Der X-Faktor - TV-Journalisten im neuen digitalen Workflow
Die Einführung des Sony XDCAM-Professional Disc Systems verändert das Berufsbild des Fernsehjournalisten - Eine exemplarische Fallstudie am Beispiel des Westdeutschen Rundfunks
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Boris Egbers
- Abgabedatum: November 2005
- Umfang: 129 Seiten
- Dateigröße: 3,7 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Technische Universität Dortmund Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9205-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9205-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9205-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Egbers, Christian Boris November 2005: Der X-Faktor - TV-Journalisten im neuen digitalen Workflow, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Digitalisierung, IT-basierter Workflow, Blue-Ray-Disc, HDTV, Vorschau-Archiv-System
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Diplomarbeit von Christian Boris Egbers
Einleitung:
Im März 2005 stellte der Westdeutsche Rundfunk als erster deutscher TV-Sender seine technische Infrastruktur komplett von der tape-basierten Arbeitsweise auf die disc- bzw. File-basierte Produktion um. Voraussetzung dafür war die Einführung des XDCAM-Professional Disc Systems von Sony, das von der Akquisition über die Postproduktion bis zur Archivierung bereits einen weitgehend vernetzten Produktionsablauf ermöglicht. Während sich die am Workflow beteiligten Akteure wie Kameraleute und Tontechniker im Bereich der Akquisition nur unwesentlich in ihrer Arbeitsweise umstellen mussten, hatten die nun unmittelbaren Zugriffsmöglichkeiten auf das Bild- und Tonmaterial für den Fernsehautor gravierende Veränderungen im Arbeitsprozess zur Folge.
Tätigkeiten, die bislang auf das Tätigkeitsprofil des Cutters oder Archivars beschränkt waren, müssen nun zunehmend von den Autoren mit übernommen werden. So kopiert der Autor z.B. nach einem Drehtag die digitalen Bilddaten nun auf sein Notebook und fertigt bereits vor dem offiziellen Schnitttermin mit Hilfe einer speziellen Software selbst einen Rohschnitt an. Diese Rohschnittdaten werden dann im Anschluss in den non-linearen Schnittplatz per Diskette oder USB-Stick überspielt. Der Cutter erledigt nur noch die Feinarbeiten. Die Vorteile für den Sender: Kürzere Produktionszeiten, weniger Personaleinsatz und damit verbunden Einsparpotentiale. Am Ende dieser Entwicklung steht der omnipotente TV-Journalist, der von der Akquisition bis zur Postproduktion deutlich mehr Aufgaben im TV-Geschäft bewältigen muss, als bislang.
Anhaltspunkte für diese Entwicklung gibt es längst. So ist z.B. der selbst drehende Autor in den Nachrichtenredaktionen der WDR-Regionalstudios längst Realität. Hier wird das Bildmaterial von den Autoren selbständig gedreht (DVCAM), und dann von einer Cutterin digitalisiert und geschnitten. Beim Hessischen Rundfunk wird von den so genannten Videojournalisten sogar bereits seit Jahren erwartet, dass sie alle diese Tätigkeiten selbst übernehmen. Auch in den neuen, voll digitalisierten Newsrooms des ORF und SWR übernehmen Redakteure und Autoren heute längst Aufgaben, die in der einstmals analogen Welt eines Sendebetriebes von speziell ausgebildetem Personal noch exklusiv ausgeführt wurden.
Diese Arbeit möchte anhand einer exemplarischen Fallstudie aufzeigen, welche Folgen die Einführung des XDCAM-Professional-Disc-Systems auf das Berufsbild des TV-Journalisten haben wird. Da zu diesem konkreten Thema bislang keinerlei Forschungsergebnisse vorliegen, nähert sich der Verfasser diesem Ziel durch eine qualitative, explorative Anlage der empirischen Untersuchung, die sich zum einen in der heuristischen Art der Hypothesenbildung, zum andern aber auch im eher geringen Standardisierungsgrad des Befragungsinstruments manifestiert. Kern der Untersuchung ist einerseits die Auswertung von fünf Leitfadeninterviews mit technischen und strategischen Mitarbeitern des WDR, die im Sommer und Herbst des Jahres 2005 in den Räumen des WDR stattfanden.
Zum anderen die Introspektion, bei der der Verfasser die Erkenntnisse als langjähriger Beteiligter im Produktionsprozess des WDR aus erster Hand wieder gibt. Weitere eher informell-explikative Gespräche mit verschiedenen Kollegen des Verfassers, sowie Beobachtungen ergänzen die Untersuchung. Einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, der eine methodisch korrekte, auf Validität und Reliabilität bedachte Untersuchungsanlage voraussetzt, können dabei allerdings lediglich die Interviews erheben. Diesem Teil vorangestellt sind zwei Entwicklungen beim Hessischen und beim Österreichischen Rundfunk. Sowohl der Einsatz von Videojournalisten als auch der neue digitale Newsroom beim ORF sind als Insellösung zu werten, die aber exemplarisch den Entwicklungsschritt von analogen zum digitalen Workflow dokumentieren, und deren Auswirkungen mit denen bei der Einführung von XDCAM beim WDR vergleichbar sind.
Kapitel 4 erlaubt schließlich einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und den Arbeitsplatz des TV-Journalisten in der weiteren Folge der Einführung von XDCAM. Hier ist vom Verfasser ein besonderes Augenmerk auf die zukünftigen, grundsätzlich nur noch IT-basierten Senderstrukturen gelegt worden. Die Arbeit soll trotz aller Wissenschaftlichkeit zugleich praxisnah, berufsbezogen und informativ sein, schließlich ist diese Arbeit auch aus einem eigenen Erkenntnisinteresse heraus entstanden. Ich hoffe, dass der praxisorientierte Anspruch des Dortmunder Studiengangs für Journalistik in dieser Arbeit erkennbar ist.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| Abbildungsverzeichnis | X | |
| Tabellenverzeichnis | XI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Vom analogen zum digitalen Fernsehjournalisten– Beispielhafte Darstellung ausgewählter Entwicklungen | 3 |
| 2.1 | Der allgemeine Trend zur Digitalisierung und IT-Integration im Rundfunk | 3 |
| 2.1.1 | Videojournalisten beim Hessischen Rundfunk | 6 |
| 2.1.1.1 | Definition, Herkunft und technologische Wurzeln | 6 |
| 2.1.1.2 | Der DV-Standard | 7 |
| 2.1.1.3 | Die Geschichte der TV-Generalisten beim HR | 8 |
| 2.1.1.4 | Das VJ-Equipment | 9 |
| 2.1.1.5 | Anforderungsprofil und Qualität | 11 |
| 2.1.1.6 | Programmbereicherung und/oder Kostenbremse | 13 |
| 2.1.2 | Der digitale Newsroom beim ORF | 15 |
| 2.1.2.1 | Definition | 15 |
| 2.1.2.2 | Zeit im Bild (ZiB) | 15 |
| 2.1.2.3 | Aufbau | 18 |
| 2.1.2.4 | Workflow | 20 |
| 2.1.2.5 | Folgen der Digitalisierung | 22 |
| 2.1.2.6 | Konsequenzen für die journalistische Arbeit | 24 |
| 3. | Fallstudie:Workflow eines TV-Autoren beim Westdeutschen Rundfunk | 26 |
| 3.1 | Methode und Ziel der vorliegenden Fallstudie | 26 |
| 3.1.1 | Auswahl des Senders | 26 |
| 3.1.2 | Forschungsfragen | 27 |
| 3.1.3 | Fallstudie mit Introspektion | 29 |
| 3.1.4 | Experteninterviews | 30 |
| 3.1.4.1 | Interviewziele | 31 |
| 3.1.4.2 | Interview-Konzeption | 32 |
| 3.1.5 | Ergänzende Forschungsmethoden | 36 |
| 3.1.5.1 | Beobachtung | 36 |
| 3.1.5.2 | Informelle Gespräche | 37 |
| 3.2 | Der klassische Workflow eines TV-Autoren beim WDR | 38 |
| 3.2.1 | Vom Film zur elektronischen Berichterstattung | 38 |
| 3.2.2 | Tagesaktuelle Berichterstattung | 38 |
| 3.2.2.1 | Linearer Schnitt | 40 |
| 3.2.2.2 | Nonlinearer Schnitt | 41 |
| 3.2.3 | Hintergrundberichterstattung und längere Beiträge | 45 |
| 3.2.3.1 | Das Exposé | 45 |
| 3.2.3.2 | Das Treatment | 46 |
| 3.2.3.3 | Drehablaufplan und Dreh- bzw. Schnittanmeldung | 46 |
| 3.2.3.4 | Vorbesprechung mit dem Team und Dreharbeiten | 47 |
| 3.2.3.5 | Archivmaterial | 48 |
| 3.2.3.6 | Grafiken und Animationen | 49 |
| 3.2.3.7 | Schnittvorbereitung und Schnitt | 49 |
| 3.2.3.8 | Die Vormischung | 51 |
| 3.2.3.9 | Das Texten | 51 |
| 3.2.3.10 | Die Abnahme | 52 |
| 3.2.3.11 | Die Sprachaufnahme | 52 |
| 3.2.3.12 | Playout | 53 |
| 3.2.3.13 | Archivierung | 54 |
| 3.2.3.14 | Metadaten im klassischen Workflow | 54 |
| 3.2.3.15 | Zusammenfassung der klassischen Produktionskette | 55 |
| 3.3 | Der Workflow unter Einsatz des XDCAM-Systems | 56 |
| 3.3.1 | Das XDCAM-System | 56 |
| 3.3.1.1 | Die Formatentscheidung des WDR | 56 |
| 3.3.1.2 | Sonys Zusammenarbeit mit dem WDR | 57 |
| 3.3.1.3 | Die filebasierte Zukunft beginnt | 59 |
| 3.3.1.4 | Das Medium „Professional Disc“ | 60 |
| 3.3.1.5 | Das Datenaustauschformat MXF | 62 |
| 3.3.2 | Idealtypischer Workflow des TV-Autorenim WDR-Programmbereich II (Kultur und Wissenschaft) | 66 |
| 3.3.2.1 | Die Akquisition | 66 |
| 3.3.2.2 | Die Schnittvorbereitung | 68 |
| 3.3.2.3 | Die Logging-Software PDZ-1 | 69 |
| 3.3.2.4 | E-VTR | 73 |
| 3.3.2.5 | Postproduktion | 74 |
| 3.3.2.6 | Abnahme und Kommentar-Mischung | 76 |
| 3.3.2.7 | IT-basiertes Playout | 77 |
| 3.3.2.8 | Katalogisierung | 78 |
| 3.3.2.9 | Archivierung | 78 |
| 3.3.2.10 | Zusammenfassung der vernetzten Produktion | 80 |
| 3.3.3 | Besonderheiten und Abweichungen im WDR-Programmbereich IV (Landesprogramme) | 82 |
| 4. | Der Arbeitsplatz des TV-Journalisten in der Zukunft | 84 |
| 4.1 | Zukünftige Anforderungen an den TV-Journalisten | 84 |
| 4.1.1 | Videojournalisten und XDCAM | 85 |
| 4.1.2 | Vorschau-Archiv-System | 86 |
| 4.1.3 | Was kommt nach SDTV? | 91 |
| 4.2 | Wirtschaftlichkeitsbetrachtung | 92 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 96 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 100 |
| 7. | Glossar | 102 |
| 8. | Anhang | 107 |
3.2.3.15 Zusammenfassung der klassischen Produktionskette Zu Beginn der klassischen Produktionskette kann Bild- und Tonmaterial einerseits im Dreh von Rohmaterial, durch Überspielungen und EBU-Material erstellt werden, andererseits ist auch die Recherche im Archiv möglich. Hierzu werden Ansichtskopien auf Bändern erstellt, die zu einem Ansichtsplatz gebracht werden müssen. Das Rohmaterial wird nach dem Dreh zum Schnittplatz transportiert, wo es zunächst in das Computerschnittsystem digitalisiert wird. Mit der bislang verfügbaren Technik ist dieser Vorgang qualitätsmindernd und zeitaufwändig. Ebenso wird das ausgewählte Material vom Ansichtsplatz zum Schnittplatz gebracht und dort digitalisiert. Bei beiden Vorgängen erfolgt durch das Digitalisieren ein Kopieren des Materials. Ist der Schnitt fertig gestellt, so kann die Mischung und Sprachaufnahme erfolgen. Durch das Ausspielen des Materials aus dem Schnittplatz wird wieder eine Kopie erstellt. Schließlich kann die Sendung des Beitrages erfolgen. Im Archiv werden die gesendeten Beiträge häufig auch als Sammelbänder archiviert, so dass hier wieder eine Materialkopie erstellt wird. Aufgrund der band-gestützten Programmerstellung ist die klassische Produktionskette linear. Ein Bearbeitungsschritt kann erst nach Abschluss des vorherigen Schrittes erfolgen. [...]
3.2.3.14 Metadaten im klassischen Workflow Metadaten waren auch im klassischen Workflow im Einsatz, wenn auch nicht in automatisch verarbeiteter Form. Immer schon wurden beim WDR Produktionsnummern vergeben, Stichwörter und O-Töne auf Kassettenhüllen vermerkt, oder grüne MAZ-Karten92 gaben Aufschluss über Materialträger sowie Bild- und Toninformationen. Im Rahmen eines bandbasierten Materialflusses stellen die Informationen der Drehanmeldung, Disposition, alle Kassettenaufkleber, handgeschriebene Schriftstücke oder Disketten die so genannten Metadaten dar. Dazu können aber ebenso alle am Materialfluss beteiligten Informationen des Autoren wie das Exposé, das Treatment, der Drehplan, der Schnittplan, Rechteinformationen aus dem Archiv, die Schnittliste, der Mischplan, die GemaAnmeldung93, das Sprechermanuskript, der Online-Text für das Internet, sowie im weitesten Sinne sogar die Honorarabrechnung gehören. Alle diese Informationen liegen in der Regel auf Papier vor, werden vom Autor zusammengestellt und begleitend zur Entstehung des Beitrags ergänzt und/oder verändert. Eine physikalische Verbindung dieser Daten mit dem Beitrag besteht nicht. Das ändert sich mit Einsatz des XDCAM-Systems. [...]
3.2.3.12 Playout Hat der Redakteur alle fertig gestellten, d. h. sendefertigen Beiträge für eine Sendung zusammen, wird die Sendung in einem Nachbearbeitungsschnitt (NB) zusammengebaut. Dabei werden alle Elemente wie Opener, Teaser, Trailer, News-Block, Beiträge etc. vom NB-Cutter nach Anweisung und Ablaufplan des Redakteurs chronologisch hintereinander gesetzt. Das führt zu einem Verlust der Signalqualität, da durch den Kopiervorgang eine zusätzliche Generation vom Quellmaterial entsteht. Zu diesem Zeitpunkt werden evtl. notwendige Farbkorrekturen und/oder Audiokorrekturen, wie z.B. eine Anpassung der Tonpegel, vorgenommen. Hier findet dann meist auch die technische Abnahme der Beiträge bzw. Sendung statt. Dabei werden alle Hinweise für die Ausspielung in einem technischen Abnahmeprotokoll festgehalten. Die Sendung wird dann auf ein IMX-Band ausgespielt und dem so genannten MAZ-Zwischenlager übergeben. Von hier aus wird das Band dann just-in-time in der Senderegie eingestartet und ausgestrahlt. [...]
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Arbeit zitieren:
Egbers, Christian Boris November 2005: Der X-Faktor - TV-Journalisten im neuen digitalen Workflow, Hamburg: Diplomica Verlag
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Digitalisierung, IT-basierter Workflow, Blue-Ray-Disc, HDTV, Vorschau-Archiv-System



