Zeitlupe und Zeitraffer
Analyse aktueller Techniken in der Film- und Videoproduktion
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nicolas Hemmelmann
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 3,6 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 48
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1557-0
- ISBN (CD) :978-3-8366-1557-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hemmelmann, Nicolas Juni 2005: Zeitlupe und Zeitraffer, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Medientechnik, Filmproduktion, Kamera, Postproduktion, Computer
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Diplomarbeit von Nicolas Hemmelmann
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über aktuelle Techniken zur Herstellung von verlangsamten bzw. beschleunigten Film- und Videoaufnahmen. Das Themengebiet wurde auf Produktionen beschränkt, deren Ergebnisse jedem von uns auch im Alltag begegnen - sei es in Werbung, Spiel- oder Dokumentarfilm.
Nach einer allgemeinen Einführung werden im ersten Teil geschichtliche und wahrnehmungsphysiologische Grundlagen behandelt. Es folgt eine Untersuchung der narrativen Anwendungsmöglichkeiten von Zeitraffer und Zeitlupe anhand diverser Filmbeispiele. Im technischen Hauptteil der Arbeit werden praktische Anwendungen aus dem Filmbereich sowie Video- und Softwaretechnologien vorgestellt. Die unterschiedlichen Methoden werden an konkreten Beispielen detailliert erläutert und schließlich im letzten Kapitel im Hinblick auf technische, ästhetische und wirtschaftliche Aspekte nochmals ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Einführung | 4 |
| 1.1 | Wahrnehmungsphysiologie | 6 |
| 1.2 | Geschichte | 9 |
| 1.3 | Narrative Funktion im Film | 14 |
| 1.3.1 | Inszenierung des Natürlichen | 15 |
| 1.3.2 | Bildliche Darstellung der Zeit | 17 |
| 1.3.3 | Veränderung der Stofflichkeit von Objekten | 17 |
| 1.3.4 | Karikatur von Vorgängen | 18 |
| 1.3.5 | Stilisierung von Schlüsselereignissen | 19 |
| 1.3.6 | Veränderung der subjektiven Wirkung | 21 |
| 2. | Film | 23 |
| 2.1 | Technische Grundlagen | 23 |
| 2.1.1 | Kameramechanik | 24 |
| 2.1.2 | Belichtung und Beleuchtung | 27 |
| 2.2 | Kameras und Anwendungsbeispiele | 29 |
| 2.2.1 | Bolex H 16 RX-SBM - Dokumentation | 29 |
| 2.2.2 | Arriflex 16 SR3 - Fernsehfilm | 31 |
| 2.2.3 | Arriflex 435 - Werbung | 33 |
| 2.2.4 | Photo-Sonics 4ER - Spielfilm | 35 |
| 2.2.5 | Photo-Sonics 4B - Werbung | 37 |
| 2.2.6 | Ultra-Hochgeschwindigkeitskameras | 40 |
| 3. | Video | 41 |
| 3.1 | Technische Grundlagen | 41 |
| 3.1.1 | Aufzeichnung von Videosignalen | 41 |
| 3.1.2 | Elektronische Bildwandler | 44 |
| 3.2 | Kameras und Anwendungsbeispiele | 48 |
| 3.2.1 | Grass Valley LDK 23HS und EVS LSM-XT: Sportübertragung | 49 |
| 3.2.2 | Panasonic AJ-HDC27FE Varicam | 51 |
| 3.2.3 | Weinberger SpeedCam Visario und Cine SpeedCam | 53 |
| 3.3 | Simulation per Software | 54 |
| 3.3.1 | Praktische Anwendung am Avid | 56 |
| 4. | Zusammenfassung | 58 |
| 4.1 | Ästhetische Wirkung | 58 |
| 4.2 | Finanzielle Aspekte | 59 |
| 4.3 | Fazit | 60 |
| Anhang | 61 | |
| I. | Vergleichstabelle der vorgestellten Kameras | 61 |
| II. | Standbilder zu den Filmbeispielen | 62 |
| III. | Filmindex | 65 |
| IV. | Literaturverzeichnis | 67 |
| V. | Abbildungsverzeichnis | 69 |
| Dank | 70 |
Textprobe:
Kapitel 2.2, Kameras und Anwendungsbeispiele:
Obwohl alle Filmkameras sich in ihrem technischen Grundprinzip ähneln, existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle, die sich in ihrer Anwendung und ihren Zusatzfunktionen deutlich unterscheiden. Die für den Heimgebrauch entwickelten Super8-Kameras boten bereits einige Möglichkeiten, die Aufnahme- und Abspiel-geschwindigkeit zu variieren. 8mm-Kameras werden wegen ihrer besonderen Bildästhetik heutzutage nur noch im Experimentalfilm und teilweise in Musikvideos verwendet, haben aber ansonsten keine praktische Bedeutung mehr. Kameras, die mit dem vielseitigen und trotzdem relativ günstigen 16mm-Filmmaterial arbeiten, sind dagegen weit verbreitet, und werden meist für Fernseh- und Dokumentarfilmproduktionen eingesetzt.
Bolex H 16 RX-SBM: Dokumentation:
Die Bolex H 16 RX-SBM ist eine sehr kompakte und relativ leichte 16mm-Kamera. Die Abkürzung RX steht für den eingebauten Reflexsucher. Das Sucherbild wird durch ein Strahlenteilerprisma ausgespiegelt – der Lichtverlust beträgt etwa eine 2/3 Blende. Der Buchstabe S steht für Spring – die Kamera ist mit einem Federwerkantrieb ausgestattet, der bis zu 4,8m Film durchgehend transportieren kann. Die Mechanik ermöglicht Frequenzen von 12 bis 64fps. Über einen Drahtauslöser sind Einzelbildaufnahmen mit Moment- oder Dauerbelichtung möglich. Bei Bedarf kann die Kamera mit einem Elektromotor ausgerüstet werden, der bei 24 und 25fps quarzgesteuert arbeitet.
Für den experimentellen Dokumentarfilm 80.000 Shots wurden verschiedene Ausführungen der Bolex Federwerkkamera benutzt. Zu Beginn der Dreharbeiten wurden die Einzelbilder der Zeitrafferaufnahmen per Drahtauslöser belichtet, was sich schon bald als sehr mühsam herausstellte. Daher wurde eine automatische Intervallschaltung entwickelt, die den Drahtauslöser per Motor betätigt. Hierfür wurde ein Motor aus dem Modellbaubereich mit einem Zahnrad versehen, das eine Zahnstange bewegt, die den Drahtauslöser herausschiebt. Die Belichtungszeit und die Intervalle zwischen den Belichtungen konnten frei gewählt werden. Der Mechanismus wurde für nahezu alle Aufnahmen im ersten Teil des Films eingesetzt. So auch bei einer totalen Einstellung, in der mehrere Bagger eine Baugrube entwässern. Durch die ständige Variation der Aufnahmeintervalle und die geschickte Auslassung von Pausenzeiten wurde eine fließende, fast vermenschlichte Bewegung erzeugt.
Ab 1997 wurde für die Intervallaufnahmen ein kleineres Gerät entwickelt, das ebenfalls mit einem Getriebemotor aus dem Modellbau ausgerüstet war. Als Filmantrieb wurde hier die Achse genutzt, über die man normalerweise den Film zurückspult. Der Federwerksmotor wurde für diese Konstruktion ausgeschaltet. Eine Drehbewegung der Rückspulachse um 360° transportiert den Film um acht Einzelbilder weiter. Um eine echte Einzelbildbelichtung zu realisieren, wurde mit einer Zahnradübersetzung im Verhältnis 1:8 gearbeitet. Eine einfache elektronische Steuerung erlaubt die stufenlose Einstellung von Belichtungsintervallen von 1/2s bis zu 60s. Langzeitbelichtungen sind von 1/2s bis etwa 40s möglich.
Eine Totale der fertigen Gebäude am Potsdamer Platz in Berlin bildet die Schlußeinstellung von 80.000 Shots. Die Dämmerung setzt ein und es wird kontinuierlich dunkler, bis die erleuchteten Büros bei Nacht zu sehen sind. Es kostete mehrere Versuche, bis die passende Wetterlage und das richtige Timing für diese Sequenz gefunden waren. Die Aufnahme erfolgte auf Filmmaterial mit einer Empfindlichkeit von ISO 200/24° über einen Zeitraum von vier Stunden. Das Aufnahmeintervall betrug anfangs 10s und musste zum Ende hin zugunsten einer verlängerten Belichtungszeit erhöht werden.
Zu Beginn wurde eine minimal mögliche Blende 11 an der Kamera und eine Belichtungszeit von 0,5s über die elektronische Einzelbildschaltung eingestellt. Mit Einsetzen der Dämmerung wurde zunächst in Zehntelschritten die Blende bis zu einem Wert von 5.6 geöffnet und schließlich die Belichtungszeit schrittweise auf 30s gesteigert.
Die Firma Bolex selbst bietet ebenfalls eine speziell gefertigte Einzelbildsteuerung für die H16-Kamera an, die ähnliche Funktionen besitzt und ebenfalls die Rüchspulachse als Antrieb nutzt. Da es sich bei 80.000 Shots aber um eine Low-Budget-Produktion handelte, mussten die laufenden Kosten gering gehalten werden. Daher realisierten die Filmemacher die Schaltung in ihrer privaten Werkstatt zu einem wesentlich günstigeren Preis. Hier wird ein großer Vorteil von Film- gegenüber Videokameras deutlich: Die Filmtechnologie beruht auf einfachen , aber präzisen mechanischen Bauteilen. Digitale Videogeräte hingegen werden über komplizierte elektronische Schaltungen gesteuert. Zubehör muss daher häufig teuer über den Hersteller bezogen werden.
Arriflex 16 SR3: Fernsehfilm:
Das Modell Arriflex 16 SR3 der Firma Arnold & Richter ist eine weitverbreitete 16mm-Greiferkamera, die meist für Fernsehfilmproduktionen eingesetzt wird. Sie besitzt ein quarzgesteuertes Gelenk-Filmschaltwerk mit Sperrgreifer und verfügt außerdem über eine Feineinstellung, mit der höchstmögliche Laufruhe erreicht wird. Die Standardversion kann in Tausendstel-Frame-Schritten zwischen fünf und 75fps eingestellt werden. In der Highspeed-Variante, die mit einem stärkeren Motor ausgestattet ist, sind bis zu 150fps möglich, wobei die Genauigkeit ab 100fps nur noch 0,1fps beträgt. Der Öffnungswinkel der Sektorenblende ist stufenweise zwischen 45° und 180°einstellbar - damit kann die Belichtungszeit bei 150fps von 1/1200s bis 1/300s variiert werden.
In dem Fernsehzweiteiler Für immer Verloren wurden drei SR3-Kameras für einen Auto-Stunt verwendet. Die Sequenz besteht aus drei Einstellungen, von denen zwei mit erhöhter Bildfrequenz aufgezeichnet wurden. Der Jeep der Protagonisten kommt vor einer zerstörten Brücke von der Straße ab, überschlägt sich und fällt in einen Bach. Beim Dreh befand sich die erste Kamera auf einem Stativ und schwenkte den Stunt mit. Eine weitere Kamera filmte parallel mit einer Geschwindigkeit von 36fps aus einer erhöhten Position eine halbtotale Einstellung. Das dritte Gerät lief mit 150fps und wurde direkt im Fluß aufgestellt. Das Auto kommt vor dieser Kamera zum Liegen, so daß zum Schluß der Einstellung nur noch die Karosserie von unten zu sehen ist. Durch zusätzliche Dopplung im Schnitt wurde der gesamte Vorgang von ursprünglich drei Sekunden auf die vierfache Länge gedehnt.
Eine weitere Sequenz aus dem Film wurde dagegen fast komplett im Zeitraffer gedreht. Es handelt sich dabei um eine Zugfahrt, die in normaler Geschwindigkeit viel zu langsam erschienen wäre, da der Regionalzug am Drehort in Südafrika nur etwa 25km/h fuhr. So wurden alle Einstellungen mit Ausnahme einer Totalen, in der sich die Brandung zu deutlich sichtbar im Vordergrund an den Felsen bricht, mit 6 ¼fps gedreht. Mit diesem auf den ersten Blick krummen Wert konnte ein Flickern der eingesetzten HMI-Lampen verhindert werden, die mit der doppelten Netzfrequenz von 100Hz arbeiten. Mit entsprechender Zusatzausrüstung ist die Arriflex 16 SR3 auch für extreme Zeitrafferaufnahmen geeignet. Die Firma Norris Film Products hat unter anderem für das Vorgängermodell Arriflex 16 SRII einen Zeitraffermotor mit passendem Controller entwickelt. Für die Benutzung mit der SR3 wird ein Adapter angeboten. Die quarz-gesteuerte Kontrolleinheit erlaubt je nach Ausführung Belichtungszeiten von 1/16s bis zu acht Minuten, ein bis 150 aufgenomme Bilder pro Intervall, und Intervallzeiten von einer Sekunde bis zu 100 Stunden. Der Fernsehfilm Holstein Lovers enthält mehrere Zeitrafferaufnahmen, die mit der SR3 produziert wurden. Neben einigen Sonnenuntergängen, die ohne spezielle Ausrüstung mit 5fps aufgenommen wurden, gibt es einen Establishing Shot, der ein Gutshaus bei Nacht zeigt. Man erkennt die zeitliche Komprimierung hauptsächlich an der raschen Bewegung des gesamten Firmamentes, die eine unwirkliche, fast märchenhafte Atmosphäre schafft. Für diese Aufnahme wurde die Kamera mit dem erwähnten Motor und Controller ausgestattet. Die Belichtungszeit betrug aufgrund der geringen Beleuchtung des Hauses selbst 90 Sekunden. Die Aufnahmefrequenz wurde hier auf 0,025fps eingestellt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836615570
Arbeit zitieren:
Hemmelmann, Nicolas Juni 2005: Zeitlupe und Zeitraffer, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Medientechnik, Filmproduktion, Kamera, Postproduktion, Computer



