Eignung der Gay Community als Zielgruppe
3.1.1 Konsumverhalten
3.1.2 Erreichbarkeit
3.1.3 Wirtschaftlichkeit
3.2 Gefahren des Gay Marketings für ein Brand
3.3 Erfolgreiches Gay Marketing
3.4 Allgemeingültige Gay-Kundenbindungsmaßnahmen
3.5 Exkurs Besonderheiten Lesben Marketing
3.6 Strategien im Gay Marketing
3.6.1 Produktstrategie
3.6.2 Kontrahierungsstrategie
3.6.3 Vertriebsstrategie
3.6.4 Kommunikationsstrategie
4. Gay Tourismus
4.1 Urlaub und homosexuelle Identität
4.2 Reise- und Buchungsverhalten von Gays
4.3 Auswahl des Urlaubsortes
4.4 Überblick Gay-Tourismusbranche
4.5 Besondere Bedeutung von Festivals
4.6 Tourismusverband IGLTA
5. Praxisbeispiel: Avis Autovermietung
6. Resümee und Zukunftsperspektiven
Anhang
Literaturverzeichnis
Eidesstattliche Erklärung
Danksagung

Automatisiert erstellter Textauszug:

das Internet für den User ein ausgesprochen diskretes Medium und bietet ausreichend Anonymität. Dementsprechend riesig ist das Angebot, das von Online-Ausgaben der Printmedien, über spezielle Internetportale, bis hin zu zielgruppennahen Themen oder Organisationen (z.B. Aids-Hilfe), die um den Klick der surfenden Community wetteifern, reicht. Darüber hinaus zeichnen sich länderübergreifende Tendenzen ab, wie bspw. der deutsche Anbieter Gayforum welcher einen Schwesterdienst in Österreich eingerichtet hat. Durch das schnelle und einfache Schaffen von Online-Angeboten kann u.a. auch viel stärker auf Minderheiten und Sonderinteressen eingegangen werden. Zudem wird die Internettechnik immer günstiger und einfacher und erschließt sich somit weitere User.21 Die zwei wichtigsten Portale im deutschsprachigen Raum sind Gayforum.de22 mit über sechs Millionen Page Impressions23, sowie das vom Umfang her noch größere Eurogay.de mit über vierzehn Millionen Page Impressions24 [...]

Einnahmequelle. Die Zurückhaltung der Werbeabteilungen und der Mangel an Informationen über die Gay-Zielgruppe auf dem Festland von Europa ist dagegen noch außerordentlich groß. Marken die in englischsprachigen Blättern werben, sind bspw. für deutsche Homo-Blätter unerreichbar. Marketingstudien und Marktanalysen sind daher auch rar gesät. So werden immer wieder einschlägige Klischees zur Beschreibung der schwul/lesbischen Konsumenten bemüht, ohne ihre Richtigkeit zu überprüfen. Die „Siegessäule“ und die „Queer“ aus Deutschland sind deshalb dazu übergegangen, selber Leserstrukturanalysen in Auftrag zu geben, um damit in ihrer Werbeabteilung mit fundierten Daten aufwarten zu können.17 Wenn man den gesamten Markt der Printmedien betrachtet so fällt auf, dass Schwule und Lesben genauso Mainstream-Titel lesen wie die heterosexuelle Bevölkerung. Schwule und Lesben lesen, wie sich aus jüngsten Erhebungen ergab: Gay Presse (sehr häufig): 40 % Tageszeitungen: 75 % Stadtblätter (z.B. Prinz): 51 % Spiegel: 38 % Stern: 27 % Focus: 25 % Daher macht es für Medienplaner Sinn, die Gay-Zielgruppe auch in Nicht-homospezifischen Printmedien gleich mitzubedienen, was heutzutage noch nicht wirklich überall Anwendung findet.18 Wie die Erfahrung gezeigt hat, ist es für das Fernsehen jedoch äußerst schwierig ein dauerhaftes Format zu etablieren. Im Sender 3Sat wurde vor einigen Jahren versucht ein schwul-lesbisches Magazin unterzubringen, jedoch mit wenig Erfolg. RTL zeigte zwischenzeitlich „Anders Trend“ mit anfangs großem Erfolg. Jedoch war nach dem Ausstieg der Pro GmbH die Motivation dahin, und man zielte mit der Sendung eher auf eine andere Zielgruppe ab, was bspw. anhand der Werbepausen zu erkennen war die deutlich auf die heterosexuellen Zuschauer zurechtgeschnitten wurden. Was den Bereich Hörfunk angeht gibt es gegenwärtig vereinzelt einen Bürgerfunk oder lokale Stationen, jedoch ist die Qualität dieser Sendungen wie auch die TV-Formate von fragwürdiger Professionalität und bleibt somit einem breiteren Gay-Publikum verschlossen. Zudem haben Medienmacher mit Standard-Vorbehalten, wie z.B. Problemen mit dem Werbeumfeld und somit der Finanzierung, oder der Gefahr heterosexuelle Zuschauer zu verlieren, zu kämpfen.19 [...]

Die ersten nennenswerten und für diese Zeit äußerst durchschlagenden Erfolge erreichte Magnus Hirschfeld in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, indem er das weltweit erste Homo-Medium veröffentlichte. Eine Auflage von 150.000 Exemplaren pro Monat führte zu einer frühen Blüte eines vorher noch nie gekannten Selbstbewusstseins der Community, die durchaus schon kommerzielle Züge aufwies. Die Kriminalisierung der Kommunikations-Infrastruktur im Faschismus führte dann allerdings zu einem verstärkten Rückzug der Gay-Szene ins Private. Nur einige Zeitschriften aus Skandinavien gelangten in der Vor– und Nachkriegsära in Umlauf. Lange schien der Rückzug der Gay-Szene unüberwindbar, erst der Aufbruch der Bewegung in den Siebzigern ist von einer Explosion der Homo-Presse begleitet und getragen. Kommerzialisierung wird zunächst als Ausbeutung der Bewegung gebrandmarkt. In Folge von Studentenprotesten in den Achtzigern fanden Forderungen der Schwulen und Lesben vermehrt Gehör und Antidiskriminierungsgesetze wurden öffentlich zur Diskussion gestellt. 1985 startete dann das erste Hörfunkprogramm für Schwule „Eldoradio“ und zu Beginn der Neunziger wurde in Berlin mit „Andersrum“ das erste deutsche Gay-TV-Programm gesendet.15 Die heterosexuelle Wirtschaftswelt hat die Bedürfnisse der homosexuellen Zielgruppe so lange vernachlässigt, dass diese ihre Konsumbedürfnisse immer mehr durch eigene Wirtschaftsbetriebe zu befriedigen suchte. Die Entwicklung in den Vereinigten Staaten eilte der in Europa weit voraus. Sowohl die Wirtschaft als auch die Service und Medienwelt berücksichtigte schon viel eher die Homo-Belange. Der Vorsprung der Vereinigten Staaten ist bis heute existent. In allen Staaten Europas, denen der USA und Kanadas existieren Magazine und Zeitungen für Schwule und Lesben. Sie erscheinen meist monatlich und liegen häufig kostenlos in Szenelokalitäten aus. In Großbritannien und Frankreich haben sich auch kostenpflichtige Zeitschriften etabliert, während diese in Deutschland weiterhin einen schweren Stand haben. Es gibt ca. dreißig deutschsprachige Magazin mit Auflagen die sich zwischen wenigen tausend bis hunderttausend Stück pro Monat bewegen. Jede deutsche Metropole (v.a. Berlin, Hamburg, Köln, München) hat mehrere Magazine mit regionalem Schwerpunkt hervorgebracht. In Großbritannien und v.a. in den Vereinigten Staaten ist die Professionalität der Homo-Presse schon wesentlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. Die Macher gehen mit ihren Produkten immer stärker auf eine Art und Weise an den Markt, die sich heterosexuellen Verlagen deutlich annähert, wenn auch mit begrenzteren finanziellen Mitteln. Führende Gratistitel die sich in Deutschland steigender Beliebtheit erfreuen sind u.a. „Gab“, „Hinnerk“, „Our Munich“, „Eurogay“, „Rik“ oder auch „Siegessäule“. Da die rosa16 Informationen für die Leser meist kostenlos zu haben sind, ist für die homosexuellen Medien die Haupteinnahmequelle und somit Existenzgrundlage der Anzeigenmarkt. Im englischsprachigen Raum bewerben die Anbieter von Markenartikeln die schwul/lesbische Zielgruppe viel selbstverständlicher als dies im übrigen Europa der Fall ist und verschafft den Homo-Verlagen eine gute [...]

Arbeit zitieren:
Erhardt, Steffen August 2003: Zielgruppenmarketing der Reisebranche in der Gay Community, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gay Marketing, Zielgruppenmarketing, Reisebranche, Gay, Community

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