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Wohnen und geistige Behinderung

Eine vergleichende Untersuchung zur Zufriedenheit und Selbstbestimmung in Wohneinrichtungen

Wohnen und geistige Behinderung
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Kristin Sonnenberg
  • Abgabedatum: Oktober 2004
  • Umfang: 259 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 99
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0237-2
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0237-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sonnenberg, Kristin Oktober 2004: Wohnen und geistige Behinderung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Behindertenwohnheim, Geistige Behinderung, Zufriedenheit, Selbstbestimmung, Qualitätsmanagement

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Dissertation / Doktorarbeit von Kristin Sonnenberg

Zusammenfassung:

Die vorliegende Untersuchung setzt sich dem Thema Zufriedenheit und Selbstbestimmung aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner von Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung auseinander. Wohnraum als zentraler Lebensraum bietet sich zur Beurteilung individueller Lebensqualität und zur Untersuchung von Möglichkeiten der Selbstbestimmung an.

Anhand eines Fragebogens, entwickelt auf Grundlage aktueller Forschungsergebnisse, wurden Daten zur Zufriedenheit und dem Grad an realisierter Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner erhoben. Die Untersuchung umfasst sowohl die Erfassung der individuellen, subjektiven Wahrnehmung als auch zusätzlich drei Fremdwahrnehmungen, um diese miteinander zu vergleichen. Mehre Fragestellungen wurden damit verfolgt: Wie werden Zufriedenheit und Selbstbestimmung aus unterschiedlichen Perspektiven definiert? Schätzen Bewohnerinnen und Bewohner sich selbst zufriedener ein als Dritte? Stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung überein? Besteht ein positiver Zusammenhang zwischen erlebter Zufriedenheit und Möglichkeiten der Selbstbestimmung?

Entstanden ist ein Erhebungsinstrument zur breiten Anwendung in Wohneinrichtungen, welches sich auf bekannte theoretische Konzepte stützt und erfolgreich angewendet werden konnte. Fragebögen sind ein geeignetes Instrument, um eine Vollerhebung in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung durchzuführen. Themen wie die Beurteilung der Dienstleistungsqualität und die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner sind zwei Aspekte, die gut aus der individuellen Perspektive beurteilt und eingeschätzt werden können. Dies ist – wie die vorliegenden Ergebnisse zeigen – auch möglich, wenn noch keine Erfahrungen mit einer Fremdbefragung in Form eines Interviews vorliegen.

Es liegen Ergebnisse vor aus insgesamt 181 Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern (Interviews anhand eines strukturierten Fragebogens, der als Interviewleitfaden genutzt wurde), Fragebögen von 101 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, 62 Angehörigen und 43 gesetzlichen Betreuern. Auf dieser Grundlage erfolgt eine umfassende Beurteilung der Untersuchungsmethodik sowie Überprüfung und Diskussion der 13 formulierten Hypothesen. Es konnte u.a. nachgewiesen werden, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung in vielen Bereichen der Zufriedenheit und Selbstbestimmung nicht übereinstimmen: Zufriedenheit kann nur als subjektives Phänomen begriffen und daher nur ergänzend fremdevaluativ beurteilt werden, nie ausschließlich.

Die Selbsteinschätzung und Selbstbeschreibung, die von den Befragten gefordert wurde, konnte ohne Probleme gegeben werden. Sowohl das differenzierte Antwortverhalten auf die geschlossenen Fragen als auch die klaren Beschreibungen und sehr konkreten Vorstellungen der Einzelnen zu den offenen Fragen zeigen, dass der Fragebogen als subjektives Messverfahren zur Erfassung individueller Wahrnehmungen bei der Zielgruppe der Bewohnerinnen und Bewohnern von Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung vorbehaltlos für eine mündliche Befragung eingesetzt werden kann. Regelmäßige freie Meinungsäußerung stärkt Menschen mit geistigen Behinderungen in ihrem Selbsterleben und in ihrer Selbstsicherheit, die eigenen Meinungen und Bedürfnisse zu artikulieren.

Vor Einsatz des Fragebogens muss das Ziel, welches mit einer Erhebung erreicht werden soll, klar definiert sein. So kann die Ergänzung oder Kombination mit anderen Forschungsmethoden wie der Beobachtung, Gruppengespräche und Einzelfallanalyse für eine umfassende Untersuchung bereichernd sein. Für Personen, für die das Interview keine Kommunikationsmöglichkeit darstellt, ist eine Ergänzung alternativer Erhebungsmethoden unerlässlich.

Bei der Einführung von Qualitätsmanagement oder anderen Formen der Qualitätsentwicklung muss das subjektive Wohlbefinden der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Auf eine Beurteilung der Leistungen bzw. eine Leistungsüberprüfung durch diejenigen, die eine Leistung in Anspruch nehmen, kann nicht verzichtet werden.

Aufforderung an die Praxis ist es, Beteiligungsstrategien in vorhandene Konzepte einzubinden. Wird dem ökonomischen Druck nachgegeben und das Überleben einer Einrichtung gesichert ohne die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner, besteht die Gefahr, dass deren Interessen in den Hintergrund geraten. Wohneinrichtungen verlassen bei einer solchen Entwicklung ihren Anspruch, Lebensraum zu sein und reduzieren ihren Auftrag langfristig wieder auf das zur Verfügung Stellen von Wohnraum.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 3
2. FRAGESTELLUNG 5
3. STAND DER FORSCHUNG 8
3.1. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN 9
3.1.1 Wohneinrichtungen 9
3.1.2 Menschen mit geistiger Behinderung 18
3.1.3 Zufriedenheit 21
3.1.4 Selbstbestimmung 27
3.1.5 Zum Begriff des Nutzers 29
3.2. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN 32
3.3 PROBLEME DER BEDÜRFNISFORSCHUNG 40
3.4 SYSTEMISCH-ÖKOLOGISCHER ANSATZ 43
3.5 KONSEQUENZEN FÜR DAS EIGENE FORSCHUNGSDESIGN 46
4. HYPOTHESEN 48
4.1 HYPOTHESEN ZUR „ZUFRIEDENHEIT“ 50
4.2 HYPOTHESEN ZUR „SELBSTBESTIMMUNG“ 53
4.3 HYPOTHESE ZUR „ZUFRIEDENHEIT UND SELBSTBESTIMMUNG“ 55
5. UNTERSUCHUNGSMETHODIK 56
5.1 AUSWAHL DER UNTERSUCHUNGSMETHODEN 58
5.2 KONSTRUKTION DER FRAGEBÖGEN 62
Teil A. Grundlagen theoretischer Fragebogenkonstruktion 62
Teil B. Konstruktion der Fragebögen für die Befragungen 73
5.3 DURCHFÜHRUNG DER BEFRAGUNGEN 81
Bewohnerinnen und Bewohner 82
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 84
Angehörige und gesetzliche Betreuer 85
Interviewerteam 86
5.4 ÜBERLEGUNGEN ZUR AUSWERTUNG 91
Quantitative Auswertung 91
Qualitative Daten 94
6. UNTERSUCHUNGSVERLAUF 97
6.1 PLANUNGSPHASE 97
6.2 UMSETZUNGSPHASE 101
6.3 AUSWERTUNGSPHASE 109
7. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 111
7.1 ERGEBNISSE DER HYPOTHESENPRÜFUNG UND DISKUSSION 111
Teil 1 112
Hypothesen zur Zufriedenheit 112
HYPOTHESE 1: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / Mitarbeiter 112
HYPOTHESE 2: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / Angehörige 122
HYPOTHESE 3: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / gesetzliche Betreuer 129
HYPOTHESE 4: Definition Zufriedenheit Bewohner / Mitarbeiter 135
HYPOTHESEN 5 & 6: Definition Zufriedenheit Bewohner / Angehörige / gesetzliche Betreuer 148
Teil 2 154
Hypothesen zur Selbstbestimmung 154
HYPOTHESE 7: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / Mitarbeiter 154
HYPOTHESE 8: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / Angehörige 157
HYPOTHESE 9: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / gesetzliche Betreuer 158
HYPOTHESE 10: Definition Selbstbestimmung Bewohner / Mitarbeiter 162
HYPOTHESE 11: Definition Selbstbestimmung Bewohner / Angehörige 167
HYPOTHESE 12: Definition Selbstbestimmung Bewohner / gesetzliche Betreuer 172
Teil 3 175
Hypothese zum Zusammenhang von Zufriedenheit und Selbstbestimmung 175
HYPOTHESE 13: Zufriedenheit und Selbstbestimmung 175
7.2 BEURTEILUNG DER ANGEWANDTEN UNTERSUCHUNGSMETHODIK 182
7.2.1 ERGEBNISSE IN BEZUG AUF DEN EINSATZ DES FRAGEBOGENS 183
(1). Interviewdauer 183
(2). Umgang mit der Situation des Interviews 185
(3). Interviewerteam 190
(4). Zur Beurteilung der Fragen des Fragebogens 191
7.2.2 SCHLUßFOLGERUNGEN 198
8. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE PRAXIS 199
LITERATURVERZEICHNIS 202
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 210
TABELLENVERZEICHNIS 211
ANHANG 212

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 3
2. FRAGESTELLUNG 5
3. STAND DER FORSCHUNG 8
3.1. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN 9
3.1.1 Wohneinrichtungen 9
3.1.2 Menschen mit geistiger Behinderung 18
3.1.3 Zufriedenheit 21
3.1.4 Selbstbestimmung 27
3.1.5 Zum Begriff des Nutzers 29
3.2. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN 32
3.3 PROBLEME DER BEDÜRFNISFORSCHUNG 40
3.4 SYSTEMISCH-ÖKOLOGISCHER ANSATZ 43
3.5 KONSEQUENZEN FÜR DAS EIGENE FORSCHUNGSDESIGN 46
4. HYPOTHESEN 48
4.1 HYPOTHESEN ZUR „ZUFRIEDENHEIT“ 50
4.2 HYPOTHESEN ZUR „SELBSTBESTIMMUNG“ 53
4.3 HYPOTHESE ZUR „ZUFRIEDENHEIT UND SELBSTBESTIMMUNG“ 55
5. UNTERSUCHUNGSMETHODIK 56
5.1 AUSWAHL DER UNTERSUCHUNGSMETHODEN 58
5.2 KONSTRUKTION DER FRAGEBÖGEN 62
Teil A. Grundlagen theoretischer Fragebogenkonstruktion 62
Teil B. Konstruktion der Fragebögen für die Befragungen 73
5.3 DURCHFÜHRUNG DER BEFRAGUNGEN 81
Bewohnerinnen und Bewohner 82
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 84
Angehörige und gesetzliche Betreuer 85
Interviewerteam 86
5.4 ÜBERLEGUNGEN ZUR AUSWERTUNG 91
Quantitative Auswertung 91
Qualitative Daten 94
6. UNTERSUCHUNGSVERLAUF 97
6.1 PLANUNGSPHASE 97
6.2 UMSETZUNGSPHASE 101
6.3 AUSWERTUNGSPHASE 109
7. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 111
7.1 ERGEBNISSE DER HYPOTHESENPRÜFUNG UND DISKUSSION 111
Teil 1 112
Hypothesen zur Zufriedenheit 112
HYPOTHESE 1: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / Mitarbeiter 112
HYPOTHESE 2: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / Angehörige 122
HYPOTHESE 3: Einschätzung Zufriedenheit Bewohner / gesetzliche Betreuer 129
HYPOTHESE 4: Definition Zufriedenheit Bewohner / Mitarbeiter 135
HYPOTHESEN 5 & 6: Definition Zufriedenheit Bewohner / Angehörige / gesetzliche Betreuer 148
Teil 2 154
Hypothesen zur Selbstbestimmung 154
HYPOTHESE 7: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / Mitarbeiter 154
HYPOTHESE 8: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / Angehörige 157
HYPOTHESE 9: Forderung nach Selbstbestimmung Bewohner / gesetzliche Betreuer 158
HYPOTHESE 10: Definition Selbstbestimmung Bewohner / Mitarbeiter 162
HYPOTHESE 11: Definition Selbstbestimmung Bewohner / Angehörige 167
HYPOTHESE 12: Definition Selbstbestimmung Bewohner / gesetzliche Betreuer 172
Teil 3 175
Hypothese zum Zusammenhang von Zufriedenheit und Selbstbestimmung 175
HYPOTHESE 13: Zufriedenheit und Selbstbestimmung 175
7.2 BEURTEILUNG DER ANGEWANDTEN UNTERSUCHUNGSMETHODIK 182
7.2.1 ERGEBNISSE IN BEZUG AUF DEN EINSATZ DES FRAGEBOGENS 183
(1). Interviewdauer 183
(2). Umgang mit der Situation des Interviews 185
(3). Interviewerteam 190
(4). Zur Beurteilung der Fragen des Fragebogens 191
7.2.2 SCHLUßFOLGERUNGEN 198
8. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE PRAXIS 199
LITERATURVERZEICHNIS 202
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 210
TABELLENVERZEICHNIS 211
ANHANG 212

Textprobe:

Kapitel 3.1.5, Zum Begriff des Nutzers: Lange Zeit wurde in der Behindertenhilfe der Begriff „Hilfebedürftiger“ verwendet. Er betonte eine einseitig orientierte Beziehung im Kontext „Hilfe geben – Hilfe nehmen“. Es hat sich inzwischen ein Perspektivenwechsel vollzogen, der die aktive und mitgestaltende Rolle der Betroffenen bzw. Nutzer einer Dienstleistung am personalen Dienstleistungsgeschehen betont. Nutzerorientierung und eine damit einhergehende Partizipation der als Nutzer verstandenen Menschenbestimmen seitdem stärker die Diskussion.

Noch Mitte der 90er spielte die Kontrolle und Bewertung der Dienstleistungen durch die Nutzer kaum eine Rolle. Es fehlen insgesamt Studien zur Erfassung der qualitativen Lebenssituation der Betroffenen. Dies führt Gromann vor allem darauf zurück, dass grundsätzlich in Frage gestellt wurde, ob Menschen mit geistiger Behinderung komplexe und komplizierte Zusammenhänge bewerten können, oder ob aufgrund vorhandener Abhängigkeitsverhältnisse Gefälligkeitsaussagen zu erwarten sind. Insbesondere ausgehend von einem „mündigen Konsumenten“ mussten mindestens zwei Voraussetzungen verneint werden: Zum einen lagen und liegen die finanziellen Ressourcen zur Kaufentscheidung auch trotz der teilweisen Einführung persönlicher Budgets nicht bei den betroffenen Personen.

Zum anderen ist die lebenspraktische Abhängigkeit von der Hilfeleistung problematisch. Zu wenig Wahlalternativen stehen zur Verfügung, um eine wirkliche Entscheidung treffen zu können (auf mangelhafte Wohnalternativen wurde bereits im Zusammenhang der Begriffsdefinition „Wohnen“ hingewiesen). Auch kann bei den Empfängern von sozialen Dienstleistungen in der Regel nicht von einem „kritischen Verbraucherverhalten „ausgegangen werde. Seit Mitte der 90er wird die Bewertung von Dienstleistungsangeboten durch ihre Nutzer angestrebt. Dies kann beispielsweise durch die Messung der Zufriedenheit der Nutzer mit den Angeboten eines Dienstleisters realisiert werden. Mit dieser veränderten Sichtweise eröffnen sich Möglichkeiten und Chancen der Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in Prozesse der Qualitätsentwicklung. Damit verbunden ist die Chance zur Realisierung von Selbstbestimmung und zu Mitgestaltungsmöglichkeiten. Mit einiger Verzögerung werden somit Gedanken und Entwicklungen aus den USA und Großbritannien aufgenommen.

Die Durchführung von Nutzerbefragungen folgt der Aufforderung als Gesellschaft Verantwortung für die Partizipationschancen von Menschen mit Behinderungen zu übernehmen (WHO 2000) und konsequente Nutzerorientierung kann die Partizipation von Menschen mit Behinderungen erhöhen. Die Verwendung des Begriffes „Nutzer“ rückt die betroffene Gruppe und deren Eigeninteressen in den Mittelpunkt. Die Verwendung der Begriffe „Nutzer“ und „Kunde“ hat zu einer positiven Entwicklung geführt: Weg vom „Hilfebedürftigen“ hin zu einer Person mit Ansprüchen an die Qualität einer Dienstleistung. Daher werden beide Begriffe befürwortet. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass trotz noch so großer Kundenorientierung die Abhängigkeit vieler Menschen mit Behinderungen von Zuwendung und Hilfe anderer bestehen bleibt. Insbesondere dem Begriff des „Kunden“ haftet eine Beschränkung auf ein utilitaristisch bestimmtes Anbieter-Kunden-Verhältnis an.

In einer solchen einseitigen Betonung wird die Gefahr gesehen, dass zwischenmenschliche Verhältnisse ignoriert oder zumindest vernachlässigt werden. Eine Interpretation des Kundenbegriffs mit diesen Konsequenzen würde einer Nutzerorientierung, wie sie weiter obenbeschrieben wurde, widersprechen. Da eine vollständige Kundensouveränität im Sinne von Entscheidungssouveränität nicht immer vorausgesetzt werden kann, ist es von großer Bedeutung, den Kundenbegriff bzw. die Definition von „Kunden“ für den Bereich der Behindertenhilfe zu erweitern. Ausgehend von einem umfassenden Dienstleistungsverständnis zählt zu den indirekten Kunden auch der Personenkreis der Angehörigen und gesetzlichen Betreuer und Betreuerinnen, die in der Regel einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidungsfindung, die Inanspruchnahme der entsprechenden Wohnstätte und auf die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen haben.

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Arbeit zitieren:
Sonnenberg, Kristin Oktober 2004: Wohnen und geistige Behinderung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Behindertenwohnheim, Geistige Behinderung, Zufriedenheit, Selbstbestimmung, Qualitätsmanagement

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