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Wirtschaftsunternehmen und soziale Arbeit

Motivation für Kooperationen aus Sicht der Unternehmensleitung und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wirtschaftsunternehmen und soziale Arbeit
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Winfried Leisgang
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 715,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8332-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8332-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8332-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Leisgang, Winfried September 2003: Wirtschaftsunternehmen und soziale Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Citizienship, Volunteering, Responsibility, Kompetenz, Heckhausch

MA-Thesis / Master von Winfried Leisgang

Problemstellung:

Kooperationen zwischen Unternehmen und sozialen Einrichtungen nehmen mittlerweile auch in der Bundesrepublik zu. Dabei geht es aus Sicht der Unternehmen häufig darum, das Personalentwicklungsinstrument der Mitarbeiterüberlassung für die Entwicklung von Kompetenzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einzusetzen.

Mit dem kommunitaristischen Programm des amerikanischen Soziologen Etzioni wurde auch in Deutschland Anfang der 90er Jahre sowohl die Diskussion um das Ehrenamt angeregt, als auch die Kritik an der professionellen, institutionalisierten Sozialarbeit verstärkt. Für das vorliegende Thema des Engagements von Unternehmen ergibt sich aus den kommunitaristischen Thesen auch die Fragestellung, ob und inwieweit sich die Unternehmen gesamtgesellschaftlich (auch im sozialen Bereich) engagieren wollen, sollen und können. Gesellschaftspolitisch beschreibt der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements die Verantwortung der Unternehmen für das Gemeinwesen. Sie werden durch die Begrifflichkeit „corporate citizen“ wahr- und ernst genommen. Damit zeigt und etabliert sich auch eine Erwartungshaltung an die Rolle der Wirtschaft in Staat und Gesellschaft.

Für die Unternehmen, die sich im gesellschaftlichen Bereich (neu) engagieren wollen, ist eine Klärung der eignen Zielvorstellungen und der Motivationshintergründe für ein Engagement der Ausgangspunkt.

Für die soziale Arbeit ist entscheidend, dass sie die Motive der Unternehmen versteht und für ihre eigenen Ziele einsetzen kann. Nur auf diese Weise entsteht für beide Seiten eine win-win-Situation, in der alle Akteure einen Nutzen aus dem gesellschaftlichen Engagement der Unternehmen ziehen.

Die vorliegende Untersuchung beschreibt daher die Motivationshintergründe von Unternehmen für Kooperationen mit sozialen Einrichtungen. Das Vorverständnis des Motivationsprozesses bildet die Volitionstheorie von Heckhausen. Auf dieser Grundlage wird die Phase bis zur Entscheidung zu einer Kooperation mit sozialen Einrichtungen in Unternehmen genauer untersucht. Zu diesem Zweck wurden jeweils zwei Unternehmensleitungen und fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Hilfe eines qualitativen Leitfadeninterviews befragt. Die Interviews wurden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.

Im ersten Kapitel werden die Begriffe ‚Corporate Volunteering’ und ‚Corporate Citizenship’ erklärt.

Das zweite Kapitel befasst sich mit der Motivationstheorie von Heckhausen. Die theoretischen Ansätze aus der Motivationspsychologie werden auf das konkrete Handeln von Unternehmen im Gemeinwesen bezogen. Am Ende dieses Kapitels wird der Motivationsprozess für ein gesellschaftliches Engagement von Unternehmen anhand eines Prozessablaufplanes dargestellt. Auf diese Weise erhalten Unternehmensverantwortliche einen Überblick darüber, zu welchem Zeitpunkt eines Engagements strategische Entscheidungen aus Sicht der Unternehmensleitung anstehen und ab welchem Zeitpunkt die Mitarbeiter einbezogen werden können bzw. müssen.

Im dritten Kapitel wird der qualitative Forschungsablauf beschrieben.

Die Ergebnisse der Befragung werden im vierten Kapitel dargestellt. Sie beantworten die Frage was Unternehmen zu einer Kooperation motiviert, wer einen Nutzen daraus zieht, welche Ziele das Unternehmen verfolgt, welche Erwartungen an die Mitarbeiter gestellt werden, worauf es den Mitarbeitern ankommt, was die Mitarbeiter zu einer Beteiligung bewegt und wie die organisatorischen Rahmenbedingungen aussehen müssen.

Kurz dargestellt kann folgendes festgehalten werden: Die Unternehmen treten gegenüber der sozialen Arbeit als Ehrenamtliche auf. Sie beanspruchen die gleichen Rahmenbedingungen wie die ehrenamtlich Tätigen. Es gelten die Merkmale moderner Sozialarbeit mit den Ehrenamtlichen (Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, Selbstverantwortung und sinnhaftes Handeln).

Die Unternehmen werden in sozialen Aufgabenfeldern aktiv, wenn sie für sich dadurch einen Gewinn erzielen. Der Nutzen für die Unternehmen wird in der Studie auf drei Ebenen beschrieben:

- durch eine positive Wirkung in der Öffentlichkeit (Imagegewinn).

- durch eine damit verbundene Wirkung am Markt. Zum einen am Kundenmarkt, wo das Image Wettbewerbsvorteile sichert und zu andern am Personalmarkt, wo das Image Anreize für das Personal darstellt.

- durch eine Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen und die Förderung der Belegschaft im Bereich eines Ausbaus der sozialen Kompetenzen.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Rahmenbedingungen einen wesentlichen Einfluss darauf, ob sie sich für eine Mitarbeit in einer Kooperation entscheiden oder nicht. Dabei sind die privaten Bedingungen eher unbedeutend. Die betrieblichen Voraussetzungen sind jedoch ein wesentlicher Motivationsfaktor für die Beschäftigten, sich für den Einsatz in einer Kooperation mit sozialen Einrichtungen zu entscheiden.

Die Ergebnisse eröffnen interessierten Unternehmen die Möglichkeit, den Prozess der Entscheidung und die Motivationsgründe für eine Kooperation anhand von Fallbeispielen zu erkennen und, falls gewünscht, für die eigene Praxis des „Corporate Citizenship“ anzuwenden.

Des weiteren eröffnen die Ergebnisse interessierten sozialen Einrichtungen einen theoretisch fundierten und empirisch gesicherten Zugang, die Motive von Unternehmen für Kooperationen zu erkennen und für die eigenen Zwecke zu nutzen. Wie sich gezeigt hat, kann die Soziale Arbeit dabei auf ihre Erfahrungen im Umgang mit Ehrenamtlichen zurückgreifen. Dies ist, neben der Kenntnis der Motive der Unternehmen, ein bedeutender Faktor für den Erfolg der Kooperationen.

Inhaltsverzeichnis:

SUMMARY 3
0. VORWORT 4
1. EINLEITUNG 4
1.1 CORPORATE VOLUNTEERING 6
1.2 CORPORATE CITIZENSHIP 6
1.2.1 Erste Fokussierung der Fragestellung 7
2. FORSCHUNGSFRAGE 8
2.1 DIE AKTEURE 8
2.1.1 Zweite Fokussierung der Fragestellung 9
2.2 BEGRIFFSKLÄRUNG 10
2.2.1 Unternehmen 10
2.2.2 Erste Offenheit der Fragestellung 10
2.2.3 Kooperation 11
2.2.4 Zweite Offenheit der Fragestellung 12
2.3 EIN VORVERSTÄNDNIS VONMOTIVATION 13
2.3.1 Motivation als eine prozessuale Entwicklung 13
2.3.2 Der Volitionsprozess nach Heckhausen 13
2.3.3 Der Volitionsprozess im Unternehmen 15
2.3.3.1 Die prädezisionale Motivationsphase 15
2.3.3.2 Erste Hypothese im Hinblick auf die Fragestellung 16
2.3.3.3 Die präaktionale Volitionsphase 16
2.3.3.4 Die aktionale Volitionsphase 17
2.3.3.5 Die präaktionale Motivationsphase 18
2.3.4 Der Volitionsprozess der Mitarbeiterinnen 19
2.3.4.1 Die prädezisionale Motivationsphase 19
2.3.4.2 Die präaktionale Volitionsphase 20
2.3.4.3 Zweite Hypothese im Hinblick auf die Fragestellung 22
2.3.4.4 Die aktionale Volitionsphase 23
2.3.4.5 Die präaktionale Motivationsphase 23
2.3.5 Zusammenfassung 24
2.3.6 Dritte Fokussierung der Fragestellung 26
2.4 ÜBERSICHT ÜBER DEN BISHERIGEN FORSCHUNGSSTAND 27
3. METHODISCHES VORGEHEN IM FORSCHUNGSPROZESS 29
3.1 DAS ANALYSEMODELL DER SOZIALFORSCHUNG NACH MAYRING 29
3.1.1 Erster Analyseschritt: Fragestellung 31
3.1.2 Zweiter Analyseschritt: Erhebungsmethode 31
3.1.2.1 Qualitativ geforscht - die Subjektperspektive 32
3.1.2.2 Qualitativ oder quantitativ im Hinblick auf die Fragestellung 32
3.1.3 Dritter Analyseschritt: Rückbezug auf die Fragestellung 33
3.2 DER LEITFADEN FÜR DAS INTERVIEW 33
3.2.1 Zur Begrifflichkeit der Interviewformen 33
3.2.2 Die Stichprobe 36
3.2.3 Die Interviewpartner 37
3.2.4 Der Ablauf eines Interviews 39
3.2.5 Der Interviewleitfaden 40
4. DIE ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG 50
4.1 SYSTEMATIK DER DATENAUSWERTUNG 50
4.2 DATENAUFBEREITUNG 52
4.2.1 Auswertungsschritte 53
4.2.2 Was motiviert Unternehmen zu Kooperationen? 55
4.2.2.1 Generalisierte Aussagen zu den einzelnen Themenkomplexen 55
4.2.3 Darstellung der Ergebnisse 60
4.2.3.1 Der Parcours der Entscheidung 60
4.2.3.2 Wem nutzt das Ganze? 65
4.2.3.3 Worauf das Unternehmen abzielt! 71
4.2.3.4 Ausgewählte Kooperation 73
4.2.3.5 Erwartungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 75
4.2.3.6 Worauf es den Mitarbeitern ankommt 76
4.2.3.7 Was die Mitarbeiter zu einer Beteiligung bewegt 77
4.2.3.8 Wenn der Rahmen stimmt 79
5. DIE DISKUSSION DER ERGEBNISSE 81
5.1 DIE GÜTE DER ERGEBNISSE 81
5.1.1 Datenerhebung 82
5.1.2 Datenaufbereitung 83
5.1.3 Auswertung 83
5.2 DISKUSSION AUSGEWÄHLTER ASPEKTE 84
5.2.1 Thesen aus dem Volitionsprozess der Mitarbeiterinnen 84
5.2.2 Thesen aus dem Volitionsprozess im Unternehmen 85
5.2.2.1 Wem nutzt das Ganze? 86
5.2.2.2 Anforderung an die Kooperationspartner 93
5.2.3 Zusammenfassung 99
5.2.4 Ein kleiner Forschungsausblick 100
LITERATURVERZEICHNIS 102
ABILDUNGS- UND ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 104

Automatisiert erstellter Textauszug:

mitspielten: 1. die Bundesregierung hat eine Enquete-Kommission zum Thema bürgerliches Engagement eingerichtet (UL1: 190f) und 2. die Analysten an den Finanzmärkten fragten nach, was denn deutsche Unternehmen im Bereich des sozialen Engagements tun? (UL1: 203f) Die Entscheidungsträger waren in der Zeit mit dem Thema in irgendeiner Form befasst, sodass ihnen unter diesem Gesichtspunkt eine Entscheidung für ein solches Projekt leichter fiel als ohne diese Einflüsse. Beim Unternehmen 2 war sicher ein bedeutender Faktor, dass eine Führungskraft der Leitungsrunde eine Erfahrung mit einem Teambildungsprozess gemacht hat. Damit war dieses Thema im Unternehmen aktuell und konnte mit dazu beitragen, es weiter zu denken (s.o. Punkt: Anregungen aktiv wahrnehmen). [...]

Beide Unternehmensleitungen hoben die Bedeutung eines Pilotprojektes hervor. Die Unternehmensleitung 1 sprach es direkt an: „Es wurde ein Pilotprojekt genehmigt, durchgeführt und ausgewertet.“ (UL1: 155ff) Bei er Unternehmensleitung 2 kann man die Aussage: „Ich musste nur meine Kollegen überzeugen, dass es funktioniert.“ (UL2: 84) so deuten, dass das überzeugendste Argument ein erstes erfolgreich durchgeführtes (Pilot) Projekt gewesen wäre. Ein Pilotprojekt ermöglicht es, Erfahrungen in einem neuen Bereich zu sammeln. Für die beiden untersuchten Unternehmen war die Idee der Kooperation mit sozialen Einrichtungen, in der mittlerweile eingeführten Form, jeweils ein neues Betätigungsfeld. Die Erfahrungen sollten im Idealfall, wie in Unternehmen 1 mit einer wissenschaftlichen Begleitung (UL1: 184), systematisch erfasst, dokumentiert und ausgewertet werden. Ob dies letztendlich eine externe Institution sicherstellt (die ja zusätzliches Geld kostet) oder ob intern die Daten erhoben und ausgewertet werden ist unerheblich. Wichtig für die Entscheidungsträger ist eine nachvollziehbare Dokumentation, aus der ersichtlich wird, welche Erfahrungswerte die Pilotphase geliefert hat. Entweder waren die Ergebnisse so überzeugend, dass eine Fortführung keine Frage mehr darstellt oder es müssen Veränderungen der Konzeption vorgenommen werden, die danach einen Fortbestand der Idee sichern. Im ungünstigsten Fall bringen die Erfahrungen ans Licht, dass eine Implementierung der Kooperation mit sozialen Einrichtungen in der geplanten Form nicht sinnvoll ist. In dieser Phase tragen zwei Dinge wesentlich zum Erfolg bei: a) die Überzeugungskraft und die Begeisterung der Protagonisten der Idee, die die Kolleginnen und Kollegen und auch die Vorgesetzten motivieren kann. Sie müssen „von der Idee begeistert sein und dahinterstehen.“ (UL2: 178f) b) die Wahl des richtigen Zeitpunktes. Die Idee soll auf „offene Ohren“ stoßen und damit eine größere Möglichkeit zur Verwirklichung erhalten. Dabei ist eine gewisse Aktualität sehr hilfreich. „Es müssen Ort, Zeit und Thema zusammen passen.“ (UL1: 429f) Im Fall des Unternehmens 1 waren es zwei Faktoren, die im Entscheidungsprozess in dieser Hinsicht [...]

Gute Ideen entstehen häufig aus belanglosen Situationen. Die Unternehmensleitung 2 schildert eine solche Ausgangslage ( UL2: Zeile133ff)12. Ein Kollege berichtet von einem Team-Retreat, bei dem eine gemeinsame Aufgabe für das Team im Mittelpunkt stand und der Vorgesetzte daraufhin die geschilderte Aufgabenstellung als ziemlich banal erachtete: „Mit der Zeit könnte man auch was Gescheites anfangen!“ (UL2: Zeile 136f) Gleichzeitig ließ man sich von einer US-Firma inspirieren, die eine Teamaufgabe für die Mitarbeiter außerhalb des Tagesgeschäftes als eine soziale Aktion plante und durchführte. Damit begann im Unternehmen ein Nachdenken darüber, wie man von beiden Erfahrungen in der eigenen Organisation profitieren könnte. Den Beteiligten ist es schließlich gelungen, die Rahmenbedingungen der beiden Anregungsbeispiele an die eigene Situation anzupassen. Es wurde „eine Form des sozialen Engagements gefunden, das für die eigenen Bedingungen passt.“ (UL 2: 173f): ein gelungenes Beispiel für eine Adaption im Unternehmen.13 Auch die Protagonistin im Unternehmen 1 holte sich Anregungen auf einem Fachtag und hat dort für die Weiterentwicklung der Idee eine Mitarbeiterin der Kommune gefunden. (UL1: 45ff) Entscheidend in der frühen Phase der Entscheidung ist es, die internen Diskussionsforen (Gremien) des Unternehmens (UL2: 67, 84, 105) zu nutzen, um a) Überzeugungsarbeit für die Idee zu leisten. Dabei sind Bedenken, die geäußert werden eine willkommene Gelegenheit, die Unterstützungschancen zu prüfen und notwendige Änderungen vorzunehmen und b) sich weitere Anregungen zu holen, die die Idee stärken und diese für die Bedingungen im Unternehmen stark machen. [...]

Arbeit zitieren:
Leisgang, Winfried September 2003: Wirtschaftsunternehmen und soziale Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Citizienship, Volunteering, Responsibility, Kompetenz, Heckhausch

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