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Die Wirkung professioneller Change Management Begleitung bei der Implementierung von Standardsoftware

Am Beispiel von SAP R/3

Die Wirkung professioneller Change Management Begleitung bei der Implementierung von Standardsoftware
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Beate Wiese, Linda Wuttig
  • Abgabedatum: Mai 2002
  • Umfang: 171 Seiten
  • Dateigröße: 953,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Heilbronn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5712-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5712-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5712-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beate Wiese, Linda Wuttig Mai 2002: Die Wirkung professioneller Change Management Begleitung bei der Implementierung von Standardsoftware, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Unternehmenskultur, Organisationsentwicklung, lernende Organisation, Ängste und Widerstände, Unternehmensberatung

Diplomarbeit von Beate Wiese, Linda Wuttig

Einleitung:

Beim Eintritt in das 21. Jahrhundert glaubt sich die Menschheit mit tiefgreifenden Veränderungen in ihrem privaten und beruflichen Umfeld konfrontiert. Veränderung und Bewegung sind jedoch nicht an einen willkürlichen Datumswechsel gebunden. Die inzwischen erhöhte Veränderungsgeschwindigkeit lässt sich vor allem in technisch dominierten Branchen erkennen. In Erscheinung tritt diese Dynamik in immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen in der Automobil-, Telekommunikations- und Computerindustrie. Die hier tätigen Unternehmen, Zulieferer und benachbarten Wirtschaftszweige sind längst schon gezwungen, sich proaktiv mit dem Thema „Wandel“ auseinander zusetzen - und das nicht nur fallweise, sondern intensiv und auf Dauer.

Unterschiedliche Vorgaben und unternehmerische Strategien prägen die Veränderungsprozesse, oft unter der Regie von Unternehmensberatungen, vereinzelt mit Beteiligung der Belegschaft und Interessenvertretung - überwiegend gibt es dabei Gewinner und Verlierer. Change Management muss sich der Verantwortung stellen, eine Perspektive für das Unternehmen zu entwickeln - und eine für die Beschäftigten.

Bewertungen des Erfolgs von Veränderungsprozessen zeigen ernüchternde Ergebnisse: Verschiedene Quellen weisen darauf hin, dass bis zu 70 Prozent aller Veränderungsvorhaben in Organisationen scheitern. Der Umfang des Scheiterns erstaunt, nimmt man wiederum die Vielfalt der praxisleitenden Theorien im Umgang mit längst analysiertem Widerstand gegen Änderungen in Organisationen wahr.

Eine Untersuchung des Instituts für Unternehmensberatung, bei der 241 Führungskräfte befragt wurden, ergab, dass Deutsche Unternehmen mit Management- und Strategieberatungen nur teilweise zufrieden sind. Die Befragten sahen vor allem bei der Umsetzbarkeit der von den Beratern vorgeschlagenen Problemlösungen noch Verbesserungspotential.

Change Management hat schwerpunktmäßig die Erhöhung der Veränderungsbereitschaft und das Skizzieren von Visionen als Voraussetzung zum Design neuer Lösungen sowie deren spätere Umsetzung zum Inhalt und beschäftigt sich daher weniger mit dem detaillierten Entwurf von Soll-Zuständen.

Doch warum sind Veränderungen oftmals so schwer initiierbar und umsetzbar? Wieso sind Organisationen in einem – oftmals unheilvollen selbstreproduzierenden – Teufelskreis verstrickt, indem sich gleichartige Muster von Strategien und Strukturen stets wiederholen, selbst wenn große Teile der Organisationsmitglieder diese als ineffizient erkannt haben, Kunden abwandern und die Organisation so unter erheblichen Druck gerät?

Das Know-how und die gewonnenen Erfahrungen an richtiger Stelle zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, wird auch in der Beraterbranche zum wichtigsten Element, da der Markt von Mitstreitern überschwemmt wird und sich die angebotenen Dienstleistungen immer ähnlicher werden. In der Presse ist die Branche bekannt für Patentrezepte. So werden bspw. in der Financial Times Deutschland folgende Trends formuliert:

1. Dass sich mit Beratung sehr schnell sehr viel Geld verdienen lässt, hat sich inzwischen herumgesprochen. Folge: Ob Computerhersteller, Wirtschaftsprüfer oder Werbeagentur - alle wollen die gesamte Produktpalette anbieten, nicht zu verachten die Inhouse-Consultants. Hinzu kommen wirtschaftsferne, aber methodennahe Anbieter wie Psychologen, Trainer und sogar Therapeuten.

2. die breitere Produktpalette. Zwar decken Beratungsfirmen meist eine Matrix aus Funktion und Branche ab, fast alle haben aber inzwischen die Idee der Spezialisierung aufgegeben. Sie versuchen vielmehr, all das zu bieten, was man als Beratungsbedarf wahrnimmt. So haben die klassischen Tätigkeitsfelder wie Strategie- und Prozessberatung nach wie vor ihre Bedeutung, es kommen aber vor allem aus dem IT-Umfeld neue Aufgaben hinzu, speziell aus dem Bereich E-Business und Internet. Bei dieser Ausweitung der Palette verletzen nahezu alle Unternehmensberatungen die typischen Strategievorschläge, die sie ihren Kunden immer wieder geben: die Konzentration auf Kernkompetenzen und die Bildung von Allianzen. Denn auch Partnerschaften mit anderen Beratern werden eher gemieden. Das Ergebnis: Alle Unternehmensberatungen machen nahezu alles - und das auch noch allein.

Diesen Meinungen möchten die Autorinnen dieser Arbeit entgegenwirken, indem sie aufzeigen, dass es für Unternehmen von großer Bedeutung ist, Beratungsfirmen einzusetzen, die sich u.a. auf die Begleitung von Change Management Maßnahmen bei der Implementierung von Enterprise-Ressource-Planning-Systemen (ERP-Systeme), am Beispiel der Standardsoftware SAP R/3 spezialisiert haben. Denn es reicht nicht, nur die Systeme und Technologien, sowie die Abläufe und Prozesse zu verändern und einer neuen Situation anzupassen. Ebenso wichtig ist das Sicherstellen der dadurch erforderlichen Veränderungen der Einstellungen von Mitarbeitern. Sie sind es letztlich, die neue Systeme, neue Technologien, neue Abläufe und neue Prozesse zum Funktionieren bringen müssen.

Um o.g. Aussagen zu hinterfragen, soll vorliegende Arbeit einen Ansatz darstellen, um Widerstände in diesem Zusammenhang zu überwinden. Die erarbeiteten Lösungsvorschläge können in Abhängigkeit von Parametern wie Branche, Unternehmensgröße, Unternehmenskultur, Unternehmensstruktur, Erfahrungen mit Veränderungen etc. in verschiedenen Unternehmen ganz oder teilweise angewandt werden.

Es gilt festzuhalten, dass sich Change Management im Rahmen dieser Arbeit auf tiefgreifenden, geplanten Wandel bezieht, der von Personen in einem Unternehmen gesteuert wird und in erster Linie personelle Aspekte umfasst.

Ein auf die Befähigung der Mitarbeiter im Umgang mit neuen IT-Systemen abzielendes Change Management Programm kann durchaus auch bestehende Strukturen in Frage stellen und modifizierte Rollenbilder für die neuen Anwender entwerfen.

Vorliegende Arbeit soll den Zusammenhang zwischen den Widerständen und Ängsten der Mitarbeiter gegenüber der Implementierung von SAP R/3 aufzeigen. Der Begriff Implementierung wird von einigen Autoren als Bezeichnung für eine spezifische Phase im Veränderungsprozess verwendet, die sowohl die Planung als auch die anschließende Umsetzung eines Konzepts umfasst. Andere Autoren wiederum grenzen Implementierung von Change Management dadurch ab, dass Implementierung eher lokal stattfindet. Dabei wird jedoch nicht deutlich, ob hiermit nur eine Phase im obigen Sinne oder der gesamte Veränderungsprozess gemeint ist. Im Rahmen dieser Arbeit soll Implementierung als gesamter Veränderungsprozess verstanden werden, der durch Change Management Maßnahmen begleitet wird.

Ziel ist zunächst, Ursachen und Erscheinungsformen von Ängsten und Widerständen, die aus der Person und aus der Organisation resultieren, herauszuarbeiten. Darauf aufbauend gilt es, geeignete Instrumente des Change Managements zu definieren, die ermöglichen, diese Widerstände zu überwinden.

Mit den daraus gewonnen Erkenntnissen sollen darüber hinaus Lösungswege aufgezeigt werden, wie der Prozess durch ein gezieltes Change-Instrumente Mix in den einzelnen Phasen des Implementierungsprozesses begleitet werden kann.

Im Rahmen einer Befragung von Organisationsmitgliedern und Unternehmensberatern soll überprüft werden, inwieweit die theoretisch ermittelten Widerstandformen und Change Management Instrumente mit in der Praxis wahrgenommenen Erfolgskriterien übereinstimmen. In der Diskussion erfolgt ein Abgleich der gewonnenen Erfolgskriterien mit den theoretisch entwickelten Gestaltungsempfehlungen.

Die Betrachtung beschränkt sich hierbei auf nationale Projekte. Besonderheiten, die bei der Implementierung von Standardsoftware in internationalen Projekten hinzukommen, werden im Weiteren nicht explizit genannt.

Als Methode zur Datenerhebung kamen semistrukturierte Leitfadeninterviews (exploratory interviews), zu Frageblöcken zusammengefasst, und eine begrenzte Dokumentenanalyse zum Einsatz. Insgesamt wurden 6 Mitarbeiter- und 9 Berater Interviews geführt. Aufgrund der geringen Gesamtzahl der Befragten, genügt diese Untersuchung nicht den Anforderungen einer empirischen Studie. Aus diesem Grund können keine Kausalzusammenhänge zur Literatur gezogen werden; Ziel dieser Befragung ist vielmehr, einen Abgleich zwischen Organisationstheorie und -praxis aufzuzeigen.

Als Einstieg in das Gespräch wurden Fragen zur Person und allgemeine Fragen gestellt. Dies hat zwei Funktionen: Zum einen geht es darum, die Aufgaben und den beruflichen Hintergrund des Gesprächspartners zu erfassen, um seine Rolle im Veränderungsprozess und damit auch seine Fähigkeit, Auskunft zu geben, besser einschätzen zu können. Zum anderen hat dieser Einstieg die Funktion, eine positive und im besten Fall eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre durch ein besseres Kennenlernen des Gesprächspartners herzustellen.

Frageform und -formulierung sind dem Intellekt und Status der zu befragenden Person anzupassen. In einem Pretest an Testpersonen überprüften die Autorinnen Frageformulierungen, Frageplatzierungen und Frageinhalte, um komplexe und theoretische Fragenformulierungen zu beseitigen.

Das Berater-Interview klärt gleichermaßen Einstellungen, Haltungen und Meinungen. Der Unterschied hier besteht darin, dass dieser Interviewpartner zum einen persönliche Auskünfte gibt, und zum anderen Einschätzungen über Mitarbeiter in Beratungsprojekten rezitiert und aus seiner Sicht beurteilt und kommentiert.

Die Dauer eines Interviews beträgt etwa eine bis anderthalb Stunden.

Anstatt die Antworten aus den Interviews in numerische Daten zu übersetzen, zu verschlüsseln oder zu kodieren, werden die Aussagen der Frageblöcke gebündelt und interpretiert. Durch die Interpretation der gesamten Auswertungsergebnisse werden Erklärungsansätze und Maßnahmen mit den in der Literatur vorzufindenden Erkenntnisse diskutiert.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
1. Problemstellung 1
1.1 Abgrenzung des Themas 2
1.2 Zielsetzung 4
1.3 Methodisches Vorgehen 5
2. Change Management 8
2.1 Managementkonzepte 8
2.2 Theoretischer Hintergrund 12
2.2.1 Der „bottom-up“-Ansatz 13
2.2.2 Der „top-down“-Ansatz 15
2.2.3 Beurteilung der Ansätze 16
2.3 Begriffsbestimmung 19
2.4 Die Rolle der Informations-Technologie in Change Prozessen am Beispiel von SAP R/3 22
3. Ängste und Widerstände bei der Implementierung von SAP R/3 25
3.1 Erscheinungsformen von Ängsten und Widerständen 25
3.1.1 Arten von Angst 26
3.1.2 Angst als Kostenfaktor 31
3.1.3 Widerstand als Reaktion auf Angst 33
3.1.4 Ängste und Widerstände in Gruppen 43
3.2 Ursachen von Ängsten und Widerständen 47
3.3 Resümee 53
4. Organisatorische Voraussetzungen bei der Implementierung von SAP R/3 55
4.1 Unternehmenskultur 56
4.1.1 Leitbilder und Visionen 59
4.1.2 Vertrauenskultur 63
4.2 Organisationsstruktur 65
4.3 Lernende Organisation 69
4.4 Managementverhalten 74
4.4.1 Politische Kräfte 76
4.4.2 Die Rolle der Unternehmensberatung 77
4.5 Resümee 83
5. Phasenweise Darstellung des Implementierungsprozesses von SAP R/3 und Begleitung durch ein ausgewähltes Change-Instrumente Mix 85
5.1 Projekt-Vorbereitung 86
5.1.1 Kommunikation 87
5.1.2 Information 92
5.1.3 Partizipation 95
5.2 Phase 1 „Fokus“ 97
5.2.1 Gründung des Steering Committee 98
5.2.2 Auswahl des Projekt Leaders 100
5.2.3 Gründung des Projekt-Teams 101
5.2.4 Auswahl der Key-User 104
5.2.5 Teamübergreifende Kommunikation 107
5.3 Phase 2 „Darstellung der Ist-Situation“ 108
5.3.1 Projekt-Team Training 109
5.3.2 Empowerment 111
5.4 Phase 3 „Definition des Soll-Designs“ 112
5.4.1 Identifikation der Veränderungspotentiale 113
5.4.2 Akzeptanzgewinnung 116
5.5 Phase 4 „Endgültige System-Implementierung“ 119
5.5.1 Enduser Test 119
5.5.2 Training und Unterstützung der Enduser 121
5.6 Resümee 124
6. Nutzen der Change Management Begleitung 128
7. Schlussbetrachtung 131
Literaturverzeichnis
Anhang
Anhang I: Mitarbeiter-Interview
Anhang II: Berater-Interview
Anhang III: SAP-Historie
Anhang IV: Entwicklung der R/3 Software
Anhang V: Aktuelle Situation auf dem Beratermarkt

Automatisiert erstellter Textauszug:

dass sie wieder im Einklang mit bestehenden Normen sind (Anpassungslernen), sondern auf höherer Ebene ein Hinterfragen organisationaler Normen und Werte und das Setzen neuer Prioritäten (Veränderungslernen). Ein grundlegend fehlerhaftes Verständnis liegt somit darin, dass der Wandel von Organisationen als Ausnahme begriffen wird. Innovationsorientierte Branchen und Unternehmen fassen demgegenüber den Wandel als permanente Aufgabe auf. Damit ist ein sich dynamisch verstehendes Unternehmen gemeint, das sich in einem komplexen und schwierig zu steuernden kontinuierlichen Wandlungsprozess befindet - eine Organisation, die Wandel als selbständigen Bestandteil der täglichen Arbeit betrachtet.228 Nur durch die Veränderung bisheriger Denkstrukturen und die Modifikation des Verhaltensrepertoires kann der Bezugsrahmen der Organisation weiterentwickelt und die Qualität der Problemlösungsfähigkeit erhöht werden. Probst229 verdeutlicht auch, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Individuen, Gruppen oder Organisationen ihre Routine und Fehler entdecken, da Veränderungen Verunsicherungen mit sich bringen und deshalb bestehende Strukturen begünstigen. Ein solches Beharrungsvermögen tritt umso stärker auf, je erfolgreicher Organisationsstrukturen sind, je stärker sie kulturell geprägt sind, je länger sie historisch verwurzelt sind oder je stärker sie sich isolieren konnten (z.B. öffentliche Institutionen). Eine interviewte Beraterin war mit der schwierigen Aufgabe beauftragt, SAP im öffentlichen Sektor zu implementieren. Die erheblichen Widerstände beruhten ihrer Meinung nach darauf, dass die Behördenmitarbeiter in ihrer gesamten Laufbahn bisher kaum mit Veränderungen konfrontiert worden waren. Durch mangelnde Erfahrung und Bereitschaft hinsichtlich Veränderungen wiesen die zu schulenden Personen ein hohes Aggressionspotential auf. Another aspect is that unlike reengineering or TQM, the benefits of which can be observed by monitoring process measures of performance, such as costs, timeliness, and quality, the benefits of the learning organization are intangible and therefore hard to measure.230 [...]

verschiedenen Kulturen innerhalb einer Organisation in Verbindung. Schein223 geht davon aus, dass jedes Unternehmen eine Art innerbetriebliche Kultur entwickelt. Er unterscheidet hierbei drei Subkulturen: „Kultur der Arbeitnehmer“, „Kultur der Techniker“ und die „Kultur der Führungskräfte“. Zwischen diesen Kulturen ergeben sich Reibungen, die zu ernsten Konflikten führen können, insbesondere bei einem Veränderungsprozess. Führungskräfte und Techniker gehen z.B. sehr zielorientiert vor und sehen Menschen meist als Problem an - sei es als Kostenverursacher oder als Quelle von Irrtümern. Dabei fühlen sich die von den Plänen der Führungskräfte und IT-Berater betroffenen Arbeitnehmer häufig zu Objekten degradiert und betreiben dann Obstruktion. Da es von derartigen Missklängen viele gibt, kommt es darauf an, sie nach Möglichkeit zu dämpfen. Zu diesem Zweck sollten die Angehörigen der drei Kulturen mehr Verständnis füreinander entwickeln. Allerdings muss allen erst die Existenz dieser Kulturen mit ihren spezifischen Eigenheiten bewusst werden, bevor der nötige kulturübergreifende Dialog in Gang kommt. Eine lernende Organisation ist sinnvoll, um schneller als die Konkurrenz das zu erlernen, was jede Führungskraft und alle Mitarbeiter am Arbeitsplatz zur Sicherung eines Wettbewerbsvorsprungs des Unternehmens gegenüber seinen Mitbewerbern benötigen.224 Natürlich kann man nicht erzwingen, dass ein Individuum oder eine Institution lernt. Lernen ist das Resultat des Systems. Es bestimmt selbst, ob es lernen will und ob es lernt. Das Unternehmen kann nur ein geeignetes Umfeld schaffen.225 Lernen kann und sollte aber nicht nur aus Krisen heraus ausgelöst werden, obwohl es häufig so ist, dass erst die Bewusstwerdung eines Konfliktes in einer Krise die Auslösemechanismen freisetzt. Im Gegensatz dazu können Unternehmen, die erfolgreich sind, durchaus auch Ressourcen darauf verwenden, erfolgreiche Handlungen zu hinterfragen und kreativ nach neuen Werten, Zielen und Aktivitäten zu suchen.226 Wie Probst227 soll an dieser Stelle zwischen Anpassungslernen und Veränderungslernen unterschieden werden. Gemeint ist hier nicht eine lernende Organisation im Sinne einer Reaktion der Organisation auf die Umwelt, in dem Abweichungen von der Gebrauchstheorie so korrigiert werden, [...]

veränderungsintensive Zeiten würden im Sinne der Frage, wie viel Veränderungen ein Mensch verträgt, bedeuten, dass man einem identitätsgefährdenden Dauerstress ausgesetzt wäre.221 Will man erreichen, dass ein Individuum lernt, so setzt man ihm Ziele, gibt Richtungen vor, bespricht mit ihm den Zweck und schafft einen Kontext, der ihm erlaubt, ein neues Verhalten zu erfassen, zu akzeptieren und sich anzueignen. Ein solcher Lernkontext erlaubt ihm, Erkenntnisse, Einsichten und Erfahrungen - im Rahmen einer Schulungsveranstaltung, von Workshops, usw. - zu erwerben. Aus der Interaktion und dem Zusammenspiel der Individuen kann ein Gesamtwissen und – verhalten einer Gruppe oder einer Institution entstehen, die jedoch nicht auf die individuellen Lernergebnisse zurückgeführt werden können.222 Es existieren jedoch unterschiedliche Lerntypen innerhalb eines Unternehmens. Ein Ansatz, der Probleme bei Veränderungsprozessen erklärt, bringt Lernversagen mit [...]

Arbeit zitieren:
Beate Wiese, Linda Wuttig Mai 2002: Die Wirkung professioneller Change Management Begleitung bei der Implementierung von Standardsoftware, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Unternehmenskultur, Organisationsentwicklung, lernende Organisation, Ängste und Widerstände, Unternehmensberatung

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