Wirkungsweise von Projekten zur Verringerung lokaler Folgen der globalen Nahrungskrise
Das Projekt "land for food" in der Region Tubod (Philippinen)
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rebekka Stöckermann
- Abgabedatum: Dezember 2009
- Umfang: 120 Seiten
- Dateigröße: 946,6 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- Bibliografie: ca. 103
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0024-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stöckermann, Rebekka Dezember 2009: Wirkungsweise von Projekten zur Verringerung lokaler Folgen der globalen Nahrungskrise, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Weltwirtschaftskrise, Nahrungsmittel, Entwicklungshilfe, Philippinen, Ernährung
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Diplomarbeit von Rebekka Stöckermann
Einleitung:
‘Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden’ , so lautet eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Durch den Anfang des Jahres 2007 beginnenden rasanten Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise wurden die bislang erreichten Ziele der Millenniumskampagne wieder weitestgehend verfehlt. Laut Aussage der Weltbank wuchs durch diesen Anstieg die Anzahl derer, die Hunger leiden, sogar um 100 Millionen Menschen an. Die Erreichung des oben genannten Ziels ist somit wieder in weite Ferne gerückt. Vor allem die besonders arme Bevölkerung wird von steigenden Lebensmittelpreisen sehr hart getroffen, da sie kaum über Kapazitäten verfügt, um die Folgen abzufangen.
Weltweit führte die Entwicklung der Preise im Jahr 2008 in mehr als 22 Ländern zu Hungerunruhen. Auch auf den Philippinen kam es zu – wenn auch größtenteils friedlich ablaufenden – Aufständen.
Der vorliegenden Arbeit ging ein viermonatiger Aufenthalt in Tubod/Carmen in der Provinz Davao del Norte (Mindanao/Philippinen) voraus. Die Region ist stark von der Agrarwirtschaft abhängig. Sie ist sehr fruchtbar und bleibt weitestgehend von den von August bis Oktober häufig über das Land ziehenden Taifunen verschont, was sie auch sehr interessant für den Anbau von Cash-Crops macht. Dadurch bedingt ist ein Rückgang der Produktion von Grundnahrungsmitteln wie beispielsweise Reis. Die rurale Bevölkerung des Erhebungs-gebietes wird dadurch immer abhängiger von den Marktpreisen.
Im Hinblick auf den Anstieg der Nahrungsmittelpreise soll im Rahmen dieser Untersuchung die Frage geklärt werden, inwiefern die Region Tubod/Carmen aufgrund ihrer Vulnerabilität anfällig für eine durch die Preissteigerungen verursachte Nahrungskrise ist. Es wird angenommen, dass die Verwundbarkeit der Betroffenen größer geworden ist und bereits erste Anzeichen einer Nahrungskrise erkennbar sind. Dabei ist es auch von Interesse, ob verschiedene Gruppen eine unterschiedlich starke Vulnerabilität aufweisen.
Um die Auswirkungen der Krise auf die betroffenen Menschen zu verringern, wurden international und national Hilfsmaßnahmen gestartet. Dabei stellt sich die Frage, welche Maßnahmen, entsprechend vorliegender Vulnerabilitätstheorien, durchgeführt werden müssen, damit eine Krise vermieden und die Situation langfristig stabilisiert werden kann.
Im Zusammenhang mit der Arbeit fand weiterhin eine intensive Auseinandersetzung mit dem Hilfsprojekt ‘land-for-food’ der NGO Mariphil statt. Die Arbeit versucht in diesem Zusammenhang die These zu überprüfen, dass die Durchführung des Projektes zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der Beteiligten führen wird. Dabei soll auch ermittelt werden, auf welchem Weg das Vorhaben versucht, die Einkommenssituation zu optimieren.
Die Arbeit ist in acht Großkapitel unterteilt. Das erste Kapitel stellt den Hintergrund der Untersuchung und die Fragestellung vor. Des Weiteren wird ein kurzer Überblick über den Aufbau der Arbeit gegeben. Die Grundlage für die empirische Überprüfung der Situation vor Ort bilden die Diskussionen innerhalb der Vulnerabilitätsforschung. Mit diesen beschäftigt sich das zweite Kapitel. Dabei steht der Bezug zur Ernährungssicherung im Vordergrund. Zu Beginn werden die verschiedenen Ansätze der Vulnerabilitätsforschung dargelegt und auf ihre Anwendbarkeit in dem Projektgebiet hin untersucht.
Den Anfang bildet das stark von CHAMBERS geprägte Vulnerabilitätskonzept, welches immer wieder von verschiedenen Autoren aufgegriffen wird und als eines der grundlegendsten überhaupt gilt. Daran schließt der interdependenztheoretische Blickwinkel an. Darauf folgen der Entitlement-Ansatz und der Empowerment-Ansatz. An fünfter Stelle wird die Sichtweise der Vertreter der politischen Ökonomie und Ökologie dargelegt. Weiterhin werden die verschiedenen Formen der Vulnerabilität aufgezeigt. Den Abschluss des Kapitels bildet die Erläuterung der Mittel zur Identifikation des Vulnerabilitätsgrades einer Region. Zu dem Zweck werden zum einen die anzunehmenden Auswirkungen auf einzelne Gruppen untersucht, da bei der Bestimmung der Vulnerabilität vorab die Frage geklärt werden muss, auf welche Größe die untersuchte Gruppe oder Region entsprechend reagiert. Zum anderen werden die Faktoren betrachtet, die Rückschlüsse auf den Grad der Vulnerabilität zulassen. Wichtig ist hier eine Unterscheidung zwischen kurz- und langfristigen, externen und internen Ursachen. Weiterhin wird auf die Entstehung und die Merkmale einer Nahrungskrise eingegangen. Anschließend wird die Nahrungskrise im Bezug zur Vulnerabilität betrachtet und es werden Maßnahmen zur Vermeidung einer solchen Entwicklung aufgezeigt.
Im dritten Kapitel wird die Methodik der Befragung dargelegt. Hierzu zählen neben der Auswahl des Untersuchungsgebietes das Vorgehen bei der Befragung und die Auswertungsmethode. Da auch die Weltmarktsituation großen Einfluss auf die Lage auf den Philippinen und in dem Gebiet hat, werden ihre Auswirkungen im vierten Kapitel näher betrachtet. Im fünften Kapitel stehen die Datenerhebung, -bewertung und -analyse im Vordergrund. Die relevanten Daten werden dargestellt, ausgewertet, verglichen und die Ergebnisse werden am Ende des jeweiligen Unterkapitels im Bezug zum Vulnerabilitätskonzept diskutiert.
Eine zusammenfassende Bewertung erfolgt im sechsten Kapitel, bevor im siebten näher auf das Projekt ‘land for food’ der NGO ‘Hilfsprojekt Mariphil’ eingegangen wird. Im Rahmen der Beschreibung der zum Zeitpunkt der Erhebung aktuellen Situation werden in einem Exkurs die Vor- und Nachteile der Konvertierung der Reisfelder in Bananenplantagen aufgeführt. Nach einer Vorstellung des Vorhabens und einer Offenlegung der Ziele wird die geplante Durchführung dargestellt. Im Anschluss werden die daraus entstehenden Chancen und Probleme ermittelt und analysiert. Abschließend erfolgen im achten Kapitel eine Bewertung der Situation in den untersuchten Regionen und ein Ausblick auf die Möglichkeiten, die sich durch das Projekt ergeben.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Abkürzungsverzeichnis | iv |
| II. | Tabellenverzeichnis | v |
| III. | Abbildungsverzeichnis | vi |
| 1. | Problemstellung | 1 |
| 1.1 | Methodik | 2 |
| 2. | Theoretische Grundlagen der Untersuchung | 3 |
| 2.1 | Ansätze der Vulnerabilitätsforschung | 4 |
| 2.1.1 | Ansatz nach CHAMBERS | 6 |
| 2.1.2 | Interdependenztheoretischer Blickwinkel | 7 |
| 2.1.3 | ‘Entitlement’ -Ansatz | 10 |
| 2.1.4 | ‘Empowerment’-Ansatz | 11 |
| 2.1.5 | Ansatz der politischen Ökonomie und Ökologie | 13 |
| 2.2. | Identifikation des Vulnerabilitätsgrades | 15 |
| 2.2.1 | Auswirkungen auf verschiedene Gruppen | 16 |
| 2.2.2 | Vulnerabilitätsfaktoren | 18 |
| 2.2.2.1. | Langfristige Faktoren | 20 |
| 2.2.2.2. | Kurzfristige Faktoren | 21 |
| 2.3 | Nahrungsmittelkrise | 23 |
| 2.4 | Vulnerabilität und Nahrungskrisen | 27 |
| 2.5 | Maßnahmen zur Vermeidung einer Nahrungskrise | 28 |
| 3. | Datenerhebung in der Region Tubod/Carmen (Mindanao) | 31 |
| 3.1 | Kriterien zur Auswahl der Region | 31 |
| 3.2 | Methodik und Ablauf der Untersuchung | 32 |
| 3.3 | Auswertungsmethode | 34 |
| 4. | Weltmarktsituation - Auswirkungen auf die Philippinen | 35 |
| 5. | Analyse der gewonnenen Daten | 37 |
| 5.1 | Grundlegende Daten zur Bestimmung der Ausgangslage | 38 |
| 5.1.1 | Haushaltsgröße | 38 |
| 5.1.2 | Größe der landwirtschaftlichen Anbaufläche | 40 |
| 5.1.4 | Verkauf der Produkte | 43 |
| 5.1.5 | Arbeitseinkommen | 44 |
| 5.1.6 | Ungefähres Einkommen durch die Landwirtschaft innerhalb eines Jahres | 48 |
| 5.1.7 | Monatliche Ausgaben für Nahrungsmittel | 50 |
| 5.1.8 | Analyse der Basisdaten | 51 |
| 5.2 | Kurzfristige Faktoren und Veränderungen | 54 |
| 5.2.1 | Entwicklung der Kosten für Reis | 54 |
| 5.2.2 | Entwicklung der Energiekosten | 56 |
| 5.2.3 | Entwicklung der Preise für Düngemittel und Pestizide | 57 |
| 5.2.4 | Analyse der Preisveränderungen | 59 |
| 5.3 | Darstellung der ermittelten Folgen der Preiserhöhungen | 59 |
| 5.3.1 | Empfundene Veränderung der Lebensumstände | 60 |
| 5.3.2 | Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung | 63 |
| 5.3.3 | Veränderung der Ausgaben für die Schulbildung | 64 |
| 5.3.4 | Auswanderung in das Ausland oder in größere Städte | 66 |
| 5.3.5 | Analyse der ermittelten Folgen der Preiserhöhung | 71 |
| 5.4 | Ursachen für die Preiserhöhung aus Sicht der Befragten | 71 |
| 5.4.1 | Subjektive Wahrnehmung der Ursachen für die Preiserhöhung | 72 |
| 5.4.2 | Naturereignisse als Ursache für die Schwankungen | 74 |
| 5.4.3 | Analyse der Ursachen aus Sicht der Betroffenen | 75 |
| 5.5 | Die Rolle der Kreditaufnahme in der Untersuchungsregion | 75 |
| 5.5.1 | Herkunft der Kredite | 76 |
| 5.5.2 | Kreditaufnahme bei den Reishändlern | 77 |
| 5.5.3 | Kreditaufnahme bei der Bevölkerung mit Agrarfläche | 78 |
| 5.5.4 | Kreditaufnahme bei der Bevölkerung ohne Agrarfläche | 80 |
| 5.5.5 | Analyse der Kreditaufnahme | 81 |
| 5.6 | Bewertung des Vulnerabilitätsgrades der Region anhand der gewonnenen Daten | 82 |
| 6. | Lösungsansatz ‘land for food’ | 83 |
| 6.1 | Die Ausgangssituation der Region Tubod/Carmen | 84 |
| 6.1.1 | Exkurs: Konvertierung von Reisanbauflächen in Bananenplantagen | 86 |
| 6.2 | Ziele des Projekts ‘land-for-food’ | 90 |
| 6.3 | Vorgehensweise bei der Umsetzung des Projekts | 91 |
| 6.4 | Chancen und Probleme des Projekts | 94 |
| 7. | Abschließende Bewertung der Arbeit | 98 |
| 8. | Summary | 100 |
| IV. | Literaturverzeichnis | vii |
| V. | Fragebögen | xiii |
| a. | Fragebogen Reisverkäufer | xiii |
| b. | Fragebogen Bevölkerung ohne Agrarfläche | xv |
| c. | Fragebogen Bevölkerung mit Agrarfläche | xvii |
Textprobe:
Kapitel 2, Theoretische Grundlagen der Untersuchung:
Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Möglichkeiten zur Identifikation und Analyse der Vulnerabilität einer Region untersucht. Hierbei stellte sich heraus, dass eine Ermittlung der externen wie auch der internen Ursachen nötig ist. Weiterhin müssen die allgemeine und die spezifische Vulnerabilität untersucht und es müssen die Faktoren Sensitivität und Ausprägung der Bewältigungskapazität erfasst werden.
In dem folgenden Kapitel werden verschiedene Ansätze und Erklärungsversuche dargestellt. Ihnen gemeinsam ist das Ziel, die Ursachen zu analysieren, die den Vulnerabilitätsgrad einer Region bestimmen. Den Beginn macht ein allgemein gehaltener Überblick über die verschiedenen Richtungen. Anschließend wird auf den grundlegenden Ansatz von CHAMBERS eingegangen. Es folgt der interdependenztheoretische Blickwinkel. Der Entitlement-Ansatz wird im An¬schluss daran näher erläutert. Hieran schließt sich eine Vorstellung des Empowerment-Ansatzes an. Den Abschluss bildet die Sichtweise der politischen Ökonomie und Ökologie. Weiterhin werden die zur Identifikation des Vulnerabilitätsgrades einer Region benötigten Faktoren und die jeweiligen Auswirkungen auf die Betroffenen dargestellt. In dem Zusammenhang wird auch genauer auf die Indikatoren, die die Vulnerabilität beeinflussen, eingegangen.
2.1, Ansätze der Vulnerabilitätsforschung:
Entsprechend der Definition des deutschen Fremdwörterbuchs wird der Begriff Vulnerabilität mit Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit übersetzt. Die Bedeutung des Wortes lässt sich auch aus der lateinischen Bedeutung vulnus (Wunde) oder vulnerare (verletzen) ableiten. Schon zur Zeit der Römer wurde der Begriff verwendet, um die Anfälligkeit bereits verwundeter Soldaten gegenüber einem neuen Angriff zu bezeichnen. Aus diesem Verständnis lässt sich ableiten, dass ein Individuum oder eine Gruppe aufgrund eines Ereignisses nicht mehr in der Lage ist, sich gegen nachfolgende Eingriffe ausreichend zu schützen. Eine Synthetisierung des Begriffs in einer einheitlichen wissenschaftlichen Begriffsdefinition ist kaum möglich, da der jeweilige Anwendungsbereich und der Benutzer eine entscheidende Rolle spielen. Laut WISNER kann man zwischen acht verschiedenen Formen von Vulnerabilität differenzieren: es gibt die materielle/ökonomische, die soziale, die ökologische, die bildungsbedingte, die stellungsabhängige, die politische, die kulturelle und die physikalische Vulnerabilität. Sie alle betreffen unterschiedliche Gruppen in verschiedenem Grade und können auch in Kombination auftreten.
In der entwicklungspolitischen Debatte gewann der Ausdruck in den frühen 1980er Jahren an Bedeutung. Immer wieder wurde er im Zusammenhang mit der Beschreibung von Naturkatastrophen verwendet und es wurde eine direkte Verbindung mit letzterem angenommen. Einige Autoren beschäftigten sich in den folgenden Jahren mit der Analyse des Konzepts der Vulnerabilität. Neben der Verwendung von ökologischen Begriffen wurde das Konzept als Reflexion sozialer Beziehungen angesehen bzw. im Bezug zur politischen Ökonomie und Klassenstruktur diskutiert. Von vielen Wissenschaftlern wird der Ansatz der Vulnerabilität als Schlüsselkonzept zur Definierung und Erfassung unterschiedlichster Aspekte von Naturrisiken und –katastrophen angesehen.
Es kristallisierten sich zwei Diskussionsrichtungen heraus. Auf der einen Seite stehen die Vertreter des naturwissenschaftlichen bzw. klimadeterministischen Ansatzes, die des sogenannten ‘Risk’- oder ‘Natural-Hazard-Ansatzes’. Sie stellen Vulnerabilität als das Ergebnis externer Einwirkungen dar. Hierbei bestimmen die Intensität, die Häufigkeit und die Form des Ereignisses, das auf die Betroffenen einwirkt, den Grad der Verwundbarkeit. Dem gegenüber steht der sozialwissenschaftlich geprägte Ansatz, welcher die Ursache von Verwundbarkeit in den sozialen Begebenheiten verankert sieht. Es kommt jedoch bei beiden Betrachtungsweisen zu Schwierigkeiten beim Versuch, den Begriff direkt auf eine konkrete Situation anzuwenden. Verstanden werden können diese Unsicherheiten u.a. durch die Tatsache, dass Vulnerabilität einen dynamischen Prozess darstellt und somit ständigen Änderungen unterworfen ist.
Hieraus können unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten des Begriffs abgeleitet werden. Zum einen wird er als Messgröße zur Bestimmung der Intensität und der Auswirkungen von negativen Ereignissen verwendet. Zum anderen hilft er bei der Konkretisierung bestehender Schwächen, die eine bestimmte Bevölkerungsgruppe besonders anfällig gegenüber Veränderungen macht.
In vielen Fällen wird Vulnerabilität mit Armut gleichgesetzt, was besonders augenfällig ist, wenn man sich Veröffentlichungen zur Hungerproblematik ansieht Armut wird von den bi- und multilateralen EZ-Organisationen vornehmlich anhand von mess- bzw. zählbaren Indikatoren bestimmt. So liegt beispielsweise die internationale Armutsgrenze, die von der Weltbank auf internationaler Ebene angenommen wird, bei 1US$ bzw. seit 2005 bei 1,25 US$ pro Tag und Person (Weltbank 2009). Dabei ist es sicherlich richtig, dass besonders die ärmsten Bevölkerungsgruppen in den armen Ländern von Hunger und Unterernährung betroffen sind. Jedoch muss hier beachtet werden, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt. Vielmehr kann man Unterschiede im Umgang mit negativen Gegebenheiten und Veränderungen feststellen. Es sind nicht zwingend die Ärmsten, die dem größten Risiko ausgesetzt sind und die höchste Vulnerabilität aufweisen. Es spielen hierbei, neben einkommensabhängigen Größen, eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Außer dem Einfluss der Faktoren Subsistenzwirtschaft, Tauschhandel und soziale Netze sind auch Charakteristika wie Klasse, Geschlecht, Ethnizität, Alter und Bildung von großer Bedeutung. Sie können zu unterschiedlichen Graden von Vulnerabilität innerhalb einer ökonomischen Gruppe führen.
Um die verschiedenartigen Folgen, die ein und dasselbe Ereignis auf eine Personengruppe haben kann, zu untersuchen, müssen verschiedene wissenschaftliche Ansätze hinzugezogen werden. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen eines Ereignisses nicht unmittelbar nachzuvollziehen sind. Anfangs ist es oft noch möglich, die Folgen mit Hilfe der vorhandenen Bewältigungskapazitäten zu begrenzen. Kommt es jedoch über einen längeren Zeitraum zu einer solchen Einwirkung, bricht das Abwehrsystem zusammen und die Folgen werden sichtbar. Solche Veränderungen sind in vielen Fällen irreparabel. Als Beispiel, wenn auch aus einem anderen Bereich, kann hier das Ozonloch genannt werden.
WILCHES-CHAUX weist zudem auf die unterschiedlichen Sichtweisen zur Erklärung der Vulnerabilität hin. Er differenziert zwischen einer ‘natürlichen, physischen, ökologischen, technischen, ökonomischen, sozialen, politischen, institutionellen, ideologischen, kulturellen und ‚educativen‘ Vulnerabilität’.
Bei der Anwendung auf bestimmte Gebiete muss darauf geachtet werden, dass es nicht zu Übergeneralisierungen kommt und so wichtige Faktoren bei der Betrachtung einer Region außer Acht gelassen werden. Werden beispielsweise ganze Städte oder Landstriche aufgrund ihrer Lage als vulnerabel eingestuft, kann es dazu kommen, dass eventuell vorhandene Randgruppen bei einer solchen Betrachtung nicht berücksichtigt werden. Durchgeführte Maßnahmen zur Verbesserung der Situation können somit zwar im Ganzen zu einer Optimierung führen, die Ungleichheit innerhalb des Gebietes wird auf diesem Weg aber nicht beseitigt. Im schlimmsten Fall, wenn nur ein Teil der Bevölkerung von den Maßnahmen profitiert, können solche Ungleichheiten im Gegenteil noch verstärkt werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842800243
Arbeit zitieren:
Stöckermann, Rebekka Dezember 2009: Wirkungsweise von Projekten zur Verringerung lokaler Folgen der globalen Nahrungskrise, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Weltwirtschaftskrise, Nahrungsmittel, Entwicklungshilfe, Philippinen, Ernährung



