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Work-Life-Balance Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Work-Life-Balance Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Inna Bode
  • Abgabedatum: Mai 2011
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 540,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 92
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2171-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bode, Inna Mai 2011: Work-Life-Balance Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Bachelorarbeit von Inna Bode

Einleitung:

In den vergangenen Jahrzehnten veränderten sich Gesellschaft und Wirtschaft in einem rasanten Tempo – mit bis heute steigender Tendenz. Dabei gewinnen Begriffe wie Globalisierung, demografischer Wandel sowie technologischer und wirtschaftlicher Fortschritt immer mehr an Bedeutung. Bedingt durch die Rahmenbedingungen unterliegt auch die Erwerbsarbeit anhaltenden Wandlungsprozessen, in deren Folge veränderte Belastungssituationen auszumachen sind. Die Arbeitsbelastung des Einzelnen nimmt durch Verdichtung der Arbeit, steigende Verantwortung und Erfolgsdruck beständig zu. Gleichzeitig verlieren körperliche Belastungen an Bedeutung, während insbesondere psychische Belastungen in starkem Maße zunehmen. Zudem lässt sich ein Anstieg der psychischen Erkrankungen beobachten, welche seit 1997 um 83,3 % zugenommen haben.

Im Zuge der technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen verändert sich zudem das Verständnis der Gesellschaft über die zeitliche und räumliche Organisation von Arbeits- und Privatleben sowie über die Grenzen zwischen Arbeit und Nichtarbeit. Insbesondere neue Arbeits- und Organisationsformen führen heutzutage dazu, dass die ehemals klar getrennten Lebensbereiche miteinander verschmelzen. Man spricht hierbei auch vom Prozess der Entgrenzung. Während in der Industriegesellschaft noch eine klare Abgrenzung der Arbeit durch eine starke räumlich-zeitliche Kopplung an Maschinen und Betriebsorte bestand, ist es in der heutigen Wissensgesellschaft meist völlig irrelevant, wann und wo die Tätigkeit ausgeführt wird. Die Gestaltung einer Balance zwischen Arbeit und Privatleben wird umso bedeutender, je mehr Erwerbsarbeit vom Individuum als Mühe zum Zwecke des Gelderwerbs und Nicht-Arbeit als Erholung gesehen werden. Hierbei bot die strikte Trennung zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben in der Vergangenheit den Arbeitern jahrzehntelang einen relativ verlässlichen Rückzugsraum, um sich von den Belastungen und Anforderungen des Arbeitsalltages zu erholen. Durch den Prozess der Entgrenzung droht diese Sphäre der Erholung und Reproduktion ihre Schutzfunktion zu verlieren, weil die Entgrenzung zumeist einseitig verläuft und hauptsächlich dazu führt, dass sich die Erfordernisse der Arbeitswelt auf die angrenzenden Lebensbereiche ausdehnen. Ein Ungleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben verstärkt die spezifischen Belastungskonstellationen des Arbeitsalltages, was oft mit negativen gesundheitlichen Folgen verbunden ist. Somit spielt das Themengebiet der WLB nicht nur für das Individuum selbst, sondern auch für die Unternehmen und die Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es ist daher nicht allein die Aufgabe des Einzelnen, für eine Abgrenzung der Lebensbereiche und in verstärktem Maße für zeitliche und räumliche Grenzen zu sorgen. Auch sollten Unternehmen ihren Mitarbeiten im eigenen Interesse ermöglichen, eine Balance zwischen belastenden und erholenden Aktivitäten herzustellen, um somit krankheitsbedingte Ausfälle, Produktivitätsverluste und fehlzeitbedingte Kosten zu vermeiden und der durch diese Ursachen bedingte Verminderung des Unternehmenserfolgs zu begegnen. Denn nur gesunde Mitarbeiter sind leistungsfähige Mitarbeiter. In Anbetracht der demografischen Entwicklung und einer im internationalen Vergleich niedrigen Erwerbsbeteiligung liegt diese Maxime auch im Interesse der Gesellschaft. Nur wenn Arbeitsunfähigkeit so weit wie möglich vermieden wird, kann das Arbeitskraftpotenzial besser ausgeschöpft und somit die Liquidität des Staates und die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme gewährleistet werden.

Ziel der Ausarbeitung soll es daher sein, die Frage zu beantworten, welchen Beitrag WLB-Konzepte im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung für den Aufbau und Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter leisten können. Zu diesem Zweck soll zunächst der besondere Stellenwert der Erwerbsarbeit für den Menschen erörtert und die ausschlaggebenden Beweggründe für die steigende Relevanz des Themas der WLB herausgearbeitet werden; hierzu gehören u. a. der Strukturwandel der Arbeitswelt und der Wandel der Unternehmensorganisationen sowie die damit verbundenen Anforderungen an den Arbeitnehmer. Anschließend wird der Gesundheitsbegriff geklärt. Darauf aufbauend werden wichtige Definitionen und Modelle vorgestellt, die wichtig sind für das Verständnis von WLB und die Folgen von Imbalance, sprich einem Ungleichgewicht zwischen Belastungen und Ressourcen. Schließlich folgt die Auseinandersetzung mit dem Thema WLB und die Vorstellung des Modells der Wippe von Kastner. In diesem Zusammenhang sollen exemplarisch Faktoren aus der Arbeitswelt vorgestellt werden, die das Entstehen von Imbalance fördern. Hierbei werden bewusst Stressoren aus dem privaten Handlungsbereich ausgeklammert und der Schwerpunkt auf die Stressoren der Arbeitswelt gelegt, da insbesondere diese durch betriebliche Gesundheitsförderung beeinflusst werden können. Außerdem zeigen sie mögliche Ansatzpunkte für WLB-Maßnahmen. Über die allgemeine Gesundheitsförderung soll eine Brücke zur betrieblichen Gesundheitsförderung geschlagen werden, welche näher erläutert und insbesondere deren Nutzen herausgearbeitet werden soll. In diesem Kontext werden einige beispielhaft gewählte WLB-Maßnahmen näher erläutert. Abschließend erfolgt eine Zusammenführung aller gewonnenen Ergebnisse und eine Schlussfolgerung, welchen Beitrag WLB-Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung leisten können. Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt auf Literaturbasis. Aufgrund des umfangreichen Themengebiets kann eine vollständige Erfassung des Themas WLB im gesundheitlichen Zusammenhang hier nicht erreicht werden, viele Aspekte können daher nur ansatzweise erläutert werden. Dennoch soll die Ausarbeitung durch die Konzentration auf die wichtigsten Punkte ein möglichst umfassendes Bild vermitteln.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 5
Abbildungsverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis 7
1. Einleitung 8
2. Psychosoziale Funktionen der Erwerbsarbeit für den Menschen 11
3. Arbeitswelt im Wandel 13
3.1 Wandel der Unternehmensorganisation 16
3.2 Entgrenzung und Subjektivierung der Arbeit 18
3.3 Der Arbeitskraftunternehmer 19
3.3.1 Selbst-Kontrolle 20
3.3.2 Selbst-Ökonomisierung 21
3.3.3 Selbst-Rationalisierung 21
4. Der Gesundheitsbegriff 21
4.1 Belastungs- und Beanspruchungskonzept 23
4.2 Ressourcen 24
4.3 Stress und Stressoren 27
4.4 Das transaktionale Stresskonzept 29
4.5 Stressfolgen 30
5. Work-Life Balance – der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit? 34
5.1 Modell der Wippe als Metapher für WLB 37
5.2 Stressoren aus der Arbeitswelt – Risikofaktoren für das Entstehen einer Imbalance 40
5.2.1 Arbeitsplatzunsicherheit 41
5.2.2 Mehr Druck durch mehr Freiheit 42
6. Gesundheitsförderung 44
6.1 Begriffliche Abgrenzung 44
6.2 Betriebliche Gesundheitsförderung 45
6.3 Klassifikation von Interventionsstrategien 47
6.4 Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung 49
6.5 WLB-Maßnahmen im Rahmen der betrieblichenGesundheitsförderung 51
7. Schlussbetrachtung 56
8. Literaturverzeichnis 60

Textprobe:

Kapitel 3.2, Entgrenzung und Subjektivierung der Arbeit:

Die Prozesse der Flexibilisierung und Deregulierung der Erwerbsarbeit werden häufig mit dem Begriff der ‘Entgrenzung der Arbeit’ beschrieben. ‘Entgrenzung bezeichnet dabei einen umfassenden sozialen Prozess, in dem sich die Arbeitsorganisation, die Arbeitsinhalte, die individuell einzubringenden Qualifikationen und die vom arbeitenden Subjekt abverlangte Verfügbarkeit nachhaltig verändern’. Die Entwicklungen in der Arbeitswelt führen dazu, dass sich die für normal und dauerhaft gehaltenen strukturellen Grenzen zunehmend verflüssigen oder gar auflösen. Damit verändert sich auch das Verhältnis zwischen betrieblich basierter Erwerbsarbeit und dem privaten familienbasierten Leben. Es kommt zu Vermischungen zwischen den ehemals klar voneinander getrennten Sphären. Dabei spielen die beschriebenen Dimensionen der zeitlichen und räumlichen Entgrenzung eine entscheidende Rolle.

Werden ab- und begrenzende Strukturen ausgedünnt oder gar aufgelöst, wird die Differenzierung der Arbeitsteilung zurückgenommen, dann stellt sich mit Macht das Giddens`sche Dualitätsproblem: Einerseits entsteht durch mehr Zeit- und Raumsouveränität neuer Gestaltungsspielraum, andererseits steigen zugleich die Anforderungen an die Konstruktion und Stabilisierung von handlungsleitenden Strukturen für die Einzelnen und ihre gemeinschaftlichen Zusammenschlüsse sowie die formalen Organisationen. Anders ausgedrückt muss unter Entgrenzungsbedingungen Erwerbsarbeit stärker als bisher aktiv (selbst) vom Mitarbeiter formiert werden, was gleichzeitig erweiterte, individuell positiv besetzte Möglichkeiten bietet, dies zu tun. Beispielsweise ergeben sich in zeitlicher Hinsicht vielfältige Anforderungen an die Betroffenen: In der Erwerbsarbeit müssen Arbeitstempo, Pausen, Arbeitsbeginn und -ende und das Zeit-Leistungs-Verhältnis individuell austariert werden. Im Privatbereich kommt es zu Synchronisationsproblemen bei der Abstimmung von Sozial- und Familienzeiten. Aus Arbeitskraftperspektive formuliert verbindet sich die Entgrenzung von Arbeit mit neuartigen Anforderungen an die Arbeitskraft, stellt dabei jedoch auch ein Angebot dar. Im Zusammenhang mit dem Wandel der Unternehmensorganisation kann die Entgrenzung der Arbeit auch als Ergebnis der neuen Rationalisierungsstrategie der Unternehmungen mit dem Ziel eines erweiterten Zugriffs auf die Subjektivität sowie auf die zeitlichen, räumlichen und sozialen Ressourcen der Lebenswelt der Beschäftigten verstanden werden. Entgrenzungsprozesse in der Erwerbsarbeit gehen also auch mit einer Subjektivierung der Arbeit einher. Subjektivierung von Arbeit bezeichnet dabei ganz allgemein eine Intensivierung von Wechselverhältnissen zwischen arbeitenden Personen und Betrieb bzw. betrieblich organisierten Arbeitsprozessen, bei denen verstärkt die Subjektivität der Betroffenen eingefordert wird. Dies kann zum einen heißen, dass Individuen selbst mehr Subjektivität in die Arbeit hineintragen, aber auch, dass die Arbeit immer mehr Subjektivität von den Individuen fordert. Die Subjektivierung der Erwerbsarbeit unterliegt dabei einem doppelten Prozess: Veränderte betriebliche Strukturen erhöhen den funktionalen Bedarf der Betriebe nach subjektiven Leistungen. Zudem haben Individuen immer häufiger den Wunsch subjektive Ansprüche an die Arbeit heranzutragen. Subjektivierung von Arbeit hat also zur Folge, dass erwerbstätige Menschen vielfach nicht mehr eindeutig zwischen ihren Rollen als Berufs- und Privatperson trennen können, sondern sich als ganze Person in die Arbeit einbringen müssen oder auch wollen.

3.3, Der Arbeitskraftunternehmer:

Die veränderten Anforderungen, die sich daraus für die Beschäftigten ergeben, werden durch den Begriff des ‘Arbeitskraftunternehmers’ charakterisiert. Die Entstehung dieses neuen Typus von Arbeitskraft hängt im Wesentlichen mit einer veränderten Logik der betrieblichen Nutzung von Arbeitskraft zusammen. Dabei werden die bislang leitenden tayloristischen Prinzipien des Fordismus zur Lösung des Grundproblems, die arbeitsvertraglich zugesicherte Arbeitskraft mit organisatorisch-technischen Vorkehrungen (‘Kontrolle’) in die erforderliche konkrete Arbeitsleistung zu ‘transformieren’, abgesetzt. Stattdessen müssen die Arbeitenden nunmehr weitestgehend selbst in ihrer Tätigkeit die für sie erforderliche Strukturierung, Steuerung und Überwachung des Arbeitsprozesses übernehmen (vgl. Subjektivierung von Arbeit). Somit werden Entscheidungen und Handlungen auf die Angestellten übertragen, welche zuvor dem Management vorbehalten waren. Die Beschäftigten werden sozusagen zu ‘Unternehmern im Unternehmen’. ‘Hauptmerkmale der idealtypischen Beschreibung des Arbeitskraftunternehmers bzw. der Anforderungen an dessen individuelles Handeln sind eine (anstelle der ‘alten’ Fremdkontrolle) erweiterte Selbstkontrolle, eine Selbstökonomisierung der eigenen Arbeitsfähigkeiten und -leistungen sowie eine Selbstrationalisierung im Sinne einer ‚Verbetrieblichung‘ der alltäglichen Lebensführung’.

Arbeit zitieren:
Bode, Inna Mai 2011: Work-Life-Balance Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung, Hamburg: Diplomica Verlag

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