Zertifikate als umweltpolitisches Instrument vor dem Hintergrund des Kyoto-Protokolls
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Thomas Vogl
- Abgabedatum: Oktober 2000
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 696,7 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4865-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4865-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4865-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Vogl, Thomas Oktober 2000: Zertifikate als umweltpolitisches Instrument vor dem Hintergrund des Kyoto-Protokolls, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Zertifikate, Umweltpolitik, Klima, Kyoto, Treibhauseffekt
In den Warenkorb
48,00 €
Staatsexamensarbeit von Thomas Vogl
Einleitung:
Seit geraumer Zeit ist bekannt, daß der Mensch einen globalen Klimawandel zu induzieren vermag. Obwohl diesbezüglich noch viele Unsicherheiten bestehen, erhärtet sich der wissenschaftliche Konsens über die Gefahren des sogenannten anthropogenen Treibhauseffektes zusehends. Deutlich wird dies an der Intensivierung der internationalen Bemühungen zum Klimaschutz.
Als bisheriger Höhepunkt der umweltpolitischen Entwicklung kann die Verabschiedung des Kyoto-Protokolls durch die internationale Staatengemeinschaft angesehen werden. Darin wurden erstmals verbindliche Reduktionspflichten hinsichtlich der Emission von Treibhausgasen vereinbart. Die am Verhandlungsprozeß beteiligten Staaten implementierten zudem Mechanismen zur Umsetzung dieser Ziele. Der Handel mit Emissionszertifikaten („Emissions Trading“) stellt innerhalb des Abkommens ein zentrales Instrument dar, wobei allerdings keine entsprechenden Detailregelungen in das Protokoll aufgenommen wurden. Es müssen daher weitere Beschlüsse gefaßt werden, die einen konkreten Rahmen für ein internationales Zertifikatsystem definieren. Der im November diesen Jahres stattfindenden sechsten Vertragsstaatenkonferenz in Den Haag wird daher eine hohe Bedeutung hinsichtlich der weiteren Fortentwicklung des Klimaschutzes beigemessen.
Vor diesem Hintergrund ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, Anforderungen an die Ausgestaltung aus der theoretischen Analyse des umweltpolitischen Instruments der Zertifikate abzuleiten und unter Einbeziehung weiterer Aspekte den Alternativenraum eines internationalen Zertifikatsystems aufzuzeigen.
Gang der Untersuchung:
Zunächst befaßt sich das Kapitel 2 mit den Ausgangssituationen des globalen Klimaschutzes. Es erfolgt eine Darstellung des anthropogenen Treibhauseffektes, wobei ökonomische und ökologische Auswirkungen im Vordergrund stehen. Weiterhin wird die Notwendigkeit eines internationalen Eingriffs mittels allokationstheoretischer Überlegungen erläutert. Hierzu wird auf die Existenz externer Effekte sowie auf die Eigenschaft von Gemeinschaftsgütern hinsichtlich der Nutzung der Atmosphäre eingegangen. Ebenso werden grundsätzliche Probleme des Zustandekommens und der Stabilität einer internationalen Vereinbarung vor dem Hintergrund der Eigennutzorientierung der souveränen Staaten verdeutlicht.
Kapitel 3 widmet sich der Evolution der internationalen Klimaschutzpolitik. Nach einem kurzen historischen Rückblick werden die Ergebnisse der Klimarahmenkonvention, der bisherigen Vertragsstaatenkonferenzen sowie insbesondere des Kyoto-Protokolls erläutert, dessen Inhalte den Grundstein für die Implementierung eines Handels mit Emissionszertifikaten legen.
Um die Zertifikatlösung auf eine breitere Basis zu stellen, erfolgt zu Beginn des Kapitels 4 ein Überblick über weitere umweltpolitische Instrumente sowie deren Rolle in der internationalen Klimaschutzpolitik. Der Schwerpunkt liegt in der anschließenden theoretischen Analyse von Zertifikaten. Neben der grundsätzlichen Darstellung der Funktionsweise wird dabei auf Effizienzeigenschaften, Instrument-Wirkungs-Zusammenhänge hinsichtlich der ökologischen Zielerreichung, Innovationswirkung sowie auf die Wirkungsgeschwindigkeit eingegangen. Vor- und Nachteile von Zertifikaten werden verdeutlicht und Anforderungen an die Ausgestaltung einer Zertifikatlösung abgeleitet.
Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse wird in Kapitel 5 zunächst die notwendige Beschaffenheit des zu handelnden Gutes - der Zertifikate -diskutiert. Im weiteren Verlauf erfolgt die Darstellung verschiedener Perspektiven bezüglich der Ausweitung des bisher beschränkten Teilnehmerkreises auf Entwicklungs- und Transformationsländer, wobei die sogenannte „Hot bzw. Tropical Air“ eine zentrale Rolle spielt. Vor dem Hintergrund der Marktliquidität wird ebenso die Einbeziehung privater Institutionen betrachtet.
Das Verfahren der Erstausstattung mit Zertifikaten ist durch das Kyoto-Protokoll lediglich vorläufig vorgegeben. Die Alternativen Versteigerung, Festpreisverkauf und kostenlose Vergabe sind daher zentrale Diskussionspunkte in der aktuellen Klimaschutzdebatte und werden im entsprechenden Abschnitt hinsichtlich ihrer Funktionsweise und Verteilungswirkung analysiert. In einem nächsten Schritt ist die Implementierung eines effizienten Handels notwendig, die die Existenz von Finanzintermediären voraussetzt. Der Markt wird dazu in Form einer Börse spezifiziert und die Rolle der Banken und Versicherungen erörtert. Weiterhin wird die Bedeutung der Flexibilisierungsmöglichkeiten des Ansparens bzw. des Vortrags von Emissionszertifikaten aufgezeigt.
Ausgehend von der Annahme, daß sich die Akteure nicht immer normgerecht verhalten, ist die Entwicklung von Monitoring- und Sanktionssystemen elementar. So werden verschiedene diesbezügliche Ansätze gegeneinander abgewogen.
Da der Aufbau sowie die politische Unabhängigkeit einer internationalen Zertifikatbehörde von großer Wichtigkeit ist, wird abschließend eine mögliche Organisationsform skizziert.
Kapitel 6 löst sich von der internationalen Betrachtung. Im Kyoto-Protokoll ist zwar festgeschrieben, daß ein globales Zertifikatsystem auf zwischenstaatlicher Ebene implementiert werden soll, die nationale Umsetzung bleibt jedoch den jeweiligen Vertragsstaaten überlassen. Die Ausführungen der vorangegangenen Kapitel führen zur Erfordernis einer weitgehenden Harmonisierung, wobei allerdings erhebliche Akzeptanzdefizite bei Politikern, Bürokraten, Interessengruppen sowie in der Bevölkerung zu berücksichtigen sind. Die Eigennutzorientierung der am Entscheidungsprozeß Beteiligten, ideologische Vorbehalte sowie Überlegungen aus der Sicht der Theorie des institutionellen Wandels werden zur Verdeutlichung herangezogen.
Kapitel 7 faßt die im Verlauf der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 4 | |
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| 1. | Einleitung | 6 |
| 2. | Ausgangssituation | 9 |
| 2.1 | Der Treibhauseffekt | 9 |
| 2.2 | Internationaler Klimaschutz aus ökonomischer Perspektive | 15 |
| 3. | Die politische Entwicklung des Klimaschutzes | 20 |
| 3.1 | Die Klimarahmenkonvention | 20 |
| 3.1.1 | Entstehungsprozeß | 20 |
| 3.1.2 | Verhandlungen und deren Ergebnisse | 21 |
| 3.1.3 | Die Konferenz der Vertragsparteien - von Berlin nach Bonn | 23 |
| 3.2 | Das Protokoll von Kyoto | 24 |
| 3.2.1 | Verhandlungen und deren Ergebnisse | 24 |
| 3.2.2 | Flexible Mechanismen | 28 |
| 4. | Zur Theorie von Umweltzertifikaten | 30 |
| 4.1 | Einordnung in den Kontext umweltpolitischer Instrumente | 30 |
| 4.2 | Instrumentenanalyse | 33 |
| 4.2.1 | Funktionsweise | 33 |
| 4.2.2 | Kosteneffizienz unter Berücksichtigung von Transaktionskosten und Marktstruktur | 36 |
| 4.2.3 | Pareto-Effizienz | 38 |
| 4.2.4 | Ökologische Treffsicherheit | 38 |
| 4.2.5 | Dynamische Anreizwirkung | 40 |
| 4.2.6 | Wirkungsgeschwindigkeit | 43 |
| 5. | Aspekte der Ausgestaltung eines internationalen Zertifikatsystems | 45 |
| 5.1 | Anforderungen | 45 |
| 5.2 | Ausgestaltung der Zertifikate | 46 |
| 5.2.1 | Bemessungsgrundlage | 46 |
| 5.2.2 | Multischadstoffzertifikate | 47 |
| 5.2.3 | Gültigkeitsbefristung | 48 |
| 5.3 | Beteiligung von Transformations- und Entwicklungsländern | 50 |
| 5.4 | Beteiligung des privaten Sektors | 53 |
| 5.5 | Erstvergabe | 56 |
| 5.6 | Finanzintermediäre | 61 |
| 5.7 | Banking und Borrowing | 64 |
| 5.8 | Monitoring | 65 |
| 5.9 | Sanktionen | 67 |
| 5.10 | Zertifikatbehörde | 70 |
| 6. | Zur nationalen Akzeptanz von Zertifikaten | 72 |
| 6.1 | Problemstellung | 72 |
| 6.2 | Divergente Partikularinteressen | 73 |
| 6.3 | Normative Wertvorstellungen und institutioneller Wandel | 77 |
| 6.4 | Chancen für eine Akzeptanzsteigerung | 79 |
| 7. | Resümee | 80 |
| Literaturverzeichnis | 83 |
Die intertemporale Allokation wäre ausschließlich abhängig von den privaten Diskontraten bei Investitionsentscheidungen, der technologischen Entwicklung und dem (relativ kurzen) individuellen Zeithorizont. Dies kann dazu führen, daß Emissionsrechte zu früh und in zu starkem Maße genutzt werden und somit die Anpassungsfähigkeit der ökologischen Systeme überfordert wird. Die kontinuierliche Erlangung neuer Forschungsergebnisse spricht für die Ermöglichung einer Flexibilisierung. Es ist wahrscheinlich, daß der politisch fixierte Emissionsstandard aufgrund neuer Erkenntnislagen verschärft werden muß oder erweitert werden kann. Durch Laufzeitbegrenzungen können andere Treibhausgase neu in das System einbezogen werden. Eine Laufzeitbegrenzung ermöglicht die Aufnahme derjenigen Staaten, die nicht von Beginn an am Zertifikathandel teilnehmen; zugleich wird die Ungleichbehandlung von Neu- und Altemittenten verringert. Die drohende Marktmacht einzelner Marktteilnehmer stellt ein weiteres Argument dar, keine „Ewigkeitszertifikate“ auszugeben. Durch möglichen spekulativen Aufkauf und Hortung wäre eine Gefährdung der effizienten Allokation gegeben. Befristung bzw. Abwertung können als Sanktionsmechanismen dienen, da mit der wiederkehrenden Ausgabe ein konstanter Zahlungsstrom verbunden ist. Hält sich ein Staat nun nicht an die Vereinbarungen, kann dieser durch die Einstellung der Transfers sanktioniert werden. [...]
48 schadstoffzertifikate gehandelt werden, die Markttransparenz aber wird bei einer zu großen Anzahl abnehmen, was die Effizienz des Marktes beeinträchtigt. Zudem kommt, daß die Einzelmärkte u. U. nicht hinreichend liquide sind. Wird eine Entscheidung für Multischadstoffzertifikate ausfallen, stellt sich die Frage nach der Bewertungsgrundlage für die Zusammenfassung der verschiedenen Schadstoffe in einem Zertifikat. Dales (1968b) formuliert einen Ansatz, bei dem die Umweltbehörde genau definieren muß, wieviel Gewichtseinheiten eines Schadstoffes den Gewichtseinheiten anderer Schadstoffe entsprechen. Hierzu muß eine „table of equivalents“ erstellt werden, was allerdings durch Informationsdefizite bedingt mit Schwierigkeiten verbunden ist. Tietenberg (1980) schlägt dagegen sogenannte „aggregate emission targets“ zur Umrechnung vor: Wie bereits erwähnt, läßt sich das Treibhauspotential der verschiedenen Gase in CO2Äquivalenten ausdrücken, womit ein einheitlicher Vergleichsmaßstab in Form von Schadeinheiten definiert werden kann. Vor diesem Hintergrund wird ein weiterer Vorteil einer Lösung mittels Multischadstoffzertifikaten sichtbar: Durch die direkte Vergleichbarkeit wird es den Emittenten ermöglicht, Emissionsreduktionen bei denjenigen Gasen zu betreiben, bei denen dies am günstigsten möglich ist. Reduktionsanstrengungen werden also dort erfolgen, wo Grenzvermeidungskosten gering sind. Folglich erhöhen Multischadstoffzertifikate die Effizienz des Systems. [...]
47 vermeidungsanstrengungen in Form von „end of pipe-Technologien“ (z. B. Filter) berücksichtigt. Weiterhin erweist sich bei diesem Ansatz die Tatsache, daß nicht alle fossilen Brennstoffe auch tatsächlich verbrannt werden, als problematisch. So erfolgt z. B. in der chemischen Industrie eine Verarbeitung ohne den Anfall von CO2-Emissionen. Unter der Bedingung, daß eine direkte Messung zu angemessenen Kosten erfolgt, ist diese Methode aufgrund der aufgezeigten Vorteile zu präferieren. Solange dies nicht gewährleistet ist, muß eine indirekte Bemessungsgrundlage gewählt werden. Allerdings sind dazu wesentliche Korrekturmechanismen hinsichtlich der auftretenden Probleme zu implementieren. Die Komplexität des Systems wird darüber hinaus im Falle der Einbeziehung weiterer Treibhausgase erhöht. [...]
In den Warenkorb
48,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832448653
Arbeit zitieren:
Vogl, Thomas Oktober 2000: Zertifikate als umweltpolitisches Instrument vor dem Hintergrund des Kyoto-Protokolls, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Zertifikate, Umweltpolitik, Klima, Kyoto, Treibhauseffekt



