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Zielgerichtete Aufbereitung und nutzbringende Verwertung von vererdetem Klärschlamm im Garten- und Landschaftsbau

Die Diplomarbeit wurde 2006 mit dem Ehrenpreis des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Verbands Bayern e.V. ausgezeichnet.
Zielgerichtete Aufbereitung und nutzbringende Verwertung von vererdetem Klärschlamm im Garten- und Landschaftsbau
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tobias Holl
  • Abgabedatum: März 2006
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 18,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Weihenstephan Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9834-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9834-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9834-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2006 mit dem Ehrenpreis des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Verbands Bayern e.V. ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Holl, Tobias März 2006: Zielgerichtete Aufbereitung und nutzbringende Verwertung von vererdetem Klärschlamm im Garten- und Landschaftsbau, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Aufbereitung, Kompost, Bio, Erde, Boden

Diplomarbeit von Tobias Holl

Einleitung:

Die Problematik der Klärschlammentsorgung („Klärschlammproblematik“) ist alt, aber immer noch hochaktuell: Nachdem früher die Probleme der Abwasserreinigung in Deutschland im Vordergrund standen, werden heute vornehmlich die Probleme der Klärschlammbehandlung und –Entsorgung diskutiert. Dies liegt zum einen daran, dass die abwasserseitigen Aufgabenstellungen, mit Ausnahme der ländlichen Regionen, in Deutschland weitgehend gelöst sind und zum anderen ist es in der Tatsache begründet, dass neue rechtliche Regelungen die Entsorgung (Verwertung oder Beseitigung) drastisch einschränken.

Beim heutigen Stand der Gesetzgebung ist die Deponierung von Klärschlamm, die einmal die Hauptentsorgungsschiene darstellte, faktisch nicht mehr möglich und die landwirtschaftliche Verwertung, die ein wichtiger Entsorgungsweg sein sollte, stark erschwert.

Wo immer es möglich und sinnvoll ist, möchte der Gesetzgeber, dass natürliche Kreisläufe geschlossen werden (Kreislaufwirtschaftsgedanken, Kreislaufwirtschaftsgesetz). Die aktuelle restriktive Gesetzgebung beim Klärschlamm ist mit diesem Grundsatzgedanken manchmal nicht in Einklang zu bringen.

Der Kreislaufwirtschaftsgedanke in Verbindung mit einer vorsorgeorientierten und verbrauchergerechten stofflichen Verwertung von sehr schadstoffarmen bzw. möglichst unbelasteten Klärschlämmen aus dem ländlichen Raum ist die Grundidee dieser Diplomarbeit.

Stabilisierter Klärschlamm (KS) kann zu Klärschlammerde (KSE) und in einem weiteren Rotteprozess zu Klärschlammkompost (KSK) „veredelt“ werden. Beide Produkte können als wertvolle organische Dünger zur Humus-, Nährstoff- und Kalkversorgung in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau einschließlich der Ingenieur-Ökologie und bei Rekultivierungsmaßnahmen Verwendung finden. Die im KS enthaltenen Wertstoffe werden so in den Kreislauf der Natur zurückgeführt.

Problemstellung:

Die vorliegende Arbeit zeigt die Möglichkeit einer zielgerichteten Aufbereitung sehr schadstoffarmer Klärschlämme kommunaler Kläranlagen aus dem ländlichen Raum, speziell aus der Kläranlage Rottenburg an der Laaber (ARA ROL).

Die Aufbereitung des Klärschlamms erfolgt dabei in zwei „Veredelungsprozesse“, durch Vererdung und anschließende Kompostierung. Die Klärschlammvererdungsanlage (KSVE ROL) befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kläranlage und das in zwei Schilfbeeten erhaltene Produkt (KSE), wird anschließend – nach Zugabe von Strukturmaterial – durch Kompostierung in Mieten zu Klärschlammkompost (KSK) weiterveredelt.

Beide Aufbereitungsprozesse sollen letztlich einer nutzbringenden stofflichen Verwertung des Endprodukts im Garten- und Landschaftsbau (oder in der Landwirtschaft) innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen dienen.

Gang der Untersuchung:

Nach der Definition einiger für die Arbeit wichtiger Begriffe (Kap. 1.2) werden grundlegende Informationen über Entstehung, Quantitäten, Qualitäten, Behandlung und Entsorgung von Klärschlamm (KS) vermittelt (Kap. 2). Wegen aktueller Rechtssprechung wird die Kompostierung nicht mehr als Behandlungsart sondern als Verwertungsweg eingestuft.

Im Folgenden wird das Betreibermodell der Klärschlammvererdungsanlage, ihre technischen Kennzahlen, Prozessabläufe und die Eigenschaften der erzeugten Klärschlammerde vorgestellt (Kap. 3).

Die Ergebnisse der Feldversuche zur nachfolgenden Klärschlammkompostierung, sowie die Eigenschaften des entstandenen Klärschlammkompostes sind Inhalt eines weiteren Kapitels (Kap. 4).

Mit den Rahmenbedingungen für die Verwendung von Klärschlammerde und Klärschlammkompost setzt sich ergänzend das Folgekapitel 5 auseinander. Dabei wird zunächst auf den rechtlichen Rahmen und danach auch auf die Rolle freiwilliger Gütesicherung eingegangen (Kap. 5.1 und 5.2).

Die Verwertungsmöglichkeiten von Klärschlammkomposten im Garten- und Landschaftsbau werden anschließend aufgezeigt (Kap. 6).

Nach einer Zusammenfassung fließen auch eigene Gedanken im Rahmen einer kritischen Würdigung ein (Kap.7).

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis VIII
1. Einführung 1
1.1 Gliederung der Arbeit 1
1.2 Definitionen wichtiger Begriffe 2
2. Klärschlamm 4
2.1 Entstehung 4
2.2 Quantitäten 6
2.2.1 Klärschlammaufkommen in Deutschland 6
2.2.2 Klärschlammaufkommen in der EU 6
2.2.3 Tendenzen und Entwicklung 7
2.3 Qualitäten 7
2.3.1 Nährstoffe/Nährsalze 8
2.3.2 Schadstoffe 9
2.3.2.1 Schwermetalle 10
2.3.2.2 Organische Schadstoffe 12
2.3.3 Tendenzen und Entwicklung 13
2.4 Behandlung 14
2.4.1 Stabilisierung 14
2.4.1.1 Grundlagen und Ziele 14
2.4.1.2 Aerobe Schlammstabilisierung 15
2.4.1.3 Anaerobe Stabilisierung 16
2.4.1.4 Chemisch-physikalische Stabilisierungsverfahren 16
2.4.2 Schlammwasserabtrennung 17
2.4.2.1 Konditionierung 17
2.4.2.2 Eindickung 17
2.4.2.3 Entwässerung 17
2.4.2.4 Trocknung 18
2.4.3 Vererdung 20
2.4.4 Thermische Behandlung 21
2.4.4.1 Verbrennung 21
2.4.4.2 Pyrolyse 21
2.4.5 Entseuchung/Hygienisierung 21
2.4.6 Sonstige Behandlungsarten 22
2.4.6.1 Seaborne-Verfahren 23
2.4.6.2 Choren-Verfahren 24
2.5 Entsorgung 25
2.5.1 Stoffliche Verwertung 27
2.5.1.1 Landwirtschaftliche Verwertung 27
2.5.1.2 Landschaftsbauliche Verwertung 29
2.5.1.3 Kompostierung 30
2.5.1.4 Prozesserde(r) /Bodenbildung 35
2.5.2 Thermische Verwertung 43
2.5.3 Beseitigung 44
2.5.3.1 Deponierung 44
3. Vererdung am Beispiel Klärschlammvererdungsanlage in Rottenburg an der Laaber 45
3.1 Betreibermodell 45
3.2 Kennzahlen 46
3.3 Aufbau der Klärschlammvererdungsanlage 47
3.4 Verfahrensbeschreibung 49
3.4.1 Wiederinbetriebnahme nach Teilräumung für ein Forschungsprojekt 52
4. Kompostierung der Klärschlammerde aus Rottenburg an der Laaber 54
4.1 Beschreibung des Forschungsprojekts 54
4.1.1 Beteiligte 55
4.2 Dokumentation der Aufbereitungsversuche 56
4.2.1 Ablauf der Versuchskompostierung 56
4.2.1.1 Planung 56
4.2.1.2 Mahd des Schilfs und Exkurs „Schmetterlingsmücke“ 56
4.2.1.3 Ausbau und Abtransport der Klärschlammerde 57
4.2.1.4 Auf- und Umsetzen der Mieten 58
4.2.1.5 Erster Siebversuch 59
4.2.1.6 Temperaturentwicklung 60
4.2.2 Beurteilung der Komposteigenschaften 63
4.2.2.1 Rottegrad 63
4.2.2.2 Materialstruktur/Konsistenz 64
4.2.2.3 Analysenergebnisse nach VDLUFA 65
4.2.2.4 Trockenmasseanteil, Volumenreduktion 65
4.2.2.5 Pflanzenverträglichkeit/“Keimpflanzentest“ 67
4.2.2.6 Hygiene/Unkrautbesatz 72
4.2.2.7 Geruchsentwicklung 74
4.2.3 Kostenaufstellung für die Aufbereitungsversuche 74
5. Rahmenbedingungen - für die Verwertung von KS zu KSK und für die Verwendung von KSK im Garten- und Landschaftsbau 76
5.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 77
5.1.1 Abfallrechtliche Vorschriften 78
5.1.1.1 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) 78
5.1.1.2 Klärschlammverordnung (AbfKlärV) 79
5.1.2 Immissionsschutzrechtliche Vorschriften 80
5.1.2.1 Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) 80
5.1.3 Bodenschutzrechtliche Vorschriften 80
5.1.3.1 Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) 80
5.1.3.2 Bundesbodenschutzverordnung (BBodSchV) 81
5.1.4 Düngemittelrechtliche Vorschriften 84
5.1.4.1 Düngemittelgesetz (DüngMG) 84
5.1.4.2 Düngemittelverordnung (DüMV) 84
5.1.4.3 Düngeverordnung (DüngeV) 86
5.2 Freiwillige Gütesicherung 86
5.2.1 RAL-GZ 258 (AS-Humus) 87
5.2.1.1 Zweck und Entstehung 87
5.2.1.2 Veredlungsprodukte aus Abwasserschlamm 89
5.2.1.3 Ablauf der Gütesicherung 91
6. Einsatz und Verwendung von Klärschlammkomposten im Garten- und Landschaftsbau 92
6.1 Produkte und Eigenschaften 92
6.1.1 Produkte 93
6.1.1.1 Kompostprodukte mit RAL-Gütezeichen 93
6.1.2 Eigenschaften 94
6.1.2.1 Körnung 94
6.1.2.2 Nährstoffgehalte und weitere Inhaltsstoffe 94
6.1.2.3 Wirkung 95
6.2 Ausschreibung 96
6.3 Anwendungsgrundsätze 97
6.3.1 Gute fachliche Praxis 97
6.3.2 Anwendungszeitraum 98
6.3.3 Aufwandmengen 98
6.3.4 Pflanzennährstoffe in Kompost 98
6.3.5 Einarbeitungstiefe 98
6.3.6 Erst-Bewässerung 99
6.3.7 Rechtsbestimmungen 99
6.4 Einsatzbereiche und Anwendungsempfehlungen 99
6.4.1 Rekultivierung/Bodenverbesserung 101
6.4.1.1 Rekultivierung 101
6.4.1.2 Bodenverbesserung nach Bodenentsiegelung 102
6.4.2 Oberbodenersatz 102
6.4.3 Neuanlagen 102
6.4.3.1 Bodenverbesserung 102
6.4.3.2 Verfüllung von Pflanzlöchern im gewachsenen Boden 103
6.4.4 Herstellen von Vegetationstragschichten 104
6.4.5 Unterhaltungspflege von Grün- und Pflanzflächen 104
6.4.6 Herstellung von Substraten 104
6.4.6.1 Substrate für Pflanzgefäße 104
6.4.6.2 Substrate für Lärmschutzwände 105
6.4.6.3 Substrate für Rasengittersteine und Rasenwaben 105
6.4.6.4 Baumsubstrate 105
6.4.6.5 Substrate für die Dachbegrünung 106
6.4.7 Mulchen 106
6.4.8 Sicherungsbauweisen 107
6.5 Standortbezogene Anwendung 107
6.5.1 Humusbedarf von Böden 107
6.5.2 Nährstoffversorgung von Böden 108
6.5.3 Nährstoffbedarf von Vegetationsflächen 108
6.5.4 Vorsorgewerte von Böden 109
7. Zusammenfassung 110
Quellenverzeichnis 113

Automatisiert erstellter Textauszug:

(MIHOPULOS 2006) Ein positiver Effekt bei diesen Bodenbildungsprozessen und Stofftransformationen ist, dass (unter anderem auch) Schwermetalle, die in löslicher Form vorliegen, „in austauschbare Form bzw. in unlösliche, nicht verfügbare stabilere (interkristalline) Formen überführt“ werden. „Die Abnahme der löslichen Fraktion erfolgt also nicht etwa durch Auswaschung oder Verdünnung, sondern durch besagte Umstellung der Bindungsformen, so wie sie in natürlichen Böden vorkommen“ (MIHOPULOS UND PETZI 2005a, S. 10). Die Abnahme der löslichen Fraktion bei den Umsetzungsprozessen ist am Beispiel Zink dargestellt (Abb. 11) (MIHOPULOS UND PETZI 2005a, S. 12). „RO1“, „RO2“ und „RO3“ steht für drei verschiedene Mietenbezeichnungen. Die x-Achse stellt eine Zeitachse dar. Die angegebenen Kontrollpunkte beziehen sich auf das in Abbildung 14 dargestellte Kontrollsystem. [...]

„Die Bildung von Huminstoffen und die Ausbildung organomineralischer Komplexe (Tonhumuskomplex), welche mit der Neubildung von reaktionsaktiven Oberflächen gekoppelt ist, schafft auch die Voraussetzung für die Bildung der Bodenaggregate, die wieder verantwortlich für die Strukturbildung (Gefügebildung) sind. Letztere ist quantifizierbar durch das Gesamtporenvolumen und die Porengrößenverteilung und damit verantwortlich für den Luft und Wasserhaushalt des zukünftigen Bodenprofils. Neben diesen physikochemischen und biologischen Voraussetzungen ist auch die rein chemische Zusammensetzung der verschiedenen Phasen, also der Ionengehalt im Wasser und an den Adsorptionsflächen, sowie der Gesamtelektrolytgehalt (Salzgehalt) zu beachten bzw. richtig einzustellen, da von ihm die Mineralstoffversorgung aller beteiligten Biosysteme und die Qualität des Sickerwassers abhängig ist. Die Ionenverteilung im Boden präsentiert sich als Konzentration im Kapillarwasser (Fraktion I) und als austauschbarer Vorrat (Fraktion II). Beide Fraktionen stehen miteinander in ständigem dynamischen Gleichgewicht die Ionenverhältnisse zueinander sind dabei von besonderer Bedeutung“ (HAIDER UND HUSZ 2003, S. 4f). Die „4 Fraktionen“ sind in Abbildung 10 dargestellt (MIHOPULOS UND PETZI 2005a, S. 10). [...]

ausgewählter Abfallstoffe zu einem vordefinierten, neuen Produkt mit hoher ökologischer und langfristig ökonomischer Nützlichkeit entspricht den Grundsätzen einer zeitgemäßen Kreislaufwirtschaft“ (HAIDER UND HUSZ 2003, S. 1) „Bei der Vererdung wird Klärschlamm als Rohstoffkomponente gemeinsam mit anderer Stoffen zu Erde im bodenkundlichen Sinn umgewandelt“ (HAIDER UND HUSZ 2003, S. 3). Bodenkundliche Grundlagen Boden entsteht in der Natur aus „Zersetzungsprodukten aus dem geologischen (Geogenität) und dem biologischen (Biogenität) Bereich unter den jeweiligen standörtlichen klimatischen Randbedingungen“. Diese Vorgänge werden bei der Herstellung von Prozesserde® nachempfunden. Die wichtigsten Vorgänge der Bodenbildung durch Verwitterung, Tonbildung, Organstoffabbau und Humusbildung sind in einem Fließdiagramm dargestellt (Abb. 9) (MIHOPULOS UND PETZI 2005a, [...]

Arbeit zitieren:
Holl, Tobias März 2006: Zielgerichtete Aufbereitung und nutzbringende Verwertung von vererdetem Klärschlamm im Garten- und Landschaftsbau, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Aufbereitung, Kompost, Bio, Erde, Boden

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