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Die Wissenschaftsstadt Grenoble

Entwicklung, Akteure, Netzwerke

Die Wissenschaftsstadt Grenoble
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Ulrike Willms
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 177 Seiten
  • Dateigröße: 45,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Gerhard-Mercator-Universität Duisburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6265-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6265-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6265-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Willms, Ulrike Oktober 2001: Die Wissenschaftsstadt Grenoble, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: High-Tech-Unternehmen, Standortfaktoren, Innovative Milieus, Dezentralisierungsmaßnahmen, Wirtschaftsförderung

Staatsexamensarbeit von Ulrike Willms

Einleitung:

Erst seit Ende der 1960er-Jahre hat sich, beginnend in Nord-Amerika, die Meinung durchgesetzt, dass sich technischer Fortschritt, Innovation und Technologie entscheidend auf das regionale Wirtschaftswachstum auswirken können. Dieses noch relativ junge Thema der High-Tech-Regionen und Technopole beherrscht seitdem die Diskussion der Raumplaner und Regionalentwickler. Die Politik soll und will durch Technologieförderung gezielt bestimmte Regionen fördern. Dies können altindustrielle Regionen wie das Ruhrgebiet sein, denen eine neue Perspektive gegeben werden soll, aber auch bisher unterentwickelte oder nur gering industrialisierte Regionen wie die Region Limousin in Frankreich. Neben der Mobilisierung externer Ressourcen konzentriert sich die Diskussion auch immer wieder auf die Förderung endogener Potenziale. Hierzu zählt auch das theoretische Konzept des Kreativen Milieus, das der Politik den Hintergrund für ihre Planungsansätze vermitteln will.

Für diese Arbeit wurde der Untersuchungsraum Grenoble gewählt. Die Stadt wird in der nationalen und internationalen Literatur beschrieben als Stadt, deren Basis die Hochtechnologie bildet. Hierzu trugen die Privatindustrie, lokale Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen bei. Neben fachwissenschaftlichen Arbeiten taucht Grenoble aufgrund seiner Dynamik im Bereich Neuer Technologien auch immer wieder in Tageszeitungen wie „Le Figaro“ und Wochenzeitschriften wie „L'Express“ auf. So gab es im Juni 2001 einen Sonderteil in „L'Express“ über 30 boomende Unternehmen der Agglomeration, die Preise gewannen oder erfolgreiche start-ups sind. Außerdem wurde eine Übersicht der Initiativen zur Förderung dieser Dynamik.

Grenoble liegt mit einem Anteil der strategischen Arbeitsplätze an der Gesamtzahl Arbeitsplätze von 10,81 % auf Platz 2 nach Paris. Zu den strategischen Berufen zählen vor allem Berufe im High-Tech-, Forschungs- und innovativen Sektor. Damit zählt Grenoble zum zweitstärksten Forschungspol in Frankreich nach Paris. Zu den wichtigsten Bereichen zählen Physik, Chemie, angewandte Mathematik, Elektronik, Mikro-Elektronik, Informatik, Molekularbiologie und Biotechnologie. Das Verhältnis von angewandter Forschung zu Grundlagenforschung liegt bei 40 zu 60. Diese wird neben der Forschung und Entwicklung in der Industrie, gewährleistet durch zahlreiche nationale Forschungseinrichtungen, wozu vor allem das CNRS und das CEA gehören, internationale Forschungseinrichtungen und die vier Universitäten. Fasst man alle Laboratorien zusammen, so ergeben sich 250 Forschungseinheiten mit 2 500 Forschern und Ingenieuren, 3 000 Doktoranden (davon 32 % Ausländer), 1 600 Praktikanten im Bereich Forschung und 450 Patentanmeldungen pro Jahr.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit will den Weg der Stadt und die Gründe für diese Entwicklung näher untersuchen. Kapitel 1 liefert die theoretische Grundlage der Wissenschaftsstädte, wie sie in der internationalen Literatur dargestellt wird. Dazu gehört eine zunächst ausführliche Diskussion der am häufigsten verwendeten Begriffe wie High-Tech-Region, Technopole und Wissenschaftsstadt, um eine eindeutige Diskussionsgrundlage zu schaffen. Aufgrund der in Kapitel 1 ausführlich beschriebenen Begriffsprobleme wurde für den Titel dieser Arbeit der im Deutschen häufig benutzte übergeordnete Begriff der Wissenschaftsstadt gewählt. Der Titel ist so für deutsche Leser aussagekräftig und der Begriff wird im Laufe der Arbeit weiter entwickelt. Der im Englischen teilweise benutzte Begriff der Technopole ist durch seinen französischen Ursprung mit unterschiedlichen Bedeutungen zu diskussionsbehaftet. Im nachfolgenden Text wird von Technopôlen, Technopolen und Wissenschaftsstädten geredet, dabei werden die Begriffe Technopole und Wissenschaftsstadt meist synonym benutzt. Der Technopôle ist im Gegensatz dazu eine kleinere High-Tech-Einheit, die etwas polarisiert. Von außen betrachtet, ähnelt er den Technologieparks.

Dann folgt eine Darstellung über die Ursachen und die Entwicklung von Wissenschaftsstädten. Im letzten Abschnitt des ersten Kapitels folgt dann schließlich ein Einblick in die Netzwerktheorie. Netzwerke und Kreative Milieus spielen, wie der Definitionsabschnitt ausführt, im Bereich der Wissenschaftsstädte eine tragende Rolle. Deshalb sollen die Hintergründe erläutert werden. Im zweiten theoretischen Kapitel werden die besonderen raumplanerischen Maßnahmen in Frankreich näher betrachtet. Der zentralistische Staat nimmt traditionell mit seiner Politik auch Einfluss auf die Entwicklung der lokalen Ökonomie und versuchte im Zuge von Dezentralisierungsmaßnahmen regionale Disparitäten auszugleichen. Für diese Arbeit ist neben der allgemeinen Raumordnung das französische Technopôlen-Programm wichtig, das u. a. raumplanerische Ziele verfolgt. Die wichtigsten Punkte im Bezug auf dieses Programm werden dargestellt. Anschließend folgt eine kurze Untersuchung, wie sich die Raumplanung und die Einrichtung von Technopôlen auf die Region Rhône-Alpes ausgewirkt haben. Vor der Untersuchung Grenobles gibt Kapitel 3 einen allgemeinen Überblick über die historische Entwicklung der Stadt. Dazu gehören neben einer allgemeinen Entwicklung, entscheidende Ereignisse und Einflüsse wie die olympischen Winterspiele 1968 und die Einrichtung der Universitäten sowie die Bedeutung der Entdeckung der Wasserkraft für die industrielle Entwicklung. In Kapitel 4 schließlich werden die aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen untersucht. Dabei beruht ein Untersuchungspunkt auf dem Unterschied zwischen Technopôle und Technopole. Aufgrund der verwandten Begriffe Technopôle und Technopole, die jedoch auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sind, soll untersucht werden, ob im Fall Grenoble sowohl von einem Technopôle als auch von einer Technopole gesprochen werden kann. Das zunächst und hauptsächlich in Frankreich entstandene Konzept ist ein Untersuchungsfeld, das in der deutschen Literatur selten behandelt wird. Da sich Grenoble im französischen Kontext entwickelt hat, bot sich diese Untersuchung an. Die Struktur dieses Kapitels soll erst zu Anfang des Kapitels selbst dargestellt werden.

Die Erkenntnisse wurden auf unterschiedliche Arten gewonnen. Die ersten drei Kapitel beruhen auf fachwissenschaftlicher Literatur, aber auch auf direkten Informationen aus dem Internet von Organisationen und Institutionen. Datengrundlage des vierten Kapitels bilden Statistiken, Berichte über Untersuchungen in Grenoble von Experten der Grenobler Universitäten, Artikel in der Grenobler Presse und die auf einem in Grenoble besuchten Kolloquium zum Thema Industrie, Bildung und Forschung in Grenoble - die Entwicklung bis zum Jahr 2020 gewonnenen Informationen aus schriftlichen Tagungsunterlagen, Vorträgen und Diskussionsbeiträgen. Zu den Tagungsunterlagen gehören die zusammengefassten Erkenntnisse von Arbeitsgruppen, die sich im Vorfeld des Kolloquiums seit fast zwei Jahren mit unterschiedlichen Themen beschäftigt haben. Durch einen längeren und regelmäßige, kurze persönliche Aufenthalte in der Stadt, konnte ich einen Eindruck von der Stadt gewinnen, die hilfreich sind, einige Dinge besser zu beurteilen und nicht nur aus der Literatur zu übernehmen. Der Aufenthalt am Forschungsinstitut ESRF und ein anschließender Aufenthalt in der Stadt dauerten fast 18 Monate. Darüber hinaus sind mir viele Kontakte zu Menschen in der Forschung, wie dem ILL und dem ESRF, und der Privatindustrie, wie Sun Microsystems, geblieben.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis ii
Tabellenverzeichnis iii
Abkürzungsverzeichnis iv
Einleitung 1
1. Wissenschaftsstädte als Motor ökonomischer Entwicklung 4
1.1 Definition und Diskussion des Begriffs der Wissenschaftsstadt und anderer verwandter Begriffe 4
1.2 Entwicklung von Technopôlen und Wissenschaftsstädten 15
1.2.1 Gründe für das Aufkommen von Technopôlen und Wissenschaftsstädten 15
1.2.2 Standortfaktoren 16
1.2.3 Ziele, Werkzeuge und Finanzierung 22
1.2.4 Treibende Kräfte 25
1.2.5 Mögliche Erfolgskriterien 27
1.3 Netzwerke und Milieus 28
1.3.1 Merkmale und Ansätze der Netzwerktheorie . 28
1.3.2 Das Konzept des Kreativen Milieus 30
2. Ursachen und Entwicklung der Technopôle in Frankreich 37
2.1 Die Raumordnungspolitik in Frankreich zur Unterstützung der nationalen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 37
2.1.1 Die französische Raumordnungspolitik 38
2.1.2 Verstaatlichung und Privatisierung als Mittel der Raumordnung 41
2.1.3 Dezentralisierung als Mittel der Raumordnung 43
2.2 Das Technopôlen-Programm in Frankreich als Werkzeug zur Bildung von Wachstumspolen 50
2.2.1 Notwendigkeit des Programms 50
2.2.2 Instrumente und Finanzierung des Programms 51
2.2.3 Struktur der französischen Technopôle 55
2.2.4 Entwicklung einiger ausgewählter Technopôle 57
2.2.5 Bilanz des Erfolgs 63
2.3 Beispiel für die regionalen Auswirkungen der französischen Wirtschafts- und Raumordnungspolitik: Die Region Rhône-Alpes 72
2.3.1 Naturräumliche und historische Voraussetzungen der Region Rhône-Alpes für die wirtschaftliche Entwicklung 72
2.3.2 Auswirkungen der französischen Raumordnungspolitik auf die Region Rhône-Alpes 75
2.3.3 Die Technopôle der Region: Förderung unterentwickelter Landesteile oder Stärkung der Zentren? 76
3. Die Entwicklung des Untersuchungsraums Grenoble 77
3.1 Historischer Überblick und Phasen der Stadtentwicklung 79
3.2 Das Erbe der olympischen Winterspiele 1968 83
3.3 100 Jahre Ökonomie in Grenoble 87
3.4 Die drei Gründungen der Grenobler Universität 92
4. Grenoble - Musterbeispiel einer Technopole?! 98
4.1 Umsetzung von Dezentralisierungsmaßnahmen in Grenoble 99
4.1.1 Einfluss der französischen Dezentralisierungspolitik auf die Entwicklung Grenobles 100
4.1.2 Akteure und ihre Rolle als Förderer der Entwicklung 101
4.1.3 Zusammenspiel von Akteuren und Politik: eine Synthese 105
4.2 Grenoble - Stadt mit nur einem Technopôle oder Technopole? 108
4.2.1 Grenoble im nationalen und internationalen Vergleich 109
4.2.2 Untersuchung der Art und Intensität der Netzwerke in Grenoble 112
4.2.3 Inkubatoren, Risikokapital und ihre Rolle für die start-ups der Stadt 118
4.3 Wissenschaftsstadt in der Krise oder weiterhin Erfolg mit nur kleinen Problemen? 124
4.3.1 Zu bewältigende Probleme 125
4.3.2 Laufende Projekte und Planungen - Sicherung des Erfolgs in der Zukunft 130
4.3.3 Abschließende Beurteilung über die Zukunft Grenobles 138
Resümee 145
Quellen 147
Literaturverzeichnis 148
Verzeichnis der Broschüren und Zeitungsartikel 156
Materialien zum Kolloquium 160
Internet-Adressen 162

Arbeit zitieren:
Willms, Ulrike Oktober 2001: Die Wissenschaftsstadt Grenoble, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
High-Tech-Unternehmen, Standortfaktoren, Innovative Milieus, Dezentralisierungsmaßnahmen, Wirtschaftsförderung

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